Der Außenseiter von Minette Walters

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel Disordered Minds, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.

  • London: Macmillan, 2003 unter dem Titel Disordered Minds. 594 Seiten.
  • München: Goldmann, 2005. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. ISBN: 3-442-31078-4. 511 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2006. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. ISBN: 978-3828979307. 511 Seiten.
  • München: Goldmann, 2007. Übersetzt von Mechtild Sandberg-Ciletti. 511 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2005. Gesprochen von Jürgen Tarrach. gekürzt. 6 CDs.
  • [Hörbuch] Augsburg: Weltbild, 2006. Gesprochen von Jürgen Tarrach. gekürzt. 6 CDs.

'Der Außenseiter' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Seit ihrem Debüt »Im Eishaus« (1994) zählt Minette Walters zu den meistgelesenen Krimiautoren weltweit. Alle ihre bisher erschienenen Romane wurden mit wichtigen internationalen Preisen ausgezeichnet, so auch ihr letztes Buch »Fuchsjagd«, das den renommierten »Golden Dagger Award« erhielt. In ihrem jüngsten Roman »Der Außenseiter« wird ein längst abgeschlossener Fall wieder aufgerollt: 1970 war der geistig etwas zurückgebliebene Howard Stamp trotz dürftiger Beweislage für schuldig befunden worden, seine Großmutter getötet zu haben. Drei Jahre nach dem Hafturteil hatte er sich selbst das Leben genommen. Als sich drei Jahrzehnte später der junge Anthropologe Jonathan Hughes in einer Publikation über Justizirrtümer mit dem Mord beschäftigt, stößt er bald auf den Fall eines spurlos verschwundenen Mädchens, das mit dem Tod der Großmutter Howards in Verbindung zu stehen scheint.

Das meint Krimi-Couch.de: »Zurück in die Sozioschiene mit Pseudo-Reality-Touch« 57°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Minette Walters führt uns zunächst zurück in das Jahr 1970 an die englische Südküste. Jugendliche ohne Perspektive lungern in Parks herum anstatt zur Schule zu gehen und Eltern ohne Verständnis, die genügend mit eigenen Problemen zu tun haben, verprügeln sie dafür. Die 13-jährige Cill wird von drei Jungen vergewaltigt, nachdem sie diese gereizt hat. Am nächsten Tag ist das Mädchen spurlos verschwunden. Cills Freundlin Louise, die die Vergewaltigung beobachtet hat, beschreibt zwar die Schuldigen, die auch gefunden werden, gibt dann aber vor, die Täter nicht zu erkennen, so daß die Polizei nicht sicher ist, ob das Verbrechen überhaupt stattgefunden hat.

Wenige Tage danach wird in der gleichen Straße die alte Grace Jefferies ermordet. Ihr Enkel, der behinderte Howard Stamps, gesteht die Tat, widerruft jedoch sein Geständnis kurze Zeit später. Trotzdem wird er verurteilt und begeht im Gefängnis Selbstmord. Ein einziges rotes Haar, das in der Badewanne der Toten gefunden wurde, reichte dem Gericht als Indiz für die Schuld des jungen Mannes.

Über dreißig Jahre danach greift der farbige Anthropologe Dr. Jonathan Hughes in seinem Buch über Justizirrtümer unter anderem auch Howard Stamps Fall auf. Minette Walters bringt nun in ihrem bekannt pseudo-wissenschaftlichen Stil über 50 Seiten lang Auszüge aus dem fiktiven Werk von Dr. Hughes sowie von Briefen, die ihn dazu erreicht haben.

Zwei überaus vielschichte Charaktere

Lassen sich die ersten hundert Seiten sehr sehr zäh an, so wird das Buch anschließend schlagartig interessant zu lesen. Denn die britische Autorin hat mit dem bereits erwähnten Dr. Hughes sowie der Stadträtin George Gardener zwei überaus vielschichtige Charaktere geschaffen, deren Antipathie bei ihrem erstes Aufeinandertreffen ebenso beeindruckend geschildert wird wie ihre spätere langsame Annäherung.

Leider verschenkt Minette Walters im weiteren Verlauf ihres Romans viel Potential, indem sie Hughes und Gardener wieder weitgehend in der Versenkung verschwinden lässt und stattdessen sehr langatmig das wenig interessante Leben von Priscilla Fletcher sowie ihre Beziehungen zu einigen Jugendlichen aus ihrer Vergangenheit ausrollt. Die von der Autorin bekannten eingeflochtenen Zeitungsausschnitte, Polizeiprotokolle und Brief- sowie Mailwechsel tun ein übriges dazu, das Geschehen weiter zu Verwässern und jede aufkommende Spannung im Keim zu ersticken.

Auch mit ihrem neuesten Roman vermag mich die britische Autorin absolut nicht zu überzeugen. Nachdem sie mit »Fuchsjagd« etwas mehr in Richtung Landhauskrimi abgeschwenkt ist – die sie meiner Meinung nach ruhig hätte beibehalten sollen – kehrt sie nun wieder in ihre bekannte Sozioschiene mit Pseudo-Reality-Touch zurück.

Mehr ungelöste Fragen als wirkliche Antworten

Aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet sie unterschiedliche Personen und Umgebungen und lässt durch abweichende Betrachtungsweisen den Bereich von Schuld und Unschuld ein wenig verwischen. Ihre Dialoge ermüden, ihre Milieustudien sind mittlerweile schon ziemlich abgegriffen und wiederholen sich nur wenig variierend von Roman zu Roman. Ich weiß nicht, ob mir ihre frühen Romane nur deshalb wesentlich besser gefallen haben, weil ihre Schreibweise dort noch neu war. Zumindest unterscheidet sich die typische englische Arbeiterklasse in ihren Büchern über die Jahre hinweg absolut nicht. Ob Klischee oder Realität, das sei dahingestellt, der regelmäßige Walters-Leser kennt das alles schon. Identitätskonflikte quälen den Leser eher, als das sie seine Aufmerksamkeit erhaschen. Richtig sympathische Figuren sucht man vergeblich. Die Darstellung der großen sozialen Unterschiede und die daraus resultierenden Spannungen gerade in Bezug auf Kinder gelingt ihr wie immer gut, doch auch hier ist alles wie gehabt.

Enttäuschend dann leider auch der Schluß, der mehr ungelöste Fragen zurücklässt als wirkliche Antworten bringt.

Vielleicht täte es Minette Walters gut, mal aus der Krimisparte zu Sachbüchern hin zu wechseln. Daß sie es versteht, zu recherchieren und Stories journalistisch auszuarbeiten, hat sie schon mehrfach gezeigt. Doch um wirkliche Spitzenkrimis zu schreiben, fehlt es bei ihr seit längerem schon an einem guten Spannungsaufbau.

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eulchen zu »Minette Walters: Der Außenseiter« 18.08.2012
Ich habe mich durch die ersten 300 Seiten gequält, in der Annahme, dass es vielleicht mal spannend werden könnte...
Und jetzt erfahre ich hier, dass es auch noch ein offenes Ende gibt???
Das darf doch nicht wahr sein!
Die restlichen Seiten werde ich mir auf jeden Fall nicht mehr antun und stattdessen überlegen, wem ich es vielleicht schenken könnte ;-)
bücherkrümel zu »Minette Walters: Der Außenseiter« 23.02.2011
Ich habe gerade das Buch zu Ende gelesen. Habe mich ein bisschen schwer getan und bin mit meinen "Vorrednern" einer Meinung. Nicht schlecht, aber auch nicht wirklich eines der besten Bücher von M.W.
Ein offnes Ende.?.leider!!!
Und wer war nun der "Außenseiter", Howard, Roy, Andrew oder Jonathan? Ich finde es trifft fast auf jede Figur in dieser Geschichte zu, selbst auf die weiblichen Personen.
Oder?
Malu zu »Minette Walters: Der Außenseiter« 19.06.2010
Es ist nicht das erste Buch was ich von Minette Walters gelesen habe. Aber "der Außenseiter" ist nicht gerade eins ihrer besten Bücher. Da habe ich schon bessere gelesen. (z.B. die Bildhauerin oder die Schandmaske.) Es ist zäh und langatmig geschrieben. Diie Geschichte plätschert so dahin. Das Buch hat mich nicht überzeugt. Schade!!
Lina zu »Minette Walters: Der Außenseiter« 25.09.2009
Das Buch war mein allererstes von Minette Walters und ich bin sehr neutral rangegangen und hab überhaupt nichts erwartet, sondern ließ die Geschichte auf mich zukommen. Ich wurde nicht unbedingt enttäuscht aber ich kann auch nicht sagen, dass ich begeistert bin. Das Buch hat unglaubliche Längen und meiner Meinung nach werden einige Abschnitte nur unnötig verkompliziert. Manche Sachverhalte werden auch etwas zu oft wiederholt. Ich hatte manchmal den Eindruck, dass die Autorin dem Leser nicht zutraut, einige Fakten in Erinnerung zu behalten, also sagt sie es lieber noch mal... und noch mal... und noch mal... Das irritiert ein wenig.
Aber im Großen und Ganzen ist das Buch nicht sehr schlecht, nur langatmig. Das offene Ende hat mich etwas überrascht, da ich das Motiv der Mörderin (oder angeblichen Möfderin) nicht so richtig nachvollziehen konnte.
Lector zu »Minette Walters: Der Außenseiter« 10.09.2008
"Der Außenseiter" ist das erste Buch, das ich bislang von Minette Walters gelesen habe und ich komme zu dem Fazit: Ein tolles Buch. Ich war sehr begeistert. Der Stil ist überzeugend und sehr realitätsnah. Ich konnte das Buch - einmal angefangen - nicht wieder weglegen, nicht wegen der Spannung, sondern wegen des gewählten Schreibstils. Ich kann das Buch nur weiter empfehlen.
Krimilotte zu »Minette Walters: Der Außenseiter« 22.07.2007
Mehr Frust als Lust. Dieses Buch war eine Quälerei zu lesen. Langatmig und langweilig. Zum Schluss kommt der grosse Frust dann richtig auf, da hier ein offenes Ende nicht wirklich angebracht ist. Der Leser sollte für seine Tapferkeit dieses Buch durchzulesen eigendlich belohnt werden und nicht bestraft.

Schade denn Frau W. hat ja schon bewiesen das sie es viel Besser kann.
Olaf zu »Minette Walters: Der Außenseiter« 26.06.2007
Sehr langatmiger und zäher Beginn, danach aber ausgesprochen guter Spannungsaufbau bis zu einem ..., ja welches Ende, die Fragen nach dem oder den Mördern bleiben gänzlich offen. Die Hauptfrage, ob Howard schuldig ist oder nicht, hätte wenigstens behandelt werden können.
Die Charakterwandlung von Jonathan ist klasse beschrieben. Von George Darstellung war ich begeistert. Lesenswert, aber viele offene Fragen.
claudi_og zu »Minette Walters: Der Außenseiter« 23.06.2007
Fehlen mir vielleicht ein paar Seiten?? Also, da werd ich wahnsinnig. Da geht es die ganze Zeit um die Aufklärung der 2 Morde und dann.?? Nichts!!! Jetzt weiß der Leser noch immer nichts und kann sich seinen Teil denken.oder wurde hier eine Option für Teil 2 geschaffen?? So könnte man meinen! Vielleicht habe ich auch zu schnell gelesen und mir entging etwas.aber wer hat Grace denn jetzt umgebracht? Und was haben die Eltern von Louise gewußt oder getan oder verheimlicht. Das Buch hat sich gut gelesen und ich war echt auf die Auflösung gespannt, vor allem bei den Burtons, aber dieses Ende nervt mich unglaublich.
Frau Schlämmer zu »Minette Walters: Der Außenseiter« 30.04.2007
Ganz ok. Nervig sind jedoch mE die email-Sequenzen, die die Story nicht weiterbringen sowie die immer wiederkehrenden Zusammenfassungen des Geschehens. Außerdem zuviele Personen, die man alle schwer identifizieren kann - ist Cill jetzt Louise oder Daisy, ist William = Billy und wer war nochmal Rachel und warum sieht Priscilla aus wie Cill, hieß aber früher Lou?
Sehr schön gezeichnet fand ich die Charaktere Andrew, George und Jonathan, die dann auch Pep in die Sache bringen. Fazit: es geht besser, schlimmer aber auch.
Bertram Lenz zu »Minette Walters: Der Außenseiter« 27.04.2007
Das Buch "Der Außenseiter" zählt gewiss nicht zu den besten Werken von Minette Walters. Langatmige, zähe Dialoge und Detailschilderungen lassen den Leser ermüden und Seite für Seite auf einen Umschwung hoffen - indes vergebens. Ebenfalls verwirrend sind die Vielzahl der Namen, die sowohl die Lektüre als auch Verständnis erschweren. Kein Vergleich mit der "Schandmaske" oder anderen frühen Büchern, zumal das Thema Kindesmissbrauch schon von anderen Autoren spannender und griffiger skizziert worden ist. Schade.

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