Kubu und der zweite Tod von Goodluck Tinubu von Michael Stanley

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel A deadly trade, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Eichborn.
Ort & Zeit der Handlung: Afrika, 1990 - 2009.
Folge 2 der David-\"Kubu\"-Bengu-Serie.

  • New York: Harper, 2009 unter dem Titel A deadly trade. 468 Seiten.
  • London: Headline, 2009. 438 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Eichborn, 2011. ISBN: 978-3-8218-6123-4. 512 Seiten.

'Kubu und der zweite Tod von Goodluck Tinubu' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Eigentlich ist das Jackalberry Bush Camp ein abgeschiedenes, wildromantisches Urlaubsziel im botswanischen Chobe Nationalpark – bis ein grausamer Doppelmord Detective Kubu und seinen Kollegen Tatwa auf den Plan ruft. Einem Gast – Goodluck Tinubu, Lehrer aus Mochudi – wurde in seinem Zelt die Kehle durchgeschnitten, ein weiterer Tourist hinterrücks erschlagen, und ein dritter Gast ist urplötzlich abgereist. Die Sache scheint klar: Der dritte Mann, ein in Simbabwe gesuchter Dissident, muss der Mörder sein. Doch je mehr Kubu sich mit dem Camp und dessen Bewohnern beschäftigt, desto sicherer ist er, dass er auf eine falsche Fährte gelockt werden soll und der Kreis der Verdächtigen sehr viel größer ist. Das Ergebnis der forensischen Untersuchung bestätigt, dass dieser Fall in der Tat mysteriöser ist, als es den Anschein hatte: Tinubu ist nämlich schon einmal gestorben – dreißig Jahre zuvor im rhodesischen Bürgerkrieg.

Das meint Krimi-Couch.de: »Breit ausgewalzter Krimi um «Kubu», das Nilpferd« 32°

Krimi-Rezension von Georg Patzer

Ein arg reißerisches Detail, mit dem der Verlag hier wirbt: dass ein Mann gleich zweimal stirbt wie Goodluck Tinubu. Leider ist auch dies wie so vieles in diesem Roman übertrieben oder gar nicht nötig. Denn Tinubus Verbindungen mit den früheren Unruhen im Nachbarland Rhodesien, mit den blutigen Unabhängigkeitsbewegungen, den terroristischen Anschlägen und Massakern zwischen Schwarzen und Weißen im Süden Afrikas werden auch so deutlich genug.

Denn darum kreist der ganze, leider sehr breit ausgewalzte Roman, auch wenn die Polizisten immer wieder vermuten, es könnte sich um Drogenkuriere handeln, um mörderische Gebietsaufteilungen der Drogengroßhändler – und in Boy Gomwe einen Toten finden, bei dem es wirklich darum ging. Der Hauptstrang der Handlung aber behandelt die Schwierigkeiten, sich die Freiheit zu erkämpfen und die Menschenwürde dabei zu behalten oder zurückzugewinnen. In einem aufsehenerregenden Essay hat Frantz Fanon vor vielen Jahrzehnten »bewiesen«, dass das nur mit äußerster Gewalt und entsprechender Katharsis geht (Nelson Mandela zeigte einen anderen Weg). Ihm scheinen einige der Nebenpersonen des Krimis gefolgt zu sein, wie sich nach und nach herausstellt: der weiße Leiter des Jackalberry Bush Camps, Morné »Dupie« du Pisanie, und sein Helfer Enoch Kokorwe ebenso wie Goodluck Tinubu, der früher George hieß und als engagierter und sehr beliebter Lehrer in Simbabwe arbeitete. Außerdem Ishmael Zondo, der lange Zeit von der Polizei als Mörder verdächtigt wird, weil er so urplötzlich von dieser idyllischen Ferienfarm abgereist ist.

Natürlich ist es wie in jedem ordentlichen Krimi, dass die zuerst verfolgten Spuren falsch sind, und die Polizisten David »Kubu« Bengu und der »Tatwa« (Giraffe) genannte Joseph Mooka sich mühsam durch ein Gestrüpp von Lügen und Halbwahrheiten kämpfen müssen, durch politische Einfluss- und Rücksichtnahmen ebenso wie durch eigene falsche Schlüsse und Dummheiten. So lenkt Kubu selbst zwei ziemlich brutale Menschen auf sich und seine Familie, weil er so tut, als hätte er das Objekt der Begierde und wäre bestechlich. Die Folge ist, dass die beiden erst seine Frau Joy, dann seine Schwägerin Pleasant entführen wollen.

Leider ist der Krimi, den der ehemalige Mathematiker Michael Sears und der Lernpsychologe Stanley Trollip zusammen unter dem Namen Michael Stanley geschrieben haben, allzu behäbig und umständlich, als dass er den Leser wirklich für seine Themen interessieren könnte. So erfahren wir nicht nur, dass »Kubu«, der titelgebende Spitzname des Protagonisten »Nilpferd« bedeutet, weil er so dick ist, sondern es wird immer wieder betont erzählt und breit getreten, dass Kubu jeden Morgen ein ausführliches Frühstück einnehmen muss oder dass er sich auf das nächste Essen freut. Das hatten wir dann nach dem dritten Mal schon verstanden und sind nur noch verärgert. Der Entwicklung des Falls, seiner Aufklärung und der gesamten Atmosphäre schadet das nur.

Michael und Stanley haben aber auch für viele andere Details keine angemessene oder auch nur wandelbare, bewegliche Sprache. So erzählen sie im gleichen etwas schwerfälligen Tonfall von den unaufgeregten Besuchen Kubus bei seinen sehr traditionell eingestellten Eltern und vom Versuch der beiden Männer, seine Frau zu entführen, was sie beherzt und mit Karateschlägen und der Hilfe ihres kleinen Hundes vereitelt. Kaum merkt man da, dass es doch eigentlich eine sehr gewalttätige Szene ist. Und auch das stört den Lesegenuss doch erheblich.

Zwar prallen auch hier, wie schon im ersten Roman des Duos und auch in Alexander McCall Smiths Romanen um die »traditionell gebaute« Mma Ramotswe, Tradition und Moderne aufeinander, wobei das sehr viel ruhigere Leben der Traditionalisten der seelenlosen Hektik der westlichen Welt gegenübergestellt wird. Aber es wirkt doch insgesamt alles ein wenig zu dick aufgetragen, die Handlung entwickelt sich manchmal nur mühsam weiter, manchmal verliert sie sich im Nichts wie Allison Levine, die den Musikalienhändler und Drogendealer Boy Gomwe in eine tödliche Falle lockt und danach einfach sang- und klanglos aus dem Buch verschwindet (in der Liste der Romanfiguren am Anfang taucht sie gar nicht erst auf), und die Autoren haben doch insgesamt sehr damit zu kämpfen, den Plot zu bändigen und den Charakteren wirkliches Leben einzuhauchen. Leider verlieren sie meistens.

Georg Patzer, September 2011

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