Die Puppe von Mo Hayder

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 unter dem Titel Poppet, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Goldmann.
Folge 6 der Jack-Caffery-Serie.

  • London: Bantam, 2013 unter dem Titel Poppet. 444 Seiten.
  • München: Goldmann, 2013. Übersetzt von Rainer Schmidt. ISBN: 978-3-442-31306-8. 444 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2013. Gesprochen von Steven Scharf. MP3. ISBN: 3844513388. 2 CDs.

'Die Puppe' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Als Zelda Lornton in der psychiatrischen Klinik von Bristol tot aufgefunden wird, glauben alle zu wissen, wer daran schuld ist – der Geist von Beechway, von dem erzählt wird, dass er nachts die Patienten in ihren Zimmern heimsucht und sie dazu treibt, sich selbst zu verletzen, manchmal sogar tödlich. AJ, der verantwortliche Pfleger, will an diese Gerüchte nicht glauben, doch die Klinikleitung hält ihn strikt an, die mysteriösen Vorkommnisse für sich zu behalten. Als dann der psychisch schwer kranke Isaac Handel unerwartet entlassen wird, hat AJ einen Verdacht. Isaac ist ein verurteilter Mörder, der seine Eltern auf brutale Weise umgebracht hat. Nach seiner Entlassung ist er plötzlich unauffindbar. Plant er erneut zuzuschlagen? AJ sucht Hilfe bei Detective Inspector Jack Caffery, der ganz und gar nicht an Geister glaubt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Voodoo in Bristol: Jack Caffery bleibt blass in seinem sechsten Fall« 55°

Krimi-Rezension von Brigitte Grahl

Mit Der Vogelmann und Die Behandlung hat Mo Hayder viele Lorbeeren als Krimiautorin eingeheimst. Leider hat sie mit ihren letzten Büchern die selbst gesteckte hohe Messlatte nicht mehr erreicht. Das ist schade, denn ihre Plots sind interessant und haben Potential. Die Puppe spielt in einem ehemaligen Armenhaus, das jetzt eine psychiatrische Klinik beherbergt und in dem es bizarre Mordfälle gegeben hat. Die ideale Kulisse für einen Schauerroman. Und Mo Hayder beschert ihren Lesern mit einem gruseligen Intro Gänsehaut: …Doch sie macht weiter und zieht den Reißverschluss herunter, vom Brustbein bis zum Schambein. Mit nassem Schmatzen springen die Bauchmuskeln aus der Haut. Sie packt die Ränder der Öffnung, windet sich weinend, zerrt sie auseinander. Die Haut löst sich von Rippen  und Brüsten und schält sich über die Schultern herunter, reißt, blutet, aber sie macht weiter, bis sie von ihren Hüften hängt, wie tropfendes Wachs. Sie atmet ein paarmal tief durch und zieht sie sich von den Beinen.

Mo Hayder vermischt in Die Puppe nicht zum ersten Mal Horror und Thriller miteinander. Auch in Tokio und Die Sekte ließ sie Übersinnliches einfließen, um es dann rational aufzulösen. In Die Puppe funktioniert das leider nicht so überzeugend, sondern wirkt, als ob sich Mo Hayder bis zum Ende selbst nicht wusste, für welches Genre sie sich entscheidet. Zu viele übernatürliche Elemente der Story bleiben unaufgelöst stehen und scheinen nur als Stilmittel eingesetzt, um eine gruselige Atmosphäre zu erzeugen.

Ebenso disparat wirken die Handlungsstränge. Zum einen gibt es die Story des Pflegedienstleiters der Klinik, A J, ein sympathischer Charakter, der viel Raum einnimmt. Zum anderen ist da der ermittelnde Detective Jack Caffery, der mit einem alten Falles ringt und erst spät in den aktuellen einsteigt. Bis zur Hälfte des Buches laufen die beiden Stränge ohne Bezug neben einander her und der Leser fragt sich, wer eigentlich die Hauptperson des Buches ist.

Die Puppe ist das sechste Buch in der Reihe um Jack Caffery, den seelisch gebeutelten Detective aus Bristol, der sich bei seinen Ermittlungen öfter mal am Rande der Legalität bewegt. Er plagt sich mit dem Wissen, dass seine Kollegin, Polizeitaucherin Flea, eine Leiche hat verschwinden lassen, um ihren Bruder zu schützen. Dieser Erzählstrang zieht sich seit drei Büchern als Subplot durch die Reihe ohne nennenswerte Fortschritte zu machen und strapaziert die Geduld der Stammleser.

Die Puppe ist in viele kurze Kapitel eingeteilt. Gerade hat sich der Leser auf den Charakter eingelassen und in die Stimmung eingefühlt, da bricht die Autorin ab und springt zum nächsten Handlungsstrang. Normalerweise sollte der Wechsel der Erzählperspektive die Spannung steigern, aber diese Wirkung stellt sich in Die Puppe erst im letzten Drittel des Buches ein, wenn Mo Hayder die Personen und Handlungsstränge endlich zusammenführt.

Trotz aller Kritik ist Die Puppe ist immer noch eine unterhaltsame Lektüre, die gut ausgearbeitete Charaktere, atmosphärisch eindringliche Szenen, überraschende Wendungen und eine (spät) ansteigende Spannungskurve enthält. Leider gilt das hauptsächlich für den Haupterzählstrang um A J und die Klinik. Der zweite Erzählstrang, die Geschichte zwischen Flea und Caffery, tritt auf der Stelle und nimmt entschieden zu viel Raum ein.

Mit dem Jack Caffery, wie ihn Mo Hayder in Die Puppe zeichnet, gewinnt die Reihe keine neuen Fans. Caffery bleibt als Charakter blass, sein Verhalten gegenüber Flea ist weder stimmig noch nachvollziehbar. Mo Hayder hätte vielleicht besser daran getan, Die Puppe als stand alone zu schreiben und nicht auf Biegen und Brechen in die Jack Caffery Reihe einzupassen, nur um bessere Verkaufszahlen zu sichern.

Wer Mo Hayder noch nicht kennt, bekommt mit Die Puppe einen soliden Durchschnittskrimi. Wer ihre Thriller kennt, wird eher enttäuscht sein. Die Puppe gehört zu den schwächeren Büchern der Jack Caffery Reihe. Immerhin scheint der Flea/Caffery-Plot endlich im nächsten Buch der Reihe ein Ende zu finden und macht Hoffnung auf ein besseres Werk.

Brigitte Grahl, Mai 2014

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Klaus Schömann zu »Mo Hayder: Die Puppe« 12.04.2015
habe das Buch nach 20 % abgebrochen - nach o.a. Kritik (die ich erst jetzt lese) habe ich wohl alles richtig gemacht. Handlung wirkt konstruiert und bis auf AJ sind alle Charaktere aufgesetzt. Buch konnte nicht richtig fesseln. Der Kommissar bleibt in meinen gelesenen Teil sehr blass. Vorherigen Fääle waren eindeutig besser.
Kom_Ombo zu »Mo Hayder: Die Puppe« 04.09.2014
Eigentlich wollte ich das Buch schon zur Seite legen. Denn anfangs wurden so viele Personen mit teils angerissenen, teils fehlenden Hintergrundgeschichten aufgezählt, dass ich nicht so recht wusste, wie ich dies alles wem oder was zuordnen soll.

Ungefähr zur Hälfte des Buches fügten sich aber die Puzzleteile zusammen und ich "verstand" langsam die Story. Und fand sie dann auch gar nicht mehr so schlecht. Und sogar das Ende hat mich überrascht.

Trotz allem, weiß ich nicht so recht, ob ich dieses Buch empfehlen würde. Und so belasse ich es dabei, dass jeder, der es list, selbst entscheiden sollte, ob es ihm gefällt oder nicht!
JaneM. zu »Mo Hayder: Die Puppe« 30.05.2014
Brigitte Grahl hat mit ihrer Einschätzung völlig recht, dass die beiden parallelen Handlungstränge für den Lesefluss eher störend sind und am Ende "irgendwie" zusammengeschustert werden müssen. Caffery plagt die Tatsache, dass er das Verschwinden der jungen Misty, einem drogenabhängigen Partygirl, nie aufklären konnte. Die Schuldzuweisungen der verzweifelten Mutter, die obendies auch noch in Talkshows auftritt, belasten ihn. Ihm ist bewusst, dass seine Kollegin, die Polizeitaucherin Flea, mit der Sache zu tun hat, indem sie die Leiche Mistys verschwinden ließ, die deren mißratener Bruder über den Haufen gefahren hat. Bloß rückt Flea nicht mit dem Versteck heraus und somit kommt die Angelegenheit nie zum Schluß. Dies alles ist dem Leser recht früh bekannt, so dass die Handlung zwar tragisch ist, aber arm am Spannung, denn die Suche nach einem Leichenversteck gibt nicht viel her.
Dass "Die Puppe" aus meiner Sicht doch ein spannender Thriller ist, liegt an der Geschichte, die sich in der psychiatrischen Anstalt abspielt: mehrere Patienten kommen zu Schaden bzw. zu Tode. Es handelt sich nicht offentsichtlich um Morde und doch gehen die Geschehnisse über das hinaus, was in einer Psychiatrie als "normal" gelten kann. Die übrigen Patienten sind nervös, gibt es doch eine alte Geschichte über eine bösartige Schwester, die vor langer Zeit dort tätig gewesen sein soll. Außerdem gab es bei jedem Todesfall Stromausfall, so dass die Kameras nichts aufgezeichnet haben. Das alles beunruhigt den Chefpfleger AJ, der neu in seiner Funktion ist, befürchtet, dass die Sache aus dem Ruder läuft und versucht der Angelegenheit und den Gerüchten auf den Grund zu gehen. Die schöne, aber kühle Klinikleiterin erklärt die unruhige Stimmung naheliegend mit den Wahnvorstellungen der Insassen. Warum aber hat ein Mitarbeiter plötzlich gekündigt? Die Figur des sympathischen, aber etwas unsicheren AJ, der mit seiner schrulligen Tante zusammenlebt, ist außerordentlich gelungen. Um Behandlungserfolge vorzuweisen, muss die Klinik hin und wieder einen Patienten entlassen. Die nächste Wahl fällt auf Isaac Handel, einen jungen Mann, der als Jugendlicher seine Eltern umgebracht hat und stets mit Puppen im Arm unterwegs ist. Handel ist ein unzugänglicher, unheimlicher Mensch und AJ ist nicht wohl bei der Entlassung. Bis AJ nach der Entlassung im ehemaligen Zimmer Handels die Puppen findet und ihm die Ähnlichkeit zu den toten Patienten, aber lebenden Personen auffällt.
Mehr sei hier nicht verraten. Die Geschichte von AJ und seinen Patienten ist gut geraten und spannend- bloß dass Hayder sich den Caffery Plot auch gänzlich hätte sparen können.
DO zu »Mo Hayder: Die Puppe« 24.04.2014
ich habe mit Vogelmann angefangen - bis jetzt alle durchgelesen - außer Tokio und Sekte hat mir jedes buch von MO gefallen - wenn man dazwischen noch anderes liest ist es schwierig - was ich mich jedes mal frage - was ist aus dem verschwunden Bruder von back passiert - habe ich irgendwo etwas verpasst - zuletzt war er in einem Wohnwagen und wurde misshandelt - kann mir jemand darüber indo schreiben?
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