Bad Cop von Mike Nicol

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 unter dem Titel Of Cops and Robbers, deutsche Ausgabe erstmals 2015 bei btb.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.
Folge 1 der Vicki-Kahn-&-Fish-Pescado-Serie.

  • Kapstadt: Umuzi, 2013 unter dem Titel Of Cops and Robbers. 542 Seiten.
  • München: btb, 2015. Übersetzt von Mechthild Barth. 542 Seiten.

'Bad Cop' ist erschienen als E-Book

In Kürze:

Traue keinem. Auch nicht dir selbst. False Bay, Südafrika: Dämmerlicht auf den Bergen vor Kapstadt, eine zwei Meter hohe Welle Fish Pescado surft. Für ihn ist hier das Paradies. Hätte er nur einen Job. Ein wenig Geld auf dem Konto. Doch plötzlich steht Vicki Kahn vor ihm. Untertags Anwältin, nachts Pokerqueen. Klug, charmant, gerissen. Die spannendste Frau, mit der er je zusammen war. Und sie hat einen Auftrag für ihn. Den Mistkerl zu finden, der bei einem illegealen Autorennen einen Zuschauer über den Haufen gefahren hat. Nicht ganz einfach. Immerhin hat der Gesuchte beste Verbindungen nach oben. Nach ganz oben. Zum Polizeipräsidenten. Und der hat nicht nur ein Auge auf Vicky geworfen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Surfin´ South Africa« 75°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Mike Nicol hat mit seiner »Rache-Trilogie« bei uns in Deutschland zwar nicht den großen Durchbruch geschafft, aber er wird sicher einige treue Anhänger gewonnen haben. Allgemein haben es die südafrikanischen Krimi-Autoren bei uns nicht leicht, da sie durch die Bank politische Themen mit Realitätsbezügen verarbeiten, was ja nicht jedermanns Sache ist. Ob nun Deon Meyer, Andrew Brown, Roger Smith oder eben Mike Nicol – keiner kann (will) sich der jüngeren Geschichte seines Landes entziehen. Die Jahre des Apartheid-Regimes und die Veränderungen nach seiner Überwindung wirken in alle Lebensbereiche hinein und beeinflussen alle Gesellschaftsschichten. So ist auch Bad Cop sowohl ein Gangster- und Detektivroman der Hardboiled-Schule, als auch ein Polit-Thriller, der teilweise auf realen Begebenheiten basiert.

Der Held des Romans wurde als Bartolomeu Pescado geboren, doch alle Welt nennt ihn nur »Fish«. Nicht allein wegen seines Nachnamens, sondern auch weil er sich in jeder freien Minute im Wasser aufhält. Seine große Leidenschaft ist das Surfen. Um diesen Hobby ausgiebig frönen zu können, führt er ein bescheidenes Leben, dealt ein bisschen mit weichen Drogen, geht dem einen oder anderen privatdetektivischen Auftrag nach, lässt sich aber auch gerne von seiner finanzstarken Freundin Vicki Kahn aushalten. Diese ist Juristin mit lukrativen Kontakten und in gewissen Kreisen ist sie als Poker-Queen bekannt. Da sie die Geldnöte ihres Freunden manchmal nerven, schustert sie ihm gelegentlich Recherche-Aufträge zu, die ihre Kanzlei zu vergeben hat. So soll er aktuell die Hintergründe eines Falles von Fahrerflucht ermitteln. Was beide nicht ahnen, dass dieser scheinbar harmlose Auftrag einigen Sprengstoff in sich birgt, denn er tangiert die Kreise eines einflussreichen Mannes.

Dieser heißt Jacob Mkezi und war lange Polizeipräsident von Kapstadt. Der Aufstieg in dieses hohe Amt gelang ihm vergleichsweise schnell. In der Post-Apartheid-Gesellschaft hatte er die richtigen Verbindungen und wusste, die richtigen Leute zu hofieren. Seine Amtszeit nutzte er dann, um sich selbst zu bereichern und sich bei seinen Gönnern zu revanchieren. Schließlich stolpert er über eine relativ harmlose Sache, wird des Amtes enthoben und muss sich vor Gericht verantworten. Aber Typen wie er fallen nicht tief, dafür haben sie vorgesorgt. In einem korrupten System zeigt sich der Unterschied zwischen Staatsmacht und organisiertem Verbrechen nur in Nuancen.
Der Ex-Polizeipräsident ist der Bad Cop des deutschen Buchtitels. Allgemeiner, aber gerade deshalb genauer trifft der englische Originaltitel »Of Cops and Robbers«, denn im Mittelpunkt der Story steht eben nicht ein einzelner böser Cop, sondern ein ganzes Netzwerk von verbrecherischen Gestalten in welchen Positionen auch immer.

Der Plot setzt sich aus einer Vielzahl von Episoden zusammen, die nicht zwangsläufig miteinander in Verbindung stehen (müssen), doch in toto eine Atmosphäre der Unberechenbarkeit und Bedrohung erzeugen. So verbreitet zum Beispiel in einer Rückschau über zwei Jahrzehnte eine nicht näher definierte Todesschwadron ihren Schrecken, deren Bedeutung sich erst in der Romangegenwart aufklärt und bis dahin beim Leser für Irritationen sorgt. Diese eingestreuten Intermezzi, so wichtig sie auch sein mögen, verhindern leider den Aufbau eines durchgehenden Spannungsbogens. Der Leser fühlt sich in seinem Lesefluss gehemmt. Es bestätigt sich die Floskel: weniger ist manchmal mehr. Mike Nicols Bedürfnis, möglichst viel von den Besonderheiten seines Landes zu erzählen, erweist sich für den Krimi-Plot als kontraproduktiv.

Mike Nicol mag ein guter Romanautor sein, aber als Krimiautor tut er sich schwer. Schon bei seiner viel beachteten »Rache-Trilogie« versucht er, seinen beiden Helden eine möglichst »coole« Attitüde zu geben, wie sie bei einigen amerikanischen Hardboiled-Autoren zu finden ist. Aber sowas schüttelt man nicht so einfach aus dem Ärmel. Wie die Trilogie-Helden Mace Bishop und Pylon Buso ist auch »Fish« Pescado eher angestrengt »locker«. Die Figur erinnert, ob aus Absicht oder Zufall, in seiner Anlage an Don Winslows Surfer-Boy Boone Daniels. Aber Südafrika ist nicht Kalifornien und Kapstadt nicht San Diego, obwohl letztgenannte Städte sicher ähnliche Probleme haben dürften. Südafrikas Vergangenheit ist viel zu gegenwärtig, als dass eine lockere Atmosphäre entstehen könnte.

Liest man aus einem Land keine Schlagzeilen in den Medien, könnte man annehmen, dort ginge alles seinen Gang. Dem ist aber nicht so. In Südafrika, wie in allen anderen Länder der Erde auch, vergrößert sich die Kluft zwischen Arm und Reich. Das ist in der Apartheid-Zeit so gewesen und hat sich noch verschlimmert. Zu der herrschenden weißen Elite von damals, gesellt sich jetzt eine schwarze Oberschicht, die ihren Status mit allen legalen und illegalen Mitteln verteidigt.
Mike Nicol zeigt uns ein durch und durch korruptes gewaltbereites Land mit wenig Hoffnung für das gemeine Volk.

Jürgen Priester, August 2015

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Lars Kindermann zu »Mike Nicol: Bad Cop« 18.04.2017
Habe mich, dank des Romans, an meine Südafrika-Aufenthalte - vor und nach der Abschaffung der Apartheit – erinnert. Besonders der Afrikaans-Slang hat es mir angetan. Die Charaktere sind zum Teil gut ausgearbeitet. Die latente Unlust zu Arbeiten ist für den Hauptdarsteller eines Kriminalromans angenehm ungewöhnlich. Fühlte mich gut unterhalten und hoffe auf weitere Bücher der Reihe.
Jose la mouche zu »Mike Nicol: Bad Cop« 07.04.2016
Trifft nicht ganz, was ich erwartet hatte.
Spannend, knall hart, kurzweilig ist es nicht.
Ich musste mich bis Seite 189 durchkämpfen.
Dann habe ich aufgegeben.
Viele Worte aus der Burensprache (oder holländisch) die wir nicht verstehen. Das sorgt dann für Irritation.
Auch der ständige Personenwechsel, Wechsel der nicht geläufigen Namen, bremst den Lesefluss gewaltig.
HerrHansen zu »Mike Nicol: Bad Cop« 05.06.2015
Nach der Revenge-Trilogie war man ja verwöhnt und hat sich an ein Spannungslevel des Autors gewöhnt. Die spannende Frage war nun, ob diesen Level auch mit „bad cop“ gehalten wird? Die knappe Antwort hierauf dürfte lauten: durchwachen. Mit „bad cop“ schafft es Mike Nicol nicht, den Spannungsbogen auf dem erwarteten Niveau zu halten, dennoch ist es ein Buch für zwei, drei angenehme Lesetage im Garten oder am Strand. Deshalb von mir solide 80°.
Rolf Campsheide zu »Mike Nicol: Bad Cop« 22.04.2015
Kommt nicht ganz an die Klasse der Revenge Trilogie heran. Aber die Hauptfigur, der lässige, coole und abgebrühte Surfer fesselt durchaus. Der Plot teilweise etwas, na sagen wir mal "unwahrscheinlich". Aber durchaus spannend und lesenswert. Ich habs in zwei Tagen durchgelesen und es nicht bereut. Gute Krimikost.
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