Black Heart von Mike Nicol

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 unter dem Titel Black heart, deutsche Ausgabe erstmals 2014 bei btb.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.
Folge 3 der Revenge-Serie.

  • Roggebaai: Umuzi, 2011 unter dem Titel Black heart. 448 Seiten.
  • München: btb, 2014. Übersetzt von Mechthild Barth. ISBN: 978-3-442-74285-1. 448 Seiten.

'Black Heart' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein typischer Kapstadt-Winter. Nicht viel los. Aber mit ausreichend Arbeit für Mace Bishop und Pylon Buso, die gegen Geld ihren Sicherheitsservice für Ausländer anbieten. Während sich Bishop um seine depressive Tochter kümmert, beschützt Buso einen deutschen Waffenspezialisten, dem ein paar osteuropäische Gangster auf den Fersen sind. Und ein Pärchen aus den USA, das in den lokalen Spielkasino-Markt investieren will. Aber dann wird die Frau entführt, und ein Reporter interessiert sich etwas zu sehr für die Balkan-Beziehungen des Waffenspezialisten. Plötzlich kommt Bewegung in das beschauliche Kapstadt-Dasein. Und im Hintergrund zieht die skrupellose Anwältin Sheemina February geschickt die Fäden.

Das meint Krimi-Couch.de: »Schlussakkord« 84°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Black Heart ist der letzte Teil der sogenannten »Rache-Trilogie« des südafrikanischen Autors Mike Nicol. Da einer Trilogie ein in sich abgeschlossenes Konzept zugrunde liegt, macht es für einen interessierten Leser wenig Sinn, diesen dritten Teil zu lesen, ohne die beiden vorangegangenen Romane zu kennen. Es ist sogar ratsam, die folgende Rezension nicht zu lesen, da Spoiler enthalten sein könnten. Auf gewisse Geschehnisse aus der Vergangenheit der Helden muss der Rezensent eingehen, da sie für die weitere Handlung Voraussetzung sind.

Black Heart knüpft an die Qualität seiner Vorgänger Payback und Killer Country an – Kriminalromane oder Thriller, wie auch immer man sie einordnen mag, in der Tradition der angloamerikanischen hardboiled fiction. Im letzten Roman Killer Country gab es viel Begleitmusik. Mike Nicol hatte eine ganze Playlist von eher unbekannten Songs zusammengestellt, die den Leser und eine Romanfigur durch die Handlung begleiteten. In Black Heart gibt es nur einen wegweisenden Song und das ist: Paint it black von den Rolling Stones.

Mace Bishop steckt richtig dick im Schlamassel. Der Tod seiner Frau hat ihn völlig aus der Bahn geworfen. Er sieht schwarz für seine private und berufliche Zukunft.

»I see a line of cars and they’re all painted black
with flowers and my love both never to come back«
[ ]
»I look inside myself and see my heart is black
I see my red door and I must have it painted black«

Die Rolle als jetzt alleinerziehender Vater überfordert ihn. Zwischen Strenge und Nachsicht schwankend muss er manchen Strauß mit seiner pubertierenden Tochter Christa ausfechten. Die Angst, dass ihr auch etwas zustoßen könnte, ist übermächtig. Mace verkehrt bekanntermaßen in sehr dubiosen Kreisen. Aktuell muss er sich um einen mysteriösen Waffentechniker kümmern, der auf seinem Weg von Deutschland nach Südafrika von zwei dunklen Gestalten, die offensichtlich nichts Gutes im Schilde führen, beschattet wird . Und dann sind da noch Dancing Rabbit und Silas Dinsmor, ein amerikanisches Ehepaar indianischer Abstammung, von denen Mace annahm, sie seien nur einfache Touristen. Doch es stellt sich heraus, dass die beiden ins südafrikanische Kasino-Geschäft einsteigen wollen, was unkalkulierbare Risiken für Leib und Leben beinhalten könnte. Wenig Hilfe bekommt Mace von seinem Freund und Partner Pylon Buso, der sich mehr und mehr ins Familienleben zurückzieht, da dort bald Nachwuchs angesagt ist.

Alles wäre machbar, wenn Maces Dauerfeindin Sheemina February nicht wie ein Racheengel über sein Leben schweben würde, die Frau, der er vor vielen Jahren Schreckliches angetan hatte. Mace hat endlich beschlossen, aktiv gegen sie vorzugehen Aber Sheemina ist gut vernetzt und hat weitreichende Kontakte. So ist sie immer bestens darüber informiert, was Mace so alles plant. Vor allem weiß sie, wo Mace seinen Notgroschen versteckt hat. Der Tag der Abrechnung ist nicht mehr fern.

Es gibt soviel Not, Gewalt und Krieg in der Welt, dass man annehmen könnte, in Staaten, von denen man akut nichts hört oder liest, ginge es friedvoll zu. In Südafrika ist man bemüht, nach dem Ende der Apartheid ein gerechtes Gemeinwesen aufzubauen. Doch obwohl Rassengesetze und Diskriminierung offiziell aufgehoben sind, sind viele gesellschaftliche Schranken bestehen geblieben. Fast alle, die zur Zeit der Apartheid arm waren, sind es auch heute noch. Zwar konnte sich eine schwarze Mittel- und Oberschicht etablieren, aber vieles geschah durch Protektion und Korruption.
In diesem Konglomerat aus Organisiertem Verbrechen, Geheimdiensten, korruptem Polizeiapparat und bestechlichen Politikern versuchen unser Held Mace Bishop und natürlich auch sein Freund Pylon Buso ihr privates Glück zu gestalten. Die beiden sind ja alles andere als unbescholtene Bürger. Ihre Waffendeals in der Vergangenheit – auch wenn sie für die richtige Seite zu arbeiten glaubten – haben sie mit Schuld beladen und diese Schuld muss wohl abgetragen werden, bevor sie geläutert zu einem friedlichen Leben finden können.

Das Gute an Trilogien ist, dass sie ein definiertes Ende besitzen. Der rote Faden in Nicols drei Romanen ist der Rachefeldzug der Sheemina February und den kann man ja nicht ohne Spannungsverlust endlos fortsetzen. Mike Nicol hat das Rache-Thema geschickt inszeniert. Anfangs taucht es nur punktuell auf, einzelne Szenen, die der Leser nicht so recht einzuordnen weiß, wer da weshalb etwas tut. Später dann, wenn das Geheimnis gelüftet ist, nehmen die Racheaktionen größeren Raum ein, bis es zu einem finalen Showdown kommt. Doch Nicols Hauptaugenmerk liegt auf den vielen Einzelgeschichten, in denen Mace und Pylon mit verschiedenen Kontrahenten ihre Kräfte messen müssen. Neben viel Action und Spannung zeigen diese Episoden auch immer ein Stück südafrikanischer Wirklichkeit.

Aus Südafrika kam und kommt viel Gutes in Bezug auf die Kriminalliteratur. Der Rezensent erinnert an Deon Meyer, Roger Smith, Andrew Brown, Margie Orford und noch einige andere. Aber die Autoren scheinen nicht mehr so richtig »in« zu sein, so unterschiedlich sie auch schreiben. Liegt es an ihrem Land speziell? Sind die Schauplätze zu unbekannt, nicht attraktiv genug? An der Qualität ihrer Romane liegt es nicht, das haben die Genannten schon mehrmals bewiesen. Zu ihnen gesellt sich ohne Frage auch Mike Nicol. Seine »Rache-Trilogie« besticht durch Spannung, schwarzen Humor und politischen Anspruch – drei Elemente, die einen guten Hardboiled-Krimi auszeichnen können. Die Lese-Empfehlung des Rezensenten gilt für die ganze Trilogie – siehe auch die Rezensionen zu den vorangegangen Romanen Payback und Killer Country.

Jürgen Priester, September 2014

Ihre Meinung zu »Mike Nicol: Black Heart«

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Oldman zu »Mike Nicol: Black Heart« 12.10.2014
Das ist eigentlich eine gute Story mit einem interessanten Schauplatz. Allerdings habe ich die beiden Vorgänger nicht gelesen und wußte daher nicht, daß dies der letzte Teil einer Trilogie ist..Viele Anspielungen auf die beiden Vorgänger waren daher schwer nachvollziehbar. Das wäre aber kein Problem, wenn die beiden Protagonisten nicht so farblos und ungeschickt wären. Als positive Hauptfiguren eines Krimis sind sie nicht kompatibel, da muß man doch mehr erwarten. Und das Ende gerät doch sehr belanglos. Alles in allem leider nur Durchschnitt, die beiden Vorgängerbücher werde ich mir ersparen.
HerrHansen zu »Mike Nicol: Black Heart« 13.08.2014
Mike Nicol macht mit „black heart“ dort weiter, wo er mit Killer Country aufgehört hat. Inhaltlich möchte ich auch nicht mehr verraten wie bereits oben im Klappentext beschrieben. Nicol bleibt seinem aus meiner Sicht etwas ungleichmäßigen Stil treu: Entweder wird dem Leser jeder Stein am Wegesrand und der Fleck auf den T-Shirt beschrieben oder die Handlung geht wie in einer Achterbahn weiter und der Leser rauscht zwischenzeitlich durch einen dunklen Tunnel ohne zu wissen, was um ihn herum geschieht. Nicol greift wie gehabt die großen südafrikanischen Probleme auf und versucht diese mehr oder weniger zu verarbeiten.
Klar, dass mit „black heart“ das Ende der „Rache“-Trilogie gekommen ist, der vom Leser fast schon erwartete Showdown kommt, in welcher Art und Weise und ob ich ihn so erwartet hätte lasse ich der Spannung wegen unkommentiert.

In einer anderen Rezension las ich vor einigen Tagen etwas über den gesellschaftlichen und politischen Zustand Südafrikas – ich empfehle hierbei gerne jedem Südafrikabesucher das Gespräch mit Einheimischen vielleicht seinem Vermieter, Reiseleiter o.ä. zu suchen und sich selbst ein Bild zu verschaffen. Aber bitte beim Lesen – insbesondere der Montagsausgaben - der lokalen Zeitungen keine Strichliste über gewalttätige Ereignisse der Vortage führen. Aber auch diese Erfahrungen dürften niemanden davon abhalten sich wieder auf den Weg ans Kap zu machen….

Von mir gibts dieses Mal solide 85°
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