Das Wahrheits-Serum von Michael Cordy

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel True, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Heyne.

  • London: Bantam, 2004 unter dem Titel True. 330 Seiten.
  • München: Heyne, 2006. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 978-3-453-43093-8. 480 Seiten.

'Das Wahrheits-Serum' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Professor Carlo Bacci gelingt eine sensationelle Entdeckung: Er findet eine Droge, die wahre Liebe erzeugen kann. Von dem Gedanken besessen, seine Erfindung der ganzen Welt zugänglich zu machen, sucht er einen Finanzier. Er entschließt sich für eine renommierte Privatbank in der Schweiz, die sich im Besitz der Familie Kappel befindet. Doch der Seniorchef der Bank, Helmut Kappel, hat ganz andere Pläne mit Baccis Erfindung: Er sieht die Chance, sich mit der Droge jeden Menschen gefügig machen zu können.

Das meint Krimi-Couch.de: »Keine große Literatur, aber beste Unterhaltung« 75°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Helmut Kappel ist ein skrupelloser Schweizer Privatbankier, dessen Vorfahren ihren Reichtum als gedungene Mörder aufgebaut haben. Als ihn seine Frau mit ihrem gemeinsamen Sohn Max verlässt, holt er sich diesen mit Gewalt zurück, wobei er vor den Augen des Kindes die Mutter tötet. Max erzieht er zu einem gefühlslosen Killer und Finanzexperten und gliedert ihn erfolgreich in das Bankimperium ein, um das es in letzter Zeit nicht zum Besten steht, weil angesehene Kunden aus italienischen und russischen Mafiakreisen ihre Konten auflösen wollen.

Da kommt dem Bankhaus Kappel, das auch eine verlustbringende Forschungsanstalt für Gentechnik betreibt, Professor Carlo Bacci gerade recht, denn dieser sucht für seine neueste Erfindung einen Geldgeber. Durch zahlreiche Selbstversuche hat Bacci ein Mittel entwickelt, durch dass die mit seinem Serum behandelte Person schon beim Anblick eines Fotos der Zielperson in ewige Liebe zu dieser verfällt.

Als Testperson dient ausgerechnet der gefühlskalte Max Kappel, der sich nach Verabreichung eines temporären Impfstoffes in die Tochter des Professors verlieben soll und umgekehrt. Max Kappel und Isabelle Bacci verfallen auch prompt in einen zweitägigen Liebesrausch. Und das ist für Helmut Kappel Beweis genug, dieses Serum in der eigenen Fabrik so modifizieren zu lassen, dass die Wirkung nicht nur durch Impfung eintritt, sondern durch Trägerviren so manipuliert wird, dass sich die Liebe zur Zielperson wie ein Grippeepidemie durch die Luft ausbreiten kann. Denn dadurch könnte er sich zur geliebtesten Person des Erdballs machen, und dabei ist ihm nicht nur Professor Bacci im Weg …

Michael Cordy, der nach seinem Erfolg mit »Das Nazareth-Gen« nunmehr als Schriftsteller in London lebt, hat mit »Das Wahrheits-Serum« einen weiteren Reißer rund um das Thema Genmanipulation bei Heyne veröffentlicht. Sepp Leeb hat laut Angaben im Buch den schon 2004 bei Random House als »True« erschienene Wissenschaftsthriller aus dem Amerikanischen übersetzt, obwohl der 1962 geborene Schriftsteller Brite ist und in London lebt und arbeitet.

Seit Cordy sich 2002 mit dem Roman »Mutation« als führender Autor des so genannten Medical-Thrillers etabliert hat, geht er unbeirrt seinen Weg und sucht sich seine Themen in Entwicklung und Forschung der Genmanipulation und der damit verbundenen ethischen und moralischen Schranken. Dass er dabei unweigerlich in Bereiche des Phantastischen abrutscht, ist bei diesem Genre unerlässlich und ändert nichts daran, dass sich hier alleine schon durch die Vorstellungskraft des Lesers genügend Spannung aufbaut. Diese weiß der Autor noch deutlich durch Mord und Totschlag, skrupellose Geschäftemacherei und Machtstreben zu verdichten, denn handwerklich kann ihm keiner ans Leder. Das Vermögen auch komplexeste wissenschaftliche Vorgänge dem gentechnisch unbedarften Leser nahe zu bringen, ist Grundvoraussetzung für die Umsetzung eines populärwissenschaftlichen Stoffes und dabei gibt sich Michael Cordy keine Blöße.

Im vorliegenden Buch sind die Charaktere grundsätzlich vom Schicksal gebeutelte Menschen der Oberschicht, die dem Leser sofort sympathisch sind, sofern sie zu den »Guten« gehören. Die Trennungslinie zwischen Gut und Böse ist schon von der ersten Seite an ganz klar gezogen und die Handlungsweise der Akteure ohne jegliche Überraschung vorhersehbar. Sämtliche Spannungselemente erzielt Cordy durch die ausgezeichnet beschriebenen Actionszenen, die jederzeit auch für einen entsprechenden Kinoerfolg brauchbar wären.

Große Literatur ist das mit Sicherheit nicht, aber dafür beste Unterhaltung, die sich leicht und flüssig lesen lässt. Für alle Liebhaber von leichter und guter Actionkost und Wissenschaftsthriller mit Niveau kann man "Das Wahrheitsserum uneingeschränkt empfehlen.

Wolfgang Weninger, Juni 2007

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