Schwestern der Nacht von Masako Togawa

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1963 unter dem Titel Ryojin Nikki, deutsche Ausgabe erstmals 1990 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Japan / Tokio, 1950 - 1969.

  • Tokio: Kodansha, 1963 unter dem Titel Ryojin Nikki. 222 Seiten.
  • München: Goldmann, 1990. Übersetzt von Carla Blesgen. ISBN: 3-442-05116-9. 222 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2002. Übersetzt von Carla Blesgen. ISBN: 3293202462. 190 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2009. Übersetzt von Carla Blesgen. ISBN: 978-3293204478. 190 Seiten.

'Schwestern der Nacht' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Nach dem Tod der neunzehnjährigen Keiko Obano durchkämmt eine unbekannte Frau die Clubs und Bars von Tokio. Sie sucht den Mann mit der unvergesslichen Stimme und einem Doppelleben; den Mann, der hier auf »Jagd« geht und dabei so erfolgreich ist, dass er über seine Eroberungen Tagebuch führt. Auch Keiko Obano gehörte dazu. Doch plötzlich wird aus dem Spiel mit der Lust tödlicher Ernst. Die Frauen auf seiner Liste werden ermordet …

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Jäger wird zum Gejagten« 65°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Ichiro Honda lebt ein Doppelleben. Das Wochenende verbringt er mit seiner Frau Taneko in Osaka, die Woche über lebt er berufsbedingt in einem Hotel in Tokio, wo er Dauergast ist. Aber Ichiro Honda hat auch noch eine Geheimwohnung in Tokio die er benötigt, wenn er auf seine nächtlichen Streifzüge geht, immer auf der Suche nach einsamen Frauen, die ein wenig Gesellschaft suchen. Doch bei seinen amourösen Abenteuern gibt es eine Grundregel; nach der ersten gemeinsamen Nacht in der die Beute erlegt wird, ist diese künftig für ihn uninteressant. Seine Opfer hält er in seinem Jäger-Logbuch fest. Dies geht solange gut, bis er eines Tages auf Keiko Obana, eine neunzehnjährige Schreibkraft, trifft, die ein halbes Jahr nach ihrem One-Night-Stand Selbstmord begeht. Lediglich ihre ältere Schwester Tsuneko erfährt von der Polizei, dass Keiko zum Zeitpunkt ihres Freitodes im sechsten Monat schwanger war.

Plötzlich wird der Jäger zum Gejagten, denn eines Tages liest Ichiro Honda in der Zeitung vom Tod der jungen Kimiko Tsuda, die in ihrem Apartmenthaus erdrosselt wurde. Tsuda war eines von Hondas Opfern, doch an ihrem Todestag war er mit seiner aktuellen Bekannten Fusako Aikawa zusammen. Zunächst ist Honda nur wenig bedrückt, doch als anderthalb Monate später auch Aikawa erdrosselt aufgefunden wird, kommen ihm erste Zweifel, ob es nicht womöglich einen Zusammenhang geben könnte, der geradewegs zu ihm führt. Denn warum sollten gleich zwei seiner früheren Geliebten ermordet werden?

Sollte er Recht haben, wäre auch Mitsuko Kosugis Leben in Gefahr, denn mit ihr war er zusammen als Aikawa ermordet wurde. Als er Kosugi in ihrer Wohnung aufsucht, findet er diese (mit seiner Krawatte) ebenfalls erdrosselt vor und so steht er vor einem nahezu unlösbaren Problem. Die Indizien (Sperma- und Blutspuren) sprechen eine klare Sprache und seine vermeintlichen Alibis für die ersten zwei Mordfälle haben sich sozusagen in Luft aufgelöst, da die betreffenden Zeugen ermordet wurden. Folglich wird er zum Tode verurteilt …

Eine etwas andere Sex-&-Crime-Story aus dem Jahr 1963

In England erschien Ryojin Nikki unter dem passenden Titel The Lady Killer. Warum der Roman in Deutschland unter Schwestern der Nacht erschien, wird eines der großen Geheimnisse der Übersetzerin oder des Verlages bleiben. Sei’s drum, unsägliche deutsche Buchtitel sind ja mittlerweile eher die Regel denn die Ausnahme. Kommen wir also zum Wesentlichen, dem Inhalt. Hierzu ist vorab anzumerken, dass der Roman erstmals im Jahr 1963 erschien und dafür recht freizügig erscheint.

Nach gerade einmal 90 Seiten scheint alles klar zu sein

Masako Togawa gelingt ein spannender Plot, der zunächst von Ichiro Hondas Eroberungen bzw. deren Ermordungen berichtet, um dann nach gerade einmal 91 Seiten zu verkünden, dass Ichiro Honda zum Tode verurteilt wurde. Blut- und Spermaspuren bei den Opfern scheinen eindeutig, Alibis können aus den oben dargestellten Grünen nicht erbracht werden.

Honda geht in die Berufung und vertraut sich dabei der Kanzlei des berühmt-berüchtigten Strafverteidigers Hatanaka an. Dieser erkennt sogleich den entscheidenden Schwachpunkt der Anklage, denn wenn Honda einen entsprechenden sexuellen Trieb gehabt haben sollte, warum hat dann er, der erfolgreiche Jäger, nur drei Frauen umgebracht, hatte er doch wesentlich mehr Gespielinnen für eine Nacht? Gemeinsam mit seinem engagierten Mitarbeiter Hajime Shinji begibt sich Hatanaka in einen scheinbar aussichtslosen Kampf angesichts der überwältigenden Beweislage.

Die Story wird geradlinig erzählt, wirkt anfangs zwar etwas sperrig bzw. langatmig, fesselt jedoch spätestens nach dem Mord an Aikawa, dem zweiten Opfer, völlig. Alles scheint hier offensichtlich zu sein und erst nach und nach wird das Ausmaß der Geschichte offenkundig bis hin zu einem überraschenden Finale. Man bedenke, der Roman entstand bereits Anfang der 60er-Jahre.

Jörg Kijanski, Februar 2008

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flubow zu »Masako Togawa: Schwestern der Nacht« 12.11.2011
Der verheiratete Computeringenieur Ichiro Honda befindet sich in Tokio auf der Pirsch. Seine Waffen: eine tiefe, erotische Stimme und ein unwiderstehlicher Charme, seine Spezialität: One-night-stands mit einsamen Frauen, akribisch und emotionslos festgehalten im 'Jagd-Logbuch'.Doch eines Tages, nach dem Selbstmord der 19-jährigen, im sechsten Monat schwangeren Keiko, die ein halbes Jahr zuvor mit ihm im Bett war, wird Honda vom Jäger zum Gejagten: Seine ehemaligen Gespielinnen werden reihenweise ermordet, und in und an den Körpern der Leichen finden sich Sperma und Blut seiner äusserst seltenen Blutgruppe. Honda wird verhaftet und sitzt in der Todeszelle, sein Schicksal scheint besiegelt zu sein.Der dichte, geschickt konstruierte Roman zieht einen in den Bann, selbst wenn man Keikos ältere Schwester bereits nach wenigen Seiten als wahre Täterin identifiziert zu haben glaubt - und kurz vor dem Ende dreht die Autorin eine atemberaubende Pirouette.
pescheg zu »Masako Togawa: Schwestern der Nacht« 19.09.2009
Dieser Krimi aus Japan führt in das zunehmend westlich geprägte Tokio der 60er-Jahre. Er spielt im Nachtleben der Großstadt, zeigt Nachtclubs und einsame Herzen. Atmosphärisch dicht fesselt das Buch durch die melancholisch-exotische Stimmung und die psychologische Raffinesse, die oft an Patricia Highsmith erinnert.

Die Autorin Masako Togawa strukturiert die Handlung perfekt, der Krimi entwickelt sich langsam doch unaufhaltsam hin zu einem überraschenden Ende. Cool, sehr aufgeschlossen, subtil.
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