Ein gewöhnlicher Verbrecher von Michael van Rooy

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel An ordinary decent criminal, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Bastei Lübbe.

  • Winnipeg: Ravenstone, 2005 unter dem Titel An ordinary decent criminal. 340 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2008. Übersetzt von Wolfgang Crass. ISBN: 978-3-404-92296-3. 316 Seiten.

'Ein gewöhnlicher Verbrecher' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Sam Parker erschießt drei Menschen. Aus Notwehr. Aber niemand glaubt ihm. Denn Sam ist ein Ex-Krimineller. Er wollte seine Vergangenheit vergessen und ein ruhiges Familienleben führen. Doch die toten Männer sind Mafiosi, und die Polizei bezichtigt Sam des Mordes. Um seine Familie zu schützen, muss er sich auf ein schmutziges Spiel einlassen. Und bald verschwimmt für ihn die Grenze zwischen Gut und Böse …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein beachtenswerter Debütroman aus Kanada« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

»Es wird uns nie gelingen, eine Jury oder einen Richter davon zu überzeugen, dass ein unbewaffneter Mann drei bewaffnete Männer umbringt und dabei selbst keinen Kratzer abbekommt. Und dann müssen wir sie außerdem noch davon überzeugen, dass Sie einen bewaffneten Eindringling entwaffnet und überwältigt haben, obwohl Sie mit Handschellen an ein Krankenhausbett gefesselt waren.« Wie er das so aufzählte, klang es tatsächlich ein bisschen unwahrscheinlich. (S. 46)

Montgomery Haaviko geriet bereits im Jugendalter auf die schiefe Bahn, überfiel bereits mit 16 Jahren eine Apotheke, nahm alle möglichen Drogen und beging in den Folgejahren so ziemlich jedes denkbare Verbrechen. Mittlerweile ist er 32 Jahre alt, verbrachte von den letzten zehn Jahren acht im Gefängnis und will nun noch einmal ganz von vorne anfangen. Nach einem gültigen Gerichtsbeschluss darf er sich Sam Parker nennen und ist mit seiner Frau Claire glücklich verheiratet. Beide leben mit ihrem zehn Monate alten Sohn Frederick und Hund Renfield in einem bescheidenen Haus. Was fehlt ist ein fester Beruf, doch bereits kurz nach dem Einzug in die neue Wohnung scheint ihr Glück schon wieder in Gefahr zu geraten.

Die Umzugskartons sind noch nicht alle ausgeräumt, da stehen plötzlich drei bewaffnete Männer im Wohnzimmer der Parkers. Sam hört die Einbrecher und überrascht sie mit seinem Revolver bewaffnet. Da die Drei angesichts ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit nicht klein beigeben wollen, erschießt sie Sam kurzerhand. Aufgrund seiner Vorgeschichte glaubt ihm die Polizei jedoch nicht, dass er unbewaffnet gewesen sei und einem der Einbrecher die Waffe entwenden konnte. Sam wird verhaftet und gerät in die Hände des zur Gewalt neigenden Sergeanten Enzio Walsh. Doch selbst eine spezielle Behandlung der Polizisten ergibt lediglich ein nicht unterschriebenes Geständnis. Als sein hinzugezogener Anwalt Thompson Sams Verletzungen bemerkt, wird dieser in ein Krankenhaus verlegt. Trotz polizeilicher Bewachung gelingt es einem Killer an sein Bett vorzudringen, denn einer der drei Männer, die Sam in seiner Wohnung erschoss, war der Cousin des Mafiabosses Robillard. Sam gelingt es, den Mordversuch abzuwehren und wird überraschend freigesprochen. Nicht zuletzt weil es ihm gelingt nachzuweisen, dass seine Verletzungen durch die Polizisten verursacht wurden.

Kaum wieder daheim, geht der Ärger weiter. Tägliche Drohungen erschweren ihm die Jobsuche. Dabei hat er es gleich mit drei Gegnern zu tun. Walsh, Robillard und seine neuen Nachbarn, die einen Mörder nicht in ihrer Nachbarschaft dulden wollen. Sam sieht nur eine Möglichkeit, für sich und seine Familie Frieden zu finden. Ein letztes Mal müssen die Grenzen von Gute und Böse überschritten werden. Ein letzter Feldzug gegen Walsh und Robillard muss her und gegen die netten Nachbarn soll ein gemeinsamer Grillabend für Ruhe sorgen …

Ein Krimineller sucht sein privates Glück, doch Polizei und Mafia haben andere Pläne

Der Debütroman des 40-jährigen Kanadiers Michael van Rooy wirkt auf den ersten Blick wie ein schnörkelloses Roadmovie, obwohl die Handlung nur in einer einzigen Stadt spielt. Wo die Handlung spielt, erfährt man zunächst nicht. Nur soviel, die Main Street verläuft entlang des Red River. Na bitte! Immerhin hat der Autor auf Seite 131 dann doch ein Einsehen und klärt uns auf, dass die Geschichte in Winnipeg spielt.

Selbstjustiz-Thriller mit einigen netten Überraschungen

Die Charaktere bleiben blass, man fühlt sich ein wenig wie in den Gangsterfilmen aus der Schwarz-Weiß-Film-Ära. Schnurgerade stolpert der Protagonist und Ich-Erzähler Sam Parker durch die Szenerie und zeigt, dass man vermutlich doch nicht so ganz von den alten Gewohnheiten ablassen kann. Dabei gelingt es ihm auf beeindruckende und perfide Weise, dem für seine Gewaltexzesse bekannten Sergeant Walsh ein Bein zu stellen. Wunderbar! Leider wirkt sein Sieg gegen Robillard, einem erstaunlich farblosen Mafioso, dagegen recht schwach. Die Überlistung der Nachbarn ergibt im Ergebnis ein – sportlich gesehen – sauberes 2:1 zugunsten des Autors.

Wer sich an Selbstjustiz nicht stört sowie Fans von Filmen wie Falling Down dürften hier auf ihre Kosten kommen. Ein gewöhnlicher Verbrecher ist ein kurzweiliger und actionreicher Roman für einen verregneten Nachmittag, der allerdings schon bald wieder in Vergessenheit geraten wird.

Jörg Kijanski, Januar 2009

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andrepolis zu »Michael van Rooy: Ein gewöhnlicher Verbrecher« 17.05.2012
Es ist kein Thriller. Das steht fest: Der Held der Geschichte erzählt, wie er, nachdem er seinen Namen gewechselt hat, versucht in einer anderen Stadt ein neues Leben mit seiner Familie zu beginnen.
Der Start beginnt etwas daneben: Er erschießt drei Verbrecher und muss danach einen Spießrutenlauf durch einen örtlichen Verbrecher und einen Polzeihelden durchleben, der es in sich hat. Sam Parker ist aber nicht so einfach unterzukriegen.
Sollte der Autor Micheal van Rooy nochmehr über diesen Antihelden schreiben, werde ich mir auch die nächsten Bücher kaufen. Es wird jedes Detail beschrieben, mit exaktem Bezug auf die Vergangenheit der Hauptperson. Abgerundet mit derber, teils witziger Sprache wird hier eine Geschichte über einen Ex-Ganoven erzählt. Keineswegs "gewöhnlich" und auch nicht als "Thriller" angesehen.
Es ist sehr gute Unterhaltung und deshalb auch "nur" 65°.
André Polis zu »Michael van Rooy: Ein gewöhnlicher Verbrecher« 27.03.2009
Ich weiß nicht,was Herr Kijanski im Januar gelesen hat,aber es ist nicht das Buch,was ich vor mir habe.Ganz im Gegenteil finde ich die Personen weder farblos noch langweilig.Gerade Inspector Walsh und der Mafia-Boss werden folgerichtig als Proleten und Kleinstadt-Verbrecher gezweichnet.
Ein Einsehen habe ich mit der tatsächliche schnurgeraden Story.Tatsächlich sieht alles ganz einfach aus,aber nichts anderes erwarte ich von dem humorvollem,sarkastischen,brutalen Herren mit dem ehemaligen Knastgewande.Wer einsitzt und schon eine ganz Menge auf dem Kerbholz hat, den lassen Gefühle nicht kalt.Und das wird auch besonders gut gegen Ende des Buches erzählt,wo sich die Sucht nach Alkohol und Drogen wieder breit macht.Das "Just-Say-No"-Prinzip hilft.Ein Krimi nach meinem Geschmack,mit einem ungewöhnlich lustigen Ende und einem Sam Parker,von dem ich gern mehr lesen möchte.Prädikat:Wertvoll!
Hessenkrimi zu »Michael van Rooy: Ein gewöhnlicher Verbrecher« 01.02.2009
Meine Meinung als ein Abgestempelter
Schwerverbrecher(als Geldfälscher)mit
8 Jahre Gefängnis,finde den Inhalt von dem Buch so ganz OK.
Aber wie gesagt,der beste Autor ist der Täter selbst,der das Verbrechen gelebt
hat und auch seine Strafe erlebt hat.
Gruss,der Fälscher.
Hessenkrimi
Schwerverbrecher-Events
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kalkamat zu »Michael van Rooy: Ein gewöhnlicher Verbrecher« 01.02.2009
Hallo!

Ich fand das Buch hervorragend, es gab heiße 90 Grad von mir.

Besonders interessant an diesem kurzweiligen Buch fand ich die Perspektive aus Sicht des Gangsters, vielmehr Ex-Gangsters zu schreiben.
So ungewöhnlich ist das sicher nicht (siehe Garry Disher etc.), aber Herr van Rooy scheint sich ganz gut in der Szene auszukennen. Wie schnell man aus nichts über 1000 Dollar in einem großen Einkaufszentrum macht, ohne Gewalt gegen Menschen anzuwenden habe ich so noch nie gelesen. Prima! Das Buch ist wohl dosiert gespickt mit kleinen Details aus einem Verbrecherleben.

In diesem Thriller steckt auch eine gehörige Portion Humor und Selbsthumor. Der gewöhnliche Ex-Verbrecher und Ex-Junkie Sam Parker besitzt in jedem Falle eine Menge davon und braucht ihn auch, um den Widerständen in Form eines krankhaften Polizisten, eines rachsüchtigen Gangsterbosses und den fiesen Nachbarn zu trotzen, die ihm seinen Neuanfang als Bürger in der braven Stadt Winnipeg mit allen Mitteln verwehren wollen.

Dass der Ort der Handlung erst auf Seite 131, wie vom Krimi-Couch Rezensenten Jörg Kijanski behauptet, bekannt gegeben wird, ist erstens für die Handlung vollkommen unrelevant und zweitens stimmt es nicht! Der Handlungsort wird schon eindeutig auf Seite 37 bekannt gegeben. Normalerweise wäre mir das unwichtig und ich würde nicht darauf eingehen, aber wenn das bei Ihnen, Herr Kijanski, so auffallend erwähnt wird, dann werde ich eben kleinlich.

Ich wünsche allen viel Spaß beim Lesen, es lohnt sich!

kalkamat
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