Mord mit 3 Sternen von Michael Böckler

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Droemer Knaur.
Folge 3 der Hippolyt-Hermanus-Serie.

  • München: Droemer Knaur, 2009. ISBN: 978-3-426-19835-3. 432 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2012. ISBN: 978-3-426-50201-3. 432 Seiten.

'Mord mit 3 Sternen' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Der italienische Gourmetjournalist Gino arbeitet an einem neuen Restaurantführer für Deutschland. Nur mit Sauerbraten und Riesling kann er sich so gar nicht anfreunden, weshalb er den sympathischen Weindetektiv Hippolyt um Mithilfe bittet. Doch ihre Reise durch die deutschen Sternerestaurants beschert ihnen bald einen Toten – und Gino gerät unter Mordverdacht.

Das meint Krimi-Couch.de: »Hunger« 39°

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

Sind Sie gerade auf Diät? Dann sollten Sie dieses Buch besser nicht lesen. Oder Sie neigen zu Masochismus und öffnen den Kühlschrank, nur um nachzusehen, ob sich das Dessert noch darin befindet. Der Star in Mord mit drei Sternen ist das Essen. Als mehrgängiges Menu, versehen mit auserlesenen Weinen und feinen Manieren.

Leider passt sich der Stil von Michael Böcklers Kriminalroman dem Ambiente der Spitzenrestaurants an. Es geht kultiviert zu. Man ist schließlich unter Kennern, und die möchten gerne erfahren, wo welcher Sternekoch seinen Topf auf den Herd stellt, welche Geheimnisse seine Tellergerichte zu einem einmaligen Geschmack aufschwingen.

Dem Liebhaber von Kriminalromanen fällt es schwerer, sich mit Böcklers Komposition aus edlem Ambiente und der Zigarre danach anzufreunden. Natürlich in der Raucherlounge. Oder besser draußen vor der Tür. Oder noch besser gar nicht, um den Nachgeschmack nicht zu verderben. Einen spannenden Plot hat der Roman nicht zu bieten. Er ist vorhersehbar, obwohl der Klappentext eine Reihe bizarrer Morde verspricht.

Man erinnert sich wehmütig an den einzigartigen Robert Morley in dem Film »Die Schlemmerorgie«, bei dem ein Restaurantkritiker sich zum Mörder aufschwingt, weil er auf Diät gesetzt ist, wo mit bissigem Humor die Welt der Upperclass-Restaurants gespiegelt wird.

Mord mit drei Sternen schwimmt auf der Kochbuchwelle, ist ein Crossover. Das Genre dient als Mittel zum Zweck. Böckler liefert im Anhang Rezepte wie »Croustillants von Gambas mit Sojasauce, Ingwer und Koriander« sowie ein Glossar, damit der Leser sein Allgemeinwissen über die Currywurst, den Gewürztraminer und Dieter Müllers Restaurant in Bergisch Gladbach erweitert.

Wo bitte geht’s zum nächsten Restaurant?

Böckler schaut in den Kochtopf und macht seinen Leser den Mund wässrig. Um seine Rezepte herum verstreut er berühmte Namen und Locations, fügt etwas Fiktion hinzu – so »das Palladio« auf der noblen Maximilianstraße in München -, doch dümpelt der Suspense vor sich hin und erstickt in Details und Ausschmückungen.

Eben ein Fall für Hippolyt Hermanus. Im Roman auch Hipp genannt, was hoffentlich nicht auf die bekannte Babynahrung zurückzuführen ist, was den im Roman auftretenden Starköchen sicher ein Graus sein dürfte. Der Serienheld Hippolyt wird allseits als Weinkenner geschätzt und begleitet den italienischen Restaurantkritiker Gino durch Deutschlands beste Küchen. Den Mitarbeitern eines Bologneser Verlags wird Hipp als eine Art Consigliere vorgestellt, wobei Böckler nicht mal auf den Querverweis auf Mario Puzos Paten verzichtet. Gut, dass er an der Seite Ginos verweilt, als der italienische Gourmet unter Mordverdacht gerät.

Sollte man das Buch nicht besser auf der Kochbuch-Couch.de besprechen? Zumal das wahre Entsetzen darin besteht, dass Gläser für die Verkostung direkt aus dem Karton genommen werden und der mögliche neue weibliche Sommelier Joseline auffährt und sagt: »Sie riechen wie eine alte Pappschachtel. Incroyable!«

Mord mit drei Sternen ist etwas für Liebhaber feiner Restaurants, die nicht unbedingt den mörderischen Kitzel suchen.

»Bei Maultaschen handelt es sich definitiv um eine italienische Spezialität, die nur unglücklich ins Deutsche übersetzt wurde. Und wenn diese Ravioli wie Wasserleichen in einer Fleischbrühe schwimmen, dann hat man auch das Rezept falsch verstanden.«

Na dann guten Appetit.

Wolfgang Franßen, Dezember 2009

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