Dunkelzeit von Monika Buttler

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei Gmeiner.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Hamburg, 1990 - 2009.
Folge 3 der Werner-Danzik-Serie.

  • Meßkirch: Gmeiner, 2006. ISBN: 978-3899776904. 279 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2008. Gesprochen von Martin Pfisterer. MP3. ISBN: 386667886X. 1 CDs.

'Dunkelzeit' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Hauptkommissar Werner Danzik ermittelt in einer Serie rätselhafter Frauenmorde: Drei wohlhabende Frauen, alle über sechzig, wurden tot und mit Müll überhäuft auf einer Bank im Hamburger Innocentia-Park aufgefunden. Danziks Freundin, die Medizinjournalistin Laura Flemming, weist ihn darauf hin, dass alle Opfer in einst ›arisierten‹ Wohnungen lebten. Und tatsächlich führen Spuren in die braune Vergangenheit …

Das meint Krimi-Couch.de: »Über Stolper- und Gedenksteine« 60°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

In Abständen von jeweils einem Monat werden in Hamburg drei Frauen erdrosselt und ihre Leichen in einem Park mit Müll überhäuft abgelegt. Dabei scheint der Täter es auf einen ganz bestimmten Opfertyp abgesehen zu haben, denn die Frauen waren alle um die 60 Jahre alt, finanziell gut gestellt, hatten wenig Kontakte nach außen und wohnten zudem in Häusern, die im Dritten Reich »arisiert« wurden. Auf letzteres weisen sog. »Stolpersteine« hin, auf denen die Namen der NS-Opfer eingraviert wurden. Laura, die Freundin des ermittelnden Kommissars Werner Danzik vermutet daher, dass es sich bei den Morden möglicherweise um Racheakte handeln könnte. Doch Danzik hat an dieser Theorie erhebliche Zweifel:

»Vergeltung von jüdischer Seite? Das ist sozusagen nicht denkbar. Es ist politisch unkorrekt.«

Während der laufenden Ermittlungen gerät ein Mann besonders in das Visier der Polizei. Der bekannte Hypnosearzt Dr. Philip Palmer, der eigentlich Blaustein heißt und ein erschütterndes Buch über die Verfolgung der eigenen Familie im Dritten Reich geschrieben hat. In dem aber auch von Rache die Rede war. Laura, die gerade an einem Buch über Hypnose schreibt, beschließt ihrem Lebensgefährten zu helfen und begibt sich zu Recherchezwecken in Behandlung bei Dr. Palmer. Aber diese bringt noch ganz andere Gefahren mit sich...

Rachegelüste von jüdischer Seite hat es (verständlicherweise) nicht nur in den Nachkriegsjahren gegeben, sondern noch Jahrzehnte später – übrigens auch abseits von Simon Wiesenthal. Das Thema wurde zudem bereits ein ums andere Mal in Krimis thematisiert (vgl. »Die Macht der Erinnerung« von Marco Vichi), wird aber im vorliegenden Roman ebenfalls gelungen umgesetzt. Natürlich begibt sich die Autorin mit dieser Grundthematik zunächst auf gefährliches Glatteis, kann dieses jedoch erfreulicherweise unverletzt verlassen.

Weniger erfreulich ist dagegen der Spannungsbogen des Plots, denn dem Leser kommt recht früh ein Verdacht wohin sich die Story entwickeln wird und da die Autorin zudem mit tatverdächtigen Personen geizt, erahnt man die Lösung alsbald. Wie hier allerdings die verschiedenen Erzähl- und Handlungsstränge zusammen geführt werden, ist handwerklich grundsolide Arbeit.

Die Figuren sind dem geringen Buchumfang entsprechend eher oberflächlich gezeichnet, wobei die Figur des Kommissar Danzig negativ auffällt. Ein bisschen (mehr) Intelligenz würde diesem zweifellos gut tun, da er die Lösung(en) fast gänzlich auf dem berühmten »silbernen Tablett« serviert bekommt.

Mehrere Themen – Judenverfolgung, Hypnose, Mutterkomplex – werden ordentlich aufbereitet, wenngleich man einem umstrittenen »Künstler« mit seinen noch umstritteneren Gedenk- besser gesagt Stolpersteinen meiner Meinung nach nicht unbedingt hätte »ein Denkmal« setzen müssen. Zielen diese immerhin darauf ab, dass Menschen (wie der Name schon suggeriert) stolpern und sich somit ernsthafte Verletzungen zuziehen können. Getreu dem Motto: »Alles halb so schlimm im Vergleich zu damals.«

Im Ergebnis wird man mit »Dunkelzeit« für einige Stunden kurzweilig unterhalten und so kann man, wenn man sich für die genannten Themen interessiert, durchaus zugreifen.

Jörg Kijanski, August 2006

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