Der Grenzgänger von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2002
unter dem Titel Tappajan näköinen mies ,
deutsche Ausgabe erstmals 2007
bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: Finnland, 1990 - 2009.
Folge 1 der Viktor-Kärppä-Serie.
- Helsinki: Gummerus, 2002 unter dem Titel Tappajan näköinen mies . 222 Seiten.
-
Dortmund: Grafit, 2007.
Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara.
ISBN:
978-3-89425-652-4. 222 Seiten. -
Dortmund: Grafit, 2008.
Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara.
ISBN:
978-3-89425-560-2. 222 Seiten.
'Der Grenzgänger' ist erschienen als
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In Kürze:
Viktor Kärppä ist russischer Emigrant – und ein Mann mit vielen Fähigkeiten. Da sein Diplom der St. Petersburger Sportakademie in Finnland nichts wert ist und er seine kurze Karriere beim KGB geheim halten will, hat er in Helsinki ein Detektivbüro eröffnet. Viktor nimmt Aufträge aller Art an und dient vielen Herren auf beiden Seiten der finnisch-russischen Grenze. Für den Antiquar Aarne Larsson soll er dessen Ehefrau Sirje finden, die spurlos verschwunden ist. Ein Routineauftrag, denkt Viktor. Doch die Suche nach der jungen Frau stört die Kreise gnadenloser Gangster. Denn bald stellt sich heraus, dass Sirje die Schwester des estnischen Drogenkönigs Jaak Lillepuu ist. Lillepuu scheint hinter dem Einbruch in einer Lagerhalle zu stecken, in der russisch-karelische Schmuggelware aufbewahrt wird. Will der Este seinen Tätigkeitsbereich nach Finnland ausdehnen? Und hat das Verschwinden seiner Schwester etwas damit zu tun? Viktor gerät in das Fadenkreuz russischer Spione und estnischer Schmuggler. Als wäre das nicht genug, muss er noch um das Leben seiner Mutter bangen.
Das meint Krimi-Couch.de: »Protagonist mit Potenzial«
Krimi-Rezension von Thomas Kürten überspringen
Ulrich Wickert hat es ihm vielleicht vorgemacht: So wie Mr. Tagesthemen inzwischen Krimis schreibt, so hat auch der finnische Nachrichtensprecher Matti Rönkä sich abseits der Meldungen aus aller Welt an seinen Schreibtisch gehockt und einen Roman verfasst. Herausgekommen ist mit »Der Grenzgänger« ein Kriminalroman in skandinavischer Tradition, geprägt von gesellschaftskritischen Tönen und einer unterschwelligen Melancholie, die den Leser über die gesamten 222 Seiten begleitet. Und das gefällt den Finnen, denn Rönkä sahnte mit seinem Debüt den finnischen Krimipreis ab.
Besonders begeistern kann der Roman durch seinen Protagonisten Viktor Kärppä, dessen Familie einst Finnland in Richtung Russland verlassen hatte, der aber allein in die alte Heimat zurückgekehrt ist. In der Hauptstadt Helsinki betreibt er ein Detektivbüro und tritt oft als Vermittler für die vielen Einwanderer aus Russland auf. Er hilft ihnen mit Formular- und Antragskram finnischer Behörden oder bei der Suche nach Angehörigen. Gleichzeitig überschreitet er mitunter die Seiten des Gesetzes und erledigt Botendienste für die Bosse der örtlichen Russenmafia. Kärppä ist der Grenzgänger, nicht nur zwischen Gut und Böse, sondern auch zwischen Finnland und Russland, und er muss in beiden Fällen eine moralische Kluft überwinden. Eine Kluft von Ungleichheit und Ungerechtigkeit, an der Kärppä seine ganz eigene Moral definiert:
Ich töte nicht, schlage nicht und raube nicht, aber wenn ich bei Dingen helfen soll, durch die ein Staat oder ein reicher Mensch ein bisschen weniger einsackt, und wenn ich dadurch meinen Lebensunterhalt verdiene, dann bin ich dabei. Und dass raubt mir nicht den Schlaf. Basta.
Eine Frau verschwindet
Der Fall, für den Kärppä engagiert wird, hat eine gewisse Brisanz: Sirje Larrson ist verschwunden. Ihr Mann, der Antiquar Aarne Larrson, wendet sich an Kärppä, weil dieser sich in den Kreisen der russischen Gemeinde in Helsinki bestens auskennt. Auf den ersten Blick Routine. Sirje ist jedoch die Schwester von Jaak Lillepuu, Chef der estnsichen Drogenmafia. Der wiederum wird von Kärppäs Jugendfreund Karpow sowie dessen Handlanger Ryschkow verdächtigt, ein Lager mit Hehlerware der russischen Mafia ausgeraubt zu haben. Eine Spur zu Sirje findet Kärppä zunächst nicht, aber er gerät zwischen die Fronten der konkurrierenden Banden.
Als seine Mutter krank wird, nutzt er das um unterzutauchen und in der russischen Heimat Abstand vom Tagesgeschäft zu finden. Zurück in Helsinki lenken zwei Morde ihn auf eine Fährte. Aber ist es auch die richtige Fährte?
Mangelnde Integration wird verurteilt
»Der Grenzgänger« ist ein Kriminalroman in teilweise typisch skandinavischer Schreibart. Der Konflikt zwischen Finnen, Russen und den Menschen, die der Grenzgang heimatlos gemacht hat, bestimmt über weite Strecken die Stimmung dieses Romans. Das bei einer weit geöffneten sozialen Schere die Kriminalität auf einfache Weise Nahrung erhält, wird dem Leser dabei weitgehend beschrieben, ohne dass der Autor eine Wertung abgibt. Es gibt aber auch Passagen, da schildert Rönkä ganz treffsicher, warum mangelnde Integration zu den gesellschaftlichen Missständen entscheidend beiträgt.
Wie bereits eingangs erwähnt ist die entscheidende Stärke dieses Romans die Hauptfigur Viktor Kärppä. Anders als andere skandinavische Ermittler ist er weder schwermütig, alkoholkrank oder sonstwie psychisch labil. Sein Opportunismus ist mitunter erfrischend, die Sorgen um seine Mutter machen ihn zu einem greifbaren Charakter. Was ihm zu wünschen bleibt, wäre ein etwas ansprechenderer Fall, in dem er ermitteln könnte. Die Kriminalhandlung bleibt über lange Strecken blass, tritt teilweise über mehrere Seiten komplett aus dem Fokus und kommt erst im Schlussdrittel richtig in Fahrt. Nur hierdurch wird der gute Gesamteindruck etwas getrübt.
Thomas Kürten, Mai 2007
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| mylo zu »Matti Rönkä: Der Grenzgänger« | 02.05.2010 |
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| lilo zu »Matti Rönkä: Der Grenzgänger« | 15.05.2008 |
| buchschön zu »Matti Rönkä: Der Grenzgänger« | 02.06.2007 |

