Gottesdienst von Meg Gardiner

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel China Lake, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Heyne.

  • New York: Obsidion, 2008 unter dem Titel China Lake. ISBN: 978-0451224552. 402 Seiten.
  • München: Heyne, 2008. Übersetzt von Stefan Rohmig. ISBN: 978-3-453-67553-7. 492 Seiten.

'Gottesdienst' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Wenn das Paradies zur Hölle wird. Sie nennen sich »Die Standhaften«. Doch hinter der gottesfürchtigen Fassade verbirgt sich eine fundamentalistisch-christliche Sekte. Für Anwältin Evan Delaney wird die Sekte zur Bedrohung, als man ihren Bruder des Mordes an dem Sektenführer beschuldigt. Evan macht sich daran, die Unschuld ihres Bruders zu beweisen, und kommt dabei den entsetzlichen Machenschaften der Sekte auf die Spur. Für alle Leser von Patricia Cornwell, Karin Slaughter und Tess Gerritsen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Schaum vor dem Mund« 70°

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

Sollte jemand einem Prediger wie Pete Wyoming und seinen Anhänger den Standhaften begegnen, wäre es ratsam, ihm besser nicht einzugestehen, dass der Mensch vom Affen abstammt. Plötzlich ist man eine Hexe, eine Hure, ein Schwulenliebchen, wird das eigene Auto mit dreckigen Sprüchen verunziert, das Haus zerlegt, verstecken sie einem eine Tüte voller Wespen auf den Rücksitz und hoffen auf einen allergischen Anfall, damit man am nächsten Baum verendet.

Rigoroser Fanatismus, der vorgibt sich, um seine Anhänger zu kümmern, seine Fußsoldaten degradiert, um sie einem gerechten, heiligen Krieg auszuliefern, dafür muss man nicht den nahen Osten reisen. Überall auf der Welt sollen Seelen gerettet werden.

Die Bedrohung ist in Meg Gardiners Thriller Gottesdienst mit Händen zu greifen. Evan Delaneys Pflegekind wird zum Spielball unterschiedlichster Interessen. Was sich anfangs wie ein Streit um das Sorgerecht entwickelt, bietet bald schon die Grundlage zur Erpressung. In der ersten Hälfte entgeht Meg Gardiner der Gefahr der Überzeichnung durch genaue Beobachtung. Wo Mo Hayder das Reißerische ins Rampenlicht gezerrt hätte, um die auf Schock ausgerichteten Bedürfnisse ihrer Leser zu befriedigen, beschreitet Gardiner die Kunst des Einkreisens und erinnert an Val McDermid. Der erste Todesfall ähnelt eher einem Unfall als einem Mordanschlag. Er erscheint angesichts des um sich greifenden Hasses unausweichlich zu sein.

Wie ein irrlichternder Geist zerbricht das zusammengezimmert private Glück Evan Delaneys und ihres Neffen, als Tabahita, Lukes Mutter, im Kreise der Standhaften auftaucht und ihre Muttergefühle wiederfindet, indem sie Luke zu sich nehmen will.

Erst muss ich mich mal übergeben

Dabei erinnern die Standhaften, je weiter die Geschichte voranschreitet, eher an Charles Manson und seine fanatischen Anhänger als an eine friedfertige Gemeinschaft, der Evan ihren Neffen guten Gewissens anvertrauen könnte. Wo Gott gesucht, die Erlösung ersehnt wird, der Weltuntergang naht, regiert um den Prediger Wyoming die Gewalt. Der Satan muss für alles herhalten. Nicht zu letzt für die Existenz eines militärischen Stützpunktes in der Nähe.

Wenn sich später die Schlinge um Evans Bruder Brian, einem Piloten, zuzieht, indem sie ausgerechnet in dessen Haus die brennende Leiche des Predigers in einer Tonne vorfindet, ist Evan keine kaltblütige Profilerin, kein Superhirn, dass sich dem Horror stellt und ihn auf der Stelle zu analysieren versteht. Sie rennt weg, sinkt ins Gras, muss kotzen. Gardiner schreibt sich hier nah an die Gefühle ihrer Leser heran. Auf schrille, blutrünstige Ausschmückungen wartet man vergebens. Eher steigt einem der Ekel hoch, während man sich ausmalt, wie brennendes Fleisch wohl riechen mag.

Ihre Protagonisten brennen wie Brian Delaney an beiden Enden. Dass es gut ausgeht, wenn sich zwei Flammen einer Kerze in der Mitte treffen, davon darf man nicht ausgehen. Bis dahin hofft der Leser stets, dass die Autorin die richtige Flamme zuerst ausbläst.

Aber dann …

Nach 9/11 sind Horrorszenarien, die ganze Landstriche auslöschen sollen en Vogue. Dass Meg Gardiner nach der Hälfte ihres Thrillers der Versuchung erliegt, Pete Wyomings hasserfüllte Stellvertreter Chenille und Paxton zu dämonisieren, indem sie mit biologischen Kampfstoffen die Apokalypse herbeizuführen trachten, ist schwer verdaulich. Das zuvor fein gewebte Netz zerreißt auf dem Aktionaltar, und wir befinden uns fast schon bei Tom Clancy.

Es kommt zu völlig unglaubwürdigen Szenen wie jener im Gefängnis, wo ausgerechnet Tabahita in Begleitung Paxtons, Brian das Angebot unterbreitet, ihnen eine F-18, mitsamt chemisch-biologischer Sprengköpfe und Aesolbomben zu beschaffen. Die Geschichte ist da längst in Richtung Verfilmung abgedriftet, wirkt seltsam gestreckt. Jede weitere Drehung der Spannung führt zu einem Sprung.

Am Ende erscheint es einem, als habe Meg Gardiner zu viele Kerzen angezündet. Es brennt lichterloh. Die Guten schaffen es bis ins Krankenhaus, die Bösen machen Bekanntschaft mit dem Feuer.

Wolfgang Franßen, Januar 2009

Ihre Meinung zu »Meg Gardiner: Gottesdienst«

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HeJe zu »Meg Gardiner: Gottesdienst« 26.05.2011
Mir hat das Buch auch nicht gefallen, ich habe es nach dem Durchquälen bis zur Hälfte aus der Hand gelegt. Wäre dieses Buch das Erste, was ich von Meg Gardiner gelesen hätte, dann hätte ich mir nie weitere Bücher geholt.
Es hat mich gelangweilt, war zu dröge und irgendwie daneben. Das ganze Gelaber um die Sekte ist einfach nur fad und zeigt nicht die Qualität, die ich nach Schmerzlos erwartet hätte.

Wegen Abbruch 40 Grad.
Krug Christine zu »Meg Gardiner: Gottesdienst« 16.04.2011
habe das buch auf grund seiner bewertungen gekauft.bin leider enttäuscht.
chaotisch und an den haaren herbeigezogen-selten so gelangweilt.
sehr,sehr leichte kost.
maxim. 70°.
muss leider 300 zeichen absenden,obwohl mir dazu nicht mehr viel einfällt.
bei nesbo bin ich eigentlich nie enttäuscht worden.
Tempe zu »Meg Gardiner: Gottesdienst« 23.08.2009
Ein wirklich super tolles Buch das alles miteinpackt: Spannung, Drama, Liebe und Happy End.
Ich finde die Evan Reihe super obwohl ich mit dem letzten teil angefangen habe. Da ist aber der HEYNE-Verlag schuld, da sie die den letzten teil als erstes rausgebracht haben. Ich würde es aber jedem weiterempfehlen der gerne mitfiebert!
thola zu »Meg Gardiner: Gottesdienst« 01.05.2009
Im Eiltempo legt die Autorin mit ihrer Spannung los und die spannung hält sich bis zum schluß. Das erste Buch aus der Evan Delaney Reihe ist einfach wahnsinnig gut. Evan Delaney legt sich mit einer fundamentalistisch-christlichen Sekte an. sie nennen sich die "Standhaften". Nachdem Evan mit entsetzen feststellen muss, daß sich ihre Ex-Schwägerin dieser Sekte angeschlossen hat, diese möchte unbedingt ihren Sohn zurück, denn nach der Scheidung von Brian wurde Luke ihm zugesprochen. Da jedoch Brian ein Kampfpilot ist, lebt Luke zur Zeit bei Evan. Und nun will die Sekte unbedingt verhindern daß es weiterhin so bleibt, sie setzen alles daran um Luke zu bekommen, aber es steckt noch mehr hinter den Absichten der Sekte...
Wer die anderen Bücher aus der Reihe Evan Delaney kennt, weiß wie sich die Geschichten der Autorin entwickeln, sie nehmen rasantes Tempo an und fesseln einen, und zum Schluß benötigt man Phantasie um sich alles so real vorzustellen. Aber man fragt sich auch, ob sowas alles möglich ist...
Melanie zu »Meg Gardiner: Gottesdienst« 21.01.2009
Ich kann mich den Vorhergehenden nur anschließen.
Die Handlung kann sich wirklich nur in der Phantasie des Autors abgespielt haben und hat keinen Bezug zur Wirklichkeit.

Die überaus toughe Evan bricht in den richtigen Momenten zusammen um kurz darauf wieder ihre Stärke zu finden. Dass alle es genau auf Evan abgesehen haben, obwohl sie sie nicht kennen und der "Anschlag" genau dann passieren soll wenn sie sich gerade mit den Standhaften beschäftigt ... (ich will nicht zu viel verraten), gehört schon zu den besten Timings die ich seit langen in einem Buch gelesen habe!

Den zurzeit 97° kann ich mich wirklich nicht anschließen!
Ich würde empfehlen dieses Buch auszulassen und die lieber die beiden Vorgänger von Meg Gardiner lesen.
Schrodo zu »Meg Gardiner: Gottesdienst« 22.12.2008
Wenn man die Bücher der Autorin in der Reihenfolge liest wie sie erschienen sind wird klar warum „Gottesdienst“ erst als Nummer vier auf den Markt kam. Die früher erschienenen Bücher sind meines Erachtens deutlich besser. Allerdings zeigt das ja nur, dass sich die gute Meg mit den Jahren auch weiterentwickelt hat. „Gottesdienst“ ist für mich kein Thriller, da die Handlung doch sehr an den Haaren herbei gezogen erscheint, und mehr oder weniger so dahin plätschert. Etwas Spannung kommt allenfalls am Ende auf. Leicht zu lesen wie alles von ihr ist es aber auf jeden Fall. Wäre dieses Buch als erstes Erschienen, hätte ich die Nachfolgenden sicher nicht gelesen. Auf ein Neues Frau Gardiner in 2009.
bubble70124 zu »Meg Gardiner: Gottesdienst« 28.10.2008
Kurz zur Story ohne zu viel zu verraten:

Auf der Beerdigung einer an Aids erkrankten Mutter einer Freundin der Protagonistin Evan Delaney trifft diese erstmals auf die „Standhaften“. Eine fundamentalistisch-christliche Sekte, die sich als letzte Gottesfürchtige betrachten und rechte Parolen skandieren. Evan gerät mit dem Anführer der Sekte, Peter Wyoming, aneinander und stellt außerdem fest, dass die Ex-Frau ihres Bruders Brian sich dieser Sekte angeschlossen hat. Sie will ihren Sohn, der nach der Scheidung Brian - seines Zeichens Kampfflieger bei der Navy - zugesprochen wurde, wiederhaben. Bei dem Versuch der Entführung des kleinen Jungen geraten Brian und Wyoming aneinander. Kurz darauf wird die Leiche Wyomings im Garten von Brians Haus entdeckt und dieser wird natürlich wegen Mordes verhaftet. Evan und ihr gehbehinderter Freund der Anwalt Jesse beginnen zu ermitteln und kommen nach und nach hinter die Machenschaften und Absichten der Sekte.

Die ersten 20-30 Seiten wollte ich das Buch schon wieder zurück ins Regal stellen. Die Story kommt sehr langsam, recht „durcheinander“ und „durchgeknallt“ in Gang. Der Plot erinnert mich ein wenig an „Die Kinder von Eden“ und ich würde das Ganze auch nicht wirklich als Thriller bezeichnen - ein richtiger Pageturner ist es auch m. E. nicht ab der ersten Seite. Da die Autorin ja so hoch gelobt wird, hoffe ich, dass die weiteren Teile lesenswerter und auch spannender sind. Die Protagonistin Evan Delaney ist zweifelsohne ein entwicklungswürdiger Charakter. In dieser Story ist sie die Einzige, die von Anfang an erkennt, dass die „Standhaften“ gefährlicher sind, als nur eine durchgeknallte Sekte. Weder die Polizei noch andere an der Story beteiligte Personen erkennen die Tragweite von Evans Entdeckungen. Der Abschluss ist dann ein etwas überzogener Showdown mit einem Haufen verwirrender Ereignisse - die Geschichte nimmt für die letzte Phase etwas mehr an Fahrt zu!

Mein Fazit: Ich verstehe jetzt, warum der Verlag sich dafür entschieden hat, Teil 4 und 5 als erstes zu veröffentlichen, denn die Teile müssen einfach besser sein…
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