Adrenalin von Michael Robotham

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel The Suspect, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / England / London, 1990 - 2009.

  • London: Time Warner, 2004 unter dem Titel The Suspect. 486 Seiten.
  • München: Goldmann, 2005. Übersetzt von Kristian Lutze. ISBN: 3-442-31013-X. 444 Seiten.
  • München: Goldmann, 2007. Übersetzt von Kristian Lutze. ISBN: 978-3-453-35461-6. 444 Seiten.
  • München: Goldmann, 2009. Übersetzt von Kristian Lutze. ISBN: 978-3-442-47100-3. 444 Seiten.
  • München: Goldmann, 2011. Übersetzt von Kristian Lutze. ISBN: 978-3-442-47671-8. 444 Seiten.
  • [Hörbuch] Frechen: Delta Music, 2007. Gesprochen von Axel Gottschick. ISBN: 3865387578. 5 CDs.

'Adrenalin' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Joe O’Laughlin ist einer der renommiertesten Psychotherapeuten Londons. Doch er hat einen Klienten, der ihm Rätsel aufgibt – Bobby Moran, einen ebenso verschlossenen wie zur Aggressivität neigenden Mann, dem es immer wieder gelingt, Joe auf raffinierte Weise zu manipulieren. Als Joe eines Tages von der Polizei gebeten wird, in dem Mordfall an einer jungen Krankenschwester eine Expertise abzugeben, beschleicht ihn ein böser Verdacht. Denn das Todesopfer trägt Verletzungen, die in erschreckender Weise mit den Gewaltphantasien Morans übereinstimmen. Joe beschließt, die dunkle Vorgeschichte seines mysteriösen Patienten zu ergründen – und muss erkennen, dass er längst in eine heimtückische Falle geraten ist, aus der es kein Entrinnen zu geben scheint …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein neuer Stern am Krimi-Himmel!?« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Nach dem Fund einer Frauenleiche neben dem Grand Union Kanal wird Professor Joe O’Loughlin, einer der bekanntesten Psychotherapeuten Londons, von Detective Inspector Vincent Ruiz um Hilfe gebeten. Er soll sich die Leiche ansehen und ihm seine Eindrücke vermitteln. Bei der Frau handelt es sich jedoch nicht wie zunächst angenommen um eine Prostituierte, sondern um eine Krankenschwester aus Liverpool, die bei einem Bewerbungsgespräch vorsprechen wollte. Da das Bewerbungsgespräch bei O’Loughlin selbst erfolgen sollte und dieser zunächst mit der Erkenntnis zurückhält, dass er die junge Frau namens Catherine McBride von seiner früheren Tätigkeit als Arzt in Liverpool kennt, wird Ruiz misstrauisch.

Während die Ermittlungen nicht so recht voran kommen wollen, entdeckt O’Loughlin bei seinem Patienten Bobby Moran, dass dieser Gewaltphantasien hegt, die den Verletzungen welche Catherine vor ihrem Tod zugefügt wurden auffallend ähneln. Immer mehr glaubt der Psychologe, dass sein Patient der Mörder sein könnte, doch nachdem er Ruiz einen entsprechenden Hinweis gibt, droht auf einmal O’Loughlins Leben völlig zusammen zu brechen. Es gibt nämlich keinen Bobby Moran. Stattdessen entdeckt Ruiz eine alte Anzeige von Catherine, die damals in Liverpool O’Loughlin der sexuellen Belästigung beschuldigte. Das O’Loughlin für die Tatnacht zudem kein Alibi angibt, macht die Sache für ihn auch nicht besser. Nach einigen Tagen in Haft wird O’Loughlin freigelassen und versucht nun aus eigener Kraft, den Mörder zu finden. Aber Ruiz, der von seiner Schuld überzeugt ist, bleibt ihm auf den Fersen …

Man kann den Protagonisten die Hand reichen …

Michael Robothams Debütroman lebt von seiner intensiven Darstellung seines Protagonisten O’Loughlin, der ein etwas seltsamer Kauz ist. Als er erfährt, dass er unheilbar an Schüttellähmung (Parkinson) erkrankt ist, hält er diese Mitteilung seines Arztes fast für ein Todesurteil und sieht die gemeinsame Zukunft mit seiner Frau Julianne und der achtjährigen Tochter Charlie gefährdet. Er verspürt das Bedürfnis sich mit einem Menschen auszusprechen, wendet sich jedoch nicht an seine Frau sondern an die ehemalige Prostituierte Elisa, die vor einigen Jahren bei ihm in Behandlung war. Dabei kommen sich die beiden näher als beabsichtigt und da O’Loughlin diesen Fehltritt vor seiner Frau geheim halten möchte hat er nun ein ernsthaftes Problem, denn Elisa ist sein Alibi für die Nacht von Catherines Ermordung. Da Ruiz anfängt tiefer zu graben, gerät O’Loughlin immer mehr ins Verderben und muss letztendlich nicht nur um seine Freiheit, sondern auch um seine Familie kämpfen.

»Bei der Jagd gibt es Füchse und Hunde und Saboteure, Professor. Was sind Sie?«
»Ich glaube nicht an die Fuchsjagd.«
»Ach nein? Der Fuchs auch nicht.«

Sehr geschickt wird O’Loughlin von dem eigentlichen Täter immer subtiler in die Sache verwickelt und so bleibt es nur dem Unvermögen der Polizei zu verdanken, dass er sich lange genug auf der Flucht befinden kann, um das Rätsel letztlich selber zu lösen. Der Roman ist sehr ruhig angelegt und wer auf Action oder gar grausige Mordszenarios hofft, der ist hier definitiv im falschen Buch. Erst nach gut 50 Seiten betritt Ruiz zum ersten Mal die Handlung und bittet O’Loughlin um dessen Hilfe. Das Buch ist sehr dialoglastig und beschreibt ausführlich die Szenerie und den Hintergrund der Personen, vor allem die des Professors, bei dem man den Eindruck gewinnt, seine gesamte Lebensgeschichte zu erfahren. Sehr eindringlich wird die Arbeit des Psychotherapeuten dargestellt und ebenso umfangreich wird das Thema Sozialarbeit verarbeitet, da man Bobby früher den Umgang mit dessen Vater verwehrte. Dieser hatte sich angeblich sexuell an dem Jungen vergangen.

»Kennen Sie den Unterschied zwischen einem Prediger und einem Psychopathen?
Sie hören verschiedene Stimmen.«

Gelungenes Debüt mit sehr eigenwilligem »Helden« …

Die Story, wonach der Held zunächst zum Verdächtigen und dann wieder zum Held wird ist sicher nicht neu, doch Robotham bereichert das Genre dank seines ungewöhnlichen Protagonisten. Behindert durch seine Krankheit kann er nicht die direkte Konfrontation suchen. Ihm bleiben nur zahlreiche Gespräche und Analysen, um das Rätsel zu lösen. Mit einer guten Prise Humor würzt der Autor seine Story, die teilweise etwas schwerfällig daher kommt, immer dann, wenn man einen Tick mehr Action erhofft und doch »nur« mit einem weiteren Rückblick in die Vergangenheit vertröstet wird. Dafür hat der Leser allerdings jederzeit den Eindruck mitten in der Handlung zu stehen und den Figuren die Hand reichen zu können. Man folgt dem Ich-Erzähler O’Loughlin und fiebert dem Ende entgegen. Die Art der Lösung ist zwar ebenfalls nicht unbekannt, aber dafür gelungen in Szene gesetzt.

»Ein Mann wird überfallen und liegt blutend auf der Straße. Zwei Psychologen gehen vorbei, und der eine sagt zum anderen: ´Lass uns den Menschen finden, der das getan hat – er braucht Hilfe.\'«

Kurzweilige Unterhaltung mit nur wenigen Längen, die allerdings Interesse an Psychologie, Sozialarbeit und artverwandten Themen voraussetzt. Sonst könnte es in Ermangelung von Handlung im Sinne von Action vielleicht doch ein wenig langweilig werden. Wer sich auf diesen Roman einlässt, wird dennoch belohnt und lernt einen viel versprechenden neuen Autor (aus Australien übrigens) kennen, auf dessen zweiten Psycho-Thriller Amnesie (ebenfalls mit O’Loughlin und Ruiz) wir gespannt sein dürfen.

Jörg Kijanski, Januar 2007

Ihre Meinung zu »Michael Robotham: Adrenalin«

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mylo zu »Michael Robotham: Adrenalin« 15.01.2012
Wie schon in vielen Meinungen vor mir festgestellt muss man sich schon durch das erste Buch durchlesen bis gegen Ende Spannung ins Spiel kommt. Diese steigert sich nun über Buch zwei und drei.
Die Geschichte ist interessant geschrieben, Einblicke in die Psychologie der Menschen und die Hauptfigur Joe wird interessant dargestellt. Inspektor Ruiz kommt mir etwas blass dargestellt rüber - liegt wohl auch etwas mehr an der die ihm zugedachte Rolle, abseits der Haupthandlung oder abseits von dem Hauptprotagonisten.
Nicht das Topbuch wie hin und wieder geschrieben steht, nein aber ein gutes ordentliches Buch mit reellen 80 Punkten.
ThrillerCaro zu »Michael Robotham: Adrenalin« 15.01.2012
Also ich hab Adrenalin jetzt so gut wie durchgelesen und muss sagen, ist nicht unbedingt mein Fall.Alles zieht sich in die Länge und ist langatmig.Mich muss ein Buch von Anfang an fesseln, was hier leider nicht der Fall war.Als nächstes werde ich aber "dein Wille geschehe" lesen und hoffe auf mehr Spannung.
Alexandra zu »Michael Robotham: Adrenalin« 25.06.2011
Ein Krimi der ungewöhnlichen Art, der ruhigen Art. Man muß sich hineinlesen, bevor es "so richtig losgeht" ;-))
Inzwischen habe ich den zweiten Band in Arbeit, diesmal aus der Ich-Perspektive von Ruiz erzählt.
Diese Roman = "Amnesie" ist sehr spannend aufgebaut. Wer schon immer mal in die Kanalsítaton abtauchen wollte, hier wird man mitgenommen!
B. Elisabeth Schoell-Lüders zu »Michael Robotham: Adrenalin« 20.06.2011
Die Idee des Buches ist originell, der Psychologe Joe auch eine interessante
Persönlichkeit und nebenbei erfährt man
auch noch einiges über die Nervenkrankheit Parkinson, dennoch hat
das Buch entschieden Längen, zwischendurch ist es einfach langatmig,
am kurzweiligesten fand ich Teil 3.
Inzwischen habe ich auch den zweiten
Roman Robothams gelesen der einem sehr ähnlichen Schema folgt, ein bilßchen Straffung hätte dem Buch gutgetan,
an John Katzenbach reicht Robotham in meinen Augen nicht heran.
Koffeinfrei zu »Michael Robotham: Adrenalin« 14.07.2010
Zu Beginn ist es mir etwas schwer gefallen weiter zu lesen. Ich bin aufgrund der guten Kritiken dran geblieben und wirklich, ab dem 2. Buch (das Buch ist weiter in Bücher unterteilt) nimmt es auch Fahrt auf, die sich bis zum Ende richtig steigert. Es ist lesenswert, interessant im Aufbau und im Ablauf der Geschichte. Ich fand es nicht vorhersehbar, denn die menschliche Psyche lässt einiges zu, was dann doch überraschend wirkt. Dennoch habe ich mir unter dem Titel ADRENALIN mehr versprochen.
Chrisu zu »Michael Robotham: Adrenalin« 23.06.2010
Prof. Joe O'Laughlin wird von Inspektor Vincent Ruiz gebeten, in einem Mordfall behilflich zu sein. Er erkennt die Tote an ihren Verletzungen als ehemalige Patientin und somit beginnt sein Drama. Er wird als Mörder verdächtigt und es geschehen weitere Mordfälle bzw. entdeckt er eine ganze Reihe von Unfällen und Morden, die alle auf eine Person hindeuten. Aber dann taucht auf einmal sein Freund auf und er ist sich nicht sicher, ob Jock etwas mit den ganzen Vorfällen zu tun hat. Er flieht vor der Polizei und will auf eigene Faust heraus- finden, warum das alles geschieht und wer dafür verantwortlich ist.
Ein Psychothriller der sich wirklich durch das ganze Buch zieht. Immer wieder die Frage "Wer" und "Warum". Das Motiv und die Frage "Wer" dafür verantwortlich ist, wird wirklich erst in den letzten Seiten ersichtlich.
Einfach ein wirklich spannender Psychothriller. Ich kann das Buch nur weiterempfehlen.
Samoa zu »Michael Robotham: Adrenalin« 22.06.2010
Welch ein irreführender Titel. Adrenalin.
In geruhsamer, im Präsens gehaltener Ich-Erzähler-Perspektive, wird vielmehr psychologisiert und analysiert als temporeiche Aktion geboten.
Zu Beginn sehr gefällig, plätschert die Geschichte danach für etwa zwei Drittel, mit gelegentlichem Wortwitz und beredter Tendenz zu "Vergangenheitsbewältigungs-Geschichten", gemächlich vor sich hin.

Der in Mordverdacht geratene Hauptprotagonist, seines Zeichens Psychologe, vertuscht, verschweigt und verheimlicht bei den Ermittlungen was das Zeug hält – so dass man sich hin und wieder beiläufig fragt, ob er denn wohl die Inhalte seines Studiums tatsächlich verstanden haben kann…
Sein Gegenpart, der knurrig-bärbeissige Inspector Ruiz, kommt zwar meistens den berühmten Schritt zu spät, handelt jedoch stringent und logisch.

So richtig spannend wird es erst im letzten Drittel – dennoch ist "The Suspect", so der inhaltlich weitaus besser passende englische Originaltitel, kein Gänsehaut erzeugender Thriller, sondern stellt eher das Bemühen dar, ein ruhiges, stilistisch angenehm erzähltes Psychogramm verschiedener Personen zu zeichnen.

Wirklich überzeugt hat mich der Autor mit diesem Werk allerdings nicht – er bekommt jedoch mit Amnesie noch eine zweite Chance… 79°
Marv zu »Michael Robotham: Adrenalin« 25.05.2010
In Michael Robothams Erstlingswerk ‚Adrenalin‘ besteht einer der größte Schwachpunkte in der deutschen Übersetzung des Titels. In dem Roman geht es weniger um Adrenalin, welches bei den Protagonisten oder dem Leser während der Lektüre ausgeschüttet wird, sondern vielmehr um den Psychotherapeut Joe O‘Laughlin, der des Mordes verdächtigt wird, und der, trotz seiner Krankheit, versucht, den ‚wahren‘ Täter zu finden. Der Roman kommt eher ruhig daher, der Schreibstil ist angenehm. Die Grundgeschichte ist nicht neu. Im letzten Drittel wird die Spannungsschraube dann auch etwas angezogen. Dennoch überzeugt der Roman weniger durch seine Spannungsdramaturgie, als vielmehr durch den bereits erwähnten angenehmen Schreibstil, das Psychoduell zwischen den Hauptakteuren sowie der Beschreibung der Charaktere.
fresno89 zu »Michael Robotham: Adrenalin« 24.05.2010
"Adrenalin"-, zutreffend für den Inhalt des Buches und somit meine Erwartungen an das Buch erfüllend.
Ich habe von M. Robotham bisher nichts gehört, geschweige denn gelesen. Er ist zweifelellos eine Bereicherung der Krimiszene.
Es macht einfach Spaß dieses Buch zu lesen, weil es nicht nur spannend ist, sondern der Autor zuweilen richtig witzige Metaphern einstreut, die einen wirklich zum Lachen bringen, es aber im nächsten Moment auch wieder zum Ersticken bringen können, aufgrund der Brenzlichkeit der Situation, in der sich der Hauptprotagonist, Joe O'Laughlin, gerade befindet.
Mit seinen unerwarteten Geschehnissen und Wendungen ist dieses Buch wirklich ein page turner.
"Amnesie" steht schon bereit.
Unbedingt lesen!
Gaby Roth zu »Michael Robotham: Adrenalin« 24.03.2010
Ich fand das Buch total spannend. Vom Autor hatte ich bisher noch nichts gehört. Ich habe inzwischen auch das Buch Amnesie gelesen und Todeskampf und Dein Wille geschehen warten darauf ebenfalls gelesen zu werden.
Eine Bereicherung zu den anderen Thriller-Autoren. Robotham entwickelt sich zu einem Könner.

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