Die Frau im Beton von Michael Connelly

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1994 unter dem Titel The concrete blonde, deutsche Ausgabe erstmals 1997 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Kalifornien / Los Angeles, 1990 - 2009.
Folge 3 der Harry-Bosch-Serie.

  • Boston: Little, Brown, 1994 unter dem Titel The concrete blonde. 382 Seiten.
  • München: Heyne, 1997. Übersetzt von Norbert Puszkar. ISBN: 3-453-12511-8. 428 Seiten.
  • Augsburg: Bechtermünz, 2000. Übersetzt von Norbert Puszkar. ISBN: 3828967523. 429 Seiten.
  • München: Heyne, 2005. Übersetzt von Norbert Puszkar. ISBN: 3-453-43182-0. 429 Seiten.
  • [Hörbuch] Frechen: Delta Music, 2006. Gesprochen von Karl-Heinz Tafel. ISBN: 3865385230. 5 CDs.

'Die Frau im Beton' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Ein Serienmörder, der seine Opfer – stets Frauen – zunächst gequält und nach ihrem Tod mit Make-up bemalt hat, ist durch den Polizisten Harry Bosch getötet worden. In einer polizeiinternen Untersuchung hat sich bereits herausgestellt, dass sein Verhalten in Ordnung war. Daher hat er auch keine Angst vor dem Zivilprozeß, den die Frau des getöteten Mörders gegen ihn anstrengt. Doch bei den Unruhen in Los Angeles brennt ein Gebäude nieder, in dem die Leiche einer Frau entdeckt wird. Die Tat scheint eindeutig die Handschrift des »Puppenmörders« zu tragen, und der Autopsie-Bericht ergibt zweifelsfrei, dass die Frau ermordet wurde, nachdem Harry den mutmaßlichen Mörder erschossen hat. Auf einmal sieht es vor Gericht schlecht aus für Harry Bosch. Er beginnt auf eigene Faust zu recherchieren, denn es drohen ihm die Suspendierung vom Polizeidienst und eine lange Gefängnisstrafe.

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine gut gemachte Mischung aus Gerichtsthriller und Cop-Krimi« 59°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

»Wo stehste, Harry?«

Mit dieser Floskel begrüßt Jerry Edgar seinen Kollegen Harry Bosch, 43 Jahre alt, Detective bei der Los Angeles Police. Bosch lebt alleine, hat aber eine feste Freundin. Sylvia ist Lehrerin und die Witwe eines ehemaligen Kollgen von Bosch.

Detective Harry Bosch hat den »Puppenmacher« endlich erledigt, den Serienmörder, der elf Prostituierte getötet und die Gesichter seiner Opfer mit Make-up bemalt hat. Ganz alleine drang er in die Wohnung des Verdächtigen ein, weil er vermutete, dass dieser bereits sein nächstes Opfer bei sich hatte. Doch der Mann reagierte nicht auf Harrys Rufe, er griff nach etwas und ein Schuss aus der Pistole des Polizisten traf tödlich. Doch der Mörder Norman Church wollte gar nicht nach einer Waffe greifen, sondern nach seinem Toupet.

Vier Jahre danach beginnt der Bürgerrechtsprozess gegen Detective Harry Bosch. Er soll damals nicht korrekt gehandelt haben. Doch man wirft ihm nicht nur Verstösse gegen die Dienstverordnung und unrechtmäßigen Schusswaffengebrauch vor. Honey Chandler, die Anwältin von Churchs Witwe, behauptet, die vorgebrachten Beweise gegen Norman Church seien von Bosch manipuliert gewesen und Church in den Mordfällen unschuldig.

Dann erhält die Polizei einen Hinweis, dass im Betonfußboden eines abgebrannten Gebäudes eine Frauenleiche versteckt sei. Die gefundene Tote weist sämtliche Merkmale aus den Puppenmacher-Fällen auf. Ob die Leiche schon länger als vier Jahre dort begraben war, lässt sich anhand der Obduktion nicht ermitteln. Die Polizei gerät ins zweifeln, ob sie damals den richtigen Mann erwischt hat.

Nachdem man herausfindet, dass die Tote zuletzt vor zwei Jahren gesehen wurde, ist klar, dass der Mörder in diesem Fall nicht Church gewesen sein kann. Sollte sich Bosch wirklich so geirrt haben? Hatte der Mörder einen Komplizen? Oder handelt es sich um einen Nachahmungstäter?

Das erste, was ich von einem Buch lese, ist der Klappentext. Ein geradezu musterhaftes Beispiel von einem guten Klappentext liefert »Die Frau im Beton«: »Ein gnadenloser Wettlauf mit der Zeit – ein außergewöhnlicher Gerichtsthriller!« – so die Schlagzeile, die Appetit machen soll. Danach zwei Sätze, die das zusammenfassen, was ich oben als Inhaltsangabe aufgeführt habe. Gut verständlich und Neugier weckend. Daß dies der Inhalt von nur zwanzig Seiten ist, verdeutlicht einerseits, dass der Roman von Anfang an spannend ist und lässt zum anderen noch einiges erwarten. Außerdem verrät er nicht zuviel von der Handlung.

So positiv einerseits der Klappentext ist, so negativ ist der deutsche Titel »Die Frau im Beton«, worunter ich eher den reißerischen Titel eines Groschenromans vermute. Der Fairness halber aber sei erwähnt, dass der Originaltitel »The concrete blonde« in diesem Fall auch nicht viel besser ist.

Das Buch bietet zwar schon zu Beginn alle Grundlagen für einen guten Thriller, doch kommt es nur sehr langsam in Fahrt, nachdem gleich zu Anfang schon einiges an Pulver verschossen wurde.

Auch Klischees wirken störend. So ist die Spurensicherung wieder mal ein unfähiger Haufen, denn Harry Bosch braucht nur einen Blick auf die Fundstelle der Leiche zu werfen und findet eine übersehene Zigarettenschachtel.

Als gut aufgebaute Mischung zwischen Gerichtsthriller und Cop-Krimi kommt Connellys Werk daher. Sehr detailliert und trotz aller aus amerikanischen Gerichtsthrillern bekannten Formalismen spannend zu verfolgen ist die Gerichtsverhandlung. Sowohl Boschs unerfahrener und ziemlich unfähiger Anwalt Belk als auch die gerissene Honey Chandler, die Anwältin der Gegenseite werden sehr gut charakterisiert. Die Gespräche, die Bosch außerhalb des Gerichtssaals mit Chandler führt, bilden einen gelungenen Kontrast zur Verhandlung. Auch auf die sozialen Probleme in Los Angeles zwischen verschiedenen Rassen sowie zwischen Polizei und Bürgern geht der Autor sehr gut ein. Immer wieder erwähnt werden dabei die Rodney-King-Unruhen, durch deren Berichterstattung Connelly 1992 bekannt wurde. Die Einblicke, die man in die Pornoindustrie bekommt, sind mal etwas, was noch nicht so abgedroschen ist.

Der Leser hat zwar gegenüber den Ermittlern keinen Wissensvorsprung, da er immer an der Seite des Proitagonisten bleibt, kann sich jedoch schon vorab so einiges zusammenreimen. So wirkt es doch sehr unglaubhaft, dass Harry so einige neue Schlüsse aus den Details der Mordfälle plötzlich nach Jahren ziehen kann, die keinem der Ermittler damals in den Sinn gekommen waren.

Der Schreibstil ist nicht gerade berauschend, was aber auch an der Übersetzung liegen kann. Humorvolle Redewendungen wie »Er sah aus wie jemand, dessen Gehirnsynapsen Wackelkontakt hatten« kommen leider nur sehr sporadisch vor.

Etwas plump, wie Connelly aufgrund einzelner Indizien neue Verdächtige ins Spiel bringt und sich alle Cops dann auf diesen einen versteifen und sämtliche anderen Spuren außen vor lassen, bis sie sich auf dem Holzweg wiederfinden.

Fehlen darf natürlich auch nicht das Privatleben des Protagonisten. Die Beziehung zwischen ihm und seiner Freundin Sylvia ist im Umbruch begriffen. Beide haben noch immer getrennte Wohnungen. Harry will nicht ohne Sylvia leben, doch diese ist als Witwe eines Polizisten absolut unsicher, ob sie weiter ein solches Leben führen kann.

Eine gut gemachte Mischung aus Gerichtsthriller und Cop-Krimi, die nicht immer voll zu überzeugen weiß. Ein Plot nach altbekanntem Strickmuster, der nur sehr selten die höchste Spannungsebene erreicht.

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Colonius Coelle zu »Michael Connelly: Die Frau im Beton« 07.07.2013
Ich denke mit "concrete blonde" im Originaltitel ist eben nicht (nur) die "Frau im Beton" gemeint, sondern (vielmehr) "Justitia" - Harry Bosch muss sich vor Gericht verantworten... Das macht jetzt für die Story an sich keinen weltbewegenden Unterschied, aber es geht in den Geschichten ja auch immer um Harrys Seelenleben, die Konflikte mit dem LAPD und seine Haltung gegenüber Vorschriften und Vorgesetzten, denen der Ruf des PD wichtiger ist als das 'Recht der Opfer', dass der Täter gefunden und zur Rechenschaft gezogen wird...Ich habe nahezu sämtliche Connelly-Krimis (im Original) gelesen und bin stets aufs neue fasziniert. Klasse!
vifu zu »Michael Connelly: Die Frau im Beton« 17.05.2011
Hab den Band soeben ausgelesen. Das war denn doch wieder eine echter Michael Connelly!! Auch wenn der Hauptschauplatz der Gerichtssaal ist, ist die Story bis zum Schluss sehr spannend. Die verschiedenen Drehungen lassen mich nicht ganz zufrieden , aber das ist Ende logisch!
Ich freu mich schon auf den nächsten Harry Bosch!
pepone9 zu »Michael Connelly: Die Frau im Beton« 31.03.2011
mir hat das buch auch ziemlich gut gefallen.gegen ende kann man es kaum aus der hand legen, da sich die ereignisse ständig überschlagen! (kompliment an MC)!! bin gerade dabei mir die ganze harry bosch reihe zu besorgen und muss sagen, dass es von buch zu buch besser wird.habe zwar erst teil drei durch bin aber sehr begeistert bis jetz. bin schon auf die nächsten teile gespannt ...
fuchsgraben97318 zu »Michael Connelly: Die Frau im Beton« 01.03.2011
Michael Connelly ist ja als Topautor bekannt. Ich stieß relativ spät auf ihn und ärgere mich, daß ich seit fast einem Jahr den längst vergriffenen ersten Ausgaben hinterherjage.

Dieses Buch ist der Hammer, ich war ja erst sehr skeptisch. Auf der Rückseite wird dieser Krimi als Gerichtsthriller bezeichnet. Und machte mich auf langatmige Ausführungen gefasst.

Was dann kommt - ist wirklich elektrisierend. Connelly stellt die Figuren auf und erzeugt dem Leser das Gefühl, jetzt habe ich ihn überführt. Das letzte Drittel bewegt sich von einer Wendung in die nächste.

Ich habe schon im Vorfeld jetzt 8 Bände gesammelt und freue mich auf den nächsten Teil.
Mistie zu »Michael Connelly: Die Frau im Beton« 05.09.2010
Gekauft weil ich an dem Tag unbedingt einige Bücher kaufen "musste"; beim Lesen des Klappetextes errinnerte ich mich an Herrn Tentaktel's Empfehlungen und seine Liebe zu Harry Bosch ... der Rest ist nun Realität.

Das Buch wird höchstwahrscheinlich nicht der erste Bosch-Krimi bleiben und sich somit in meinem Regal nicht allein fühlen ...

Mir hat die Mischung zwischen Krimi- und Gerichtskrimi gut gefallen; auch die Person Harry Bosch (wenn am Anfang auch etwas gewöhnungsbedürftig - was nicht unnatürlich ist wenn man inmitten in einer Serie anfängt).

Das wirklich Einzigste was mich geärgert hat ist, dass ich den Mörder nicht entlarvt habe - und dabei hatte ich soviele Verdächtige ...

Bis zum nächsten Mal Harry - 80°
peter ledergerber zu »Michael Connelly: Die Frau im Beton« 22.07.2010
Nur durch Zufall (oder Langeweile?) bin ich auf dieses Buch gestossen. Fazit: Einmal Connelly, wieder Connelly. Spannung pur! Ein Krimi der Extraklasse, mit Stig Larsson vergleichbar.
Leider sind dem Übersetzer (bzw. - bei der Drucklegung - dem Verlag) einige ärgerliche Sprach- und Syntaxfehler unterlaufen. Tut aber dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Freue mich jetzt schon auf den nächsten Roman - man muss sich einfach die Zeit dafür "stehlen".
mg11 zu »Michael Connelly: Die Frau im Beton« 20.07.2010
Wie immer ein sehr spannender Krimi von MC. Besonders gut finde ich den Wechsel zwischen den eigentlichen Ermittlungen und dem parallel laufendem Gerichtsverfahren. Die Personen sind allesamt gut herausgearbeitet.
Die Beschreibungen der Stadt und Boschs Hassliebe zur ihr erzeugen ein eher düsteres Bild; passend zu dem Fall und dem Verfahren gegen Bosch. Harrys Privatleben kommt in diesem Buch auch nicht zu kurz und erzeugt ein Bild von Hoffnung, während alles andere eher zusammenfällt.
Alles in allem ein sehr gutes Buch mit einer sehr guten und wohl dosierten Mischung aus Ermittlung, Verfahren, Privates und Umgebung. Für Bosch Fans ein Muss, für Leute, die das Buch noch nicht gelesen haben, ein Soll.
vaneea zu »Michael Connelly: Die Frau im Beton« 30.08.2009
Es kommt nicht an andere Bücher in meinem Bücherregal ran, aber ich finds okay. Gegen den Schluss hat's mich nochmals gepackt, aber ich wusste schon nach einem Viertel des Buches wer der "Jünger" ist - zu durchschaubar. Werde Connelly aber noch ne Chance geben und ein weiteres Buch von ihm lesen - sein Schreibstil gefällt mir!
koepper zu »Michael Connelly: Die Frau im Beton« 25.05.2009
Die Mischung aus Gerichtsthriller und Cop-Krimi hat mir gut gefallen. Die Handlung von "Frau in Beton" wechselt zwischen Gerichtssaal und Mordermittlung. Dies verleiht dem Krimi ein gutes Tempo und bietet von anfang bis zum Schluss Spannung.
Auch wenn nicht alles was Connelly darbietet schlüssig und logisch ist, so ist ihm doch ein Buch gelungen, das Lust auf mehr macht.
Rolf.P zu »Michael Connelly: Die Frau im Beton« 05.02.2009
Die Harry-Bosch-Reihe von Michael Connelly besticht auch bei "Frau im Beton" mit dem gewohnt hohen Niveau.
In seinem dritten Buch wird Harry Bosch von einem Fall eingeholt, der noch vor seinem ersten Fall angesiedelt ist und der zu seiner Versetzung vom LAPD nach Hollywood verantwortlich ist.
Diese Fall ist die Basis für einen Krimi, den Connelly wie schon bei den die ersten beiden Büchern mit viel Spannung und Tempo umgesetzt hat. Er legt dabei mehrere falsche Spuren und erst zum Schluss kann man ahnen, wer der Täter ist.
Dieser Thriller besticht durch seine einmalige Mischung von "Gerichts-Krimi" und "Jagd nach einem Serienkiller". Wie immer sehr authentisch und detailgenau vom ehemaligen Polizeireporter Michael Connelly erzählt.

An Connellys dauerhaft verlässlich hohes Niveau der Bosch-Reihe reicht wirklich kaum ein anderer zeitgenössischer Krimi-Autor ran!
Absolut empfehlenswert!

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