Russische Freunde von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2005
unter dem Titel Ystävät kaukana,
deutsche Ausgabe erstmals 2010
bei Lübbe.
Folge 3 der Viktor-Kärppä-Serie.
-
Helsinki: Gummerus, 2005 unter dem Titel Ystävät kaukana.
ISBN:
9512069814. 228 Seiten.
-
Köln: Lübbe, 2010.
Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara.
ISBN:
978-3-7857-6022-2. 189 Seiten. -
Köln: Bastei Lübbe, 2011.
Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara.
ISBN:
978-3-404-16027-3. 189 Seiten.
'Russische Freunde' ist erschienen als
![]()
![]()
In Kürze:
Helsinki 2004: Viktor Kärppä ist cool, smart und er hat eine Spezialausbildung bei der Roten Armee hinter sich. Inzwischen lebt er in Finnland und arbeitet erfolgreich in der Baubranche. Das beschauliche Leben endet abrupt, als zwei Russen in Kärppäs Büro auftauchen und von ihm verlangen, die Geschäfte komplett an sie abzugeben. Als kurz darauf das Haus, das er sich mit seiner Lebensgefährtin Marja eingerichtet hat, niederbrennt, ahnt er, dass er sich jemanden ganz Großes zum Feind gemacht hat. Kärppä bleibt nichts anderes übrig, als nach Russland zu reisen und herauszufinden, bei wem er solchen Zorn ausgelöst hat.
Das meint Krimi-Couch.de: »Exzellenter finnisch/russischer Solidarpakt mit Hindernissen«
Krimi-Rezension von Jochen König überspringen
Viktor Kärppä ist auf dem Weg in die Seriosität. Er hat mehrere Unternehmen am Laufen, von der Zimmervermietung an Prostituierte bis zur Baubranche. Er ist ein fairer Chef und satt im Leben stehender Mann. Mitsamt kritischer Freundin, die mehr ist, als ein bloßes Vorzeigepüppchen, und einem eigenen Heim, das Behaglichkeit und Nostalgie zugleich verheißt.
Doch dann wird Viktor unsanft daran erinnert, dass seine Existenz keineswegs die eines durchschnittlichen Unternehmers ist. Denn irgend jemand in seiner nicht ganz so fernen Heimat Russland möchte sich seine Geschäfte und Besitztümer unter den Nagel reißen, und schickt deshalb ein paar herausgeputzte, junge Herren zu Viktor, die seiner Forderung Nachdruck verleihen sollen.
Doch so leicht lässt sich ein Viktor Kärppä nicht unterbuttern. Er erinnert sich an seine Ausbildung in der Roten Armee, was für die Eintreiber schmerzhafte Folgen hat. Die Antwort folgt auf dem Fuß: Viktors und Freundin Marjas Haus brennt ab.
Worauf Viktor sich von Finnland aus auf Schleichpfaden Richtung Mütterchen Russland bewegt, um herauszufinden, wer ihm an den Kragen will. Begleitet vom eigenwilligen Polizisten Teppo Korhonen wird die Suche nach dem Drahtzieher nicht nur zu einer Reise in die Vergangenheit, sondern zu einer leidvollen Erfahrung. Auf nichts ist Verlass. Am wenigsten auf die eigenen Erinnerungen.
Als ob es nötig wäre: Matti Rönkä widerlegt auf’s Feinste, dass skandinavische Autoren ausschweifend, wehleidig und an den widersprüchlichen Launen der Welt erkrankt sein müssen. Russische Freunde ist zwar ein nachdenkliches Buch, aber es ist auch witzig, charmant, ohne extreme Übertreibungen hart an den richtigen Stellen, und vor allem knapp und effizient geschrieben.
Viktor Kärppä ist ein Pragmatiker, der erst handelt, wenn es unabdingbar ist. So mag er, wütend und traurig zwar, noch hinnehmen, wenn das eigene Heim abgefackelt wird, aber die Menschen ernsthaft zu bedrohen, die man liebt, oder denen man zumindest freundschaftlich verbunden ist, entpuppt sich als schwer wiegender Fehler.
So ergreift der Roman die Chance, die Geschichte einer Heimkehr zu erzählen, einer Odyssee, die durch karge Landschaften, scheinbar aus der Zeit gefallenen Militärbastionen hin zu den Stätten der Kindheit führt. Und die dann aufzeigt, dass Verrat überall haust und vor allem dann evident wird, wenn Neid, Eifersucht und Profitgier alle anderen Gefühle überlagern.
Mag die Auflösung, die eigentliche Kriminalstory, etwas schlicht, aber vielleicht gerade dadurch realitätsnah, geraten sein, punktet Rönkä an vielen anderen Stellen. Angefangen bei den geographischen Gegebenheiten, den sich verändernden Landschaften, die Viktor und Korhonen durchqueren, und die in Bezug zu ihren jeweiligen Bewohnern gesetzt werden. Figuren, die aus dem Schatten eines untergegangenen Reiches treten und ihre Positionierung im Hier und Jetzt einfordern. Wie Viktor auch. Der sich scheinbar etabliert hat, außerhalb Russlands; was ihm Missgunst einbringt. Mancher zurück gebliebene ist nachtragend.
Doch Rönkä ist nicht so simpel, den Begriff Freundschaft in Frage zu stellen, ohne Alternativen aufzuzeigen. Denn während die Vergangenheit manchmal trügerisch leuchtet, bildet die gelegentlich nervende Gegenwart – in Gestalt Teppo Korhonens – den Rückhalt, der selbst Tiefschläge aushalten lässt. So abweisend Viktor sich manchmal verhält, ist Rönkä klug genug, durchschimmern zu lassen, dass Kärppä natürlich genau um die Bedeutung seines Kompagnons weiß.
Mit jenem Teppo Korhonen, dem selbst ernannten »Dirty Harry Callahan auf Finnisch«, ist Rönkä einer der eigenwilligsten Polizisten der jüngeren Literaturgeschichte gelungen. Ohne ihn zur Karikatur werden zu lassen, stellt er selbst Jussi Adler-Olsens überzeugendes Duo Carl Mørck und Assad humoristisch ein wenig in den Schatten. Und konterkariert dabei äußerst amüsant das Klischeebild des schweigsamen, stoischen Cops. Denn Korhonen quasselt und trinkt und lebt seinen leicht neurotischen Gerechtigkeitstick mit Elan aus. Doch ist er stets zur Stelle, wenn Viktor ihn braucht. Manchmal auch, wenn er nicht gebraucht wird. Ein richtiger Freund eben. Wenn auch kein Russischer …
Wie Matti Rönkäs Roman auch, der mit fünf Jahren Verspätung endlich auf Deutsch erscheint. So weit es die Unkenntnis des Originals zulässt: in einer vorzüglich zu lesenden Übersetzung. Ein Buch zum rundum Liebhaben.
Jochen König, April 2010
Ihre Meinung zu »Matti Rönkä: Russische Freunde«
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!
| tinubern zu »Matti Rönkä: Russische Freunde« | 12.11.2010 |
|---|---|
| DrWatson zu »Matti Rönkä: Russische Freunde« | 16.04.2010 |


