Der Gnadenthron von Martyn Waites

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel The Mercy Seat, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Joe-Donovan-Serie.

  • London: Pocket, 2006 unter dem Titel The Mercy Seat. 470 Seiten.
  • München: Knaur, 2008. Übersetzt von Ulrich Hoffmann. ISBN: 978-3-426-63611-4. 470 Seiten.

'Der Gnadenthron' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Jamal, ein Strichjunge aus London, hat eine Mini-Disc mit brisanten Informationen gestohlen. Und das ist schlecht für ihn – denn nun ist »Hammer« hinter ihm her, ein brutaler Killer mit einem saphirblauen Schneidezahn, der seine Opfer auf dem Gnadenthron, einem Folterstuhl, zu Tode quält. Seine Trefferquote: 100 Prozent. Völlig verängstigt flüchtet Jamal nach Newcastle und bittet dort den ehemaligen Starjournalisten Joe Donovan um Hilfe, den ein tragisches Ereignis aus der Bahn geworfen hat: Vor zwei Jahren ist sein kleiner Sohn spurlos verschwunden, und er sucht noch immer verzweifelt nach ihm. Zusammen dringen die beiden in ein Netz des Schreckens vor, von dem sie sich keine Vorstellung gemacht hatten …

Das meint Krimi-Couch.de: »Hardboiled-Kost von der Insel« 80°

Krimi-Rezension von Thorsten Sauer

Beim Thema Kriminalliteratur stößt man unweigerlich auf Großbritannien und beim Thema britische Krimiautoren der Gegenwart ebenso unweigerlich auf Ian Rankin. Von daher ist es kein Zufall, dass der Verlag, auf dem Buchrücken von Der Gnadenthron, das Lifestile-Magazine mit einem Vergleich von Waites und Rankin zitiert. Wer jedoch zu Waites neuem Roman greift, weil er einen klassischen Polizeikrimi im Stile von Ian Rankin sucht, läuft Gefahr daneben zu liegen, denn Der Gnadenthron ist lupenreiner Hardboiled, der nur wenig mit Ian Rankin gemeinsam hat. Doch trotzdem – oder gerade deshalb – lohnt es sich zuzugreifen.

Gnadenthron – Folterstuhl

Jamal, ein fünfzehnjähriger Strichjunge aus London, lässt keine günstige Gelegenheit aus, wenn sie schnelles Geld verspricht. Dabei schreckt er auch nicht vor kleineren Diebstählen zurück. So auch nicht, als er, nachdem er einen Freier bedient hat, durch den Flur eines Stundenhotels schleicht. Aus Gewohnheit prüft er im vorbei gehen, ob die Zimmer abgeschlossen sind. Bei einem Zimmer hat er Glück: es ist offen und verlockend nahe liegt ein Minidiskrecorder, den er mitgehen lässt.

Dumm nur für Jamal, dass die im Recorder steckende Minidisk brisante Informationen enthält, die es wert sind, einen Killer namens Hammer auf ihn anzusetzen. Hammer, ein Mann mit saphirblauem Schneidezahn, dessen Erfolgsquote bei einhundert Prozent liegt und der seine Opfer mit Vorliebe auf dem Gnadenthron behandelt.

Harte Story – knappe Sprache

Martyn Waites hat seinem Thriller alle Stilmittel eines Hardboiled-Romans verpasst: eine düstere, fast schon frustrierende Grundstimmung, zerrissene Charaktere und eine Sprache, bei der jedes überflüssige Wort vermieden wird. Kurze Sätze prügeln die Handlung voran. Am Anfang des Romans übertreibt er es fast ein wenig mit der Verknappung der Sätze, aber als Leser hat man sich schnell auf diese Sprache eingestellt und verfolgt gebannt die spannende Story.

Gleich zu Beginn macht Waites jedoch deutlich, dass sein neuester Roman nichts für zart besaitete Gemüter ist. Die erste Szene ist eine fast schon abstoßend intensiv beschriebene Folterung. Gewalt in allen Facetten ist auch das vorherrschende Thema der folgenden 470 Seiten, doch dahinter entwickelt sich eine komplexe Story. Die nimmt ihren Ausgang in einer ziemlich konventionellen Konstellation: Junge von der Straße schlittert in den Sumpf des großen Verbrechens und ein abgehalfterter Journalist muss ihm aus der Patsche helfen.

Da Waites es aber schafft, trotz des hohen Erzähltempos, seine Figuren detailliert zu zeichnen und dem Plot ständig neue Wendungen zu geben, entwickelt sich eine komplexe und hoch spannende Story. Geschickt ordnet er mehrere Erzählstränge um die Haupthandlung an. Eine intensive Bindung zu den jeweiligen Hauptpersonen der Nebenhandlungen erreicht Waites meist dadurch, dass Nebenstränge ihren Ausgang in der intensiven Betrachtung der Figur nehmen – meist in einer Extremsituation – ohne dass der Leser bereits weiß, in welcher Beziehung die Figur zu Handlung steht. Langsam, aber mit ständig nach oben zeigendem Spannungsbogen, entwickelt sich die Geschichte, treten die Figuren in Beziehung und begreift der Leser die Zusammenhänge.

Ganz ohne Klischees kommt zwar auch Waites nicht aus, es gibt die unvermeidliche kampfsportgestählte, attraktive und natürlich alleinstehende Powerfrau und diverse andere Standardprotagonisten eines Thrillers, die dem geneigten Thrillerleser bekannt vorkommen dürften, aber das tut der Spannung keinen Abbruch. Waites bietet gute Unterhaltung ohne besonderen Tiefgang und höheren literarischen Anspruch. Wer genau das sucht, wird bei Der Gnadenthron fündig.

Thorsten Sauer, Juli 2008

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Buboter zu »Martyn Waites: Der Gnadenthron« 12.09.2010
Jamal, ein jugendlicher Stricher, kommt in den Besitz einer Mini-Disc mit brisantem Inhalt. Als er diese für viel Geld verkaufen möchte, wird er zusammen mit einem abgehalfterten Ex-Journalisten in ein Netz aus Korruption und kriminellen Machenschaften verstrickt.

Ich habe mir „Der Gnadenthron“ auf Empfehlung eines Couchfreundes zugelegt, auf Grund der Beschreibung hätte ich wahrscheinlich nicht zu diesem Buch gegriffen. Zum Glück hab ich es getan. Ich habe mich mittags auf die Couch gelegt um ein Stündchen zu lesen und als ich das nächste Mal auf die Uhr schaute, dämmerte es bereits. Dachte ich erst noch, der Autor hätte sein Pulver bereits im äußerst packenden Prolog verschossen, wurde ich hier eines besseren belehrt. Waites benutzt kein Wort zu viel und keines zu wenig. Ohne etwas zu beschönigen treibt er den Leser mit einer rasenden Geschwindigkeit durch die Geschichte. Kurze, knackige teilweise nur ein bis zwei Worte lange Sätze geben dem Buch eine düstere, hoffnungslos gefärbte Stimmung und trotzdem oder gerade deswegen wachsen einem die Protagonisten ans Herz. Hier wird auch niemand aus Sympathie-Gründen am Leben gelassen, was die Handlung und auch das Ende kaum vorhersehbar macht. Für mich ein Hammer! Ich habe nichts dran auszusetzen: Volle Gradzahl!
realsatiriker zu »Martyn Waites: Der Gnadenthron« 16.07.2010
Ich habe mixch bei der Lektüre unweigerlich an "1977" von Peace erinnert gefühlt. Eine Sprache, die manchmal jenseits des guten Geschmacks liegt und doch genau das authentisch beschreibt, was man vorfindet. Das wahre Leben in Endlands Nordosten.Strichjungen, Drogen (über die berichtet wird, als wären sie das Normalste der Welt...) abgehalfterte Charaktere und viel, ganz viel Hoffnungslosigkeit.

Ich bin von der Stimmung her nicht immer in der Lage ein solches Buch zu lesen, aber wer ein paar Tage Zeit hat, sich in rasantem Tempo in eine andere Welt zu versetzen, der liegt beim Gnadenthron wirklich richtig.

Nicht so gut gefallen hat mir indes der Anlass, der Hintergrund der ganzen Geschichte, der - man ahnt es - bei dem über viele Seiten nur eine Nebenrolle spielenden Wissenschftler liegt.

Ein gutes Buch, sicherlich aber kein überragendes.

KC: 78 °
Nicole zu »Martyn Waites: Der Gnadenthron« 09.04.2010
Also, hier steht doch das Jamal ein 15-jähriger Strichjunge ist. Aber im Buch ist er 14. Auf Seite 26 und 27 in den Zeile (Seite 26) 29 bis (auf Seite 27) 4 steht vollgehendes : "Wie alt bist du ?." Die ersten Male hatte er auf diese Fragewahrheitsgemäß geantworet.Aber das war nciht immer das gewesen, was sie hatten hören wollen. Also hatte er begonnen, sie zu fragen, was sie glaubten, wie alt er sei. Inzwischen war er so routiniert, dass er davon ausging,seinerseits schätzen zu können, wie alt der jeweilige Kunde ihn haen wollte. "Zwölf",lof er, zweieinhalb Jahre jünger als er wirklich war.

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Also muss er 14 sein. :P
Frank zu »Martyn Waites: Der Gnadenthron« 22.12.2008
Der Dezember entwickelt sich so langsam zu meinem Lieblingsmonat. "Der Gnadenthron" ist ein absoluter Volltreffer.
Wie ja bereits erwähnt wurde, hetzt der Autor einen quasi mit seinen kurzen, fast schon stakkatoartigen Sätzen durch die (jederzeit spannende) komplexe Handlung. Gelungene Charakterzeichnungen, eine düstere, pessimistische Stimmung und symphatische (und auch weniger symphatische) Hauptprotagonisten runden den positiven Eindruck ab. Lediglich das Ende zeichnet sich vielleicht ein wenig zu früh ab, schmälert den Gesamteindruck aber kaum.
95% von mir.
morus64 zu »Martyn Waites: Der Gnadenthron« 23.11.2008
Kaum zu glauben, dass der witzige Martyn Waites (s. Krimi-Couch-TV v. 10.2008) einen so düsteren Erstling vorlegt!

Eine rasante Mischung mit Passagen, die Erinnerungen an "Das Lied der Sirenen", "Der Blinde von Sevilla" und "Psychopath" aufkeimen ließen.

Fulminanter Einstieg, knackiger Satzbau in schnörkelloser Sprache und kein überflüssiges Detöse lassen die Vorbildwirkung des amerikanischen Hardboiled Noir deutlich durchschimmern.

Viele Handlungsstränge (mit zunehmender Personenzahl), die sich ständig abwechseln und einen wachen Leser erfordern, der sich keine allzu langen Lesepausen leisten darf, um den Überblick zu behalten. Dennoch gelingt es Waites, dieses scheinbare Knäuel zu einem kompakten Strick zu spleißen, bei dem der Leser nicht durch Ungereimtheiten nachträglich ins Grübeln kommt.

Spannend ohne den vordergründigen Anspruch auf eine sozial kritische Botschaft, dafür Etliches an brutaler Gewalt, ohne sich jedoch an Details zu ergötzen.

Der Schluss lässt auf Einstieg in eine Serie schließen, für viele Leser sicherlich auch hoffen!

Persönlich empfundene 85 GRAD.
4 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
jacqueline zu »Martyn Waites: Der Gnadenthron« 21.07.2008
superspannendes Buch.. habs in 2 Tagen (Abenden) verschlungen.

Die Geschichte nimmt einen schon mit... v.a. weil es 100% so in der Welt zugeht.

Das Happy End ist eher unwarscheinlich, aber man will ja nicht ganz deprimiert sein nach dem Buch.
0 von 5 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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