Saubere Wäsche von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2007 bei Grafit.
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Dortmund: Grafit, 2007.
ISBN:
978-3-89425-338-7. 282 Seiten.
'Saubere Wäsche' ist erschienen als
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In Kürze:
Johanna di Napoli, Kriminalbeamtin der Stadtpolizei Zürich und als »Quotenfrau« häufig den Anfeindungen ihrer männlichen Kollegen ausgesetzt, ermittelt im Fall einer brutalen Vergewaltigung. Bei ihren Nachforschungen stößt sie immer wieder auf Werner Hügli, den Chef einer großen Reinigungsfirma, der sich auch durch schmutzige Geschäfte einen Namen gemacht hat. Da die lokale Politprominenz gern in seinen Rotlichtetablissements verkehrt, gerät Johanna zunehmend unter Druck: Ihr Chef erwartet höchste Diskretion, die Öffentlichkeit Erfolge und der Großteil ihrer Kollegen ihr Scheitern. Als dann auch noch bekannt wird, dass sie sich mit dem Ehemann einer Hauptzeugin eingelassen hat, muss Johanna alles auf eine Karte setzen …
Gute Krimis sind mitunter rätselhaft. Lange grübelt man, wer der Täter war, man durchleidet die Höhen und Tiefen der Ermittlungsarbeit, ehe uns der Autor am Ende mit einer mehr oder weniger passablen Lösung des Rätsels aufwartet. Was aber, wenn der Roman an sich das Rätsel ist? Wenn man sich am Ende der Lektüre fragt, was das jetzt eigentlich überhaupt war? Wenn es schwer fällt, das Gelesene zu werten, zu beurteilen?
Das Debüt des Schweizers Michael Herzig ist solch ein Rätsel. Saubere Wäsche hat Stärken, das ist gar nicht von der Hand zu weisen. Der Autor ist Drogenbeauftragter der Stadt Zürich und tatsächlich, wenn er in einer Nebenhandlung die Geschichte eines heroinsüchtigen Pärchens erzählt, dann geht das unter die Haut. Auch wenn er über die Protagonisten berichtet, ihre Einsamkeit, die Anonymität der Großstadt und die Suche nach Liebe und Geborgenheit, so bewegt sich der Autor treffsicher.
Die Quotenpolizistin
Johanna di Napoli ist zu ihrem eigenen Leidwesen die Karriereleiter hoch gerutscht. Als Quotenfrau bei der Polizei durfte sie einige Hierarchiestufen überspringen, die ihren männlichen Kollegen einige schmerzhafte Jahre kosten, bevor sie ähnliche Chancen erhalten. Ihrer Beliebtheit im Team ist das nicht gerade zuträglich. Bei Einsätzen merkt man außerdem, dass sie durchaus noch ein wenig grün hinter den Ohren ist. Eine Razzia in einem illegalen Nachtclub schlägt ihr auf den Magen. Der Anblick einer Vergewaltigung und eines Doppelmords bekommen ihr ebenso wenig.
Zweite Hauptfigur ist Michael Metzger. Der Sportjournalist ist Opfer einer merkwürdigen Job-Rotation: Die neue Chefin seiner Zeitung will verkrustete Strukturen aufbrechen, steckt ihn in die Lokalredaktion. Doch während Metzger seiner Nachfolgerin bei der Berichterstattung vom Fußballländerspiel hilft, wird er selber von der neuen Abteilung gemobbt, muss sogar zur Strafe jeden Leserbrief einzeln beantworten. Da oben bereits erwähnter Doppelmord an seinen Nachbarn begangen wurde, lernt er bei den Ermittlungen Johanna di Napoli kennen.
Der Saubermann
Bei der Razzia und der Vergewaltigung stößt di Napoli auf den Namen Werner Hügli. Da der Rotlichtkönig als Tarnung ein florierendes Reinigungsunternehmen betreibt und auch die Opfer des Doppelmordes Besitzer einer Reinigung waren, liegt der Verdacht, dass die Fälle miteinander zu tun haben, nahe. Nehmen di Napoli und Metzger nun gemeinsam die Fährte auf?
Nein, denn das ist nicht Kern des Romans. Herzig konzentriert sich vielmehr auf das soziale Gefüge zwischen seinen Figuren. Besprechungen, Befragungen, Beziehungen zu den Kollegen. Am Tag nach dem Doppelmord geht di Napoli mit einer Kollegin Squash spielen – die Drecksarbeit machen andere. Ihr Beruf bleibt für sie eine Tätigkeit, mit der sie Geld verdient. Sie macht Fehler, schwere sogar. Probleme (in Beruf und Privatleben) haben für den Autor einen viel höheren Stellenwert.
Es wundert nicht, das die Aufklärung der beiden Fälle nicht der guten Ermittlungsarbeit der Polizei zu verdanken sind, sondern mehr oder weniger ein Zufallsprodukt sind. Nicht zuletzt dadurch wirkt das Werk im Gesamtkontext sehr authentisch – befriedigend ist der Ausgang jedoch nicht. Herzigs Roman ist in erster Linie ein Abbild der Gesellschaft, das sich der Rahmenhandlung eines Krimis als Mittel zum Zweck bedient hat. Trotz aller Stärken, der Funke der Begeisterung springt nicht wirklich rüber. Deshalb muss abschließend die Frage erlaubt sein, ob der Kriminalroman wirklich das beste Mittel für den Autor war, um seine Botschaft dem Leser zu vermitteln?
Thomas Kürten, November 2007
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| sam zu »Michael Herzig: Saubere Wäsche« | 12.04.2010 |
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| Martin zu »Michael Herzig: Saubere Wäsche« | 06.12.2009 |
