Michael Pearce

Der Engländer Michael Pearce (geboren 1933) wuchs im afrikanischen Sudan auf, als dieser noch von Ägyptern und Briten besetzt war, wobei letztere hinter den Kulissen das eigentliche Sagen hatten. Zwischenzeitlich nach England verzogen, ging Pearce später in das inzwischen unabhängig gewordene Land zurück und wirkte hier lange Zeit als Lehrer. Heute lebt er in London und verfolgt seine zweite, sehr erfolgreiche Karriere als Schriftsteller.

Diese begann 1988, als er die Figur des Gareth Catwallader Owen schuf, der kriminalistisch im Ägypten des frühen 20. Jahrhunderts tätig wird. Owen ist ein britischer Offizier, der den alten ägyptischen Titel "Mamur Zapt trägt und offiziell für den Khedive, der über Ägypten herrscht, arbeitet. Tatsächlich ist er der Verbindungsmann des britischen Geheimdienstes zur ägyptischen Polizei, denn das Reich am Nil ist mehr oder weniger eine Kolonie, in der die Briten das Sagen haben. Owen leitet die Untersuchungen bei Kriminalfällen, in welche Ausländer verwickelt sind. In seiner täglichen Arbeit gilt es diplomatisch der komplizierten Situation Rechnung zu tragen, dass Ägyptens Geschicke von außen gesteuert werden. Auf die daraus resultierenden Konflikte greift Pearce immer wieder zurück, um Gareth Owen in ein neues Abenteuer zu stürzen.

Die Mamur Zapt-Krimis leben vor allem von ihrem nostalgischen Ambiente. Pearce ist nicht blind für die Schattenseiten der imperialistischen Vergangenheit, doch diese bestimmen nie seine Plots. Ägypten ist ein fremdes oder besser exotisches Land, in dem die immer währende Hitze zur Gemächlichkeit förmlich zwingt. Gareth-Owen-Geschichten verzichten deshalb auf Action, der Grundton ist leicht und ein bisschen unverbindlich. Die Unterhaltung steht im Vordergrund, die Politik dient als Katalysator und bleibt ansonsten weitgehend ausgespart.

1997 übertrug Pearce, der sich neben den Mamur-Zapt-Romanen ein zweites Standbein auf dem Buchmarkt schaffen wollte, sein Erfolgsrezept auf eine weitere Serie. Dmitri Kameron ist Anwalt im zaristischen Russland der 1890er Jahre. Der Erfolg hielt sich freilich in Grenzen, nach dem zweiten Band war 1999 schon Schluss. Pearce versucht nach mehrjähriger Pause und weiteren Mamur-Zapt-Thrillern seit 2004 etwas Neues: Sandor Seymour arbeitet im Triest des ausgehenden 19. Jahrhunderts für den britischen Geheimdienst und gerät dabei in allerlei Verbrechen und vor allem zwischen die Fronten unterschiedlicher Regierungen, deren Agenten sich im Balkan tummeln und einen frühen Kalten Krieg miteinander ausfechten. Auch hier lobt die Kritik den lockeren Tenor der Geschichten, moniert aber auch die Ähnlichkeit mit den Mamur-Zapt-Titeln: Offenbar tauscht Pearce Orte und Personen aus, behält aber das Konzept fast unverändert bei. (Michael Drewniok)

Krimis von Michael Pearce

Gareth Owen/Mamur Zapt-Serie
The Mamur Zapt and the Return of the Carpet
(1988)
The Mamur Zapt and the Night of the Dog
(1989)
Verschwörung am Nil
(1990)
The Mamur Zapt and the Donkey-Vous
The Mamur Zapt and the Men Behind
(1991)
The Mamur Zapt and the Girl in the Nile
(1992)
Die Schätze des Pharao Rezension
(1993)
The Mamur Zapt and the Spoils of Egypt
The Mamur Zapt and the Camels of Destruction
(1993)
The Snake Catcher’s Daughter
(1994)
The Mingrelian Conspiracy
(1995)
Im Schatten des Feigenbaums Rezension
(1996)
The Fig Tree Murder
Die Braut des Nil
(1998)
The Last Cut
Death of an Effendi
(1999)
Das Grab von Memphis [nicht erschienen]
(2000)
A Cold Touch Of Ice
The Face in the Cemetary
(2001)
The Point in the Market
(2005)
The Mark of the Pasha
(2008)
The bride box
(2013)
Dmitri Kameron-Serie
Dmitri and the Milk-Drinkers
(1997)
Dmitri and the One-legged Lady
(1999)
Sandor Seymour-Serie
A Dead Man in Trieste
(2004)
A Dead Man in Istanbul
(2005)
A Dead Man in Athens
(2006)
A Dead Man in Tangier
(2007)
A Dead Man in Barcelona
(2008)
A Dead Man in Naples
(2009)
A Dead Man in Malta
(2010)
The Dragoman’s Story
(2000)

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