Mörderisches Spiel von Michael Prescott

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Dangerous Games, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Knaur.

  • New York: Onyx, 2005 unter dem Titel Dangerous Games. 509 Seiten.
  • München: Knaur, 2008. Übersetzt von Helmut Splinter. ISBN: 978-3-426-63416-5. 509 Seiten.

'Mörderisches Spiel' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In der Kanalisation von Los Angeles werden die Leichen von zwei Frauen gefunden. Offenbar hat der Täter seine Opfer dort angekettet und nach heftigen Regengüssen ertrinken lassen, weil kein Lösegeld gezahlt wurde. Agent Tess McCallum hat einen Polizisten im Visier, der seinen Job verlor, weil er Frauen belästigte und bedrohte. Ist er der »Rain Man«? Tess bleibt nicht viel Zeit, den Killer zu entlarven, denn das nächste Unwetter kommt bestimmt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Spannend, aber wenig plausibel« 75°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Sein Name ist William Kolb. Ein Ex-Polizist, der nach Rache giert. Rache gegen die Stadt, Rache gegen das System, Rache gegen die ganze Menschheit. Und darum killt er Frauen, in dem er sie in den Abflusskanälen von Los Angeles ankettet und von der Stadt ein Millionen Lösegeld fordert, denn der nächste Regen wird die Kanäle überfluten und die Frauen ertränken. Zwei Mal ist dies schon geschehen und beim nächsten Regen erwartet man das nächste Opfer.

FBI-Agentin Tess McCallum wird aus Denver geholt. Weniger weil man ihre Fähigkeiten einsetzen will, sondern weil sie jung und hübsch ist und bei der Pressekonferenz ein gutes Bild abgibt. Doch Detective McCallum pfeift auf den Medienrummel und geht ihre eigenen Wege, um William Kolb zu fangen, wobei sie unfreiwillig Unterstützung von der Ein-Frau-Privatarmee Abby Sinclair erhält.

Doch William Kolb ist den beiden Damen immer einen Schritt voraus. Er muss in Polizeikreisen einen Informanten haben. Und so wird es für das weibliche Duo zur tödlichen Aufgabe, den Killer zur Strecke zu bringen, denn die drohenden Regenwolken stehen bereits am Himmel …

Der amerikanische Bestsellerautor Michael Prescott hat bislang acht Thriller geschrieben, von denen bislang bei Knaur erst zwei Bücher erschienen sind. Nach Miasma – Tödliches Gift, in dem Tess McCallum ihren bisher schlimmsten Fall gegen den Irren Möbius abwickeln musste, trifft sie im nunmehr erschienenen Roman Dangerous Games – Mörderisches Spiel (übersetzt von Helmut Splinter) auf eine bereits seit dem Jahr 2000 bekannte Mitstreiterin. Abby Sinclair, die in ihrem Kampf gegen perverse Stalker bereits in The Shadow Hunter erfolgreich war, kommt als kongeniale Mitstreiterin dazu, so dass die Handlung streckenweise über zwei verschiedene Linien abläuft, aber immer wieder verknüpft wird.

Wenn man die beiden Frauen realistisch betrachtet, gehörten sie (für unsere Verhältnisse) beide in eine Zelle. Tess McCallum ist ein stures, nonkonformes Biest, das nur ihre Chefs brüskiert, ihre Kollegen generell uninformiert deren Arbeit tun lässt, ohne sich als Teamplayerin einzubringen, und zusätzlich Schwierigkeiten damit hat, ihre Ermittlungen gemäß den gesetzlichen Richtlinien abzuwickeln.

Abby Sinclair, falls sie denn tatsächlich so heißt, ist eine Kopfgeldjägerin, die als Mittelding zwischen Lara Croft und Barbarella dafür sorgt, dass reiche, junge und schöne Witwen nicht von männlichen Lustmolchen drangsaliert werden. Eine schlagkräftige Ein-Frau-Armee, die eigentlich nur aus Eigennutz mit der FBI-Agentin ein fehlerhaftes Duo bildet.

Die ganze Handlung ist spannend, aber wenig plausibel präsentiert. Dass bei solchen Charakteren der Plot eher ins Hintertreffen gerät, von ehrlicher Polizei- und Ermittlungsarbeit wenig zu spüren ist und alles auf den nächsten Regen und die Konfrontation von Jäger und Gejagtem ausgelegt ist, stört den Lesefluss aber keineswegs. Wer seichte Action mag, der wird hier bestens bedient. Der Autor zielt in typisch amerikanischer Serienkrimimanier auf den Massenleser und bringt genau das, was dabei erwartet wird. Gebrauchsliteratur im besten Sinne, handwerklich passabel gemacht und, was den Leser ja am Meisten interessiert, es ist spannend vom Anfang bis zum Ende, auch wenn man schon nach den ersten Seiten haargenau weiß, wie die Geschichte enden wird. Dass dann doch ein paar Überraschungen den einen oder anderen Leser verblüffen könnten, ist noch ein kleines Zubrot zu diesem im positiven Sinne anspruchslosen Lesestoff. Feierabendlektüre, wie sie nach einem anstrengenden Arbeitstag sein soll.

Wolfgang Weninger, August 2008

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