Spider von Michael Morley

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Spider, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Heyne.

  • London: Penguin Books, 2008 unter dem Titel Spider. 448 Seiten.
  • München: Heyne, 2007. Übersetzt von Jürgen Bürger. ISBN: 978-3-453-26573-8. 448 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2007. Gesprochen von Hans-Werner Meyer. Gekürzte Lesung. ISBN: 3866047096. 6 CDs.

'Spider' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Sechzehn Jahre lang hat der Black-River-Killer sein Unwesen getrieben. Auch Jack King vom FBI, einer der weltweit angesehensten psychologischen Profiler, kommt dem Killer nicht auf die Spur und zerbricht an diesem Fall. Mit seiner Frau Nancy und ihrem kleinen Sohn Zack zieht er sich in die Toskana zurück, wo sie in San Quirico eine kleine Pension betreiben. Plötzlich taucht in Italien eine Leiche auf, und die Tat trägt eindeutig die Handschrift des Black-River-Killers. Gleichzeitig schlägt dieser auch wieder in den Vereinigten Staaten zu: Über Internetvideo verbreitet er Liveaufzeichnungen, wie er eine Straßenprostituierte foltert. Der Killer spielt ein mörderisches Spiel mit Jack und lockt ihn immer mehr in sein tödliches Netz …

Das meint Krimi-Couch.de: »Das Internet als perfektes Werkzeug für anonyme Kriminelle« 80°

Krimi-Rezension von Bernd Neumann

Georgetown, South Carolina, 30.07.: »Zum kühlen, dämmrigen Ausklang eines siedend heißen Tages speien Barbecue-Grills Feuer.« Und:

»Am anderen Ende der Stadt betritt eine traurige Gestalt den Friedhof von Georgetown und sucht nach dem Grab eines ihm einst nahe stehenden Menschen. Seit Tagen ist er auf dieser Pilgerreise unterwegs und inzwischen körperlich und seelisch erschöpft [...] Endlich entdeckt er ihren Grabstein [...] Für ihn war sie «Sugar» gewesen, und er für sie einen Nachmittag lang einfach nur «Spider» [...] Spider zupft Unkraut zwischen den Kieseln auf ihrem Grab heraus und legt die großen Blumen [Spinnenlinien, Red.] hin.
In Gedanken kehrt er zu jener wundervollen Begegnung zurück, die auf den Tag genau vor zwanzig Jahren stattfand. Sugar war etwas ganz Besonderes.« 

Eine Liebesschnulze? Aber nahtlos weiter:

»Sie war die Erste.
Die Erste, die er entführt hat.
Die Erste, die er umgebracht hat.« 

Donnerwetter! Knapp zwei Seiten in anmutig-blumiger Sprache, und dann dieses unverhoffte Prolog-Ende mit Schockwirkung!

Ein Patchwork-Krimi, der fesselt

Michael Morley legt mit Spider als Erstlingswerk einen temporeichen Actionthriller vor. Morley kommt nach dem Klappentext aus dem »investigativen Journalismus«, was immer das auch sein mag. Interessanter ist schon die Ergänzung, dass er bei den zahlreichen Interviews von Serienkillern mehr erfahren hat als bei den jeweiligen Polizeiermittlungen zu Tage trat.

Morley pickt sich wie ein alter Krimi-Rabe bewährte und in der Lesergunst beliebte Mittel und Methoden aus dem Genre des Thrillers und bastelt diese clever und spannend zu einem gekonnten Pageturner. Man wird vom Gefühl beschlichen, Ähnliches schon mal scheibchenweise gelesen zu haben, aber nicht in so einem bizarren Cocktailmix.

Die Albträume eines FBI-Profilers

Jack King, Mitte dreißig mit den stattlichen Maßen von 1,90m und kompakten 90kg, war der beste FBI-Profiler, der aber gesundheitlich krachen ging an seinem letzten, ungelösten Fall, als er dem Black-River-Killer lange zwanzig Jahre und scheinbar chancenlos auf der Spur ist, ohne ihm den Garaus zu machen. Bei diesem jahrelangen Katz-und-Maus-Spiel war der brutal verschlagene und offenbar hoch intelligente Frauenfolterer dem besten Profiler des FBI immer die entscheidenden Zentimeter voraus.

Jack King quittiert seiner Frau und des familiären Friedens zu liebe den FBI-Dienst. Mit dem Geld einer Erbschaft kaufen sie das gut laufende Hotel »La Casa Strada« in der malerischen Toskana, um nach mittlerweile 3 Jahren gemeinsam mit ihrem 3-jährigen Sohn fernab vom heimischen South Carolina Abstand vom psychischen Dauerstress eines Profilers zu gewinnen. Aber Jack kommt nicht zur inneren Ruhe, fühlt sich unwohl in dieser Idylle. Der ungeklärte Fall des BR-Killers nagt an seinem Ehrgeiz, seinen Nerven und seinem Selbstwertgefühl.

King wird Nacht für Nacht von fürchterlichen »Spider-Man«-Albträumen gequält und unterzieht sich auf Anraten seiner genervten Frau widerwillig einer psychologischen Behandlung, der er nur halbherzig und innerlich blockiert nachkommt.

»Die tödliche Achse Black River – Italien – USA, und King als Elefant im Zimmer«

Dann holt ihn die Vergangenheit unwiderruflich ein: Ein weiterer Mordfall direkt vor der italienischen Haustür wird enthüllt, welcher eindeutig die Handschrift (hübsche, langhaarige Frau, deren misshandelter Körper von den Ermittlern nur noch zerstückelt im fließenden Gewässer zusammengeklaubt werden kann) Spiders  trägt. Hat dieser nach vierjähriger Ruhe seine Aktivitäten an die italienische Westküste verlegt, um hier, vor den Augen seines pensionierten Kontrahenten Jack King wieder sein mörderisches Unwesen zu treiben und diesen damit in seiner Scheinruhe erneut provozierend anzustacheln?

Zeitgleich wird im Internet ein abscheuliches, nervenzehrendes Video veröffentlicht, das minutiös das qualvolle Dahinsiechen einer misshandelten, zur Hilflosigkeit an eine Pritsche gefesselten Frau zeigt. Ganz offensichtlich ist der Black-River-Killer wieder in Aktion.

Jack King wird sowohl von der italienischen Polizei als auch von den früheren FBI-Kollegen um Hilfe gebeten und stürzt sich trotz seines angegriffenen Gesundheitszustandes und gegen den Widerstand seiner Frau erneut ins Getümmel der Verbrecherjagd. Er ahnt noch nicht, dass selbst diese Voraussehung von Spider eingeplant ist; eingeplant mit der Absicht, ihn von Frau und Kind fortzulocken. Der mörderische Endspurt kann beginnen.

Spider, das Heyne-Highlight 2007?

Spider ist mit viel Bimbamborium vom Heyne-Verlag angekündigt worden und eine ungeheure Erwartungshaltung wurde dadurch geschürt. Und allen Skeptikern kann gesagt werden, dass der Erstling von Michael Morley ein überaus gelungener Thriller mit all den herkömmlichen Qualitätsprädikaten ist.

In vielen kurzen Kapiteln jagt uns Morley in der denkbar knappen Zeitspanne von nur 9 Handlungstagen temporeich an ständig wechselnde Schauplätze, ohne das der Leser den Überblick verliert. Die verschiedenen Handlungsstränge sind sauber gezeichnet und lassen tiefe Einblick in die Denkweise eines Profilers und die kranke, durch eine schlimme Kindheit vorgeprägte Psyche des Serienmörders glaubhaft zu.

Natürlich gibt es schon Vergleichbares (vgl. Das Lied der Sirenen von Val McDermid bzw. Profil eines Serienmörders von Derek Raymond unter seinem Pseudonym Robin Cook oder aber Die weiße Straße von John Connolly), aber es ist die gelungene Kombination, was diesen spannenden Thriller so lesenswert macht.

Michael Morley versteht es sogar, den Krimileser im letzten Viertel seines Thrillers auf eine raffiniert gelegte falsche Fährte zu hetzen, deren Lösung dann keineswegs konstruiert erscheint.

Mit Special Agent Howie Baumguard (ehemaliger Kollege von King: übergewichtiger Workoholiker, dessen Ehe dadurch gewaltig kriselt), dem italienischen Ermittler Massimo Albonetti (präziser Vorgesetzter mit knackigen, schön zu lesenden Dienstberatungen) und der Prostituierten Ludmilla Zagalsky (unerschrocken, abgebrüht und dennoch festgefahren auf der Straße der Loser als ewiges Opfer der beschissenen Verhältnisse) bietet uns Morley zudem gleich auf drei Erzählebenen Handlungsträger an, die man besser kaum darstellen kann.

Und so ganz nebenbei unternimmt der Leser eine Kurzurlaubsreise in die mediterrane Landschaft der Toskana und bekommt bei der Beschreibung der einheimischen Küche gehörig Lust, demnächst mal wieder beim Italiener seiner Gaumenfreuden vorbei zu schauen.

Bernd Neumann, Oktober 2007

Ihre Meinung zu »Michael Morley: Spider«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

sue82 zu »Michael Morley: Spider« 12.02.2009
Mich hat das Buch nicht vom Hocker gerissen, es zog sich anfangs sehr in die Länge und war ziemlich unspannend. Dafür waren die Kapitel schön kurz, damit war das Buch schnell und flüssig zu lesen. Dadurch entstand auch ein steter Wechsel zwischen den Protagonisten und den Orten.
Erst gegen Ende wurde das Buch spannender und konnte somit einiges gut machen. Insgesamt kann ich dem Buch aber nur 70° geben. Kann man Lesen, muss man aber nicht.
Lars B zu »Michael Morley: Spider« 15.11.2008
Eines der besten Bücher die ich gelesen habe.Eine gute Story.Der Autor schreibt mit voll durchgetretenem Gaspedal bis zum Ende.Von mir 100% und eine absolute Kaufempfehlung.Ahh. ich muß mehr als 300 zeichen eingeben. okay:
Das Buch"Wächter der Tiefe" von Lincoln Child... ist das schlechteste Buch was ich je gelesen habe.Zumindest bis Seite 223.weiter wollte und konnte ich auch nicht!Ein Forscher hat auf Deck12 ein Labor und ein weiteres auf Deck 8.Labor auf Deck 12 war unaufgeräumt und chaotisch, während das Labor auf Deck 8 sehr ordentlich und aufgeräumt war-Labor Deck12 war kleiner als Labor Deck8.Die Kuppel hatte verschiedene Querverstrebungen mit Legierung A und die Querverstrebung hier und dort hatte die Legierung B und war aus dem und dem Metall.Dann gab es noch diverse Mischlegierungen und Formeln. z.B
1 00 1 1 1 0 1 0 0 11 0 1 111 0 0 0 1 1 0
Klingt spannend ,oder ?Für einen Professor von der TU ist es evtl das richtige Buch.Technische Details ohne Ende rauben einem den letzten Nerv.Von einem Detail in's andere. Fürchterlich!! Ich wollte nur ein Buch lesen-einfach nur lesen,mehr nicht.Ich wollte kein Dipl-Ing für Unterwasser-Bauwesen werden.
Aber es geht doch noch schlechter: "Der Mädchenmörder" z.B. Bücher die die Welt nicht braucht.
Claude zu »Michael Morley: Spider« 02.11.2007
Eines der schlechtesten Bücher das ich jemals gelesen habe. Dünne Story, schlechter Stil - und für jeden, der Italien auch nur ein bisschen kennt, völlig an den Haaren herbeigezogen...
Geht gar nicht!
Harry zu »Michael Morley: Spider« 08.10.2007
Jo, das war nix besonderes. Zwar am Anfang gut und spannend geschrieben, wird auch hier die Geschichte am Ende einfach nur lächerlich und hanebüchen.
Ein ordentlicher 08/15 Serienmörder-Krimi, aber mehr auch nicht.
SusanneHogl zu »Michael Morley: Spider« 08.10.2007
Mich hat das Buch nicht vom Hocker gehauen. Es liest sich leicht und schnell durch die kurzen Kapitel und die ständig wechselnden Handlungsorte. Die beteiligten Personen sind übersichtlich. Schön für Italienfans sind die in der Toskana stattfindenden Szenen.
Aber alles in allem gesehen, ein Serienkiller-Krimi, wie es ihn oft zu lesen gibt. Und mit der Anzahl der Opfer, die der Spider auf dem Gewissen hat, wird auch ganz schön dick aufgetragen. Vielleicht bin ich auch selber Serienkiller-müde...
Ihr Kommentar zu Spider

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: