Rachefeuer von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2007
unter dem Titel Il Basilisco,
deutsche Ausgabe erstmals 2007
bei Edition Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Florenz, 1990 - 2009.
Folge 3 der Commissario-Ferrara-Serie.
- Mailand: Rizzoli, 2007 unter dem Titel Il Basilisco. 397 Seiten.
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Bergisch Gladbach: Edition Lübbe, 2007.
Übersetzt von Karin Diemerling.
ISBN:
978-3-7857-1616-8. 397 Seiten. -
Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2010.
Übersetzt von Karin Diemerling.
ISBN:
978-3-404-16376-2. 397 Seiten.
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[Hörbuch] Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2008.
Gesprochen von Simon Jäger.
ISBN:
3-7857-3514-6. 5 CDs.
'Rachefeuer' ist erschienen als
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In Kürze:
Florenz, 1. Oktober 2001. Bei einer schweren Bombenexplosion auf der Piazza del Cestello entkommt Commissario Ferrara nur knapp dem Tod. Während er schwer verletzt im Krankenhaus liegt, laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. War es ein Terrorakt islamischer Extremisten? Oder die Antwort der Mafia auf die jüngst von Ferrara erwirkte Verhaftung eines führenden Clanmitglieds? Bei allen Bemühungen tappt die Polizei zunächst im Dunkeln, allzu vage sind die Hinweise auf mutmaßliche Attentäter. Als Ferrara nach seiner Genesung auf die Spur des mysteriösen Basilisken stößt, eines international einflussreichen Geschäftsmanns, den niemand je zu Gesicht bekommen hat, beginnen sich für den Commissario nach und nach die Kreise zu schließen. Doch seine Entdeckung soll ihn abermals in Lebensgefahr bringen. Und nicht nur ihn.
Das meint Krimi-Couch.de: »Mafia und Terror – eine explosive Mischung«
Krimi-Rezension von Eva Bergschneider überspringen
Ein verheerendes Bombenattentat wird wenige Wochen nach dem »9/11« mitten in Florenz, nahe den beliebten Touristenattraktionen, Ponte Vecchio und den Uffizien ausgeübt. Als dringend tatverdächtig gilt zunächst al-Qiada. Doch die Oberstaatsanwältin Giulietti glaubt nicht an ein Terrorattentat, sondern an einen Rachemord der Mafia. Schließlich hat Leiter der Squada Mobile Florenz, Commissario Ferrara einen ihrer führenden Köpfe hinter Gittern gebracht. Seitdem Salvatore Laprua sitzt, nimmt Ferrara niemals denselben Weg zur Arbeit, sein Fahrer Fanchi sucht täglich eine neue Route aus. An diesem 1. Oktober 2001 fährt er zum Tatort des Anschlags, der Piazza del Cestello, wo die Autobombe in unmittelbarer Nähe explodiert.
Fanchi erliegt seinen schweren Verletzungen, der Commissario wird am Kiefer operiert und kämpft mit seiner Erinnerung. Die ersten Ermittlungen des stellvertretenden Leiters der Squada Mobile, Rizzo, fördern aktuelle Mafiaaktivitäten in der Toskana zutage. Der schnell dem Krankenbett entflohene Ferrara findet ebenfalls Hinweise, die auf interne Machtkämpfe in der Hierarchie der Clans deuten. Doch ein enger Freund Ferraras, ein gebürtige Ägypter und Kenner der Terrorszene, beharrt auf einer Tatbeteiligung islamistischer Extremisten. Welche Machenschaften auch immer im Florentiner Untergrund gären, sie fordern weitere Todesopfer: Der festgesetzte Mafioso Laprua stirbt und die ehrgeizige Anna Giulietti kommt ebenfalls bei einem Bombenattentat ums Leben.
Ermittlungsstrategien und Mafiastrukturen
Was erwartet man als Leser von einem italienischen Krimi? Komplexe Verbrechen an imposanten Schauplätzen und einen charismatischen Ermittler? Da hat der Roman Rachefeuer beste Chancen, die Erwartungen zu erfüllen, denn er wurde von dem Sizilianer Michele Giuttari, einem Antimafiakämpfer und ehemaligen Leiter eines Morddezernats, verfasst. Zudem spielt die Handlung in Florenz, eine der kulturell bedeutsamsten Städte Europas.
Den Anfang macht ein Aufsehen erregendes Verbrechen. Commissario Ferrara, ein »Alter Ego« des Autors, war möglicherweise das Ziel eines Attentats in der Altstadt. Oder al-Qiada verlegte den Schauplatz des Jihad nach Italien.
Rachefeuer ist in erster Linie ein Mafia-Krimi. Es geht um den Wandel in der Hackordnung der Cosa Nostra. Die »traditionellen Werte«, repräsentiert von den »alten Recken« der Clans, weichen zugunsten der Globalisierung des organisierten Verbrechens. Mit allen Konsequenzen, beispielsweise den Aufbau von Geschäftsbeziehungen zu Terroristen. Da der Autor nicht nur ein Kenner der Mafia, sondern auch ein Kriminaler durch und durch ist, lernt man in seinem Krimi, wie Telefonortungen und Recherchen durchgeführt und der Papierkrieg organisiert wird. Man muss aufpassen, dass man in den vielen Verknüpfungen der Verdächtigen, die Ferrara, Rizzo und zahlreiche Inspektoren ermitteln, den Überblick behält. Zeitweise geht der rote Faden im Ermittlungsgewirr verloren. Doch es wird nie langweilig. Weitere Anschläge und ein geheimnisvolles Phantom sorgen für anhaltenden Nervenkitzel, der »Basilisk« wird gleichermaßen für die Polizei und die traditionellen Mafiosi zur tödlichen Gefahr. In den Schlusskapiteln toppt ein spektakuläres, emotionsgeladenes Finale alle bisherigen Aktionen.
Commissario unverwüstlich
Ferraras markantes Markenzeichen sind die Toscani-Zigarren, ein Laster das er offensichtlich mit seinem Erschaffer teilt. Das Lamentieren über die Schlechtigkeit der Welt überlässt dieser lieber anderen und verbeißt sich in den Kampf gegen das Verbrechen und für die Gerechtigkeit. Der Autor versucht seinem Commissario auch leidenschaftliche Züge zu verleihen, er lässt den mit einer Deutschen verheirateten Mann tiefe Gefühle zur ermordeten Staatsanwältin entwickeln.
Leider vermag jedoch keine der Damen in Ferraras Leben Rachefeuer mit etwas weiblichen Esprit aufzupeppen. Die eine verlässt die Bühne, die andere nervt mit ständigen Lamenti nach einer Frühpensionierung ihres Ehemannes.
Vielschichtiger gezeichnet sind dagegen andere Nebenfiguren, wie der politische Journalist Ahmed Farah oder der Geheimdienstler Somenti. Mit Beharrlichkeit und Zivilcourage tragen sie ein Wesentliches zur Komplexität der Fallentwicklung bei.
Was diesem Krimi fehlt, ist Leichtigkeit und der italienische Humor, ein zynischer oder derb-bissiger, wie er die Werke der Landsleute Camilleri und Carofiglio auszeichnet. Giuttaris Rachefeuer kommt überwiegend ernst und schwer daher.
Keine Frage, Rachefeuer überzeugt mit einem Kriminalfall, in dem verschiedenste Facetten des Verbrechens, wie Korruption, Geld- und Machtgier, aber auch Terror in einem klug konzipierten Plot präsentiert werden. Eine bedrückende Authentizität, durch den engen Bezug zur politischen Situation des beginnenden 21. Jahrhunderts und durch die akribisch und detailgetreu gezeichnete Ermittlungsarbeit, zeichnet diesen Kriminalroman aus. »Rachefeuer« kann also »Krimipuristen«, die sich ganz auf einen vielschichtigen, spannenden Fall konzentrieren wollen, bedenkenlos empfohlen werden. Wer darüber hinaus ein wenig italienische Lebensart zwischen den Zeilen spüren möchte, ist mit den Krimis der vorab genannten Autoren besser bedient.
Eva Bergschneider, Juni 2010
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| Abella zu »Michele Giuttari: Rachefeuer« | 24.02.2009 |
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