Fuchsjagd von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2002
unter dem Titel Fox Evil,
deutsche Ausgabe erstmals 2003
bei Goldmann.
480 Seiten.
ISBN-10: 3-442-31012-1, ISBN-13: 978-3-442-31012-8.
Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / England, 1990 - heute.
'Fuchsjagd' ist erschienen als
![]()
![]()
In Kürze:
Shenstead, ein kleines Dorf in England unweit der malerischen Küste von Dorset: Hier residiert der alte Colonel James Lockyer-Fox gemeinsam mit seiner Frau Ailsa in einem stattlichen Herrenhaus, das seit Generationen im Besitz der angesehenen Familie ist. An einem kalten Wintermorgen wird die ländliche Idylle jedoch jäh erschüttert – denn James entdeckt Ailsa tot auf der Terrasse ihres Anwesens. Sie ist nur mit einem Nachthemd bekleidet, und in ihrer unmittelbaren Nähe finden sich Blutspuren auf dem Boden. Von diesem Tag an kommen die bösen Zungen nicht zur Ruhe, die den Colonel des Mordes an seiner Frau bezichtigen. Doch James Lockyer-Fox schweigt beharrlich – keinen einzigen Versuch unternimmt er, dem Spuk ein Ende zu bereiten. Hat er doch etwas zu verbergen? Als Mark Ankerton, Anwalt und Freund der Familie, nach Dorset reist, um James Lockyer-Fox zur Seite zu stehen, stellt er bald fest, dass sich hinter der pittoresken Fassade von Shenstead ein wahrer Hexenkessel verbirgt …
Das meint Krimi-Couch.de: »Hundert Seiten Happy End à la Rosamunde«
Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger
Was macht man in den besseren, britischen Kreisen, wenn das nymphomane Töchterchen sich horizontal durch die männlichen Betten von Shenstead treibt und sich ein unerwünschtes Resultat einstellt, das nur zu Gerede in dem malerischen Küstenort in Dorset führen würde? Der Bankert muss natürlich sofort weg! Da bleibt nur die Freigabe zur Adoption.
Achtundzwanzig Jahre später ist aus der ungeliebten Leibesfrucht eine erfolgreiche junge Dame geworden, die ihren Weg bei den Royal Engineers der Army macht und auf Heimaturlaub nach ihrem Einsatz im Kosovo ist.
Der alte Colonel James Lockyer-Fox sitzt derweilen allein auf seinem Landsitz Shenstead Manor und trauert um seine liebe Frau Ailsa, die unter mysteriösen Umständen im Nachthemd auf der Terrasse erfroren war. Der einzige Sohn, der sich als Tunichtgut durch britische Casinos spielt, hat die Verbindung zum Herrn Papa abgebrochen, nachdem der väterliche Geldsegen eingestellt wurde und die Tochter säuft in der Stadt ihrem Lebenswandel hinterher. Nur der Anwalt und Freund des Hauses Mark Ankerton hält noch zu dem einsamen Vater, der Nacht für Nacht mit Anrufen drangsaliert wird, die ihm den Mord an seiner Frau vorwerfen. Obwohl das Blut neben der Leiche Ailsas tierischer Natur war, scheint in gewissen, wohlinformierten Kreisen die Meinung zu bestehen, der Colonel wäre der Mörder seiner geliebten Frau gewesen.
Mark Ankerton kontaktiert im Namen des Colonels sein verstoßenes Enkelkind Nancy Smith, um sie zu einem Besuch des alten Mannes zu bewegen. Erst will sie ja von dem Alten nichts wissen, hat sie doch eine neue Familie gefunden, bei der es genug zu erben gibt. Aber die Neugier siegt und sie taucht genau zu der Zeit in Shenstead Manor auf, als Mark von den unwürdigen Telefonaten erfährt und sich allerlei Ungemach in der Umgebung breit macht.
Landbesetzer haben sich im Wäldchen niedergelassen. Unter der Führung des bösartigen Fox Evil, der mit Vorliebe Füchsen die Schädel einschlägt und Frauen und Kinder mit dem Rasiermesser bedroht, haben sich mehrere fahrende Familien zusammengefunden, um nach britischen Recht ihren Wohnsitz durch Ersitzung unbeanspruchten Landes geltend zu machen. Gleichzeitig tummeln sich in und um Dorset Befürworter und Gegner der Fuchsjagd, die auch die Polizei auf Trab halten.
Mark und Nancy sind von den Zuständen gar nicht angetan. Als Militärexpertin gibt es für Nancy nur einen Grundsatz: Angriff ist die beste Verteidigung. Und gemeinsam beginnen der Colonel, Mark und Nancy ihren Aufklärungsfeldzug. Wer steckt hinter den sadistischen Telefonanrufen? Wie kam Ailsa tatsächlich zu Tode? Und was haben die missratenen Kinder und Fox Evil mit seinen New-Age-Leuten mit der ganzen Sache zu tun?
Antwort auf diese Fragen erhält man in Minette Walters zehntem Krimi »Fuchsjagd«. Die mit allen wichtigen Preisen ausgezeichnete britische Schriftstellerin zwingt hier in Pilchersche Landsitzstimmung zuweilen beklemmende Dramaturgie. Während sich anfangs der Plot in verschiedene Richtungen bewegt und gelegentlich reichlich zusammenhanglos plätschert, fängt nach einem guten Drittel der 476 Seiten die Spannung rasant zu steigen an. Sobald man mit den Personen und ihren Hintergründen einigermaßen vertraut wird, scheint jede und jeder verdächtig zu sein, der irgendwo in diesem Landstrich die Klappe aufreißt.
»Fuchsjagd« liest sich ziemlich flott. Die Übersetzung von Mechtild Sandberg-Ciletti überrascht nicht mit literarischem Esprit, ist aber eine handwerklich ausgezeichnete Romanhandlung, die nicht durch übertriebene Psychogrammbeschreibungen vom eigentlichen Ablauf ablenkt. Auch wenn notgedrungen immer wieder in die Vergangenheit abgeschweift werden muss, verliert man dennoch niemals den Faden, der trotz mehrerer irreführender Spuren gezielt zum Ende kommt. Dabei bleiben jedoch in einigen Momenten Fragen offen, denn Frau Walters scheint gelegentlich der Ansicht zu sein, dass der Leser Tatsachen, die sie nebenbei erzählt, unbegründet zur Kenntnis nimmt. Selbst durch Rückblättern, ob man nicht ein Detail überlesen habe, verfügen plötzlich Personen über Kenntnisse, die zwar richtungsweisend sind, aber unlogisch. Besonders die Beamten der Exekutive weisen plötzlich einen Wissenstand auf, bei dem nicht klar ist, ob hier Ergebnisse von Ermittlungsarbeit oder schlichtweg nur Vermutungen vorliegen.
Über solche minimalen Unklarheiten hinwegsehend, bleibt für mich die »Fuchsjagd« dennoch ein spannendes Elaborat, das ich nach dem ersten Drittel in einem Zug lesen musste. Natürlich nehme ich das Ende nicht vorweg, aber nach der plötzlichen und überraschenden Klärung der Situation hätte ich dann doch gerne noch mindestens hundert Seiten Happy End á la Rosamunde gelesen. Irgendwie giftet es, dass der Roman dann schon aus ist, aber vielleicht plant ja Frau Walters noch einen zweiten Teil mit den sympathischen Protagonisten? Darauf darf man genau so gespannt sein, wie auf die »Fuchsjagd« aus dem Goldmann-Verlag.
Ihre Meinung zu »Minette Walters: Fuchsjagd«
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!
| Lesemaus zu »Minette Walters: Fuchsjagd« | 06.02.2009 |
|---|---|
| SukRam zu »Minette Walters: Fuchsjagd« | 07.11.2007 |
| Filiz zu »Minette Walters: Fuchsjagd« | 16.10.2007 |
| Nobi zu »Minette Walters: Fuchsjagd« | 08.09.2006 |
| Bianca zu »Minette Walters: Fuchsjagd« | 05.07.2006 |
| HelgaR zu »Minette Walters: Fuchsjagd« | 20.01.2006 |
| Uschi zu »Minette Walters: Fuchsjagd« | 31.12.2005 |
| bettina zu »Minette Walters: Fuchsjagd« | 21.12.2005 |
| Marion zu »Minette Walters: Fuchsjagd« | 19.10.2005 |
| Kirsten zu »Minette Walters: Fuchsjagd« | 14.07.2005 |
Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 19.
» alle Kommentare anzeigen


