Schmerzlos von Meg Gardiner

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Crosscut, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Heyne.
Folge 4 der Evan-Delaney-Serie.

  • London: Hodder & Stoughton, 2005 unter dem Titel Crosscut. 343 Seiten.
  • München: Heyne, 2008. Übersetzt von Bea Reiter. 507 Seiten.

'Schmerzlos' ist erschienen als E-Book

In Kürze:

Evan Delaney zögert zunächst, am Klassentreffen ihres Abschlussjahrgangs teilzunehmen. Als sie schließlich zusagt, stellt sich heraus, dass unter den ehemaligen Mitschülern auffällig viele Todesfälle zu verzeichnen sind. Und dann geschieht ausgerechnet während des Klassentreffens ein bestialischer Mord. Der Killer scheint erstaunlich viel über den Jahrgang zu wissen und eröffnet die Jagd. Auch Evan steht auf seiner Liste …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein einziges Desaster« 19°

Krimi-Rezension von Jochen König

Als Evan Delaney am Klassentreffen zum fünfzehnten Jahrestag ihres Schulabschlusses teilnimmt, stellt sie erstaunt fest, dass bereits übermäßig viele ihrer ehemaligen Mitschüler den endlichen Weg alles Irdischen gegangen sind. Als im Laufe der freudlosen Veranstaltung zwei weitere Klassenkameradinnen auf gewaltsame Weise aus dem Leben scheiden, wird schnell deutlich, dass etwas ganz und gar im Argen liegt. Ein nahezu übermenschlicher Killer, Deckname »Coyote«, ist unermüdlich damit beschäftigt, die ehemalige Klassengemeinschaft radikal zu verkleinern. Sollten diese Tötungsakte etwas mit dem missglückten militärischen Experiment zu tun haben, in das Evan und ihre Schulkollegen unfreiwillig während eines Klassenausflugs geraten sind? Handelt es sich bei den seriellen Morden gar um sanktionierte Säuberungsaktionen? Schmerzlich muss sie am eigenen Leib erfahren, dass dem wohl so ist. Glücklicherweise gibt es besorgte Eltern und einen aufrechten Verlobten – wenn er auch im Rollstuhl sitzt, die ihr in Stunden der Not beistehen.

Es ist immer wieder schön, wenn sich Vorurteile bestätigen. Sobald ein Sticker aufgeregt verkündet, dass Stephen King ein Buch oder eine Reihe ganz toll findet, ist dies eher als abschreckende Warnung zu verstehen. Das gilt doppelt, wenn zusätzlich Elizabeth George als Laudatorin auftritt, wie im vorliegenden, hoffnungslosen Fall.

Schmerzlos ist ein einziges Desaster. Hilflos pendelnd zwischen aufgeregter Schmonzette voller stereotyper zwischenmenschlicher Anekdötchen, pseudowissenschaftlichem Politthriller und hyperbrutaler Metzelorgie, fällt schwer zu entscheiden, welcher Part der schlechteste ist.

Der dämlichste ist eindeutig jener Zweig, der sich mit dem missglückten militärischen Experiment beschäftigt. Gardiner will uns tatsächlich weismachen, dass ein Bus voller unbedarfter Schulausflügler mitten in eine streng geheime Operation platzen kann, um so Teil von etwas zu werden, das die Zukunft der meisten Beteiligten ziemlich negativ beeinflusst. Da dürfen Zivilisten versuchen, laufende Experimente abzubrechen, während neugierige Teenager Sandkastenspiele, direkt neben Aktivitäten höchster Geheimhaltungsstufe, betreiben. Das Militär mag ja mitunter eine Ansammlung nicht besonders heller Ignoranten sein, aber jeder, der aus Zufall schon mal in die Nähe eines durchschnittlichen Übungsmanövers geraten ist, weiß, wie paranoid Uniformierte reagieren, wenn man ihre Kreise stört. Selbst bei kaum vorhandener Sicherheitsstufe sind sie ziemlich ungehalten.

Nun gut, wenn man denn unfreiwillige Versuchstierchen hat, will man auch damit experimentieren. Doch wie soll ein mögliches Experiment aussehen? Es gibt kein wissenschaftliches Studium, keine Isolierung, was vollkommen verwundert, da dem »South Star« genannten Versuch, schmerzunempfindliche Soldaten zu produzieren, ein gewisses Infektionsrisiko zugestanden wird. Nicht nur durch Vererbung, sondern auch durch Luftübertragung. Seltsamerweise erkrankt aber niemand, der sich nicht in der Nähe der ursprünglichen Explosion befand.

Aber das sind Kleinigkeiten in einem Machwerk, dessen dramaturgische und inhaltliche Plattitüden, weder ironisch, noch halbwegs gekonnt, wieder und wieder aufgekocht werden. Hier sind die bösen Menschen so richtig böse, fies und gemein; leiden im Fall von Coyote neben andauernder Schmerzunempfindlichkeit, auch noch an einer geschlechtlichen Desorientierung, die auf’s zarte Gemüt schlägt. Demgegenüber sind die Guten untadelig bis zum Erbrechen. Was im Falle Evan Delaneys wörtlich zu verstehen ist. Ihr Gerenne zur Toilette hätte eigentlich einen eigenen Roman verdient, mindestens aber eine Kurzgeschichte. Wenn ihr gerade mal nicht schlecht ist, bewundert sie ihren Verlobten, den bestausehendsten Mann der Westküste, gering gehandicapt durch eine Querschnittslähmung. Macht sich gut für die Tränendrüse und heizt die Spannung auf in den Action-Szenen. Denn wie soll so ein Krüppel einer stahlharten und skrupellosen Kampfmaschine schon Paroli bieten? Jener Kampfmaschine, die etliche Gelegenheiten auslässt, Evan vom Leben in den Tod zu befördern, nur damit der unglaubwürdige Showdown stattfinden kann. Man braucht keine großartigen Literatur- oder sonstigen Kenntnisse, um zu erahnen, wie der ungleiche Kampf ausgehen wird.

Schmerzlos ist von vorne bis hinten vermurkst, alleine nach Motivationen zu fragen, käme einer Sisyphosarbeit gleich. Nie wird erklärt, warum Coyote ausgerechnet nach rund 20 Jahren derart auffällig und dilettantisch mordet, dass die halbe Welt stutzig wird. Vorher haben er und seine Auftraggeber munter mitgemischt, ohne dass Außenstehende und Involvierte misstrauisch wurden. Weder der wackere Polizist Tommy Chang, Evans früherer Love-Interest, noch die beflissenen Organisatorinnen der Klassenzusammenkunft, geschweige denn die rührige Journalistin Evan Delaney wurden zu einem früheren Zeitpunkt hellhörig.

Das ganze Buch hindurch wird gerannt, gerettet und geflüchtet, vermutlich um von der gedanklichen Leere abzulenken, die den kompletten Roman durchweht wie Wüstenwinde die militärische Peripherie China Lakes.

So ergibt sich ein sinnloses Nebeneinander, überflüssige brutale Gewaltausbrüche treffen auf heiße Liebesschwüre und halbgare paranoide Schübe messen sich mit pubertären Konflikten auf Poesiealbum-Niveau. Eltern, die den Waltons alle Ehre machen würden und ein Arsenal an Figuren, das so glaubwürdig ist wie die mitternächtlichen Weissagungen einer abgewrackten Mentalistin am untersten Ende der Senderskala, geben dem gebeutelten Buch den Rest.

Schmerzlos ist ein unsägliches, auf über 500 Seiten aufgeblähtes Nichts, das seine Leser beständig für dumm verkauft, in dem es so tut, als hätte der ständig herrschende hysterische Aktionismus irgendeine Bedeutung, außer sich selbst zu befriedigen. Im Vertrauen: hat er nicht.

Jochen König, April 2009

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Svenja zu »Meg Gardiner: Schmerzlos« 22.10.2016
Vielen Dank, Herr König, für Ihre treffende Bewertung. Ich habe nur den Anfang des Buches gelesen und selbst bis zu diesem Punkt ist es voller Plattitüden und Albernheiten, darüber hinaus überhaupt nicht spannend. Natürlich ist es nur ein Krimi bzw. Thriller, aber gewisse literarische Ansprüche sollte meiner Meinung nach jeder Roman in gewisser Weise erfüllen. Sonst kann ich ja gleich Comics lesen... 3 Grad gibt von mir.
Hartmasa zu »Meg Gardiner: Schmerzlos« 12.01.2015
Die ersten 3 Bücher mit Evan Delaney haben mir wirklich gut gefallen. Aber dieses Buch nahm einfach kein Ende. Anfangs noch spannend, empfand ich es zunehmend als verworren und unrealistisch. Die in der Ich-Form geschriebene Handlung schwankte zwischen witzigen Bemerkungen und extrem brutalen Szenen. Da ich das Buch auf meinem EBook-Reader las, konnte ich an der Prozentanzeige meinen Lesefortschritt verfolgen und war erleichtert, als ich endlich bei über 90 % angelangt war.
Hoffentlich ist das 5. Buch über Evan Delaney wieder etwas bodenständiger.
DasBonni zu »Meg Gardiner: Schmerzlos« 22.04.2013
Eine hervorragende Vorlage für einen Splatterfilm der B-Kategorie! Popcorn knuspern, an den richtigen Stellen "Iiih" schreien und sich angewidert abwenden, aber nur keine logischen Zusammenhänge suchen.
Der Grundtenor des Buches ist durchaus ansprechend, leider ist die Umsetzung des Themas völlig realitätsfern geraten. Ein fiktives Land hätte der Geschichte besser zu Gesicht gestanden und ihr mehr Glaubwürdigkeit angedeihen lassen als ein Amerika des 21. Jahrhunderts.
Da hier mehrfach erwähnt wurde, dass "Schmerzlos" eines der besten Bücher- wenn nicht gar das beste - von Meg Gardiner sein soll, muss ich mir diesen Namen also nicht merken.
Katja G. zu »Meg Gardiner: Schmerzlos« 31.07.2012
leider kann ich der Rezension auch nur zustimmen
Haarstäubend und sinnlos blutrünstig udn Brutal.
habe auch mühsam bis zum Ende durchgehalten, aber das war dann wohl meiner 2. und letzter Ausflug zu Evan Delaney
Schade, aus der Geschichte hätte man durchaus mehr machen können mit glaubwürdigeren Akteuren und weniger abstrusen Geschichten.
HeJe zu »Meg Gardiner: Schmerzlos« 28.04.2011
Ich habe gerade mit Meg Gardiner angefangen und Schmerzlos gelesen. Ich finde, dass es von Vorteil gewesen wäre, die ersten Werke zuerst zu lesen, da vieles nicht wirklich aufgegriffen wurde, was bereits in früheren Werken passiert ist. Daher fand ich es etwas mühsam.

Prinzipiell bin ich positiv überrascht! Ich habe es so empfunden, dass es wichtig war, sehr aufmerksam zu lesen. Der Inhalt ist sehr speziell und man sollte nicht zu flüchtig lesen, sonst versteht man nichts :)

Wenn sich alle Werke von Frau Gardiner so auszeichnen, dann lese ich bald mehr von ihr. Aber Achtung: Nichts für schwache Nerven! Das Buch ist brutal, fast schon bestialisch! Ich liebe es :) Albträume garantiert!!!

90 Grad
Evanfan zu »Meg Gardiner: Schmerzlos« 02.10.2010
Ohne dem Herrn König zu nahe treten zu wollen bin ich schon schokiert, wie man ein Buch so auseinandernehmen und so schlecht machen kann.natürlich sollte jeder seine persönliche Meinung haben und vertreten. Dazu wohnen wir ja in Deutschland. (...und in anderen Ländern.) Fakt ist meiner Meinung nach, dass ein Buch nicht nach seiner Glaubwürdigkeit beurteilt werden sollte. Solange man alles gut 'verpackt' kann auch darin stehen, dass Evan Delaney einen Drachen tötet. Das einzig wichtige bei einem Buch sollte (meiner Meinung nach) sein, dass der Leser in den Bann gezogen wird. Das er alles vor seinem inneren Auge sieht und mit der Hauptfigur mitfiebert. Um dann zum Schluss bei einigen Stellen zu weinen, zu lachen oder zu schwitzen vor Angst. Ein gutes Buch ist es nur dann, wenn man es gar nicht mehr weglegen will, sondern bis spät in die Nacht liest, nur um zu wissen, was passiert. Und so ging es mir bei allen bisherigen Büchern von Meg Gardiner. Meiner Meinung nach ist sie eine brilliante Autorin und 'Schmerzlos' ist ein buch, welches man unbedingt lesen sollte, falls jemand sich noch auf oben beschriebenes freuen sollte!
Rakchi zu »Meg Gardiner: Schmerzlos« 17.09.2010
Also spannend war das Buch wirklich. Zugegeben, die Handlung ist schon haarsträubend und brutal. Aber es lässt sich leicht und schnell auslesen.
Hr. König: Bücher und Filme sind zur Unterhaltung gedacht und müssen nicht Tatsachenberichte sein. Es ist nicht realistisch, wenn mann Krimis/Thriller mit der Wirklichkeit vergleicht!

Meine Wertung 75 Grad.
bibifog zu »Meg Gardiner: Schmerzlos« 08.08.2010
Ich fand das Buch sehr gut und spannend geschrieben auch wenn ich zugeben muss, das es teilweise sehr brutal war!
Aber wie schon öfter erwähnt liest man Bücher um an was anderes zu denken als an die reallität!Ich gebe 85 grad!
Ich freue mich schon auf den nächsten Fall von Evan!Und auch wie es privat bei ihr weitergeht!
Marplekrimi zu »Meg Gardiner: Schmerzlos« 16.04.2010
So eine Geschichte zu erfinden ist schon ziemlich utopisch, ich finde sie zu krass. Das Buch ist eigentlich ein einziges Gemetzel und auf keinen Fall etwas für Leute die ziemlich leicht beseitet sind. Ansonsten muß man einfach sagen, es gibt natürlich bessere Bücher, aber wenn man ein paar spannende Leseabende haben möchte ist dies genau das Richtige. Spannung und Action sind in diesem Buch durchaus gegeben, aber nichts für zarte Gemüter.
Mariahsjack zu »Meg Gardiner: Schmerzlos« 19.11.2009
Ich kann meiner Vorschreiberin nur zustimmen und Herr König nur Widersprechen. Klar ist die Geschichte wohl sehr an den Haaren herbeigezogen, aber wenn ich was reales will, dann schaue ich Nachrichten. Ich will bei einem Buch abschalten und mich ablenken lassen und das ziemlich kurzweilig und spannend. Und das war hier durchaus gegeben. Spannung ist vorhanden. Der Wechsel zwischen den bekannten Charakteren und dem Killer sind gut gelungen. Auch neue Charaktere werden kurz aber vollkommen Bildlich dargestellt.
Also von mir bekommt "Schmerzlos" 95°
Charaktere Top
Spannung Top
Kurzweiligkeit Top
Story Naja, wenn man nichts glaubwürdiges haben muss ist sie gut :-)

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