Schwarze Trüffel von
Buchvorstellung
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1998
unter dem Titel A long finish,
deutsche Ausgabe erstmals 1999
bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Piemont, 1990 - 2009.
Folge 6 der Aurelio-Zen-Serie.
- London: Faber, 1998 unter dem Titel A long finish. 249 Seiten.
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München: Goldmann, 1999.
Übersetzt von Martin Hielscher.
ISBN:
3-442-30844-5. 347 Seiten. -
München: Goldmann, 2001.
Übersetzt von Martin Hielscher.
ISBN:
3-442-44404-7. 347 Seiten.
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ISBN 3-442-44404-7, 352 Seiten. Copyright © 2001 Verlagsgruppe Random House
Leseprobe
Aus dem Amerikanischen von Martin Hielscher
Später – als die Nachricht von dem, was passiert war, die Runde machte und eine Zeitlang, in den unterschiedlichsten Versionen, zum Gesprächsthema der ganzen Nation wurde – errichtete ein Fernsehteam eine Satellitenschüssel auf einer Lichtung am Hang hinter dem Anwesen der Faiganos, wobei man ein kleines Vermögen, zumindest in den Augen der Hiesigen, für die vorübergehenden Nutzungsrechte von ein paar Quadratmetern Land bezahlte, das so öde, so unfruchtbar, ja so ganz und gar nutzlos war, dass es auf der geistigen Landkarte der Einheimischen praktisch nicht mehr existierte. Die Leute kratzten sich am Kopf und murmelten: »Das haben sie bezahlt? Für il Bric Liserdin?«, wobei sie diese Absurdität nicht weniger zu schockieren schien als die Sache selbst.
Die Sache. So sprach man über die Ereignisse, als ob das alles nicht mehr mit ihnen zu tun hätte als die Metallschüssel, die die Fremden aus Mailand anschleppten und gegen eine dicke Gebühr im Gestrüpp dieses steilen Hanges aufstellten, wo sich unentwegt Felsbrocken an die Oberfläche arbeiteten wie Maulwürfe und den Boden immer noch unbrauchbarer machten, auf den die Vorfahren von Gianni und Maurizio so viel vergebliche Mühe verwendet hatten: Seine einzige Frucht waren und blieben die Steine, mit denen man die Terrassen auf der anderen Seite des Hügels anlegte, Weinberge in guter Lage.
Die Fernsehleute jedoch bevorzugten anscheinend – jedem Naturgesetz zuwider – genau die Lage jenes dürren Streifen Ödlands mit Blick auf irgendeinen himmlischen Körper, der, für das nackte Auge unsichtbar, angeblich dort im Raum schwebte wie die Engel auf den Fresken der Dorfkirche, bewegungslos über dem rotierenden Erdball verharrte und den ganzen Klatsch der Dorfbewohner sammelte, ihr Geschwätz und ihre Ausflüchte, um alles wieder hinabzusenden, so daß sie sich später selbst dabei zusehen konnten, wie sie live am Ort der Tragödie interviewt worden waren.
Er selbst konnte natürlich nicht gefragt werden, auch später nicht. Der Mann, dem sie weit mehr bezahlt hätten als den Faigano-Brüdern, um ihn nach seinen Erlebnissen und entsprechenden Empfindungen zu fragen, mußte zusehen bei dieser Farce, mußte sich jeden Kommentar verkneifen und so tun, als wisse er nicht mehr als das, was er auf der Straße gehört und im Fernsehen gesehen hatte. Er war frustriert, und das nagte an ihm, quälte ihn wie Bauchschmerzen, verdarb ihm jede Freude und legte sich wie eine schwere Last auf all den anderen Kummer. Hätte irgend jemand etwas von seinem Zustand geahnt, so hätte das vielleicht helfen können, die späteren Ereignisse zu erklären – vielleicht sogar zu verhindern -, die, wenn auch auf ganz andere Art und Weise als la cosa, trotzdem zur einmaligen, traurigen Berühmtheit beigetragen hatten, zu der die Gemeinde inzwischen gelangt war.
Aber all das kam später. Damals nahm er nichts wahr als das schwache, trübe Licht im Osten, die fetten Lehmklumpen unter den Füßen, den Dunst, der aus dem Flußtal heraufquoll, und das eifrige Hecheln des Hundes, der gehorsam bei Fuß blieb. Er nahm dies und auch alles andere in seiner unmittelbaren Umgebung sehr intensiv wahr, als er zwischen den Rebstöcken den Hang hinaufging, in einer Hand einen großen Strauß weißer Blumen. Er hielt sich geduckt, um nicht über das rotbraune und goldene Laubwerk hinauszuragen, das aus uralten, durch intensives Beschneiden kurz gehaltenen Stümpfen sproß. Mit all dem Geld, das die Vincenzos verdienten, konnten sie die traditionellen Stangen für die Spalierdrähte durch Betonpfeiler ersetzen, die fein säuberlich über den ganzen Hang gesetzt waren wie die Reihen der Grabkreuze auf dem Soldatenfriedhof am Rande des Dorfes.
Er hatte seine Route sorgfältig gewählt. Zwar schützten ihn die Weinstöcke nur auf zwei Seiten vor Blicken, doch waren die entscheidend. Zu seiner Rechten lag die Straße, die den Hügelkamm entlang nach Alba führte. Seit er durch ein gut verborgenes Loch, das er in den Zaun geschnitten hatte, aufs Feld geschlüpft war, war nur ein einziger Wagen vorbeigekommen, der aber weitergefahren war, ohne die Geschwindigkeit zu drosseln. Die größere Gefahr lag auf der anderen Seite, wo auf einem Nachbarhang in etwa einer Meile Entfernung die Vincenzo-Villa mit den dazugehörigen Nebengebäuden lag. Wäre ihr Besitzer zu dieser Stunde schon wach gewesen und hätte beobachtet, wie der Dunst durch seine Weinstöcke trieb wie der Rauch einer Zigarre, so hätte er gut und gerne dort draußen etwas ausmachen können, das sich bewegte, und er wäre nach drinnen gegangen, um Fernglas und Gewehr zu holen. Selbst in fortgeschrittenem Alter war Aldo Vincenzos Sehschärfe noch ebenso legendär wie sein Mißtrauen und seine Unnachgiebigkeit. Doch der Eindringling war ziemlich sicher, dass an diesem Morgen noch niemand auf den Beinen war, denn er hatte nicht nur seinen Weg, sondern auch den Zeitpunkt sorgfältig bedacht.
Der Preis, den er für den Sichtschutz auf beiden Seiten durch die Rebstöcke zahlte, war die fast vollständige Schutzlosigkeit in die beiden anderen Richtungen, doch hatte er hier noch weniger Bedenken, unbeobachtet passieren zu können. In seinem Rücken fiel das Gelände ab zu einer Schneise für die Bahngleise, die so tief lag, dass in dieser Richtung nichts zu sehen war, mit Ausnahme der schwachen Silhouette von Palazzuole, das sich in der Ferne oben auf seinem Hügel aus dem Dunst erhob. Vor ihm, auf dem Bergkamm, lag ein kleiner, dichtbewaldeter Abhang, den man sich selbst überließ, ein kümmerliches, nach Norden gelegenes Stück Land voller Gestrüpp, das selbst Aldo für unkultivierbar hielt. Die Straße von Alba nach Acqui war eine einzige befestigte Kurve über diesen Hügel, so steil und eng, dass die Fahrer auch heute noch vom Gas gehen, herunterschalten und sich ernsthaft auf das Lenkrad konzentrieren mußten. Damals, 1944, hatte die Steigung die schwachen, überladenen und schwerfälligen Lastwagen beinahe zum Stehen gebracht, meist noch bevor der Fahrer den Baum bemerkt hatte, der quer über der Straße lag …
Damals, während sie warteten, hatte Angelin den Trüffel entdeckt. Sie beide waren an dieser Straßenseite stationiert worden, während sich die anderen tief im Wald versteckt hielten, der damals noch der Cravioli-Familie gehört hatte. Nun war auch er Teil von Aldos Reich, genau wie die dichten, ausgedehnten Weinberge jenseits der Straße.
Es war ein einfacher Plan gewesen. Die Mannschaft des republikanischen Konvois verließ Alba in aller Eile, nachdem es von den Partisanen eingenommen worden war. Sobald sie ausgestiegen waren, um die umgestürzte Birke aus dem Weg zu räumen, sollten die Männer auf dem Abhang darüber mit einem aufgebockten Maschinengewehr, das man vor einigen Wochen einer deutschen Einheit abgenommen hatte, einfach von rechts nach links alles niedermachen. Er und Angelin sollten jeden fascisti erschießen, der versuchte, sich auf ihrer Seite in die Wälder zu schlagen.
In der Zwischenzeit hatten sie nichts anderes zu tun, als zu warten. Die Menschen heutzutage hatten keine Ahnung, wieviel Zeit man damals mit Warten verbrachte. Sie dachten, Krieg sei immer bloß Gewehrfeuer und Explosionen, Sirenen und Schreie, aber in seiner Erinnerung waren es lange Phasen von Langeweile, die, wie eine Sommernacht durch einen Blitz, von Augenblicken heftigster Erregung unterbrochen wurden, die er bis dahin nie für möglich gehalten hätte. Damals war er fünfzehn gewesen und unsterblich. Der Tod war etwas, das anderen Menschen widerfuhr. Der Gedanke, getötet zu werden kam ihm ebensowenig in den Sinn wie der, dass er schwanger werden könnte.
Wie sich herausstellte, hatte er recht. Alles ging nach Plan, außer daß Angelin von einem Querschläger erwischt wurde, der das bißchen, was er an Gehirn gehabt hatte, über Mulch und Moos des Unterholzes verspritzte. Aber obwohl es niemand so direkt sagte, war Angelin entbehrlich, und in jeder anderen Hinsicht war der Hinterhalt lehrbuchmäßig geglückt. Mussolinis zähe Kämpfer waren in Sekundenschnelle niedergemäht worden – alle bis auf einen Jugendlichen, der seine Waffe wegwarf, stammelnd um sein Leben flehte und aus kurzer Entfernung liquidiert werden mußte.
Aber alles, was er während jener endlosen Wartezeit wahrgenommen hatte, war das fahle Licht gewesen, das durch die Bäume fiel, und die rauschende Stille, die nur durch das kratzende Geräusch gestört wurde, das sein Kamerad beim Graben machte. Angelin hatte ein kleines Messer mit einer kurzen Klinge angesetzt und höhlte gewissenhaft den Hang vor der Eiche aus, hinter der sie sich versteckt hielten. Schließlich ging ihm das Schaben auf die Nerven.
»Was machst du da?« flüsterte er gereizt.
Angelin lächelte ausdruckslos, beinahe spöttisch.
»Ich rieche was.«
Als Antwort hatte er einen Fluch gemurmelt. Es war nicht nur das Geräusch, das ihm auf die Nerven ging, es war die ganze Situation. Jeder wußte, dass Angelin gleich nach dem Dorftrottel kam, und es war Strafe genug, dass er dazu abgestellt worden war, ihm auf der anderen Straßenseite Gesellschaft zu leisten, wo sowieso nichts passierte. Er konnte sich schon vorstellen, was die anderen gesagt hatten, damals bei dem Vorbereitungstreffen, zu dem er nicht eingeladen worden war. »Stecken wir den Kleinen zu Angelin. Da kann er wenigstens keinen Schaden anrichten.« Sie hatten nie vergessen, dass er irgendwann einmal vor lauter Aufregung das Feuer bereits eröffnet hatte, noch bevor der Befehl dazu ergangen war, und dadurch beinahe die ganze Aktion gefährdet hatte. Letztlich war nichts schiefgegangen, aber einer der älteren Männer hatte einen groben Witz über vorzeitigen Samenerguß gemacht, und seitdem hatten sie ihn immer auf Distanz gehalten, wenn es um bewaffnete Einsätze ging. Niemand stellte seinen Mut in Frage, aber sie trauten seinem Urteilsvermögen nicht mehr.
Angelin hatte weitergegraben, hatte gekratzt und geschnüffelt, bis er einen Graben von etwa dreißig Zentimeter Breite in der weichen Erde am Fuß eines der Bäume ausgehoben hatte. Schließlich grub er einen dreckigen Klumpen aus, ein Knochen oder ein Stück Kreide vielleicht, säbelte eine Ecke davon ab und präsentierte sie, aufgespießt auf seine Messerspitze. »Weißer Diamant!« flüsterte er, so rührend auf Lob bedacht wie ein Trüffelhund auf die trockene, altbackene Brotkruste, mit der man ihn abspeisen würde, nachdem er dieselbe Arbeit verrichtet hätte.
In diesem Augenblick hörten sie die Geräusche des Konvois in der Ferne, hochtourige Motoren, die sich den Hügel aus dem Tanarotal hochkämpften. Später war natürlich keine Zeit mehr für Erklärungen gewesen. Die Lastwagen mußten gewendet werden, und Kisten voller Dokumente und Akten aus der Questura in Alba mußten aus- und wieder eingeladen werden, zusammen mit all den Waffen und der Munition, die sie der Eskorte hatten abnehmen können. Sie hatten Angelins Leichnam einfach zurückgelassen. Man konnte beim besten Willen nichts mehr für ihn tun. Es gab auch keine Möglichkeit mehr, die Kugel zu identifizieren, die sich durch seinen Hinterkopf gebohrt und sich dann irgendwo im Mulch eingegraben hatte. Sie alle wußten, dass Kugeln völlig außer Kontrolle querschlagen konnten. Vor allem aber wußten sie, dass der Lärm der Schießerei weithin hörbar gewesen sein mußte und daß sehr bald ein feindliches Sonderkommando anrücken würde, um die Lage zu klären.
Er kehrte erst im folgenden Jahr an den Ort des Überfalls zurück. Zu dem Zeitpunkt war der Krieg vorbei, und seine Opfer hatten allmählich den zu Stein gewordenen, vorbildhaften Status von Märtyrern und mythischen Helden angenommen. In der Kurve, dort, wo Angelin gestorben war – wenn auch auf der anderen Seite, als ob er am eigentlichen Kampfeinsatz teilgenommen hätte -, war ein Sockel errichtet worden, auf dem sein Name, ein Datum und die Worte standen: »Hier fiel er für Italien durch die Kugel eines barbarischen Feindes.« Ein verblichener Kranz in den Nationalfarben zierte das steinerne Mahnmal. Angelins Exkamerad hatte die Inschrift ohne jede Regung gelesen. Dann, nachdem er sich vergewissert hatte, dass ihn niemand beobachtete, stieg er in den Wald hinunter und begann zu graben.
Und das ging so über mehrere Jahre hinweg. In mancher Saison war die Ernte reichlich, in manchen nur spärlich, oder sie blieb ganz aus. So waren Trüffeln eben: kapriziös wie eine Frau und einfach unberechenbar. Es war ein Teil ihres großen Geheimnisses. Da er nicht die Nase des verstorbenen Angelin für ihren stechenden Geruch besaß – womit die Natur ohne Zweifel seine Mängel auf anderen Gebieten kompensiert hatte -, nahm er sich einen tabui zu Hilfe, einen der sorgfältig gezüchteten und abgerichteten Köter, die im Umkreis von zehn Metern jedes Exemplar eines tuber magnatum Pico auf Anhieb ausmachen können.
Die Ader, die Angelin auf diesem vernachlässigten Streifen Ödland am Rande des Gutes der Vincenzos entdeckt hatte, war nicht sein einziges Jagdgebiet, dennoch waren die Gewinne in den ersten Jahren gering. Er behielt ein paar der kleineren Knollen für den eigenen Gebrauch und verkaufte den Rest entweder an Zwischenhändler auf dem inoffiziellen Markt in den Seitenstraßen von Alba oder direkt an verschiedene Restaurants und Gourmets vor Ort. Wenn man bedenkt, dass die Kosten nur aus seiner Zeit bestanden, die im Grunde keinen Wert besaß, dann war der Verdienst ganz ordentlich. Zusammen mit dem einen oder anderen Gelegenheitsjob, Teilzeit-Transportarbeit und allen möglichen »Mädchen für alles«-Einsätzen brachte das genug ein, um bescheiden davon zu leben.
Dann trat, zunächst unmerklich, eine Veränderung ein. Eines der ersten Anzeichen dafür – und von seinem Standpunkt aus das schwerwiegendste – war der Stacheldrahtzaun, den Aldo Vincenzo um seinen Besitz herum errichtet hatte. Die Weine der Region hatten inzwischen einigen Ruhm erlangt und erzielten plötzlich Preise, die alles bislang Dagewesene übertrafen; die Trauben, aus denen man sie gewann, stiegen entsprechend im Wert. Man erzählte sich sogar, Aldo Vincenzo würde dem Beispiel einiger anderer Winzer der Gegend nacheifern, indem er seinen Sohn Manlio ein Fach namens »Weinbau« studieren ließ, was den meisten in der Gemeinde ebenso absurd vorkam, wie einen Jungen zur Universität zu schicken, um dort das Leben zu lernen.
Zur gleichen Zeit etwa, als die Weine der Langhe begannen, internationales Ansehen zu erlangen, und es ihm entsprechend schwermachten, an seinen geheimen Schatz weißer Trüffeln zu gelangen, hob der Markt für dieselben in noch überwältigenderem Maße und im buchstäblichen Sinne geradezu ab. Da Trüffeln ihren Geschmack schon nach wenigen Tagen verlieren, war bis dahin der größte Teil der Ernte vor Ort verbraucht worden. Nur kleine Mengen wurden mit der Bahn zu Hotels und Restaurants in anderen Gegenden Italiens exportiert, eine Handvoll auch nach Österreich, Frankreich und in die Schweiz. Dann begann die Ära der Luftfracht. »Weißer Diamant!« hatte Angelin gesagt, aber diese sprichwörtliche Metapher war bald schon Schnee von gestern. Gramm für Gramm ließ la trifola ungeschliffene Diamanten geradezu billig erscheinen. Internationale Händler wetteiferten miteinander, um an die kostbaren Knollen zu kommen und sie an ihre ungeduldigen Kunden in London, New York und Tokio zu versenden.
Es war ein Weltmarkt, aber die Versorgung war ausschließlich durch eine Region gewährleistet. Irgendein unerforschter russischer Hügel oder ein kambodschanisches Tal mochte vielleicht ähnliche Schätze bergen, aber weiße Trüffeln konnte man nicht züchten, und derzeit war die einzig verläßliche Quelle ein kleines Gebiet im südlichen Piemont rund um die Stadt Alba. Die Preise schossen in die Höhe, und die trifolai wurden noch zurückhaltender, was die genaue Lage ihrer bevorzugten Fundstelle betraf. Angelins Entdeckung wurde somit nur noch wertvoller. Denn niemand vermutete, dass dieses vergessene Stückchen Wald am Rande des Vincenzo-Anwesens eine Mine für den so begehrten weißen Diamanten sein könnte. Wie der Hang, den die Faigano-Brüder später für ein kleines Vermögen an die Medien vermieteten, war es von der Landkarte gerutscht.
Sollte ihn allerdings irgend jemand dort graben sehen oder bemerken, dass der Stacheldrahtzaun, der eigentlich zum Schutz der Weinstöcke dort errichtet worden war, aufgeschnitten war, würde sich das alles blitzschnell ändern. Deshalb war er auch nicht während der Dunkelheit gekommen, der traditionellen Jagdsaison für die »Phantome der Nacht«, wie man die Trüffeljäger nannte. Nachts hätte er eine Fackel mitführen müssen, weithin sichtbar. Und die Leute in dieser Gegend waren von Natur aus neugierig. Alles geschah nach altehrwürdiger Ordnung und Regel. Jegliche Ausnahme war eine potentiell interessante Anomalie, die man zu beachten und an andere weiterzugeben hatte. Daher auch der Umweg, den er gewählt hatte, um sich der bewußten Stelle zu nähern, daher vor allem sein Timing.
