Die Toten, die niemand vermisst von Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel Fjällgraven, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden, 2010 - heute.
Folge 3 der Sebastian-Bergman-Serie.

  • Stockholm: Norstedt, 2012 unter dem Titel Fjällgraven. 424 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2013. Übersetzt von Ursel Allenstein. ISBN: 978-3-499-26701-7. 592 Seiten.
  • [Hörbuch] Freiburg im Breisgau: Audiobuch, 2013. Gesprochen von Douglas Welbat & Julian Wollny. ISBN: 3899644816. 6 CDs.

'Die Toten, die niemand vermisst' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

In den Bergen von Jämtland stürzt eine Wanderin ab. Sie überlebt – doch aus der Erde vor ihr ragen die Knochen einer Hand. Die Polizei birgt kurz darauf sechs Leichen, darunter die zweier Kinder. Sie alle wurden zur gleichen Zeit verscharrt. Als man Stockholm um Verstärkung bittet, reist Kommissar Höglund mit seinem Team in die Provinz. Aber nicht nur die Spannungen zwischen dem Kriminalpsychologen Bergman und seiner Tochter Vanja belasten die Arbeit. Die Identität der Toten gibt viele Rätsel auf. Niemand scheint sie zu vermissen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Leider konfus« 55°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Die beiden Schweden Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt werden bereits als legitime Nachfolger von Henning Mankell und Stieg Larsson gefeiert. Ihr Erstling um Kriminalpsychologen Sebastian Bergmann Der Mann, der kein Mörder war, konnte auch durchaus überzeugen. Nach dem zweiten Roman, Die Frauen, die er kannte, kamen Zweifel auf, dennoch bildete sich eine große Fangemeinde. Mit Die Toten, die niemand vermisst, folgt nun Teil drei. Und man wünscht sich, dass sich die Autoren für weitere Fälle etwas mehr Zeit insbesondere für die Strukturierung ihrer Bücher nehmen.

Sechs Skelette in den Bergen Nordschwedens

Zwei Wanderinnen stolpern im wahrsten Sinne des Wortes im nordschwedischen Jämtland über ein Massengrab – ein Fall für die Reichsmordkommission um Torkel Höglund, Kriminalpsychologe Sebastian Bergman und deren Team. Sechs Skelette buddeln sie aus, von vier Erwachsenen und zwei Kindern. Ein Fall, der an die Nieren geht.

Parallel dazu schildern Hjorth und Rosenfeldt das Schicksal der afghanischen Frau Shibeka Khan, die mit ihrer Familie in Schweden Asyl gefunden hat. Vor ein paar Jahren sind jedoch ihr Mann Hamid und Cousin Said spurlos verschwunden, offiziell sprach man von einer »unkontrollierten Ausreise«. Sollten die beiden abgeschoben werden? Die Behörden halten erstaunlicherweise aber die ganze Sache unter Verschluss.

Ein Schatten seiner selbst

Sebastian Bergman, der vermeintliche Protagonist, ist in Die Toten, die niemand vermisst, ein Schatten seiner selbst. Vom Ekelpaket, das Frauen reihenweise abschleppt, ist genau so wenig zu lesen wie von seinem Genius. Er wirkt nach den angerissenen Geschehnissen im Vorgängerband apathisch, lethargisch, depressiv, gerade zu unbeteiligt bis geistig komplett abwesend:

»Und was haben wir jetzt vor?«, fragte er [Sebastian] und öffnete die Beifahrertür.
»Ich habe eine Adresse«, antwortete Vanja und ging um den Wagen herum.
»Von wem?«
»Von dem Typen, der das Auto gefunden hat.«
»Warum sollten wir mit dem reden?«
»Weil er das Auto gefunden hat.« (S. 184)

Richtig erkennt er schon zur Mitte des Romans, dass er in diesem Fall als Kriminalpsychologe zu dessen Aufklärung nichts beitragen kann und bittet um vorzeitige Rückkehr nach Stockholm. Daran, dass er tatsächlich überflüssig ist, soll sich bis zum Schluss auch nichts ändern. Immer mehr erinnert er an Henning Mankells Kurt Wallander. Was vielleicht auch daran liegt, dass Schauspieler Rolf Lassgård nicht nur den Kommissar aus Ystad mimte, sondern im schwedischen Fernsehen auch Sebastian Bergman. Die Zusammenarbeit, für die sich Hjorth und Rosenfeld im Nachwort bei Lassgård bedanken, scheint kontraproduktiv zu sein, macht sie aus dem einstig durchaus originellen Charakter einen mehr und mehr austauschbaren.

Eigenartige Stilblüten

Was hingegen richtig nervt: Nahezu jede Figur, die die beiden Schweden einführen – und das sind nicht wenige! – erhalten eigene Kapitel mit jeweils tiefen Einblicken in ihr Seelenleben. Oftmals spielt das überhaupt keine Rolle für den Plot, fast immer hemmt es den Lesefluss und was als Cliffhanger gedacht ist, funktioniert nur selten als solcher. Dazu kommen eigenartige Stilblüten wie diese:

Wie merkwürdig, dass die Leute immer noch rauchten, dachte sie. Hitler hatte nicht geraucht. Er hasste Raucher. Sie konnte ihn verstehen. (S. 373)

Auch die Figurenkonstellation im Team der Reichsmordkommission ist ein gefundenes Fressen für jeden Psychologen, ein lustiges Wer-mit-wem-Spiel, in dem die Tochter Sebastian Bergmans mitarbeitet, freilich ohne zu wissen, dass sie ihrem eigenen Vater das Herz ausschüttet (wie bricht) und von diesem zu allem Überflüss schikaniert wird.

Nun muss man nicht alles, was Hjorth und Rosenfeldt im dritten Sebastian-Bergmann-Band zu Papier gebracht haben, niedermachen. Die Idee hinter Die Toten, die niemand vermisst ist große Klasse, hochbrisant wie aktuell. Nur leider verheddern sich die Schweden in ihrem Netz aus den beiden parallelen Plots und unzähligen Charakteren. Ein roter Faden will nicht ersichtlich werden. So brauchen sie schlicht zu lange, um die Handlungsstränge zusammenzuführen, was vor allem daran liegt, dass die Ermittlungen dem Privatleben der Ermittler hintenangestellt sind. Und dann geht nach fünfhundert Seiten auch noch alles holterdipolter.

»Außerdem war der Weg dorthin diesmal so unglaublich langweilig«, fuhr Sebastian fort (S. 589)

Dem ist nichts hinzuzufügen. Hjorth und Rosenfeldt können´s besser. Vielleicht wieder im vierten Band. Der, daran lassen die Autoren keinen Zweifel, mit Sicherheit kommen wird.

Lars Schafft, August 2013

Ihre Meinung zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Die Toten, die niemand vermisst«

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trafik zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Die Toten, die niemand vermisst« 03.09.2017
wenn man die ersten Bücher dieser Serie auch gelesen hat, dann ist man ein wenig enttäuscht. Die Handlung ist ziemlich farblos. Erst ab der Mitte kommt dieses Buch in Fahrt. Immer wieder kann der böse Sebastian Bergman seine Fäden spinnen. Ein wenig zu viele Erfolge vom unsympatischen Psychologen.
Hoffe der nächste in dieser Reihe wird wieder ein wenig besser. Zum Schluß war der Thriller ganz in Ordnung.
maru zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Die Toten, die niemand vermisst« 26.06.2016
maru 26.6.2016
Genanntes Buch war eines der vielen herab-
gesetzten im Buchhandel. Mit einer anderen
stöbernden Kundin kam ich ins Gespräch;
sie sagte, sie habe schon von diesen Autoren gelesen und fand deren Buch/Bücher
spannend. -- Nachdem ich jetzt die Rezen-
sion gelesen habe (mache ich immer - hier
leider erst nach Kauf), lese ich das Buch
nicht mehr. Denn: Auch mich stört das viele
Private an den Kriminalisten. Vor allem bei
WALLANDER! Den sehe ich mir im TV nicht
mehr an!
Außerdem sollten die KRITIK-Schreiber mal
auf Rechtschreibung achten. Teilweise (nicht nur hier) ist es katastrophal, deren
Sätze zu lesen.
sl zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Die Toten, die niemand vermisst« 06.02.2016
30° -- Für das Hörbuch: Der Roman war mir viel zu unsauber strukturiert, einfach nur wirr. Ich habe immer wieder geprüft, ob ich nicht versehentlich "Shuffle play" aktiviert habe und dann nach etwa 1 Drittel des Krimis ganz aufgegeben, weil mir die permanent unvermittelten und unnötigen Sprünge zwischen Erzählsträngen und -ebenen nur noch lästig waren.
Leseratte zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Die Toten, die niemand vermisst« 11.01.2016
ich möchte mich den vorigen Lesern in allen Punkten anschliessen.Das Buch ist spannend geschrieben, der Schreibstil ist wie bei den anderen Büchern auch wieder sehr gut.
Die Handlung ist sehr gut aufgebaut und bis zur Auflösung stimmig und sehr spannend.Aber leider hat Sebastian Bergmann gar nichts mehr mit dem Fall zu tun. Er ist nur mit seinem Privatleben
beschäftigt, d.h. mit seiner Tochter. Das finde ich schade, da er als Psychologe und Ekelpacket eine interessante Figur war und der Auflösung der Fälleimmer eine überraschende Wende gegeben hat. Die Obsession für seine Tochter, deren Leben er durch sein Eingreifen manipuliert, ist für mich nicht ganz stimmig.Auch dem melancholischen Privatleben der Protagonisten wird zu viel Raum gewidmet.Dadurch verliert der Roman ein wenig an Spannung.
ich werde aber die nächsten Band auch lesen und hoffe, dass die Autoren wieder zu alter Stärke finden
Krimifan zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Die Toten, die niemand vermisst« 25.04.2015
Leider hat mich der dritte Teil auch sehr enttäuscht. Die ersten 500 Seiten ging es fast ausschließlich um Nebenschauplätze und private Sachen, bis dann in 100 Seiten alles auf einmal zum eigentlichen Fall kam. Zudem heißt das Buch ein Fall für Sebastian Bergman, im Nachhinein hat dieser nichts oder nur sehr wenig mit der Aufklärung zu tun. In den ersten 2 Büchern war ja auch noch ersichtlich, warum dieser ins Team gehört. Diesmal ist er früh gegangen und kam auch eigentlich nicht mehr zurück.
Ich finde es auch gut, dass die privaten Handlungsstränge erläutert werden und das ganze Buch abrunden. In diesem dritten Buch hat das ganze leider den Fall verdrängt. Trotzdem werde ich den 4 Teil lesen!
Caro zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Die Toten, die niemand vermisst« 20.01.2015
Ich habe mir das Buch voller Erwartung gekauft. Und war ganz glücklich. Endlich! Der 3. Teil! Dann hörte ich, der soll schlechte Kritiken haben. Mist, dachte ich. Glücklicherweise habe ich ihn dann doch gelesen. Ja, wie jemand schon schrieb, die Geschmäcker sind verschieden. Dieser 3. Teil passt sehr gut, nach meinem Empfinden. Und die Figur Sebastian Bergmann bekommt eine neue Facette, wie die anderen Akteure auch. Ich mag das gerne. Ich möchte gar nicht, dass die Hauptakteure immer gleich agieren, immer gleich sind. Dann wird es für mich langweilig!
Und die vielen Erzahlstränge, die zunächst scheinbar nichts miteinander zu tun haben..das ist der Stoff aus dem Krimis gemacht sind.
Ich freue mich auf den 4.Band.
Leroy zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Die Toten, die niemand vermisst« 21.09.2014
Mein erster Kontakt mit den beiden Autoren. Tolle Story, gute Verstrickungen, markige Charaktere, einfache Sprache... mehr braucht's nicht.
Ach ja: Sebastian Bergmann ist als Protagonist des Buchs ein "Schnäppchen".
Persönlich möchte ich mit ihm nichts zu tun haben, aber berühren tut er absolut jeden Leser:
Ich werde weiter lesen und bin gespannt was noch so da ist und noch kommt.
frankphilipp zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Die Toten, die niemand vermisst« 21.08.2014
Ich hatte die Hoffnung ja schon aufgegeben, daß nach Mankell und Nesbø, einer die skandinavische Fackel des spannenden Krimi/Thrillers mal wieder aufnimmt. Diese zwei Autoren habens geschafft.
Endlich wieder Spannungsbögen, die den Namen auch verdienen. Vom Protagonisten Bergmann ganz zu schweigen. Ein Unsympath erster Güte, der einem wirklich ans Herz wächst. Man darf einfach nie vergessen, warum er so ist wie er ist. Ein gebrochener, der versucht aufrecht zu stehen... und das gelingt ihm eher schlecht als recht. Alle drei erschienenen Romane (+ eine Kurzgeschichte "Feste feiern, wie sie fallen"), waren für mich wahre Pageturner und ich kann den vierten (erscheint im Oktober 2014) kaum erwarten.
Jens zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Die Toten, die niemand vermisst« 13.04.2014
Irgendwas muss es mit den Büchern von Hjorth und Rosenfeldt auf sich haben, denn auf den Bestseller-Listen sind sie scheinbar der Renner, aber die Leser-Reaktionen wir hier zu diesem Buch ist - in diesem fall zu Recht - eher negativ. Sebastian Bergman ist hier im wahrsten Sinne das fünfte Rad am Wagen, der Fall hat nichts, wozu ein Psychologe gebraucht wird, und so widmet sich das Buch Sebastians Versuchen zu, die FBI-Karriere seiner Tochter zu torpedieren, weil er sie - ohne dass sie wissen soll, dass er ihr Vater ist - für sich zu haben und startet eine perfide Intrige. Schade, die Krimi-Geschichte ist nämlich an sich nicht schlecht und hat durchaus aktuelle Brisanz, aber den Autoren gelingt es nicht, aus dieser Geschichte einen spannenden Krimi zu machen. Immerhin scheint Bergman von seiner Sexsucht halbwegs kuriert. Und eine Frage, die mich beschäftigt, ist: Gibt es in ganz Schweden nur diese EINE Reichsmordkommission, wie von den Autoren behauptet, und besteht die wirklich nur aus einem halben Dutzend Mitarbeitern? Schweden ist zwar ein kleines Land, aber bestimmt gibt es nicht nur eine Mordkommission. Auch die Brillianz und Fähigkeiten des Teams um Torkel Höglund wird immer nur behauptet, nie bewiesen. Den Fall klären sie auch nicht durch ihre Ermittlungsarbeit, vielmehr spielt Kommissar Zufall hier eine Hauptrolle. Der Cliffhanger lässt einen vierten band erwarten. Hoffentlich finden die Autoren zur ordentlichen Form des ersten Bandes zurück, dieser Roman hinterlässt eher enttäuschte Leser
Abendleser zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Die Toten, die niemand vermisst« 09.02.2014
ich habe das Buch in 7 Stunden durchgelesen/durchgeackert. Für Leser, die gerne Handlúngsstränge zusammenfügen und "alles hängt mit allem zusammen", ist dieses Buch sicherlich ein lesenswertes Buch. Ich habe eine halbe Stunde (!) gebraucht, um das Buch nachzuerzählen. Bis dahin also gut.
Und jetzt das aber:
Leider leider hatte ich im ganzen Verlauf des Lesen des Krimis meine Probleme: zum einen war da der Protagonist Sebastian, der einfach durch das Buch durchläuft (was macht der eigentlich im Buch), dann die übrigen problembehafteten Team-Mitarbeiter, wo - wie schon gesagt - alles mit allem irgendwie zusammengeschwurbelt wurde und
dann auch noch der Ballermann Billy, der
der Geschichte ein schnelles unaufgelöstes Ergebnis verschafft. Und mittendrin tauchte bei mir während meines nächtlichen Schlafes die für mich ungelöste Frage auf: was machen die 2 Personen in dem Buch/Grab? Ich habe nicht herausgefunden (weil ich keine Lust hatte, den Wälzer nochmal zu lesen), wer diese 2 eigentlich und warum auf dem Gewissen hat.Und zu allem Überfluß kommen noch 2 weitere Vermißte hinzu, die die ganze Geschichte zusammenkleben. Frage: wo sind die abgeblieben?Oops, jetzt hätte ich beinahe noch die Tochter vergessen, die sich wie eine blutige Anfängerin verhält und irgendwie nicht 2 und 2 zusammenzählen kann.
Fazit: jetzt stehe ich sehr betroffen. Das Buch jetzt zu und alle Fragen offen.
Zur Versöhnung: ich werde trotz allem
den vierten Band anlesen (wollen). Das Warum verrate ich nicht.

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