Die Marseille-Connection von Massimo Carlotto

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel Respiro Corto, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Tropen.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich / Marseille, 2010 - heute.

  • Turin: Einaudi, 2012 unter dem Titel Respiro Corto. 201 Seiten.
  • Stuttgart: Tropen, 2013. Übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. ISBN: 978-3-608-50134-6. 240 Seiten.

'Die Marseille-Connection' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Eine Gang aus vier brillanten Verbrechern macht Marseille unsicher. Ihre Gier nach Reichtum und Macht ist grenzenlos. Nur eine durchschaut ihr Spiel: Kommissarin Bernadette Bourdet, kurz B.?B. Massimo Carlotto beschreibt die dunkle Seite der globalen Finanzkrise: die neue Kriminalität in Nadelstreifen – ohne Moral und ohne Grenzen.In der düsteren Metropole zwischen Afrika und Europa tobt ein Territorialkrieg. Kommissarin Bourdet knallhart, hässlich und mit einer Schwäche für schöne Frauen tut nicht nur Gutes, um das Böse zu verhindern. Sie hat ihre eigene Definition von Verbrechens-bekämpfung. Ein korsischer Mafiaboss alter Schule und ein Berufskiller, der sein Handwerk in den Drogenkriegen Südamerikas gelernt hat, helfen ihr dabei. Das bekommen Sosim, Sunil, Giuseppe und Inez zu spüren. Sie haben zusammen Ökonomie in Leeds studiert und kommen nach Marseille, um die Welt zu erobern. Geldwäsche, Betrug, Öko- und Wirtschaftskriminalität auf der internationalen Bühne sind ihr Geschäft.

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anyways zu »Massimo Carlotto: Die Marseille-Connection« 20.10.2015
Marseille, die strahlende Stadt am Mittelmeer wird von Massimo Carlotto so ganz anders beschrieben. Sie entspricht bei ihm eher einem monströsen Rattennest.
Aber es gibt Leute die dieses Nest lieben, Kommissarin Bourdet ist so Eine. Eine die verhindern will das noch mehr Illegale ihre schöne Stadt drogentechnisch unter sich aufteilen, lieber arbeitet sie mit den hiesigen Mafiosi, als zuzusehen das Marokkaner, Mexikaner und Paraguayer sich die Klinke in die Hand geben, mal ganz abgesehen von den Osteuropäern. Also versucht sie die frisch Eingereisten abzufangen und in ihre Dienste zu stellen. Ein Opfer ist schnell gefunden, der mit Koksbeutel vollgestopfte Juan Santucho wird von seinem hiesigen Chef nach Europa „weggelobt“, und fällt der ruppigen Kriminalistin glatt in die Hände. Aber nicht nur Kleinkriminelle tummeln sich im Rattennest, der FSB, verschiedene Terrorgruppen ehemaliger Sowjetstaaten bzw. deren frühere „Brüder“ und auch eine multinationale Krawattengang mischen mit, zusammen mit all den korrupten Beamten, Finanziers, Wirtschaftsexperten und Baulöwen.

Massimo Carlottos Roman ist schmutzig, dreckig, ohne Licht und von einer melancholischen Hoffnungslosigkeit geprägt. Irgendwie beschlich mich beim Lesen mehrmals das Gefühl, duschen gehen zu müssen, um all den Dreck abzuwaschen, der förmlich zwischen den Seiten klebt. Es gibt keine Gewinner, nur große und kleine Verlierer. Wobei, bis auf die Kommissarin und teilweise die Agentinnen, die Frauen am schlechtesten wegkommen. Sie stehen in der Unterwelt ganz unten. Das beschreibt der Autor fast beiläufig und trotzdem prägt es sich ein. Die Geldmacherei die Carlotto beschreibt möchte ich mir gar nicht in der Realität ausmalen, ich fürchte aber es könnte mehr als ein Fünkchen Wahrheit dran sein, denn ich hatte immer das Gefühl der Autor weiß ganz genau worüber er schreibt. Die Geschichte ist derart komplex mit vielen unterschiedlichen Protagonisten und wechselnden Handlungsorten regelrecht vollgestopft und trotzdem kann man dem gesponnenen Faden des Autors folgen.
Ein bitterböser Roman über das Haifischbecken Kriminalität. Wer mitschwimmt gewinnt nie.
Nuigurumi zu »Massimo Carlotto: Die Marseille-Connection« 01.08.2014
Ein Russe, der mit staatlichen Subventionen die Wälder um Tschernobyl abholzt und das verstrahlte Holz über Scheinfirmen weiterverkauft; ein Inder, der illegal Müll beseitigt und Organhandel betreibt; ein Chinese, der in Paraguay ermordet wird; vier Studienfreunde, die große Pläne haben … das alles trifft in Marseille aufeinander und auf die Kommissarin Bernadette Bourdet. Bernadette und ihr Team existieren offiziell nicht. Sie machen - mit illegalen und unorthodoxen Methoden - die Drecksarbeit und am Ende kommen die Beamten mit der weißen Weste, um die Verbrecher festzunehmen, damit es vor Gericht keine Probleme gibt, und ernten die Lorbeeren.

Bernadette kämpft gegen zwei Arten von Kriminalität, die völlig gegensätzlich erscheinen, Wirtschaftskriminalität und Drogenhandel. In Wirklichkeit haben sie aber viele Gemeinsamkeiten: die Drahtzieher wollen Geld und Macht, und dafür gehen sie alle - buchstäblich - über Leichen. Ich bin kein Fan von Thrillern, in denen es um Wirtschaftskriminalität geht. Normalerweise gibt es da zu viele komplexe theoretische Erklärungen und sie sind sehr langatmig. Nicht so die "Marseille Connection": Die Handlung ist rasant, springt von einem Schauplatz zum anderen und die Anzahl der vorkommenden Personen ist so hoch, dass man sich konzentrieren muss, um den Überblick zu behalten. Und die Spannung wird konstant aufrechterhalten.

Bernadette ist auf den ersten Blick keine Sympathieträgerin. Sie ist hässlich und kennt keine Tabus. Sie ist lesbisch und Stammkundin bei Prostituierten, die sie doppelt bezahlt, wenn sie die Nacht über bleiben und bei ihr schlafen. Im Laufe des Buches ist sie mir aber überraschenderweise ans Herz gewachsen. Es ist nicht nur von Anfang an klar, dass sie ihre Heimatstadt liebt und deswegen das Verbrechen und die Korruption dort bekämpfen will. Man merkt auch, dass sie im Grunde sehr einsam ist und ein weiches Herz hat. Sie ist eine interessante Frau, die eigentlich ein Buch verdient hätte, in dem sie mehr im Mittelpunkt steht.

"Die Marseille Connection" ist ein spannender Thriller mit viel Tempo, bei dem der Leser kaum zum Atem holen kommt. Beim Lesen musste ich mich immer wieder selbst daran erinnern, dass die Handlung in Frankreich spielt. Wenn ich das nicht gewusst hätte, hätte ich sie in Südamerika angesiedelt. Dass sich diese Art von Drogenkrieg praktisch vor meiner Haustür abspielt, hat mich schon nachdenklich gemacht, und wenn ich mir die Biographie des Autors ansehe, kann ich mir vorstellen, dass in dem Buch sehr viel Wahrheit liegt.
Darix zu »Massimo Carlotto: Die Marseille-Connection« 11.12.2013
Der Krimi beginnt temporeich in der Umgebung von Tschernobyl, mit Jagdszenen. Ein fulminanter Start. Dieses Niveau kann weder sprachlich noch themenmäßig gehalten werden. Die Jagd wird mit anderen Mittel in Marseille fortgesetzt. Carlotto versucht unterschiedliche Verbrecherorganisationen, deren Drogenkriege, Finanzmanipulationen und Auseinandersetzungen mit der Polizei darzustellen. Das gelingt Carlotto wegen der Verschachtelungen des Plots - nur wenn der Leser mit hoher Konzentration der Handlung folgt -nur bedingt. Das skrupellose Agieren auf dem "Finanz- und Drogenmarkt der Möglichkeiten" ist erschreckend, wenn in der Realität auch nur annähernd in diesem Umfang gehandelt werden sollte . Eher etwas für Liebhaber von unkonventionell, brutalen Handlungsbeschreibungen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Susanne L. zu »Massimo Carlotto: Die Marseille-Connection« 30.09.2013
Inhaltsangabe:

Der Russe Sosim, der Italiener Giuseppe, der Inder Sunil und die Schweizerin Inez haben sich auf der Universität in Leeds kennengelernt – und dort haben sie auch beschlossen, ihr Wissen aus dem Ökonomie-Studium in einer ganz anderen Art einzusetzen als vorgesehen: sie wollen bei den ganz großen Wirtschaftsverbrechen mitmischen. Doch in Marseille bekommen sie es mit einer Realität zu tun, welche alle Theorie sprengt: ein korsischer Mafiaboss, korrupte Beamte, ein südamerikanischer Drogenhändler, der in der Stadt Fuß fassen will und nicht zuletzt Kommissarin Bourdet, die ihr Marseille schützen will, wenn auch mit ganz eigenen und nicht immer ganz legalen Methoden ...

Der erste Satz:

Die Wölfe strichen unter dem Riesenrad entlang und näherten sich gegen den Wind der Autoscooter-Anlage.

Meine Meinung zum Buch:

Der Autor hat hier eine sehr komplexe Geschichte erdacht, welche dem Leser einige Konzentration abverlangt. Immer neue Zusammenhänge tauchen auf, immer schneller werden Seiten gewechselt und immer stehen die jeweils eigenen Interessen der handelnden Personen im Vordergrund. Dafür geht man ohne Bedenken über jede Leiche – egal ob Freund oder Feind, egal ob Polizei oder Verbrecher.

Mich hat beim Lesen fasziniert, wie die Verbrecherwelt beschrieben wurde. Wenn es auch keine „normalen“ Menschen in dem Buch gibt (und es gibt sicherlich in Marseille viele davon), so verstärkt sich durch diese Konzentration das Bild, das man von der „Szene“ bekommt. Erschreckend und glaubwürdig war die Brutalität, mit der vorgegangen wird und ich kann mir auch vorstellen, dass die Polizei mit „normalen“ Ermittlungsmethoden auf verlorenem Posten stehen würde – auch wenn das gegen mein persönliches Rechtsempfinden geht.

Eine sympathische Figur darf man nicht erwarten, auch Kommissarin Bourdet ist mir zu hartgesotten und hängt zu sehr am „Zweck, der die Mittel heiligt“, um positiv zu wirken. Allerdings erfahren wir auch zum Teil, warum sie so wurde, wie sie jetzt ist – und das lässt den Leser zumindest verstehen, warum sie tut, was sie tut.

Die übrigen Figuren sind eher flach charakterisiert, was aber der Spannung keinen Abbruch tut. Sie definieren sich durch das, was sie sind und was sie tun und man hat ein ziemlich gutes Bild von ihnen vor sich. Und spannend ist das Buch auf jeden Fall, denn als Leser möchte man unbedingt wissen, wer hinter welchem Ereignis steht und wie die Gegenseite darauf reagieren wird – und natürlich wollte ich wissen, ob hier am Ende das Gute glaubwürdig siegen kann bzw. ob es in so einer Welt überhaupt ein gutes Ende geben kann.

Ich fand das Buch hoch interessant, denn es gewährt einen Einblick in eine Welt, die man kaum kennt – zum Glück.

Meine Bewertung: Buchtipp!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Claudia Kößler zu »Massimo Carlotto: Die Marseille-Connection« 19.08.2013
Ein spannender und zugleich skrupelloser Roman in der Wirtschaft- und Drogenwelt.
Doch Kommissarin Bourdet nimmt hier mit ihrem Mittelshelfer, der korsische Mafaiboss, eine bedeutende Position ein, an den legendären Schauplätzen in Marseiles.
Ein Einblick in Welt des Wirtschaftsverbrechen jeglicher Art in über ganz Europa.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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