Femme fatale von Martin Walker

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel The devil's cave, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich, 2010 - heute.
Folge 5 der Bruno,-Chef-de-Police-Serie.

  • London: Quercus, 2012 unter dem Titel The devil's cave. 496 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2013. Übersetzt von Michael Windgassen. ISBN: 978-3-257-06862-7. 496 Seiten.
  • [Hörbuch] Zürich: Diogenes, 2013. Gesprochen von Johannes Steck. 8 CDs.

'Femme fatale' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Das Périgord ist ein Paradies für Schlemmer, Kanufahrer und Liebhaber des gemächlichen süßen Lebens. Doch im April, kurz vor Beginn der Touristensaison, stören ein höchst profitables Touristikprojekt, Satanisten und eine nackte Frauenleiche in einem Kahn die beschaulichen Ufer der Vézère. Und Bruno, den örtlichen Chef de police, stören zusätzlich höchst verwirrende Frühlingsgefühle.

Das meint Krimi-Couch.de: »Angler, Haie, Satanisten« 67°

Krimi-Rezension von Matthias Kühn

Ach ja, das Périgord: Ein Landstrich für Genießer, in den sich Martin Walker schon vor langer Zeit verliebt hat  idyllisch und rustikal. Hier wirkt Bruno, Polizeichef eines kleinen Kaffs, der immer wieder kleine Mordfälle zu lösen hat, sich ansonsten mal mit häuslicher Gewalt, mal mit Betrügereien herumzuschlagen hat.

Diesmal wirds im großen Stil international, was man nach dem beschaulichen Beginn mit Flussfahrt und Reitausflug kaum erwartet  und Bruno landet in einer gefährlichen Zwickmühle. Zunächst aber fließt der Roman betulich dahin wie das Flüsschen, auf dem ein Kanu mit einer seltsam hergerichteten Frauenleiche fährt. Wir wissen schnell: Bruno bekommt es diesmal mit Satanisten zu tun.

Es sind wieder die altbekannten Zutaten, die Walker eine große Leserschaft einbrachten: Die friedliebende, manchmal linkische Ein-Mann-Polizei in Gestalt von Bruno wird durch dieselben Personen unterstützt, die von Anfang an seiner Seite waren. Nur Pamela, die Schottin, die sonst mit der distanzierten Sichtweise der Ausländerin auf Land und Leute schaut, taucht lediglich am Telefon auf. Vielleicht wollte Martin Walker auf die Figur weitgehend verzichten, weil er diese Position inzwischen nicht mehr mag. Immerhin: Einigermaßen distanziert ist seine Erzählung meistens, diese ländlichen Franzosen werden oft mit halbwegs fremden Augen geschildert.

Ansonsten: Ein paar Rezepte, weitschweifende Beschreibungen einfacher und gehobener Küche, gemeinsame Essen, hin und wieder ein Aperitif, ein Gläschen Wein. Auf die Lebensart der Gegend kommt es dem Autor manchmal mehr an als auf Logik im Fall oder auf die kriminalistischen Details  bei aller Eleganz, mit der die einzelnen Stränge zu einem bunten Strauß gebunden werden.

Satanisten hat Bruno also am Hals, einen prügelnden Ehemann und Vater dazu, und schließlich muss er den Bürgermeister, dem er in fast schon devoter Weise verbunden ist, vor einem gewaltigen Fehler schützen. Denn Immobilienhaie wollen mit einer Ferienanlage samt Golfplatz Geld aus der schönen Gegend holen. Der Bürgermeister sieht Arbeitsplätze, die Einheimischen befürchten steigende Preise und das Ende der Idylle. Als schließlich klar wird, dass man es mit organisiertem Verbrechen zu tun hat, ist es schon fast zu spät.

Satanisten, Immobilienhaie, Waffenhändler, das ist für’s beschauliche Städtchen Saint-Denis etwas viel auf einmal. Da geht Walker, anders als Bruno beim Reiten, etwas der Gaul durch, zumal beim actionüberfrachteten Finale.

Seine Stärken hat Femme fatale in den eher ruhigen Momenten, die man allerdings aus den anderen Bänden kennt: beispielsweise in der Beschreibung der kauzigen Leute mit ihren Gewohnheiten, auch in der durchaus liebevollen Gestaltung der Frühlingsgefühle, die den nicht immer einsamen Polizisten umtreiben  Brunos Umgang mit dem weiblichen Geschlecht ist mehr als dilettantisch, was aber auch mal nerven kann. Positiv ist immer wieder, dass die sozialkritischen, durchaus linken Ansichten von Bruno so gar nicht zu seiner Vita mit Heim, Militär und Polizei passen, sondern eher zum schottischen Autor. Das klingt paradox, ist aber so.

Erzählt ist das alles sehr souverän, auch wenn die Eindringlinge in die Idylle, die den Krimi eigentlich ausmachen sollten, seltsam blass und hölzern bleiben. Die Entwicklungspunkte sind schön gesetzt, die Spannungskurve steigt zwar etwas lahm, ist aber raffiniert ausgearbeitet. Und doch ist es teilweise Prosa wie aus den Hochglanzbroschüren der Tourismusbranche: Nett, aber nichtssagend. Die Palette reicht von austauschbaren Floskeln bis zu fast schon verlogenen Anbiederungen an die ach so tolle französische Lebensart.

Ein bisschen bleibt der Geschmack: Der Verlag hat gedrängt, er möge bis zu einem bestimmten Termin liefern, der Markt braucht jetzt Band fünf. Diese These belegt der Roman durch etliche Schludereien und Anschlussfehler, die manchmal fast unfassbar sind. Ein gutes Lektorat hätte das  schon im Original  ausgebügelt. Und die Ausflüge in die Geschichte, vom Sonnenkönig bis zum Zweiten Weltkrieg  lesen sich teils wie Füllmaterial, das man auch einfach hätte weglassen können.

So scheint mir, dass die Geschichte auserzählt ist, dass wirklich nichts mehr einen sechsten Band rechtfertigen dürfte. Damit wäre eine Reihe komplett, die einige Höhepunkte, aber auch viel zu viel Beschaulichkeit und leider immer wiederkehrende Landschaftsbeschreibungen bietet, die sich leicht guttenbergen lassen. Allerdings: Solange der Erfolg bleibt, wird Bruno kaum ein Ende finden.

Matthias Kühn, August 2013

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buchbube zu »Martin Walker: Femme fatale« 29.08.2017
Mein zweiter "Bruno"-Fall und im Gegensatz zum sehr hübschen "Bruno, Chef de police" hat mich "Femme fatale" nicht restlos überzeugt, was in erster Linie am vor allem gegen Ende hin recht abstrusen, hoffnungslos überladenen Fall lag.
Als mit einigen Exkursen in die französische Geschichte angereichertes Loblied aufs landschaftlich idyllische und kulinarisch herausragende Périgord funktioniert zwar auch dieses Buch bestens und macht durchaus Freude -- und Appetit -- beim Lesen, als Kriminalroman dagegen ist "Femme fatale" leider höchstens Durchschnitt.
Angelika S. zu »Martin Walker: Femme fatale« 09.09.2015
Ich gebe es ja zu ...ich bin Bruno-Fan . aber bei Femme Fatale (dr Titel will für mich nicht wirklich zum Inhalt passen) war ich dann doch etwas verloren... vor allem dr Schlußteil war doch etwas zu überladen für die sonst eher beschauliche und friedliche Bruno-Krimi-Reihe.

Und im Prolog habe ich dann gänzlich aufgegeben. Da wird Marie-Francoise, die Tochter von Athenais plötzlich zu Urenkelin der Roten Komtesse ... Ist sie nicht ihre Enkelin? Und warum geht Heloise anscheinend straffrei aus? Sie war doch an den ganzen kriminelle Machenschaften beteiligt...?

Ich gebe zu, mich auf "Provokateure" zu freuen, hoffe aber, dass diese Episode etwas beschaulicher wird.
Darix zu »Martin Walker: Femme fatale« 19.07.2013
Walker mit seinem Bruno, Chef de Police beschränkt sich immer mehr auf liebliche lukullische, wie auch malerische landschaftliche und touristische Hervorhebungen. Vergleichbar mit Jean Luc Bannalecs Bretonische Krimi Beschreibungen. Schlichte einfache Literatur.
Der uneingeschränkt gute und positive Superflic Bruno, mit nur einem Problem, dem absoluten Rundum-Schutz der Gemeinde St. Denis. Wäre da nicht die Schwäche zu weiblichen Akteuren, dann hätten wir einen adäquaten Kandidaten für den Friedensnobelpreis.
Die Geschichte um Satanisten, Finanzjongleuren und hohen Beamten aus unterschiedlichen Ministerien wirkt sehr konstruiert, wie auch schnell herunter geschrieben. Es wird sicherlich nicht zu vermeiden sein, dass Martin Walker uns mit weiteren Impressionen aus dem Perigord erfreut. Ein mittelmäßiger Touristen-Krimi.
Ingrid G. zu »Martin Walker: Femme fatale« 19.07.2013
Ich habe alle 5 Bücher hintereinander gelesen und fand sie sehr amüsant, allerdings war mir "femme fatale" aber doch zu überladen, d. h. von allem zu viel, zu viele unlogische, abstruse Handlungsstränge, auch zu viel Milieu- und Personen-Wiederholungen. Vorläufig habe ich jetzt erstmal genug foie gras und 24-Stunden-Super-Bruno.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Felicitas zu »Martin Walker: Femme fatale« 03.07.2013
Felicitas Wallner

Alles in allem das gleiche Strickmuster wie immer, die Sache mit der falschen Krankenschwester Eugenie wird nicht hinreichend geklärt, aber was solls-

Bruno Krimis haben ihren eigenen Charme, man kann sich dem ganzen nur schwer entziehen. Er ist einfach ein charmanter Charakter mit etwas kompliziertem Liebesleben.
Gottseidank hat er einen neuen Basset.
Sybille zu »Martin Walker: Femme fatale« 24.06.2013
Femme fatale hat wieder alles, was Bruno-Fans lieben dürften: Schöne Landschaft, gutes Essen, die netten Verhältnisse der Perigordbewohner untereinander und den sympathischen Helden Bruno. Auch die Erotik kommt nicht zu kurz, und das Thema "Satanismus" verspricht Interessantes. Allerdings kommen wie in allen Brunokrimis wieder ziemlich viele Themen und Handlungsstränge mit rein.
Das ginge noch, aber ich habe insgesamt den Eindruck, dieser Krimi wurde mit recht schnell geschrieben. Etwas mehr Überdenken hätte vielleicht gut getan. So wird gar nicht erklärt, wie der hilfreiche Journalist auf die entscheidende Spur kam, auch das Motiv für den zweiten Todesfall bleibt komplett im Dunkeln. Und ein junges Mädchen berichtet freimütigst über peinlich-Persönliches. Dadurch kommt zwar die Story voran, aber das geht mir alles zu glatt.
Trotzdem werde ich natürlich den nächsten Bruno wieder lesen.
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Werner zu »Martin Walker: Femme fatale« 11.05.2013
Eine amüsante und unterhaltsame Lektüre - was will man mehr von einem Krimi! Wer alle Bruno Chef de Police Romane kennt, kennt auch das Muster: Beschauliches Leben in Frankreich auf dem Lande, politische Netzwerke (in Ostdeutschland würde man Seilschaften sagen) und dann etwas Abgründiges - der Satanismus in diesem Fall. Bruno hat Probleme mit seinen Liebschaften und zum Schluss kommt es zu großen Abschluss, der sich durch Brutalität und ein Happy End auszeichent.

Alles ist sorgfältig recherchiert - wenn da nicht die Sache mit der Citroen DS wäre:

1. Ein unvorbereiteter Kavalierstart ist damit nicht möglich, da sich die Hydraulik erst auffüllen muss.
2. Es gab nie eine DS mit durchgehender Sitzbank.
3. Weil Hydraulik, kann die Federung nicht knarzen.
4. Ein ziehen der Handbremse (noch dazu vom Beifahrer) ist unmöglich, da die DS für die Feststellbremse ein Fußpedal hat.
5. Da die Feststellbremse bei der DS auf die vorderen Bremsscheiben wirkt, kann man eine DS durch das Anziehen nicht zum hinten ausbrechen bringen

War vielleicht doch ein Peugeot?
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