Im Dunkel der Kathedrale von Miloš Urban

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel Stín katedrály: božská krimikomedie, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: Prag, 1990 - 2009.

  • Prag: Argo, 2003 unter dem Titel Stín katedrály: božská krimikomedie. 224 Seiten.
  • München: dtv, 2008. Übersetzt von Sophia Marzolff . ISBN: 978-3423210522. 224 Seiten.

'Im Dunkel der Kathedrale' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Eine weiße, blutige Hand ruht auf dem scharlachroten Kissen des Reliquienschreins. Und der Schrecken hat damit noch kein Ende. Kurz darauf macht man im Prager St.-Veits-Dom einen weiteren schaurigen Fund: Am Kruzifix einer Seitenkapelle hängt der Steinmetzgeselle, erstochen mit einem riesigen Zirkel …

Das meint Krimi-Couch.de: »Nicht noch ein Kirchenkrimi...(?)« 84°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Hradschin – der Burgberg, der die Silhouette der tschechischen Hauptstadt Prag dominiert. Im Zentrum der Burganlage: der Veitsdom, eine mächtige Kathedrale mit einer bewegten, Jahrhunderte langen Geschichte. Im Innern düster, zwielichtig, geheimnisvoll und legendenbehaftet. Wer braucht schon den Vatikan, um einen guten Kirchenkrimi zu schreiben?

Im Dunkel der Kathedrale heißt der Roman des Tschechen Milos Urban in der deutschen Übersetzung, und schon nach wenigen Seiten wird klar, dass Titel, Umschlaggestaltung und auch der Roman selber eine nur selten zu findende Symbiose eingehen. Der finster in den braun bewölkten Himmel ragende Sakralbau ist von Anfang an der heimliche Protagonist in einem hervorragenden, stimmungsvollen und atmosphärischen Roman, der zwar in der Gegenwart spielt, in dem aber der Lufthauch des Mittelalters über die Seiten fegt.

Der Kunsthistoriker und die Kriminalistin

Roman Rops ist Kunsthistoriker und arbeitet an einer Auftragsarbeit über den Veitsdom für einen englischen Verlag. Durch eine geheimnisvolle Botschaft frühmorgens in den Dom gelockt, entdeckt er in einem Reliquienschrein eine Hand, die – wie sich bald herausstellt – Pater Kalandra gehörte. Die Leiche des Geistlichen findet die Polizei in einem Schacht im Fundament des Doms.

Klara Brochova ist Kriminalpolizistin und an jenem Morgen als erste auf dem Hradschin. Für sie ist der Fall des toten Paters eine Chance, sich für die Mordkommission zu empfehlen. Doch schon bald merkt sie, dass dieser Mord einen weit tieferen Hintergrund hat, als es auf den ersten Blick scheint. Und sie fühlt sich auf sondersame Weise von dem exzentrischen Einzelgänger Rops angezogen, ist seiner geheimnisvollen Aura erlegen.

Zeitreise ins Mittelalter

Der Autor hat nicht nur in Sachen Stimmung und Atmosphäre ein begeisterndes Werk geschaffen, sondern ist auch in seinem Erzählstil durch und durch konsequent. Er wechselt mit jedem Kapitel zwischen der Perspektive Rops und der Brochova, die sich umkreisen wie Motten das Licht. Teilweise macht er das so perfekt, dass man eingangs eines Kapitels überhaupt nichts von diesem Perspektivwechsel merkt. Gleichzeitig konzentriert er die Handlungsorte auf im Wesentlichen drei Schauplätze: den Dom und Rops Wohnung auf dem Burgberg, sowie ein Antiquitätenladen in der Prager Altstadt. An allen drei Schauplätzen ist der Atem vergangener Jahrhunderte nicht nur spür-, sondern direkt greifbar.

Letzten Schliff bringt der Autor durch die regelmäßigen Verweise auf Dantes Göttliche Komödie und zahlreiche mittelalterliche Sagen und Legenden in die Handlung ein. In vielen Steinmetzarbeiten und Gemälden, aber auch in der Werkstatt des Dombaumeisters, lebt der Geist jener Zeit wieder auf, in der der Dom erbaut wurde. Im Dunkel der Kathedrale wird so zu einem rundum stimmigen und exakt komponierten Werk. Milos Urban hinterlässt mit diesem, seinem fünften Roman, einen Fußabdruck auf dem deutschen Buchmarkt, der gerade in der Nische Kirchenkrimi ganz vielen seiner Kollegen zu groß sein dürfte. »Nicht noch ein Kirchenkrimi« dachte ich, als ich das schlanke, kleine Büchlein zum ersten mal in die Hand nahm. Heute denke ich, dass es bei dieser Qualität gerne noch einiges mehr davon sein darf.

Thomas Kürten, April 2008

Ihre Meinung zu »Miloš Urban: Im Dunkel der Kathedrale«

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Vyjan zu »Miloš Urban: Im Dunkel der Kathedrale« 19.11.2008
Achtung, Milos Urban ist keiner Krimi Autor! Aber er kann sehr gut schreiben... Ich las alle seine Bücher und ich meine, dass sie sind fantastisch, gotisch, grausig, aber sie sind keines echtes Krimi. Keine Logik, keine Deduktion, kein grosser Detektive. Aber sehr angenehme Geheimnis und Sinn für skurille Humor.
Adrian zu »Miloš Urban: Im Dunkel der Kathedrale« 07.08.2008
Habe mir das Buch gekauft, weil der Titel und die Inhaltsangabe spannend klingen- und muss leider sagen, dass ich schon lange kein so langatmiges und verworrenes Buch gelesen habe. Ich habe mich durch dieses Werk förmlich durchgequält. Es kommt zu keiner Zeit wirklich Spannung auf, die Hauptfiguren bleiben blutleer und sind absolut unsympathisch.Die Motive für die Morde haben sich mir auch nicht erschlossen.
Fazit: Mein erster und letzter Urban!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Sonny zu »Miloš Urban: Im Dunkel der Kathedrale« 27.06.2008
Ich hab nach gut 65 Seiten aufgegeben. Zum Einen ist Urbans Stil gar nicht mein Fall, Spannung hab ich bislang nicht ausmachen können, und ich tu mich mit einigen Namen und Begriffen sehr schwer. Schade, denn der Klappentext klingt vielversprechend.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
wendelin zu »Miloš Urban: Im Dunkel der Kathedrale« 12.05.2008
Schade, das hätte in guter Roman werden können ...
Fängt gut an und verliert sich dann in Streifzügen durch Kirchen-, Kunst- und Kulturgeschichte. Zitiert hie ein bischen Dante und kratzt dort etwas an der Metaphysik und Alchemie Fulcanellis, ist aber auf keiner Seite auch nur annähern spannend oder fesselnd. Das liegt sicher auch daran, dass die Figuren nie lebendig werden. Sie sind so blutleer wie die steinernen Skulpturen der Kathedrale. Zum Schluss wird einem dann noch ein Motiv präsentiert, an das ja wohl nicht mal der Mörder selbst glaubt.
Schön dass es nach 250 Seiten dann ein Ende hat.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
koepper zu »Miloš Urban: Im Dunkel der Kathedrale« 05.05.2008
Ich hab den Roman die letzen Tage in Prag gelesen.
Urban kann wirklich schreiben, auch die Perspetivwechsel sind gelungen. Allerdings fand ich den Roman als Krimi nur mäßig spannend.
AndreaFritsch zu »Miloš Urban: Im Dunkel der Kathedrale« 29.04.2008
Ich fand dieses Buch nicht sonderlich gelungen. Der ständige Wechsel der Erzählperspektive nervt, Hauptfigur Rops kommt bei mir nicht als Sympathieträger rüber, sondern eher als psychopathischer Sonderling. Und auch die "Motive" für die Morde erschließen sich mir nicht. ich werde kein weiteres Buch von Milos Urban lesen.
Wagner Florian zu »Miloš Urban: Im Dunkel der Kathedrale« 07.04.2008
Das Buch ist sehr spannedn geschrieben und es lohnt sich auf jeden Fall das Buch zu lesen. Nur die Orte könnten etwas detailierter beschrieben werden. doch die Spannung läuft dir förmlich den rücken runter.
vlg flo
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