Mörderische Sippschaft von Meredith Blevins

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel The Hummingbird Wizard, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei btb.

  • New York: Forge, 2003 unter dem Titel The Hummingbird Wizard. 400 Seiten.
  • München: btb, 2006. Übersetzt von Lisa Jannach. ISBN: 978-3-442-73318-7. 448 Seiten.

'Mörderische Sippschaft' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Annies bester Freund Jerry wurde grausam ermordet. Und seine Familie, samt und sonders temperamentvolle Zigeuner, hat beschlossen, dass Annie genau die richtige Person ist, diesen Fall zu lösen. Um die Familie loszuwerden, macht sich Annie auf die Suche nach dem Mörder und kommt einem Erbschaftsbetrug auf die Spur, den der Rechtsanwalt Jerry aufdecken wollte. Nebenbei setzt sich Annie mit der Familie auseinander und genießt wider Willen deren zupackende Art und den handfesten Lebensstil. Ein bisschen Magie im Leben kann nicht schaden, stellt sie fest. Aber sie schwebt in höchster Gefahr – der Mörder ist ihr näher, als sie denkt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein etwas anderes Krimiambiente« 65°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Annie heiratet Stevan. Stevan stammt von Zigeunern ab. Und so heiratet Annie gleich die ganze Sippschaft mit. Auf der Hochzeit lernt Annies Freund Jerry Stevans Schwester Capri kennen. Und auch daraus ergibt sich eine Beziehung, die allerdings scheitert, doch Jerry kümmert sich nach wie vor um Annie, Capri und deren Mutter Mina Szabo, die mit ihren wahrsagerischen Fähigkeiten und einer Lokalkette ordentlich Geld scheffelt. So viel, dass sie selbst nicht weiß, wie viel sie eigentlich besitzt.

Stevan ist mittlerweile schon verschieden und so kann Annie sich wieder um ihren besten Freund kümmern. Zumindest würde sie dies gerne tun, doch der erfolgreiche Jerry wird nächtens ermordet bei den Mülltonnen hinter dem Bürogebäude, in dem er sein exklusives Geschäft betreibt, aufgefunden.

Jetzt hat Annie die ganze Sippschaft am Hals. Wer von den Verwandten, Bekannten und Ex-Ehemännern der reichen Mina Szabo hatte seine Finger im Spiel, um sich das Vermögen der Wahrsagerin unter den Nagel reißen zu können? Nach dem zeremoniellen Begräbnis versammelt sich die gesamte Verwandtschaft inklusive der bisherigen Ehemänner und der Polizei auf dem Grundstück Annies. Und alle sind sich einig, dass der Mörder unter ihnen weilt. Annie muss sich sputen, denn Täter zu finden, denn der Tod schlägt auch auf ihrem Grundstück zu …

Marcia Meredith Blevins Erstlingsroman »Mörderische Sippschaft« ist im btb-Verlag erschienen und bringt auf 440 Seiten eine neue Romanheldin aus dem Milieu der Sinti und Roma zum Leser. Die Autorin, die selbst lange Zeit mit Zigeunern durch den Süden der USA zog, hat ihre Protagonistin genau so in der Rolle der Außenseiterin gezeichnet, wie sie auch selbst empfunden haben dürfte. Somit ist der Roman mit allen zweifelhaften Fähigkeiten des fahrenden Volkes getränkt, die ein Außenstehender wohl kaum nachvollziehen kann. Dies ergibt dann zum Einen ein humoriges Szenario, zum Andern aber auch ein unglaublich wirkendes Fantasy-Element für den Außenstehenden.

Die Autorin hat beim Schreiben einen leichten Hang zum Sarkasmus, der dem Lesefluss sehr gut tut, weil trotz mörderischem Ambiente auch der Wortwitz nicht zu kurz kommt. Dabei darf man allerdings nicht vergessen, sich ziemlich genau die Personen und Namen zu merken, denn derer kommen unzählige vor, nicht zuletzt wer mit wem, wann und wo nur ein Techtelmechtel hatte, oder vielleicht doch verheiratet war, und wer ist nun wessen Sohn oder Tochter mit welcher Frau und welchem Vater …da kommt man bei der mörderischen Sippschaft schon manchmal ins Grübeln und muss mal wieder ein Stück doppelt lesen.

Die Spannung hält sich bei diesem Kriminalfall in Grenzen und auch die Konstruktion des Falles ist keineswegs atemberaubend. Wenn der Autor Jonathan Kellerman bei diesem Krimi »Charme, Witz und Atmosphäre« feststellt, dann hat er damit den Nagel auf den Kopf getroffen, denn die Worte Spannung und Dramatik kann man bei diesem Buch getrost vergessen.

»Mörderische Sippschaft« ist für einen Erstling reichlich kurzweilig gelungen, den Personen kann man sämtliche Attribute zwischen chaotisch und völlig verrückt attestieren, und so darf man gespannt sein, ob sich Frau Blevins in ihrem nächsten Buch wieder die ganze Sippschaft auf den Leser loslässt, oder sich doch darauf beschränkt, die Hauptfiguren etwas stärker zu charakterisieren.

Der Reiz dieses Buches liegt im etwas anderen Krimiambiente und dem von Lisa Jannach sehr launig übersetzten Wortspiel der Autorin. Für eine gute Wertung leicht über dem Durchschnitt ist dieser Roman allemal gut und kann auf Grund der genannten positiven Faktoren sicherlich einen Leserkreis finden.

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Nici zu »Meredith Blevins: Mörderische Sippschaft« 13.07.2006
Ein verdammt guter Krimi, von der ersten bis zur letzten Seite! Einfach klasse geschrieben!!!Nicht blutrünstig oder zu nervenaufreibend, genau richtig für einen netten Abend mit einem Gläschen Wein. Ein Krimi der sich locker-flockig liest. Ich bin begeistert!!!
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