abgemurkst von Minck & Minck

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 bei Droste.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Bochum, 1990 - 2009.

  • Düsseldorf: Droste, 2008. ISBN: 978-3770012800. 348 Seiten.

'abgemurkst' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ihr Aufenthalt im schönen Kurort Bad Camberg endet alles andere als entspannend. Bei einer Schnitzeljagd durch den Wald wird eine abgehackte Hand gefunden, die bei Maggie, wie üblich, zunächst nur mäßiges Interesse weckt. Zurück in Bochum gibt es statt erholsamer Nachkur noch mehr rätselhafte Todesfälle. Als auch noch ein alter Schulfreund von Maggie tot aufgefunden wird, muss sie sich ernsthaft Sorgen machen, denn ihre Fingerabdrücke sind am Tatort.

Das meint Krimi-Couch.de: »Leichen in skurriler Gesellschaft« 44°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Maggie Abendroth befindet sich in einer schwierigen Phase ihres Lebens. Als Comedy-Drehbuchautorin scheint sie in Köln niemand mehr zu brauchen und nun sieht sie sich im heimischen Bochum auf dem besten Wege, ihr Leben zur Komödie zu gestalten. Ihr zwischenzeitlicher Chef, ein Bestatter, sitzt unschuldig, aber immer noch schweigend im Knast. Ihr guter Freund Winnie Blaschke, seines Zeichens Kommissar, ist sehr zu Maggies Bedauern neuerdings schwul und hat seinen ersten Freund, einen russischen Tänzer. Ihre beste Freundin macht einen »Arbeitsausflug« mit ihrem Ex nach Rom. Unterdessen soll das Haus, indem sie nach dem Wasserschaden in ihrer Mietwohnung Unterschlupf erhielt, verkauft werden. Genug Stoff, um ein halbwegs geordnetes Leben ins Chaos zu stürzen?

Offenbar nein. Maggie muss zudem Winnies Oma nach Bad Camberg in die Kur begleiten. Neben Diät, Fango und Kurschatten ist Maggie insbesondere von der agilen Oma Berti und ihren neu gewonnenen Freundinnen genervt. Die Kur ist fast beendet, da findet Oma Bertis Team bei der alljährlichen Schnitzeljagd nicht nur die Schatzkiste, sondern darin auch eine menschliche Hand (die dort eigentlich nichts zu suchen hat). Das Verbrechen witternd, heftet sich Berti an die Fersen des ermittelnden Kommissars im Kurort. Doch auch die schönste Kur geht mal zu Ende. Kaum zurück in Bochum, finden einige Männer aus Maggies nahem und fernem Bekanntenkreis einen plötzlichen Tod.

Wo das Chaos regiert

Wo bitte geht es hier zum Mord? Orientierung? Roter Faden? Die beiden Mincks schreiben nicht einfach einen plumpen Krimi, sondern setzen einen Schwerpunkt auf Slapstick und Situationskomik. Bissige Kommentare und nervige Verhaltensauffälligkeiten kennzeichnen über die vollen 346 Seiten, aber insbesondere am Anfang jede einzelne auftretende Figur. Wo gibt es so viele Käuze auf einen Haufen? Natürlich nur in der Comedy. Und als nichts anderes darf ein Maggie-Abendroth-Roman gelesen werden.

Über weite, sehr weite Strecken hat man nicht den Eindruck, in einem Krimi zu sein, sondern in einem mit wilden Kräutern und anderen Ingredienzien aufgeputschten Kaffeekränzchen. Man erlebt hautnah das Durcheinander in Maggies Leben, durch das sie sich mehr treiben lässt, als dass sie es in die Hand nimmt. Das ist nicht immer einfach, eine gewisse Kondition braucht man da schon als Leser. Ein Witz jagt den anderen, eine Pointe die nächste und manch ein Gag ist dabei auch so flach, flacher geht’s nicht. Egal, das ist die Form der Unterhaltung, mit der private Fernsehsender ihr Freitag- und Samstagabendprogramm füllen und das würden die nicht tun, wenn es dafür kein Publikum gäbe.

Überraschende Wende

Zu einem Zeitpunkt, zu dem man sich bereits die Schenkel blau geklopft hat vor lachen, wittert Maggie mit untrügerischem Instinkt, dass da doch zu plötzlich zu viele Männer eines unnatürlichen Todes sterben. Und so beginnt dann doch noch ein Krimi. Gibt es Zusammenhänge oder gar einen Verdächtigen? Und ehe sie sich versieht, ist Maggie selbst in höchster Gefahr.

Entweder man mag es oder man lässt es bleiben. Es ist eine Frage der Erwartungen, mit der man an diesen Roman herangeht. Das Cover im Comic-Stil zeigt schon mal deutlich, wo es lang gehen wird. Dennoch fischt man mit Maggie Abendroth gefährlich lange im Trüben, bevor aus der gewollten Überdosis Comedy auch noch Ansätze eines Krimis hervorschielen. So wird Maggie Abendroth nicht die legitime Antwort auf den Ruhrpott-Marlowe Kryszinsky (Jörg Juretzka), sondern allenfalls die geistige Schwester eines Atze Schröder mit Hang zum Fatalismus.

Thomas Kürten, September 2008

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vok haller zu »Minck & Minck: abgemurkst« 20.12.2009
Entweder man mag es oder man lässt es bleiben. Es ist eine Frage der Erwartungen, mit der man an diese Kritik von Thomas Kürten herangeht. Sein Cover zeigt schon mal deutlich, wo es lang gehen wird. Dennoch fischt man mit Thomas Kürten gefährlich lange im Trüben, bevor aus der gewollten Überdosis Dumheit auch noch Ansätze einer Kritik hervorschielen. So wird Thomas Kürten nicht die legitime Antwort auf Marcel Reich-Ranicki, sondern allenfalls der geistige Vater eines Atze Schröder mit Hang zur Überschätzung.
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Frank zu »Minck & Minck: abgemurkst« 12.09.2008
@Thomas
Dennoch denke ich, dass hier etwas mehr Sorgfalt nötig wäre. Bleibt doch der schale Beigeschmack einer Couch-Rezension die eben NICHT (wie ja suggeriert wird) auf der Kenntnis des ersten Buches fundiert.
Natürlich kann ich/niemand verlangen dass der Vorgänger bekannt ist, verlangen kann man jedoch dass dann keine falschen Informationen trotz besseren Wissens in eine Rezension mit einfließen.
SG, Frank
kuerten zu »Minck & Minck: abgemurkst« 12.09.2008
Lieber Frank, liebe Hermione Grey,

Entschuldigung, dass ich mich nicht früher gemeldet habe. Eure ersten beiden Kommentare kamen am Wochenende und da hab ich Feierabend... ;-)

Die obige Buchbesprechung ist tatsächlich nur auf den Roman "abgemurkst" ausgerichtet und das Bild, dass das Autorinnen-Duo hierin rein subjektiv an mich vermittelt hat. Den Vorgänger "totgepflegt" habe ich nicht gelesen. Das hat nun aber nichts mit "Sorgfaltsverletzung" zu tun, denn niemand kann verlangen, dass der Vorgänger bekannt sein muss. "abgemurkst" wird ja nun mal als einzelner Roman verkauft, muss sich deshalb auch werkimanenter Kritik stellen.

Ob nun Winnie Blaschke schon im ersten Band schwul war oder nicht, ob Matti Maggies Chef war oder nicht, ob er unschuldig einsitzt oder nicht... So habe ich die Schilderungen der Autorinnen gedeutet, die für mich als Nichtkenner von Teil 1 ein entsprechendes Bild über die Charaktere entwarfen. Für meine Kritik an dem Roman WAR das alles jedoch vollkommen unmaßgeblich.

Ich schreibe WAR, denn dank deines Kommentars, Hermione, sehe ich nun einen Kritikpunkt zusätzlich unterlegt: Stichwort Orientierung. Ohne Kenntnis von Band 1 tauchen zu viele Fragen zu den Personen der Handlung auf. Die Vielzahl verschiedener Charaktere wird von den Autorinnen nicht immer gründlich genug vorgestellt. Ob das in "totgepflegt" anders ist, kann ich nicht beurteilen, soll auch nicht Teil meiner Kritik sein. Für mich wächst aber die Erkenntnis, dass "abgemurkst" ohne "totgepflegt" offenbar nicht richtig funktioniert.

Mit freundlichen Grüßen,
Thomas Kürten
Frank zu »Minck & Minck: abgemurkst« 11.09.2008
Erledigt.
Inhaltlich (bis auf den erwähnten Unfug) wurde ja bereits alles gesagt. Noch immer hängt Maggie in ihrer alten Heimatstadt Bochum fest, noch immer hadert sie mit ihrem Schicksal.
Wie bei so vielen Regionalkrimis hilft es auch hier den speziellen "Ruhrpottflair" nachvollziehen zu können, steigert den Lesespaß durchaus. Unterhaltsame, leicht goutierbare Krimilektüre, die durchaus für einige Lacher gut ist. Mir hat es gefallen - aber ich mag parteiisch sein ;-).
Gute 75%.
Frank zu »Minck & Minck: abgemurkst« 04.09.2008
Meine Vorschreibrin hat durchaus recht. Ich habe den Roman soeben begonnen, kann daher auch noch keine Bewertung abgeben.
Allerdings lässt die KC-Bewertung darauf schliessen, dass der/die (ja, wer eigentlich?) Kritiker/in den vorherigen Roman entweder überhaupt nicht gelesen, oder Probleme mit der Wahrnehmung hat.
Soviel Sorgfalt sollte schon geübt werden, dass eine Kritik zumindest auf Fakten beruht.
Hermione Grey zu »Minck & Minck: abgemurkst« 04.09.2008
Entschuldigung, aber der Vorkommentator scheint was nicht verstanden zu haben... Winnie Blaschke ist nicht "neuerdings schwul". Er war es schon in Band 1. "totgepflegt". Ebensowenig ist "Ihr zwischenzeitlicher Chef, ein Bestatter, sitzt unschuldig, aber immer noch schweigend im Knast." richtig - Matti war nie ihr Chef - und unschuldig ist er auch nicht - das wird an keiner Stelle behauptet.

Was Recht ist, muss Recht bleiben, und sei es auch nur auf der bequmen Krimicouch. Ich finds schon seltsam, wie lässig mit den Fakten umgegangen wird, vor allem, um daraus Kritik zu stricken.
Und wer auf wen angeblich welche Antwort sein möchte - wen interessiert das? Hat irgendjemand denn eine Frage gestellt?


Ja, richtig lesen tät geholfen haben.
Worte ich such...

Grüße von Hermione, schwer enttäuscht. Nicht von "abgemurkst", sondern vom undisziplinierten Versuch einer Kritik.
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