Eistod von Michael Theurillat

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Claasen.
Ort & Zeit der Handlung: Schweiz / Zürich, 1990 - 2009.
Folge 2 der Kommissar-Eschenbach-Serie.

  • Berlin: Claasen, 2007. ISBN: 978-3-546-00420-6. 314 Seiten.

'Eistod' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Eine Reihe toter Obdachloser, ein verschwundener Assistent und ein Professor unter Mordverdacht. In seinem zweiten Fall gerät Kommissar Eschenbach in einen Sumpf aus Intrigen und tödlichem Ehrgeiz. Wem kann er selbst in höchsten Polizei- und Politikerkreisen noch trauen? , In diesem eisigen Winter wundert sich zunächst niemand, als in Zürich immer mehr Obdachlose erfroren aufgefunden werden. Doch dann entdeckt ein Gerichtsmediziner bei den Toten Reste eines rätselhaften Giftes. Die Ermittlungen führen Kommissar Eschenbach an das Biochemische Institut zu Professor Winter, der als Anwärter auf den Nobelpreis gilt. Hat sein alter Schulfreund tatsächlich etwas mit den Toten zu tun? Eschenbach werden Hinweise zugespielt, dass Winter womöglich biochemische Substanzen zur Folterung islamischer Terroristen entwickelt hat. Und wo steckt Winters Assistent, der plötzlich wie vom Erdboden verschluckt ist? Je weiter Eschenbach mit seinen Nachforschungen in die besseren Kreise vordringt, desto tiefer gerät er in einen Sumpf aus Intrigen, Lügen und Korruption.

Das meint Krimi-Couch.de: »Für Freunde der ruhigen Erzählart« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Konrad Schwinn, Assistenzprofessor am Biochemischen Institut der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH), leistet als Technischer Unteroffizier seinen Militärdienst beim Schweizer Nachrichtendienst ab. Da er neben anderen Sprachen auch Arabisch beherrscht, wird er gebeten, drei Schreiben, die mittels eines neuen Programms abgefangen werden konnten, zu übersetzen. Während zwei Schreiben bedeutungslos sind, hat es das letzte Schreiben umso mehr in sich. Demnach soll ein Mann für die CIA und deren Verhörmethoden bewusstseinserweiternde Substanzen entwickeln. Schwinn erkennt sofort, wer dieser Mann ist und dass die Spur direkt ins ETH führt. Geradewegs zu seinem Vorgesetzten Prof. Theo Winter.

Von alldem bekommt Kommissar Eschenbach von der Kriminalpolizei Zürich nichts mit. Ebenso wenig beunruhigt ihn zunächst, dass auffallend viele Obdachlose sterben. Doch selbst wenn es in Zürich stark schneit und bitter kalt ist, so sind zwölf Tote in vier Wochen selbst in dieser Szene eindeutig zu viel. Stattdessen verwendet Eschenbach seine Zeit auf eine Schießerei vor dem »Crazy Girl«, dabei ist hier eigentlich alles geklärt. Dennoch kann er mit einigen an sich überflüssigen Arbeiten die für das neue Jahr anstehenden bürokratischen Pflichten wie Budgetplanungen vor sich herschieben.

Die Situation ändert sich für Eschenbach jedoch, nachdem ein weiterer Toter aus dem Limmat gezogen wird, denn die Obduktion ergibt, dass der Mann einer Fischvergiftung erlag. Plötzlich führt die Spur in den nahezu undurchschaubaren Sumpf aus allen erdenklichen Drogen und als dann auch noch Konrad Schwinn um Rückruf bittet, scheint sich der Kreis zu schließen. Plötzlich ist Eschenbach zum Handeln gezwungen, denn quasi über Nacht verschwindet Schwinn von der Bildfläche und kurz darauf wird Prof. Winter in den Medien der Zusammenarbeit mit der CIA angeklagt. Zu allem Überfluss bekommt Eschenbach auch noch den Neffen von Regierungsrätin Sacher als neuen Praktikanten aufs Auge gedrückt …

Viel hat sich seit dem Debüt nicht verändert

Wer den Debütroman der Eschenbach-Serie Im Sommer sterben von Michael Theurillat kennt, der weiß, worauf er sich hier einlässt. Wenig hat sich seitdem verändert. Der Kommissar ohne Vornamen steht vor seiner zweiten Scheidung, nachdem ihn seine Frau Corina für einen Architekten hat sitzen lassen. Probleme bereitet auch Tochter Kathrin, die im Verlaufe der Handlung – Überraschung! – ebenfalls mit Drogen in Berührung kommt. Eschenbach selbst bleibt zunächst mangels eines konkreten Falles nur durch die kalte Gegend zu niesen, seine geliebten Brissagos zu rauchen bis er sich dann später im Rahmen der Ermittlungen um die Herren Schwinn und Winter in eine Sekretärin verlieben darf, die gerade einmal halb so alt ist wie er selbst.

Die Handlung ist anfangs langwierig und verworren, nimmt später jedoch Fahrt auf. Die Verwirrung bleibt jedoch über weite Passagen erhalten, was aber nicht zwingend negativ zu sehen ist, denn am Ende führt Michael Theurillat die Geschichte zu einem akzeptablen Ende. Allerdings sollte man angesichts der zahlreichen Passagen über psychotropische (bewusstseinserweiternde) Substanzen und ähnliche Ausflüge in die Welt der Biologie und Chemie über Grundkenntnisse ebendieser Gebiete verfügen. Ansonsten wird es zeitweise etwas arg fachchinesisch und man muss zu dem alten Trick greifen, einfach weiter zu lesen und die Dinge so zu akzeptieren, wie sie erzählt werden.

Theurillats Schreibstil wirkt ein wenig altbacken, aber keineswegs uninteressant. Zwar verzichtet er weiterhin konsequent auf jede Form von Action und lässt seinen Kommissar mit seinen ständigen Brissagos ein klein wenig an Maigret erinnern (auch vom Erzähltempo her), doch macht er dies mit einigen humorvollen Dialogen wieder wett. Denjenigen, die das Debüt kennen sei noch gesagt, dass es ein Wiedersehen mit mehreren alten Bekannten gibt, darunter auch der ehemalige Praktikant Claudio Jagmetti.

Jörg Kijanski, Juli 2008

Ihre Meinung zu »Michael Theurillat: Eistod«

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Rolf Minder zu »Michael Theurillat: Eistod« 14.02.2011
Nachdem ich "Sechseläuten" gelesen habe, der mir sehr gefiel, kaufte ich mir "Eistod". Auch dieses Buch vermochte mich zu fesseln. Die schnorkellose aber interessante und spannende Erzählweise des Autors vermag zu überzeugen und macht "lesesüchtig". Ich werde mir noch seinen ersten Krimi "Sterben im Sommer" kaufen und bin dann auch gespannt auf "Rütlischwur" den ich bei meinem Buchhändler bereits bestellte.
Edgar Steiger zu »Michael Theurillat: Eistod« 08.02.2011
Theurillats "Sechseläuten" konnte man noch leben lassen. Aber "Eistod" war mit Sicherheit mein letztes Buch dieses Autors. Ich habe mich durchgekämpft bis zur letzten Seite, dann habe ich den Papierbrocken zerrissen - zu Hudeln und zu Fetzen. Das Ganze ist nichts als eine Ansammlung von Phrasen, schon hundertmal gesehen, gehört und gelesen. Anbiederndes ans deutsche Publikum: die Tram, der Gehsteig, usw. Oberflächliche, anmassende Kritik an der Schweizerischen Volkspartei und an der Militärpolitik. Dann wärmt er noch die prähistorische Fehde zwischen Baslern und Zürchern auf. Unglaublich. Der sogenannte Krimi ist eine einzige Fehlkonstruktion - fad, ungeniessbar. Das Einzige was einen packt ist die Wut auf den Autor und diesen elenden Besserwisser von Kommissar.
Conny22 zu »Michael Theurillat: Eistod« 02.06.2010
Aus Respekt vor dem Autor lese ich jedes Buch zu Ende, das ich angefangen habe, aber nur einmal (bei Richard Powers) ist mir das so schwer gefallen wie hier. Die Story ist überkonstruiert und konfus. Der Mix aus Züricher Lokalkolorit und Geheimdienst-Konspirations-Soße ist schon fast lachhaft. Die Charaktere sind anämisch und fade. Der Komissar ein billiges Abziehbild diverser Vorbilder mit den üblichen Zutaten Melancholie, Eheprobleme, Marottchen, aber er lebt nicht. Die Dialoge quälend öde, dabei zwanghaft auf originell getrimmt. Und, für einen Krimi die Todsünde: Die Geschichte ist langweilig. Kein Spannungsbogen, kein Höhepunkt, nichts. Die wissenschaftlichen Passagen zu den psychotropen Substanzen fand ich noch am interessantesten, aber dafür gibt es Fachbücher. Einziger Pluspunkt: ich habe im Urlaub jeden Abend im Bett zu dem Buch gegriffen, weil es mich in wenigen Minuten so schön schläfrig gemacht hat...
Peter Rothenhäusler zu »Michael Theurillat: Eistod« 16.09.2009
Da tut sich ja richtig was mit den Kritiken.

Ich muss noch einen kleinen aber wichtigen Nachtrag betreffend Lokalkolorit machen. In Zürich gibt es gar keine Kommissare. Die Mitarbeiter der Polizei heissen Detektive. Die Begründung für diese Wahl würde mich interessieren. Muss alles für den Deutschen Markt konditioniert werden.
Schrodo zu »Michael Theurillat: Eistod« 30.08.2009
Winter in Zürich, es wundert niemanden, dass immer wieder erfrorene Obdachlose aufgefunden werden. Doch dann entdeckt ein Gerichtsmediziner bei den Toten Reste eines rätselhaften Giftes. Die Ermittlungen führen Kommissar Eschenbach an das Biochemische Institut zu seinem Jugendfreund Professor Winter.
Dieses Buch, daß sich Krimi nennt ist keinesfalls spannend, es ist auch nicht mitreißend geschrieben, es hat auch keine besonders verzwickte Story, sie finden auch keinerlei Action darin, aber es ist ein wirklich klasse Buch!
Die Story ist absolut schlüssig und sehr gut zu lesen. Sogar Erotik gibt´s. Die Hauptperson, Kommissar Eschenbach ein knorriger Mittfünfziger reißt nebenbei noch eine 25jährige Supertippse auf…und das alles in der gemütlichen und beschaulichen Schweiz. Toll, mir hat´s sehr gut gefallen. Weiter so
odile zu »Michael Theurillat: Eistod« 28.06.2009
Michael Theurillat hat mit Eschenbacher einen Ermittler geschaffen, der eher bedächtig, manchmal etwas ungeschickt, aber stets beharrlich und zielorientiert seine Fälle löst. Seine familiäre Situation macht ihm zu schaffen und lässt ihn sein Leben und seine Handlungsweise immer wieder hinterfragen, so auch die Beziehung zu der Sekretärin eines Hauptverdächtigen.
Der Schauplatz Schweiz bietet Abwechlsung zur Fülle amerikanischer und skandinavischer Kriminalfälle.
Die Handlung beinhaltet weder rasante Action noch spektakuläre Greuelelemente auf, die derzeit so beliebt zu sein scheinen. Vielmehr entwickelt sich das Geschehen allmählich und immer etwas undurchsichtig bis zum durchaus befriedigenden Schluss.
Wer nicht auf Action, Thriller und grausige Elemente steht, findet hier interessantes Lesefutter.
Tempe zu »Michael Theurillat: Eistod« 23.06.2009
Leider fällt mein Urteil über diese Buch eher mässig aus. Denn für mich war dies kein Krimi sondern eher eine Geschichte, es fehlte an Spannung un Esprit in diesem Buch.
Ich hab es nur fertig gelesen um zu wissen ob da noch was kommt aber fehlanzeige!
Ich werde keine Bücher von Michael lesen, das war mich einfach zu langweilig! Sorry!
Peter Rothenhäusler zu »Michael Theurillat: Eistod« 13.03.2009
Ich hab nicht geschrieben, dass ich das "Einfliessen" von Schweizer Ausdrücken nicht gut finde, sondern nur die Art und Weise. Wenn schon, dann richtig. Nochmals: "die Tram" ist NICHT authentisch. Es heisst "das Tram".
Und "das Gipfeli", und auch auch nicht "der Schiss" sondern "Schiss" ohne Artikel.
Das mit den Ortsbezeichnungen ist zugegebenermassen subjektiv.
Wirklich absurd ist aber zum Beispiel die Aussage, dass das Dolder und die ETH auf dem gleichen Hügel sind.
Rinquinquin zu »Michael Theurillat: Eistod« 23.12.2008
Nein, der Meinung bin ich nicht, dass einen Nichtzürcher Ortsbeschreibungen nicht interessieren. Auch dass Schweizer Ausdrücke mit einfliessen, macht den Roman doch authentischer. Das Buch ist flüssig geschrieben und die Launen und Sorgen von Eschenbach sind schon reell und doch amüsant beschrieben. Etwas anstrengend fand ich die wissenschaftlichen Abhandlungen, da kann ich nicht anders und lese drüber weg.
Peter Rothenhäusler zu »Michael Theurillat: Eistod« 26.03.2007
"Der Süden Zürichs"
****************
Die Handlung von Eistod ist süffig, leicht zu lesen, jedoch etwas gesucht - das kennt man ja bereits aus Tatort und anderen Fernesehkrimis. Da haben für meinen Geschmack einfach zu viele Personen der Handlung (insbesondere der Kommissar) Bezug zu einander.
Die Beschreibung Zürichs ist nicht sehr stimmig sondern eher zwischen pedantisch und amüsant "pendelnd". Es interessiert eigentlich niemanden, dass man beim Bellevue rechts in die Rämistrasse einbiegen kann. Einen Zürcher nicht weil er es schon weiss, einen Nichtzürcher nicht, weil er trotzdem nichts damit anfangen kann. Solche Passagen gibt es zu Hauf.
Oder, dass das Dolder Hotel auf dem gleichen Hügel steht wie die ETH ... sagt eben gar nicht aus über das Wesen von Zürich.

Ein paar Stellen gehen ganz klar in den Bereich "ungewollte Komik" (oder ist sie vielleicht doch gewollt).
1. Der Süden Zürichs
Mein Favorit: Fragen sie einen Zürcher, ob er je vom Süden Zürichs gesprochen hat.

2. Die Tram
Es gefällt mir durchaus, dass Theurillat "Schweizer Deutsche" Ausdrücke wie "büschelen" (= sortieren) einbaut. Wieso in aller Welt schreibt er dann "die Tram". In Zürich heisst es nun mal von NZZ bis Blick "das Tram". Gilt ebenso für "der Gipfeli" oder "hatte einen solchen Schiss".

3. Animosität zwischen Zürich und Basel
Diese soll, so wird suggeriert, seit dem Vorfall mit Basler (ja es heisst Basler und nicht Baseler) Fussballfans in Zürich quasi wieder massiv und dauerhaft ausgebrochen sein. Stimmt einfach nicht!

4. Das holpernde Tram
Immer weider holpert und schüttelt das Tram zum Beispiel vom Römerplatz (welcher eigentlich Römerhof heisst) runter. Zum Zeitpunkt des Romasn (also nach dem ominösen Fussbalspiel) gab es keine so alten Trams mehr.


Fazit:
Ich werde auch "Im Sommer sterben" noch lesen, umweitere "neue" Ausdrücke zu lernen. Der Handlung zu folgen dürfte wie auch bei "Eistod" nicht allzu schwierig sein.

Bis dann erhole ich mich im "Süden Zürichs".
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