Blutengel von Michael Koglin

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Goldmann.
Folge 2 der Peer-Mangold-Serie.

  • München: Goldmann, 2011. ISBN: 978-3-442-47411-0. 384 Seiten.

'Blutengel' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Die 35-jährige Tanja Binkel wurde in ihrer Berliner Wohnung mit einem Fuß an der Decke aufgehängt. In ihren Oberschenkel wurde ein lateinischer Spruch geritzt: »Semper aliquid haeret.«- »Es bleibt immer etwas hängen.« An der Ostsee wird eine weitere Leiche mit einem eingeritzten Satz entdeckt. Dann ein Opfer in München und ein grausam hingerichteter Priester in Florenz. Der Hamburger Kommissar Mangold und seine Sonderkommission, zu der auch die Profilerin Kaja Winterstein gehört, arbeiten mit Hochdruck. Aber der Täter treibt ein perverses Katz-und-Maus-Spiel … und die Tatorte werden immer bizarrer.

Das meint Krimi-Couch.de: »Tödliche Kunst eines irren Killers« 93°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

In Berlin wird die 35-jährige Rechtsanwältin Tanja Binkel an einem Fuß an der Decke hängend tot aufgefunden. Der Hamburger Kommissar Mangold und seine unkonventionell zusammen gesetzte Sonderkommission, zu der auch die Profilerin Kaja Winterstein gehört, werden mit den Ermittlungen betraut. In den Oberschenkel der Toten wurde ein lateinischer Spruch eingeritzt: »Semper aliquid haeret« – »Es bleibt immer etwas hängen.« Als in einem kleinen Küstendorf an der Ostsee eine weitere Leiche – ebenfalls mit einem eingeritzten Satz – gefunden wird, ist klar, dass es sich um einen Serienmörder handeln muss. Die Polizei wird von einem Tatort zum nächsten gehetzt, es gibt weitere Opfer in Berlin, München und Florenz. Der Killer zwingt den Ermittlern sein perverses Hase-und-Igel-Spiel auf – in der Soko macht sich Ratlosigkeit breit.

Auch in seinem zweiten Roman um die Sonderkommission mit den skurrilen Ermittlern hat Michael Koglin eine Geschichte vorgelegt, die den Lesern förmlich den Atem nimmt. Geradezu atemlos werden die Protagonisten gemeinsam mit den Lesern durch den Kriminalfall gehetzt. Ein derartiges Tempo erinnert stark an die rasanten Romane von Simon Kernick, dabei setzt Koglin weniger auf Action – seine Ermittler ballern und prügeln nicht in der Gegend herum. Dafür gibt der Killer das enorme Tempo vor. Die Floskel »er ist der Polizei immer einen Schritt voraus« trifft hier wirklich zu. Bevor die Ermittler auch nur den Hauch einer Ahnung haben, was als Motiv hinter der Mord-Serie steckt, stehen sie auch schon vor weiteren Leichen. Der Autor verzichtet völlig auf Nebengeschichten oder irgendwelches Liebes-Geplänkel in der Sonderkommission. Stattdessen werden die absolut verschiedenen Typen in der Soko hervorragend charakterisiert – sozusagen im Vorbeigehen.

Diese angenehme Erzählweise wirkt unaufdringlich, und dennoch kommt man als Leser auf seine Kosten, denn man erfährt viel über die Polizisten, den in der Kommission mitarbeitenden Savant und die Psychologin. Aber hier spielt nicht jeder nur einfach seine Rolle, sondern die individuellen Ansätze geben den Ermittlungen eben immer wieder neue Impulse und Wendungen. Der knorrig wirkende Soko-Leiter Mangold ist dabei so etwas wie der ruhende Pol. Die Polizisten Tannen – der Computer-Experte – und Weitz – der zupackende Bulle – repräsentieren verschiedene Facetten der Ermittlungsarbeit. Journalist Hensen bringt das Wissen eines erfahrenen Rechercheurs mit, der nicht in den Konventionen der Polizeiarbeit gefangen ist, und die Profilerin sorgt nebenbei auch für das weibliche Element in der Soko.

Eine ungewöhnliche und deshalb höchst faszinierende Figur ist Peter Sienhaupt, ein so genannter Savant. Damit werden Menschen mit Inselbegabungen bezeichnet. Sienhaupt verknüpft Dinge miteinander, die den übrigen Soko-Mitglieder überhaupt nicht auffallen. Er sitzt in einer aus Computern und sonstiger Technik bestehenden »Kommando-Zentrale« im Hauptquartier der Soko und hackt sich durch Börsen- und Geheimdienst-Rechner auf der ganzen Welt. Allein schon das Konzept dieser völlig chaotisch anmutenden Sonderkommission macht das Buch absolut lesenswert.

Aber auch die Persönlichkeit des Killers und seine Motive sind bemerkenswert. Michael Koglin hat hier hervorragend recherchiert, aber die ganzen Hintergründe entfalten sich erst im Laufe der Geschichte und werden hier aus dramaturgischen Gründen verschwiegen. Während die Handlung immer dynamischer wird, setzen sich für Leser und Ermittler immer mehr Mosaiksteine zusammen, bis zur höchst überraschenden Lösung des Falles in einem enorm dynamischen Finale. Die im Laufe der Zeit aufgetauchten Fragen werden schließlich in einer Art Epilog, der vom Autor allerdings nicht so betitelt wird, aufgelöst. Und zum Abschluss stürzt Michael Koglin seine Leser auch noch in eine gewisse Ratlosigkeit, da er eine Frage aufwirft und offen lässt, die mit dem ersten Roman um Kommissar Mangold und sein Team zusammen hängt. Die Auflösung wird es dann wohl erst im nächsten Buch um die Chaos-Soko geben, auf das man sich als Leser schon freuen sollte.

Andreas Kurth, September 2011

 

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Professor Preiselbeer zu »Michael Koglin: Blutengel« 25.12.2013
Fazit: Enttäuscht.

Motiv und Zusammenhänge platt. Spannung wird alleine durch schnelle Szenenwechsel erreicht.
Bis auf den stumpfsinnigen Weitz bleiben die Charaktere der SOKO Ermittler völlig oberflächlich.
Der Wunderzuzzi Sierenhaupt knackt mal wieder "alle" Computer. Aber was hat er sonst mit dem Fall zu tun?
Die Story der von Travenhorst geschwängerten Profilerin hat in der Geschichte ganau gar nicht zu tun. Der Versuch, darum den Folgeroman zu lesen ist zumindest bei mir gescheitert.
Maraki-Mary zu »Michael Koglin: Blutengel« 09.09.2013
Nun schon mein zweites Buch dieses Autors, nachdem ich Bluttaufe gelesen hatte, war ich voller Hoffnung dass Blutengel besser wird.
Jedoch hat mich dieses Buch nicht wirklich umgehauen, außer vllt. auf den ersten Seiten. Da dachte ich nämlich echt...Uii, nicht schlecht...

Aber wie in den vorherigen Kommentaren schon erwähnt ist die Soko eher ein Reinfall als ne tolle Soko. Dann das "Zerlegen" der einzelnen Personen (nun schon zum 2. Mal) ist echt zermürbend...Ich will nix mehr über Savants und deren Fähigkeiten wissen!!

Dann die Schwangerschaft von der Psychologin...Hm...Nebensächlich...

Aber das Schlimmste ist das Ende...Da dachte ich mir nur...Häää?? Na dann..

Ich hab teilweise die Sprünge von Herrn Koglin gar nicht verstanden...
40°
koepper zu »Michael Koglin: Blutengel« 20.03.2012
Ich bewerte den "Blutengel" völlig anders als Koglin. Mir hat das Buch überhaupt nicht gefallen. Es geht los mit dieser seltsamen Soko. Ein Profilerin, bei der ich mich fragte worin eigentlich ihr Beitrag zur Lösung des Falles besteht. Ein Joiurnalist der ständig Tatorte malt, der zupackende Bulle Weitz, der beharrlich einer flaschen Spur folgt, ein Dienstvergehen an das andere reiht. Seine Zeugenbefragungen sind völlig respektlos und völlig unrealistisch dargestellt. Außerdem ist dieser Polizist einfach dumm. Höhepunkt ein sog. Sevant, ein Mensch mit einer Inselbegabung, der im Internet recheriert. Nervig, dass Koglin den Begriff Sevant inflationär gebraucht. Solch eine seltsame Soko-Besetzung soll wohl orginell und außergewöhnlich sein, auf mich wirkte das völlig überspannt. Auch den Ermittlungen konnte ich nicht wirklich folgen, entweder war ich unaufmerksam oder das Buch ist einfach abstrus. Immer wieder wird Bezug zu einem anderen Fall genommen, blöde, wenn man das Buch nicht gelesen hat. Zwischendurch kommt tatsächlich immer wieder Spannung auf, der einzige Grund für mich das Buch zu Ende zu lesen. Alles in allem aber zu wenig um von einem guten Krini zu sprechen
buschi64 zu »Michael Koglin: Blutengel« 25.06.2011
Die ersten hundert Seiten muss man erst mal durchhalten - noch'n Massenmörder, ein ganz perverser natürlich, dazu ein Ermittlerteam, das fernab jeder Wahrscheinlichkeit angesiedelt ist, und dass alles in recht bravem und biederem Tonfall. Irgendwann wird's dann aber doch noch spannend, weil Koglin die verschiedenen Handlungsstränge geschickt montiert (den Film dazu hat man gleich mit vor Augen) und man sich an die vielen Unglaubwürdigkeiten gewöhnt hat. Neugierig auf weitere Romane des Autors hat mich dieser hier trotzdem nicht gemacht...
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