Stumme Wut von Michael Wood

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel For reasons unknown, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei HarperCollins.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.
Folge 1 der Matilda-Darke-Serie.

  • London: Killer Reads, 2015 unter dem Titel For reasons unknown. 325 Seiten.
  • Hamburg: HarperCollins, 2018. Übersetzt von Peter Friedrich. ISBN: 978-3959671439. 415 Seiten.

'Stumme Wut' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Das Harkness-Massaker jährt sich zum 20. Mal. Es gibt keine Spuren und nur einen damals 11-jährigen Jungen als Zeugen, der nicht spricht. DCI Matilda Darke wird nach einer mehrmonatigen Zwangspause mit dem unaufgeklärten Doppelmord betraut. Genau das, was die Leiterin der Mordkommission nicht wollte: das Abstellgleis. Doch plötzlich weist ein neues Verbrechen Verbindungen zum Harkness-Fall auf. Entgegen ihrer Befehle ermittelt Matilda in dem aktuellen Mord. Es ist ihre letzte Chance, den Täter von einst zu fassen und sich Ihren Vorgesetzten zu beweisen.

Das meint Krimi-Couch.de: Mainstream at its best 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Detective Chief Inspector Matilda Darke, Chefin der Mordkommission von Sheffield, war neun Monate nicht im Dienst. Zuerst starb ihr Mann, danach ging die Lösegeldübergabe bei der Entführung eines siebenjährigen Jungen schief, von dem seither jede Spur fehlt. Es folgten Therapiesitzungen, doch nun drängt es Matilda zurück an die Front. Nicht alle Kollegen freuen sich über ihre Rückkehr, vor allem der stellvertretende Chief Inspector Ben Hales versteht die Welt nicht mehr.

Nicht nur, dass er selber längst den Job von Matilda hätte bekommen müssen, sondern auch der Umstand, dass dieses menschliche Frack, offensichtlich noch nicht wieder dienstfähig und zeitweise dem Alkohol verfallen, überhaupt ermitteln darf, geht ihm gegen den Strich. Matilda bekommt zwar eine neue Chance, allerdings hat ihre Chefin ebenfalls Bedenken, sie direkt in ihrer alten Position einzusetzen. Sie soll erst beweisen, dass sie erneut voll einsatzfähig ist und daher einen »cold case«, einen alten Fall lösen.

Enthüllungsjournalist fällt durch verdächtiges Detailwissen auf

Vor 20 Jahren wurden die Eltern von Jonathan Harkness, damals elf Jahre alt, brutal ermordet. Er selber war zur Tatzeit im Haus, blieb traumatisiert zurück und konnte erst anderthalb Jahre später wieder sprechen, ohne sich dabei an die Geschehnisse erinnern zu können. Sein 15-jähriger, verhasster Bruder Matthew verschwand damals für drei Tage, doch jetzt, zwei Jahrzehnte später, wird seine brutal entstellte Leiche gefunden. Hat der Mörder von damals wieder zugeschlagen? Während Matilda die alten Unterlagen durchsieht, ermittelt Hales im aktuellen Fall, wobei sich die Beiden ordentlich in die Quere kommen.

Jonathan selbst ist nach wie vor der typische Einzelgänger, dessen Nachbarin Maun ein auffälliges Interesse an ihm zeigt. Ebenso wie ein Enthüllungsjournalist, der über den damaligen Doppelmord ein erfolgreiches Buch schrieb, welches durch auffälliges Detailwissen überraschte …

Ein packender Thriller nach dem Baukasten-System

Michael Wood, quasi ein »Kollege«, da er für das Internetmagazin Crimesquad Krimis rezensiert, legt mit »Stumme Wut« (»For Reasons Unknown«) einen packenden Erstling vor, der sich zwar als Mainstream-Ware entpuppt, aber dennoch überzeugt. Wer nichts gegen gängige Konfektionsware hat, der wird hier bestens bedient. Zwar ist einiges konstruiert, nicht alles neu und schon gar nicht alles nachvollziehbar (zum Beispiel, dass eine nach Alkohol riechende Ermittlerin – Matilda – nicht suspendiert wird oder das spätere Verhalten von Hales), aber dies sind eher Kleinigkeiten über die man durchaus hinwegsehen kann. 

Dass das Ende nicht jeden Leser überraschen wird, ist da schon eher ein bisschen ärgerlich, aber bis dahin gibt es immerhin einige Kapriolen zu bestaunen.

»Ich habe außerhalb einer Waterstone-Filiale noch nie so viele Bücher auf einem Haufen gesehen.«
»Hören Sie auf, Rory – wann haben Sie denn das letzte Mal einen Fuß in einen Buchladen gesetzt?«
»Ich habe letztes Jahr das Guinness-Buch der Rekorde gekauft.«
»Nicht gerade ein Booker-Preisträger.«
»Ein was?«

Die Polizeiarbeit wird gut dargestellt, was wenig überrascht, da der Autor als Gerichtsreporter über zahlreiche Fälle aus seiner Heimatstadt berichtet hat. Ebenfalls kommen die gesundheitlichen Einschränkungen von Jonathan und Matilda ausführlich zur Sprache so wie das extrem angespannte Verhältnis zwischen Matilda und Hales.

Vor allem die Figur der Haupt-Protagonistin ist sehr bildhaft und überzeugend gelungen, die nach den beiden Schicksalsschlägen (Tod des Ehemanns, missglückte Lösegeldübergabe) mit dem Wiedereinstieg in ihren Job zu kämpfen hat. Der Spannungsbogen ist ordentlich, da mehrere Figuren ihre Geheimnisse haben (die man im Fall des Enthüllungsjournalisten bei sorgfältiger Polizeiarbeit aber auch durchaus schon früher hätte lösen können). Fazit: Ein sauberes Debüt mit kleinen Schwächen und einer Ermittlerin, der man weitere Fälle wünscht.

Jörg Kijanski, Februar 2018

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Hulda1963 zu »Michael Wood: Stumme Wut« 21.02.2018
Aufgrund der Empfehlung der Krimi-couch habe ich das Buch mit Spannung gelesen.
Die guten Kritiken finde ich berechtigt.

Es ist spannend und die Handlung wird ordentlich voran getrieben. Eine sympathische Ermittlerin, Matilda und ihr Gegenspieler, der unbeliebte Hales.
Dazu kommen noch mehrere Polizeikollegen und das Kind aus dem berüchtigten Harkness Fall, das jetzt ein traumatisierter Erwachsener ist.
Es werden falsche Spuren gelegt und Haken geschlagen, nicht immer wird die Geschichte schlüssig erzählt.
Warum Matilda ein Alkohol Problem hat, zudem auch Mittel gegen Depressionen nimmt und sich ihre Therapeutin nicht aussuchen darf, erschließt sich mir nicht.
Kein Wunder, dass die Vorgesetzte ihr nicht zutraut, sofort wieder in den normalen Dienst einzusteigen.
Anscheinend ist es ja in England so, dass man sofort, wenn auch nur ein Fall schief läuft aus dem Dienst entfernt wird?
Alles auf jeden Fall spannend erzählt.
Das Ende etwas unwahrscheinlich, aber da kein anderer Verdächtiger übrig bleibt passt es schon.
dorli zu »Michael Wood: Stumme Wut« 12.02.2018
Sheffield/South Yorkshire. Nach dem Tod ihres Mannes und einem Fall mit einer gescheiterten Lösegeldübergabe hatten schwere Depressionen Matilda Darke monatelang fest im Griff. Jetzt will sie in ihren Job als Leiterin der Mordkommission zurückkehren, doch der Wiedereinstieg verläuft nicht ganz so glatt, wie Matilda es sich vorgestellt hat.

Während ihr Stellvertreter DCI Ben Hales weiterhin die aktuellen Fälle bearbeitet, soll Matilda sich um einen alten Fall kümmern – das Harkness-Massaker. Der nie aufgeklärte Doppelmord an Miranda und Stefan Harkness jährt sich zum zwanzigsten Mal und wird zum Anlass für die Wiederaufnahme des Falls genommen.

Matilda macht sich daran, die alten Akten zu studieren und stolpert dabei über ein Buch des Journalisten Charlie Johnson, der über ein auffälliges Detailwissen über den Harkness-Fall und die dazugehörigen Ermittlungen verfügt.

Besonders unter dem Attentat gelitten hat der damals 11-jährige Jonathan, der sich zur Tatzeit im Haus befand und alles mit ansehen musste. Jonathan - durch das schreckliche Erlebnis für lange Zeit verstummt - hat sich nie zu dem Erlebnis geäußert und ist zu einem Einzelgänger geworden.
Sein älterer Bruder Matthew war an dem Abend des Mordes bei einem Freund und blieb danach für mehrere Tage verschwunden.

Während Matilda Jonathan zu den damaligen Ereignissen befragt und versucht, den unbekannt verzogenen Matthew aufzuspüren, wird in Sheffields Innenstadt ein Toter gefunden. DCI Hales übernimmt diesen Fall, doch schon bald entdeckt Matilda Verbindungen zum Harkness-Fall und mischt sich, sehr zum Unmut des Kollegen, in dessen Ermittlungen ein…

„Stumme Wut“ ist der Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe rund um Detective Chief Inspector Matilda Darke, wiedererstarkte Chefin der Mordkommission Sheffield.

Michael Wood versteht es ausgezeichnet, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Schnell ist man mittendrin im Geschehen und erlebt nicht nur die Ermittlungen, sondern auch die persönlichen Probleme sowie das Miteinander und besonders das Gegeneinander der Protagonisten hautnah mit.

Der Kriminalfall ist knifflig und bleibt durch einige unerwartete Ereignisse bis zum Schluss spannend. Geschickt lenkt der Autor den Blick des Lesers dabei in unterschiedliche Richtungen, so dass man prima über Motive, Zusammenhänge und Täter miträtseln und mitgrübeln kann.

Sehr gut gefallen hat mir die Darstellung der Akteure. Sowohl Haupt- wie auch Nebenfiguren bekommen schnell ein Gesicht und handeln entsprechend ihren Eigenheiten. Besonders Matildas langsames Zurückfinden zu alter Stärke wird gelungen präsentiert. Sie scheint zunächst mit der Situation überfordert, hat Schuldgefühle und Panikattacken, flüchtet immer wieder in den Alkohol und kämpft sich dennoch mit Hilfe ihrer guten Freundin Adele nach und nach zurück in die Spur.

„Stumme Wut“ hat mir gut gefallen, mich aber nicht gänzlich überzeugt – ich hadere ein wenig mit der Auflösung, die nicht ganz so einleuchtend und nachvollziehbar ist, wie ich sie mir für einen Krimi wünsche.
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