Todeswunsch von Michael Robotham

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Bleed for me, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Goldmann.
Folge 4 der O´Loughlin-und-Ruiz-Serie.

  • London: Sphere, 2010 unter dem Titel Bleed for me. 418 Seiten.
  • München: Goldmann, 2011. Übersetzt von Kristian Lutze. ISBN: 978-3-442-31249-8. 512 Seiten.

'Todeswunsch' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Der Psychologe Joe O’Loughlin ist sich nicht sicher, ob er sich ausgerechnet Sienna Hegarty als beste Freundin für seine Tochter Charlie wünscht. Denn die frühreife Sienna ist nicht immer ein guter Umgang. Doch als sie eines Abends blutüberströmt bei den O’Loughlins auftaucht, nimmt Joe sich ihrer an. Denn im Haus der Hegartys ist etwas Schreckliches passiert: Siennas Vater liegt tot in ihrem Zimmer – jemand hat ihm die Halsschlagader durchtrennt. Sienna kann sich an nichts erinnern. Auf ihrer Kleidung klebt das Blut des Toten, und das Mädchen hat außerdem ein starkes Motiv für die Tat, wie Joe mit Hilfe seines Freundes, dem Ex-Polizisten Vincent Ruiz, herausfindet. Sienna wird des Mordes an ihrem Vater angeklagt, aber Joe ist von ihrer Unschuld überzeugt. Und er soll eine Wahrheit zu Tage fördern, die schwerer wiegt als alles, was er für möglich gehalten hätte …

Das meint Krimi-Couch.de: »Mit Herzblut geschrieben« 84°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

»Ein neuer Stern am Krimi-Himmel«, »Michael Robotham schreibt sich in die 1.Liga«, »In der Königsklasse der Thriller-Autoren« – so überschrieben die begeisterten Krimi-Couch-Kollegen ihre Rezensionen zu den Vorgänger-Romanen von Todeswunsch. Die Leserschaft reagierte anfänglich noch zurückhaltend, gab doch der deutsche Titel des Debütromans Anlass zu Irritationen. Was auch immer jeder einzelne mit dem Wort Adrenalin assoziierte, mit einem feinfühligen Psycho-Thriller hatte kaum einer gerechnet. Ihren ersten Höhepunkt erreichte die Reihe um den Psychologen Joe O`Loughlin mit Dein Wille Geschehe, das in puncto Spannungsaufbau und Dramatik kaum zu toppen ist. So reicht denn Todeswunsch nicht ganz an seinen direkten Vorgänger heran, ist aber ohne Frage immer noch fest in der Königsklasse verankert. Michael Robotham beweist einmal mehr, wie eng er mit seinen Protagonisten verbunden ist. In einem Interview hat er eingestanden, dass sie ihm schlaflose Nächte bereiten können. Das merkt man Todeswunsch auch an. Es kommt sehr intensiv und persönlich rüber.

Sienna Hegarty ist vierzehn und eine Ritzerin. Aus einem Tagebucheintrag, der der Geschichte als Prolog vorangestellt ist, erfahren wir, dass sie diese Art der Selbstverletzung seit ihrem elften Lebensjahr praktiziert. Ob es ihr als Reinigung oder Bestrafung dient, oder ob sie es aus Liebe tut, wird nur vage angedeutet. Der äußerliche Schmerz scheint sie von den innerlichen Schmerzen abzulenken, denn Sienna hat mit vierzehn schon einiges durchmachen müssen.
Sienna Hegarty ist vierzehn und Nachbarin der O`Loughlins. Sie ist die beste Freundin der älteren O`Loughlin-Tochter Charlie.

Seit drei Jahren leben die O`Loughlins in einem kleinen Dorf unweit Bath im Südwesten Englands. Joe O`Loughlin, einer der Helden der Roman-Reihe, hatte seine Praxis als klinischer Psychologe in London aufgegeben, um mehr Zeit mit seinen beiden Töchtern verbringen zu können. Aus diesem Grund arbeitet er nur noch als Teilzeitprofessor an der Bath University. Doch die O`Loughlins leben nicht mehr in einem gemeinsamen Haushalt. Nach den dramatischen Ereignissen vor zwei Jahren (siehe Dein Wille geschehe) hat Joes Ehefrau Julianne auf Trennung bestanden. Sie hatte es satt, dass Joe seine Familie immer wieder durch seine Einsätze als psychologischer Berater der Polizei in direkte Gefahr brachte. Zusätzlich hatte Joes Umgang mit seiner fortschreitenden Parkinson-Erkrankung das Leben der beiden erschwert. So wohnt Joe jetzt ein wenig abseits, ohne aber seine wachsamen Augen von seinen Liebsten zu lassen.

Sienna Hegarty ist immer noch vierzehn, als sie eines Abends blutüberströmt an der Haustür der weiblichen O`Loughlins auftaucht und sofort wieder in Nacht und Nebel verschwindet. In ihrem Zimmer zu Hause findet die Polizei ihren Vater Ray Hegarty – niedergeschlagen und mit aufgeschlitzter Kehle. Hegarty galt zu seinen Polizeidienstzeiten als harter Brocken. Seinen Kindern war er ein strenger Zuchtmeister und seine Zuneigung zu seinen Töchtern ging wohl über das gebührliche Maß hinaus.
Detective Chief Inspector Veronica Cray, die den Fall übernimmt, glaubt an die Integrität ihres früheren Kollegen und hat Sienna in Verdacht, während Joe O`Loughlin fest von der Unschuld Siennas überzeugt ist, da er sie als Freundin seiner Tochter Charlie gut kennt. Veronica und Joe, die sich kabbeln wie ein altes Ehepaar, haben früher schon einmal zusammengearbeitet. Jetzt gehen sie getrennte Wege, aber ihr gemeinsames Ziel ist es, den »wahren« Mörder zu finden. Joe ermittelt an Siennas Schule und stößt dabei auf den Theater-Lehrer Gordon Ellis, der einiges auf dem Kerbholz hat. Es ist müßig zu erwähnen, dass Joes alter Kumpel, Detective Inspector im Ruhestand, Vincent Ruiz wieder mitmischt. Er kümmert sich um Ellis´ Vergangenheit.

Michael Robotham ist ein Freund der Ich-Perspektive und des Tempus Präsens. Beides ist dazu angetan, die Distanz zum Leser aufzuheben. Eine Position, in dem sich nicht jeder Leser wohlfühlt. Die Sicht des Ich-Erzählers ist subjektiv und eingeschränkt, aber dafür kommt der Leser in einen intensiven Kontakt mit dieser Figur. Ein Mann wie Joe O`Loughlin, ein Grübler und Zweifler, der sich zudem auch noch mit einer unheilbarer Krankheit herumschlagen muss, ist geradezu prädestiniert, andere an seinem inneren Monolog teilhaben zu lassen. Das eingesetzte Präsens unterstreicht nicht nur Joes Unsicherheit und seine akuten Sorgen, sondern verwehrt auch dem Leser ein geruhsames Sich-Zurücklehnen, um auf Vergangenes zu schauen.

Robothams Romane sind gezielt auf den jeweiligen Hauptakteur zugeschnitten. Dass Prof. O`Loughlin sein Favorit ist, ist nicht übersehbar. Aber die anderen Figuren fallen nicht ab. So ist der mittlerweile pensionierte Detective Inspector Vincent Ruiz ebenso fester Bestandteil des Tableaus – mit einer Hauptrolle in Amnesie – wie auch die oben erwähnte Veronica Cray. In ihrer Unterschiedlichkeit haben sie eins gemeinsam: die Glaubwürdigkeit. Das trifft eigentlich auf alle auftretenden Personen zu. Es gibt keine Supermänner oder Superfrauen auf der einen Seite und auch keine bestialischen Monster auf der anderen. Es sind Menschen wie Du und Ich mit Stärken und Schwächen. Robotham fordert sein Personal bis an die Grenze der physischen und psychischen Belastbarkeit, begeht aber nicht den Fehler, die Realität über Gebühr zu strapazieren. Selbst das Böse hat begründbare Ursachen, was seine Taten aber nicht entschuldbar macht.

Wenn wir den mal wieder irritierenden deutschen Titel Todeswunsch (hier wünscht sich keiner sterben zu wollen) beiseite lassen, entwickelt Bleed for me – Blute für mich das Drama einer juvenilen Liebe zu einer falschen Person, die diese Zuneigung ausnützt und schändlich missbraucht. Dass dieser Missbrauch auch ein Teil einer komplexeren Struktur ist, die Robotham parallel ausbreitet, scheint ihn aus dem familiären Kontext zu erheben. Ein vermeintlicher Nebenhandlungsstrang, eine rassistisch motivierte Brandstiftung, entwickelt aber seine eigene Dynamik. Alles zusammen gipfelt in einem furiosen Finale, das den Professor an den Rand … und noch so einige Überraschungen parat hat.

In seiner Danksagung am Ende des Buches schreibt Michael Robotham:

»Für ihre Geduld und ihre Liebe stehe ich auf immer in der Schuld meiner drei Töchter Alex, Charlotte und Bella, die meine Hochs und Tiefs ertragen und über meine Schrullen gelacht haben.«

Diese Worte könnten ohne weiteres aus dem Munde des Helden Joe O`Loughlin an seine Töchter Charlotte und Emma gerichtet sein. Zwei Töchter hier, drei Töchter dort. Die Identifikation des Autors mit seiner Hauptfigur könnte nicht größer sein, um seine Ängste um das Wohlergehen seiner Liebsten zu offenbaren. »Mit viel Herzblut geschrieben« – so empfindet der Rezensent Robothams Bleed for me, ein Titel, der am Ende der Geschichte viel Interpretationsspielraum zulässt, was zeigt, wieviele Gedanken sich der Autor auch um einen aussagekräftigen Titel gemacht hat. Es hätte dem Goldmann – Verlag gutgestanden, dies bei der deutschen Titelgebung zu berücksichtigen.

Spannung, Sensibilität und Glaubwürdigkeit sind Michael Robothams Markenzeichen, mit denen er ein Million-Publikum überzeugen konnte. Es fällt den Lesern leicht, sich mit den jeweiligen Akteuren zu identifizieren. Ob nun Joe O`Loughlin oder Vincent Ruiz, Veronica Cray oder Alisha Barba aus Todeskampf – Michael Robotham sorgt für Abwechslung in seiner außergewöhnlichen Reihe. Eine Fortsetzung ist in englischsprachigen Ländern schon erschienen: The Weckrage, diesmal mit Vincent Ruiz in der Hauptrolle.

Jürgen Priester, April 2011

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€nigma zu »Michael Robotham: Todeswunsch« 12.10.2011
Auf den ersten Blick scheint es ein klarer Fall zu sein: Die vierzehnjährige Sienna hat ihren Vater, der äußerst streng und dominant war und der diversen Indizien nach seine beiden Töchter sexuell belästigt/missbraucht hat, umgebracht. Das Mädchen ist eine Ritzerin, die sich selbst immer wieder zum Bluten bringt, da verwundert es (fast) niemanden, wenn sie nun auch jemanden anderen zum Bluten gebracht hat... Nur der aus den ersten drei Büchern von Michael Robotham schon bekannte Psychologe Joe O´Loughlin zweifelt an Siennas Schuld - und das nicht nur deshalb, weil sie die beste Freundin seiner eigenen Tochter Charlie ist. Er versucht, Siennas Panzer zu durchbrechen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Was er von ihr erfährt, bestärkt ihn in der Vermutung, dass es in Siennas Leben noch ganz andere als die häuslichen Probleme gibt und dass für den Mord an ihrem Vater weitere Leute in Frage kommen. Er beginnt in Siennas Umfeld unbequeme Fragen zu stellen und gerät dadurch immer wieder in gefährliche Situationen, da manche Leute keine Hemmungen haben, ihn durch rabiate Methoden mundtot machen zu wollen. Joes alter Freund Ruiz unterstützt ihn, indem er als ehemaliger Polizist die kriminalistische Seite der Ermittlungen übernimmt.
Joes getrennt lebende Frau Julianne ist ebenfalls mit einem Kriminalfall befasst, sie tritt vor Gericht als Dolmetscherin für einen jugendlichen russischen Kronzeugen auf, dessen Familie bei einem rassistisch motivierten Brandanschlag ums Leben gekommen ist. Der Zeuge ist in Lebensgefahr und die Hinweise darauf mehren sich, dass die am Prozess beteiligten Geschworenen manipuliert werden. Es geraten dabei Personen unter Verdacht, die bereits im Fall des ermordeten Vaters von Sienna unter Beobachtung stehen, die zwei Fälle scheinen also zusammenzuhängen...

Dieses Buch ist das erste der Serie, das ich in der deutschen Übersetzung gelesen habe, weil ich zu spät gemerkt habe, dass die Bücherei es doch auf Englisch angeschafft hat. Obwohl ich sonst ungern die deutschen Ausgaben englischsprachiger Originale lese, muss ich hier feststellen, dass mir dieser vierte Teil am besten von allen gefällt. Bisher hatten die Krimis von Robotham meiner Meinung nach im ersten Teil zu viele Längen und wurden zu spät spannend. Dieses Buch fand ich dagegen von Anfang an faszinierend, zumal die Richtung der Ermittlungen immer wieder wechselt und die zwei Kriminalfälle sich zunehmend aufeinander zu bewegen. Auch in diesem Buch spielen Joes Privatleben und seine Parkinson-Erkrankung eine wichtige Rolle, letzteres jedoch nicht so penetrant wie in den vorherigen Bänden.
Die Darstellung der Charaktere fand ich sehr gelungen, besonders der Protagonist und Ich-Erzähler Joe ist mir hier erstmals richtig ans Herz gewachsen, so darf es mit der Serie gern weitergehen!
Ich habe mir heute noch die englische Ausgabe aus der Bücherei geholt und einige Abschnitte vergleichend deutsch-englisch gelesen: der Übersetzer hat hier gute Arbeit geleistet.
Wer die bisherigen Bände gern gelesen hat, dem kann man "Todeswunsch" erst recht empfehlen. Wer noch kein Buch von Robotham gelesen hat, sollte lieber in der richtigen Reihenfolge lesen, da immer wieder auf vorherige Geschehnisse, besonders im Hinblick auf Joes Familienkonstellation, verwiesen wird.
Jasmine zu »Michael Robotham: Todeswunsch« 12.06.2011
Wieder ein total gelungenes Buch vom Meister Robotham. Habe bisher alle seine Bücher gelesen und bin noch von keinem enttäuscht worden. Ohne die Hauptfigur Joe O'Loughlin wäre das Buch wohl nur halb so gut. Joe wird sehr sympathisch und menschlich dargestell; mit Ecken und Kanten, viel Feingefühl, Charme, Witz aber auch einer Spur Tragik und Traurigkeit. Genau die richtige Mischung um einem Thriller neben dem Haupttema noch eine gewisse Würze hinzuzufügen, so dass man sich dem Hauptdarsteller verbunden fühlt. Superspannend bis zur letzten Seite - ich freue mich jetzt schon auf eine weitere Folge mit dem Psyhchologen Joe O'Loughlin.
steffi88 zu »Michael Robotham: Todeswunsch« 13.04.2011
Der Psychologe Joe O’Loughlin ist sich nicht sicher, ob er sich ausgerechnet Sienna Hegarty als beste Freundin für seine Tochter Charlie wünscht. Denn die frühreife Sienna ist nicht immer ein guter Umgang. Doch als sie eines Abends blutüberströmt bei den O’Loughlins auftaucht, nimmt Joe sich ihrer an. Denn im Haus der Hegartys ist etwas Schreckliches passiert: Siennas Vater liegt tot in ihrem Zimmer – jemand hat ihm die Halsschlagader durchtrennt. Sienna kann sich an nichts erinnern. Auf ihrer Kleidung klebt das Blut des Toten, und das Mädchen hat außerdem ein starkes Motiv für die Tat, wie Joe mit Hilfe seines Freundes, dem Ex-Polizisten Vincent Ruiz, herausfindet. Sienna wird des Mordes an ihrem Vater angeklagt, aber Joe ist von ihrer Unschuld überzeugt. Und er soll eine Wahrheit zu Tage fördern, die schwerer wiegt als alles, was er für möglich gehalten hätte …

Klasse Buch! Klasse Handlung und spannend von Anfang bis Ende.
Aus der Joe O’Loughlin-Reihe hat mir das Buch bisher am besten gefallen.
Freu mich schon aufs nächste :-)
Banon zu »Michael Robotham: Todeswunsch« 01.04.2011
Nach "Dein Wille geschehe" mein zweiter Roman von Michael Robotham. Die Fortsetzung der Reihe um den Psychologen Joe O´Loughlin hat mir sehr gut gefallen. Der Klappentext verrät ja nur den Einstiegsmord, es folgt wesentlich mehr... . Aufgrund der zahlreichen Spuren und dem umfangreichen Personal bleibt der Fall undurchsichtig. Doch der Leser behält dabei den Überblick.
Robotham beschreibt seine Charaktere angenehm kurz, bleibt aber nicht oberflächlich. Besonders positiv:
Die persönliche Geschichte von Joe O´Loughlin wird weitergeführt und ist nicht nur Beiwerk. Gerade die verzwickte Lebenssituation der Hauptfigur geben dem Buch einen zusätzlichen Reiz. Eine gute Sprache, in der es nicht an Witz fehlt, rundet diesen gelungenen Thriller ab.
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