Der Keller von Minette Walters

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel The Cellar, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Goldmann.

  • London: Arrow Books, 2015 unter dem Titel The Cellar. 224 Seiten.
  • München: Goldmann, 2016. Übersetzt von Charlotte Breuer, Norbert Möllemann. ISBN: 978-3-442-48432-4. 224 Seiten.

'Der Keller' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Munas Leben ist die Hölle. Und niemand kommt ihr zu Hilfe, denn keiner weiß, dass die Familie Songolis ihr Hausmädchen behandelt wie eine Sklavin. Dabei muss sie sich nicht nur Tag für Tag bis zur Erschöpfung um das Wohl der Songolis kümmern, sondern wird auch noch jede Nacht in einen dunklen, fensterlosen Keller gesperrt. Doch dann kehrt eines Tages der jüngste Sohn der Familie aus unerklärlichen Gründen nicht mehr nach Hause zurück. Damit die ermittelnden Polizeibeamten nichts von Munas Schicksal erfahren, darf sie ihren Keller verlassen. Und diese Chance nutzt sie auch. Denn Muna ist sehr viel klüger, als alle ahnen – und ihre Pläne ind sehr viel schockierender, als irgendjemand jemals vermuten würde …

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Lupine zu »Minette Walters: Der Keller« 28.07.2016
Der Keller von Minette Walters handelt von Muna, einem 14jährigen Mädchen, das von der Familie Solunde aus einem Waisenhaus unter Vorspiegelung falscher Tatsache herausgeholt wurde und nun der Familie als Sklavin dienen muss. Sie wird misshandelt, nicht nur sexuell sondern auch verbal und körperlich, und muss nachts in einem dunklen Keller schlafen. Erst als der jüngste Sohn der Familie unter unerklärlichen Umständen verschwindet und plötzlich die Polizei im Hause ist, darf sie sich im Haus frei bewegen und wird als Tochter der Solundes ausgegeben. Und Muna sieht ihre Chance, sich zu rächen.
Minette Walters ist eine meiner Lieblingsschriftstellerinnen und ich war sehr gespannt auf ihr neuestes Buch, besonders da sie schon längere Zeit nichts mehr veröffentlicht hatte. Leider wurde ich etwas enttäuscht. Das Buch ist so ganz anders als ihre vorigen Bücher. Zeitweise hatte ich schon fast den Eindruck, ein anderer Autor wäre hier am Werk gewesen. Dazu kommt, dass das Buch sehr kurz ist, fast schon eine verlängerte Kurzgeschichte. Das ist bei dem Preis, der einem normalen e-book entspricht, etwas ärgerlich.
Am Anfang wird man direkt in das Buch hinein geschleudert ohne einen langsamen Aufbau der Geschichte, etwas was mir nicht so gut gefällt. Aber das ist natürlich Geschmackssache. Man wußte auch lange Zeit nicht, was ist das für eine Familie, wo leben sie und aus welchem Land kommen sie? Gestört hat mich auch, dass die Textpassagen, in denen Muna mit den einzelnen Familienmitglieder sprach, nicht mit den entsprechenden Anführungszeichen gekennzeichnet waren. Wenn sie oder die Familie aber z. B. mit der Polizei sprachen, waren die Anführungszeichen vorhanden. Das hat mich ziemlich irritiert, da ich mir nie so ganz sicher war, ob diese Gespräche wirklich stattfanden oder nur in den Gedanken von Muna waren. Irgendeinen Sinn muss das Ganze ja wohl gehabt haben, ich weiß nur leider nicht welchen.
Die Geschichte an sich ist ziemlich bedrückend und ich musste manches Mal schlucken bei all den Grausamkeiten, den Misshandlungen und der Bösartigkeit der Familie.
Der Schreibstil war -wie schon oben erwähnt- anders als sonst bei Minette Walters und ich hatte etwas Schwierigkeiten, mich darin zurecht zu finden.
Fazit: Eine traurige und teilweise grausame Geschichte, die mich aber nicht wirklich überzeugen konnte.
Crimehands.com zu »Minette Walters: Der Keller« 20.05.2016
Wer bei „Der Keller“ einen fulminanten Thriller erwartet, erwartet etwas falsches. Der Roman ist eher als Drama im Thrillermantel zu sehen, bei dem man lange nach Spannung suchen und sie doch nicht finden wird. Allzu schlecht ist das Buch trotzdem nicht, denn es ist interessant zu lesen, wie sich die vom Leben gebeutelte Muna, die einst von ihrer jetzigen „Prinzessin“ heimtückisch aus einem afrikanischen Waisenhaus entführt wurde, langsam emanzipiert und endlich leben darf. Und bei diesem Weg in die Freiheit begleitet man Muna, die so behandelt wird wie eine Natascha Kampusch dazumal, in einem dunklen Keller hausen muss und regelmäßig vom „Master“, wie der Hausherr Ebuka genannt wird, vergewaltigt wird. Nur dass die Geschichte von Muna mit der Zeit immer drastischer wird und in der nach und nach alle Familienmitglieder verschwinden.

Die Dialoge in der hauseigenen Sprache Haussa, die darauf zurückschließen lassen, dass die Songolis vermutlich aus Nigeria kommen, werden nicht als solche gekennzeichnet, was auch bedeuten könnte, dass die Gespräche entweder gar nicht stattfinden oder nur in Munas Gedanken. Ganz nachvollziehbar ist diese nicht-Kennzeichnung jedenfalls nicht. Auch ist nicht nachvollziehbar, wieso Muna offensichtlich perfekt englisch spricht, obwohl im Buch mehrmals die Rede davon ist, dass sie lediglich wichtige Phrasen, die ihr bei einer Befreiung helfen sollen, mühsam in ihrem Verlies geübt hat. Das hätte die Autorin glaubwürdiger vermitteln können.

Aber bei diesen Ungereimtheiten bleibt es ja leider nicht. Muna ist anscheinend ein sehr kluges Mädchen, okay, geschenkt, aber ein Smartphone perfekt bedienen zu können, nachdem man es nur einmal gesehen hat, sich eine 16-stellige Nummer zu merken, ohne Zahlen lesen zu können, sondern nur anhand der Bewegungen – das ist unmöglich und einfach nicht glaubwürdig. Dazu kommt, dass Muna mehrmals die Chance hat, ihre so lange im Keller geübten Hilferufe in die Tat umzusetzen, aber sie einfach nicht nutzt. Wieso nicht? Nur weil die Menschen nicht schwarz sind? Schwarze Menschen traktieren und vergewaltigen mich jahrelang und dann traue ich den Weißen nicht? Mir ist in der Situation doch scheißegal, ob die Leute Schwarz, Weiß, Violett der einarmig sind, ich will einfach nur weg von da! Dazu kommt, dass es quasi kein Ende gibt. Zwar liest man einen Brief der Nachbarin, die ab der Hälfte in die Geschichte einsteigt, aber was die Konsequenz daraus ist oder ob sie ihn überhaupt abschickt, bleibt offen.

Dennoch: Auch wenn es ziemlich viele Ungereimtheiten gibt, ist „Der Keller“, wenn nicht gerade ein Thriller, dann doch eine interessante Sozialstudie mit interessanten, aber nicht unvorhersehbaren Ereignissen. Kann man lesen, muss man aber nicht gelesen haben. Warum dann trotzdem drei Hände? Weil es nichtsdestotrotz gut zu lesen ist und der Charakter Muna ein sehr interessanter ist.
DaniP zu »Minette Walters: Der Keller« 21.04.2016
Ein sehr kompaktes und sehr kurzweilig geschriebenes Buch. Normalerweise schrecke ich vor "dünnen Büchern" eher zurück. Dieses ist sehr erschreckend, beängstigend, schockierend, unvorhersehbar, düster, menschlich tragisch... ich kann es so schwer beschreiben, mir fehlen einfach die Worte. Ich gebe 95 Grad!
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