Die Frau im Beton von Michael Connelly

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1994 unter dem Titel The Concrete Blonde, deutsche Ausgabe erstmals 1997 bei Heyne. 428 Seiten. ISBN-10: 3-453-43182-0, ISBN-13: 978-3-453-43182-9. Übersetzt von Norbert Puszkar.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Kalifornien / Los Angeles, 1990 - heute.

'Die Frau im Beton' ist erschienen als Taschenbuch

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine gut gemachte Mischung aus Gerichtsthriller und Cop-Krimi« 59°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

»Wo stehste, Harry?«

Mit dieser Floskel begrüßt Jerry Edgar seinen Kollegen Harry Bosch, 43 Jahre alt, Detective bei der Los Angeles Police. Bosch lebt alleine, hat aber eine feste Freundin. Sylvia ist Lehrerin und die Witwe eines ehemaligen Kollgen von Bosch.

Detective Harry Bosch hat den »Puppenmacher« endlich erledigt, den Serienmörder, der elf Prostituierte getötet und die Gesichter seiner Opfer mit Make-up bemalt hat. Ganz alleine drang er in die Wohnung des Verdächtigen ein, weil er vermutete, dass dieser bereits sein nächstes Opfer bei sich hatte. Doch der Mann reagierte nicht auf Harrys Rufe, er griff nach etwas und ein Schuss aus der Pistole des Polizisten traf tödlich. Doch der Mörder Norman Church wollte gar nicht nach einer Waffe greifen, sondern nach seinem Toupet.

Vier Jahre danach beginnt der Bürgerrechtsprozess gegen Detective Harry Bosch. Er soll damals nicht korrekt gehandelt haben. Doch man wirft ihm nicht nur Verstösse gegen die Dienstverordnung und unrechtmäßigen Schusswaffengebrauch vor. Honey Chandler, die Anwältin von Churchs Witwe, behauptet, die vorgebrachten Beweise gegen Norman Church seien von Bosch manipuliert gewesen und Church in den Mordfällen unschuldig.

Dann erhält die Polizei einen Hinweis, dass im Betonfußboden eines abgebrannten Gebäudes eine Frauenleiche versteckt sei. Die gefundene Tote weist sämtliche Merkmale aus den Puppenmacher-Fällen auf. Ob die Leiche schon länger als vier Jahre dort begraben war, lässt sich anhand der Obduktion nicht ermitteln. Die Polizei gerät ins zweifeln, ob sie damals den richtigen Mann erwischt hat.

Nachdem man herausfindet, dass die Tote zuletzt vor zwei Jahren gesehen wurde, ist klar, dass der Mörder in diesem Fall nicht Church gewesen sein kann. Sollte sich Bosch wirklich so geirrt haben? Hatte der Mörder einen Komplizen? Oder handelt es sich um einen Nachahmungstäter?

Das erste, was ich von einem Buch lese, ist der Klappentext. Ein geradezu musterhaftes Beispiel von einem guten Klappentext liefert »Die Frau im Beton«: »Ein gnadenloser Wettlauf mit der Zeit – ein außergewöhnlicher Gerichtsthriller!« – so die Schlagzeile, die Appetit machen soll. Danach zwei Sätze, die das zusammenfassen, was ich oben als Inhaltsangabe aufgeführt habe. Gut verständlich und Neugier weckend. Daß dies der Inhalt von nur zwanzig Seiten ist, verdeutlicht einerseits, dass der Roman von Anfang an spannend ist und lässt zum anderen noch einiges erwarten. Außerdem verrät er nicht zuviel von der Handlung.

So positiv einerseits der Klappentext ist, so negativ ist der deutsche Titel »Die Frau im Beton«, worunter ich eher den reißerischen Titel eines Groschenromans vermute. Der Fairness halber aber sei erwähnt, dass der Originaltitel »The concrete blonde« in diesem Fall auch nicht viel besser ist.

Das Buch bietet zwar schon zu Beginn alle Grundlagen für einen guten Thriller, doch kommt es nur sehr langsam in Fahrt, nachdem gleich zu Anfang schon einiges an Pulver verschossen wurde.

Auch Klischees wirken störend. So ist die Spurensicherung wieder mal ein unfähiger Haufen, denn Harry Bosch braucht nur einen Blick auf die Fundstelle der Leiche zu werfen und findet eine übersehene Zigarettenschachtel.

Als gut aufgebaute Mischung zwischen Gerichtsthriller und Cop-Krimi kommt Connellys Werk daher. Sehr detailliert und trotz aller aus amerikanischen Gerichtsthrillern bekannten Formalismen spannend zu verfolgen ist die Gerichtsverhandlung. Sowohl Boschs unerfahrener und ziemlich unfähiger Anwalt Belk als auch die gerissene Honey Chandler, die Anwältin der Gegenseite werden sehr gut charakterisiert. Die Gespräche, die Bosch außerhalb des Gerichtssaals mit Chandler führt, bilden einen gelungenen Kontrast zur Verhandlung. Auch auf die sozialen Probleme in Los Angeles zwischen verschiedenen Rassen sowie zwischen Polizei und Bürgern geht der Autor sehr gut ein. Immer wieder erwähnt werden dabei die Rodney-King-Unruhen, durch deren Berichterstattung Connelly 1992 bekannt wurde. Die Einblicke, die man in die Pornoindustrie bekommt, sind mal etwas, was noch nicht so abgedroschen ist.

Der Leser hat zwar gegenüber den Ermittlern keinen Wissensvorsprung, da er immer an der Seite des Proitagonisten bleibt, kann sich jedoch schon vorab so einiges zusammenreimen. So wirkt es doch sehr unglaubhaft, dass Harry so einige neue Schlüsse aus den Details der Mordfälle plötzlich nach Jahren ziehen kann, die keinem der Ermittler damals in den Sinn gekommen waren.

Der Schreibstil ist nicht gerade berauschend, was aber auch an der Übersetzung liegen kann. Humorvolle Redewendungen wie »Er sah aus wie jemand, dessen Gehirnsynapsen Wackelkontakt hatten« kommen leider nur sehr sporadisch vor.

Etwas plump, wie Connelly aufgrund einzelner Indizien neue Verdächtige ins Spiel bringt und sich alle Cops dann auf diesen einen versteifen und sämtliche anderen Spuren außen vor lassen, bis sie sich auf dem Holzweg wiederfinden.

Fehlen darf natürlich auch nicht das Privatleben des Protagonisten. Die Beziehung zwischen ihm und seiner Freundin Sylvia ist im Umbruch begriffen. Beide haben noch immer getrennte Wohnungen. Harry will nicht ohne Sylvia leben, doch diese ist als Witwe eines Polizisten absolut unsicher, ob sie weiter ein solches Leben führen kann.

Eine gut gemachte Mischung aus Gerichtsthriller und Cop-Krimi, die nicht immer voll zu überzeugen weiß. Ein Plot nach altbekanntem Strickmuster, der nur sehr selten die höchste Spannungsebene erreicht.

Ihre Meinung zu »Michael Connelly: Die Frau im Beton«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

vaneea zu »Michael Connelly: Die Frau im Beton« 30.08.2009
Es kommt nicht an andere Bücher in meinem Bücherregal ran, aber ich finds okay. Gegen den Schluss hat's mich nochmals gepackt, aber ich wusste schon nach einem Viertel des Buches wer der "Jünger" ist - zu durchschaubar. Werde Connelly aber noch ne Chance geben und ein weiteres Buch von ihm lesen - sein Schreibstil gefällt mir!
koepper zu »Michael Connelly: Die Frau im Beton« 25.05.2009
Die Mischung aus Gerichtsthriller und Cop-Krimi hat mir gut gefallen. Die Handlung von "Frau in Beton" wechselt zwischen Gerichtssaal und Mordermittlung. Dies verleiht dem Krimi ein gutes Tempo und bietet von anfang bis zum Schluss Spannung.
Auch wenn nicht alles was Connelly darbietet schlüssig und logisch ist, so ist ihm doch ein Buch gelungen, das Lust auf mehr macht.
Rolf.P zu »Michael Connelly: Die Frau im Beton« 05.02.2009
Die Harry-Bosch-Reihe von Michael Connelly besticht auch bei "Frau im Beton" mit dem gewohnt hohen Niveau.
In seinem dritten Buch wird Harry Bosch von einem Fall eingeholt, der noch vor seinem ersten Fall angesiedelt ist und der zu seiner Versetzung vom LAPD nach Hollywood verantwortlich ist.
Diese Fall ist die Basis für einen Krimi, den Connelly wie schon bei den die ersten beiden Büchern mit viel Spannung und Tempo umgesetzt hat. Er legt dabei mehrere falsche Spuren und erst zum Schluss kann man ahnen, wer der Täter ist.
Dieser Thriller besticht durch seine einmalige Mischung von "Gerichts-Krimi" und "Jagd nach einem Serienkiller". Wie immer sehr authentisch und detailgenau vom ehemaligen Polizeireporter Michael Connelly erzählt.

An Connellys dauerhaft verlässlich hohes Niveau der Bosch-Reihe reicht wirklich kaum ein anderer zeitgenössischer Krimi-Autor ran!
Absolut empfehlenswert!
pescheg zu »Michael Connelly: Die Frau im Beton« 15.12.2008
Ein wunderbar komponierter Krimi, der die klassische Suche nach dem Mörder mit einem Gerichtsdrama verknüpft. Harry Bosch ist gleichzeitig Ermittler und Angeklagter im Fall um einen Serienkiller, der unter dem Namen «Puppenmacher» sein Unwesen treibt. Die Handlung wechselt zwischen Gerichtssaal, Ermittlung und dem sehr gefühlvoll gezeichneten Privatleben Boschs. Temporeich, intensiv und äußerst gekonnt beschrieben nimmt die Spannung bis zum Ende des Buches stetig zu.

Hintergrund bildet das Los Angeles der 90er-Jahre nach den Unruhen rund um Rodney King. Dies fasziniert an diesem Krimi besonders. Es gibt kaum Handys, (Porno-)Filme werden noch auf Video geschaut und der Begriff Internet taucht kein einziges Mal auf. Wie rasch doch die Zeit vergeht. Ich bin überzeugt, dass Michael Connelly in einigen Jahren als wahrer Chronist des Los Angeles zur Zeit der Jahrtausendwende gefeiert wird.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Cornelia Bockhoop zu »Michael Connelly: Die Frau im Beton« 04.03.2004
Es stimmt, der Titel des Buches klingt einfach bescheuert, aber der Inhalt des Buches kann dann doch überzeugen. Für meinen Mann und mich ist dieser Autor einfach klasse.
Lorenz Stassen zu »Michael Connelly: Die Frau im Beton« 15.10.2002
Der Titel des Buches wird der Story in keiner Weise gerecht. "Frau in Beton" klingt auf Deutsch wie ein Groschenroman, aber in Wahrheit verbirgt sich hinter diesem Titel einer Gerichtsthriller der Superklasse. Im vergleich dazu können Grisham & Co. einpacken. Conelly schafft es, den Helden in Situationen zu verstricken, die echten Alpträumen nahekomen. Ich musste mehrere termine absagen, um dieses Buch zu Ende zu lesen. Es ging nicht anders. Einfach genial dieser Schriftsteller!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ihr Kommentar zu Die Frau im Beton

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: