Karneval der Toten von Martha Grimes

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel The Winds of Change, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 19 der Inspektor-Jury-Serie.

  • New York: Viking, 2004 unter dem Titel The Winds of Change. 407 Seiten.
  • München: Goldmann, 2006. Übersetzt von Cornelia C. Walter. 448 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2007. Übersetzt von Cornelia C. Walter. 444 Seiten.
  • München: Goldmann, 2008. Übersetzt von Cornelia C. Walter. 448 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2006. Gesprochen von Ulrike Kriener. gekürzt. 6 CDs.
  • [Hörbuch] Augsburg: Weltbild, 2007. Gesprochen von Ulrike Kriener. ISBN: 3828991157. 6 CDs.

'Karneval der Toten' ist erschienen als HörbuchE-Book

In Kürze:

Grausiger Fund im Rinnstein einer Londoner Straße: Ein Mädchen, gerade fünf Jahre alt, wird dort mit einem Schuss im Rücken tot aufgefunden. Die Identität der Kleinen ist unbekannt, doch alles deutet darauf hin, dass sie vor ihrem Tod in einer Art Bordell für pädophile Kundschaft gefangen gehalten wurde. Der Eigentümer des sinistren Hauses hatte selbst eine Tochter, die bei der Mutter auf dem Landsitz Angel´s Gate in Cornwall lebte und vor einigen Jahren unter mysteriösen Umständen spurlos verschwunden war. Als im weitläufigen Park von Angel´s Gate wenig später die Leiche einer Unbekannten aufgefunden wird, begeben sich Jury und Plant vor Ort und geraten in ein Verwirrspiel aus perfekter Verstellung und grausamer Vergeltung.

Das meint Krimi-Couch.de: »On the road again...« 70°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Martha Grimes macht es einem von Mal zu Mal schwerer, ihr neuestes Buch zu rezensieren, ist doch bereits alles gesagt, was es über die Serie zu sagen gibt. Mit »Karneval der Toten« hat sie 23 Jahre nach dem ersten Auftritt von Superintendent Jury und Melrose Plant bereits das 19. Abenteuer der beiden ersonnen. Das jeweils neueste Buch der Amerikanerin, die ihre Krimis in England spielen lässt – was sie im Übrigen mit Elizabeth George und bestimmt noch einigen anderen Ladies gemein hat – wird von einem großen Leserkreis sehnsüchtig erwartet. Ich wage zu behaupten, dass ihre Bekanntheit bei Krimilesern extrem hoch ist, doch neben den vielen Anhängern gibt es sicher ebenso viele, die ihre Bücher strikt ablehnen, denn nicht immer steht die Krimihandlung im Vordergrund. Neben den Hauptfiguren Jury und Plant gibt sich ein illustres, zuweilen fast skurriles Völkchen die Klinke in die Hand, das die Nebenkriegsschauplätze, insbesondere das fiktive Dörfchen Long Piddleton belebt.

Worum geht es also? Superintendent Jury befasst sich mit dem Fall eines kleinen Mädchens, das auf offener Straße erschossen wurde. Ganz in der Nähe wird in einem Haus ein Pädophilentreffpunkt vermutet, dessen oberste Nummer ein reicher Geschäftmann namens Viktor Baumann sein soll, der schon längere Zeit im Visier der Polizei steht. Vor drei Jahren ist dessen Tochter Flora verschwunden, die bei ihrer inzwischen leider verstorbenen Mutter Mary und deren neuem Ehemann Declan Scott wohnte. Der Zufall will es, dass die mutmaßliche Entführung damals von Jurys Freund Commander Brian Macalvie bearbeitet wurde, den er sogleich kontaktiert.

Und der Zufall will es …

Ganz aktuell befasst sich Macalvie wieder mit Declan Scott, in dessen Garten eine Tote gefunden wurde, zu der es keinerlei Verbindung zu geben scheint. Nur die ehemalige Köchin erkannte in ihr eine Frau, die vor ein paar Jahren die Hausherrin Mary besuchte und Declan gibt an, seine Frau einmal mit ihr zusammen in einem Hotel in London gesehen haben zu wollen. Mary bezeichnete sie ihm gegenüber damals als alte Schulfreundin, doch diese Spur verliert sich und die Identität der Toten ist nach wie vor nicht geklärt. Jury pendelt also zwischen Cornwall und London und schleust Melrose als Spezialist für Rasenplaggen (hierzulande vielleicht Rollrasen?) auf dem Anwesen Scotts ein, um unter der Hand ermittlungsrelevante Informationen zu erhalten.

Immer wieder greift Martha Grimes in ihren Krimis das Thema Kinder auf: Im Laufe seiner Ermittlungen begegnet Jury immer wieder ertrunkenen oder verschwundenen Kindern oder wie hier einem Fall von Pädophilie. Seine eigene Kindheit war inmitten des Krieges auch nicht gerade rosig, da er durch einen Bombenangriff auf London sehr früh seine Eltern verlor und bei seiner einzigen Verwandten, seiner Cousine aufwuchs. Deren Tod entwurzelt den sowieso schon recht melancholischen Jury, der außer zu Melrose Plant, Sergeant Wiggins und seinen Wohnungsnachbarn keine engen Beziehungen zu haben scheint – da stürzt er sich eben wieder einmal in die Arbeit. Mit großem Engagement verfolgt er die Spuren im vorliegenden Fall.

Der Humor kommt leider etwas zu kurz

So tragisch das Herz der Handlung auch angelegt ist, gibt es bei Martha Grimes in der Regel etwas zu Lachen. Das Vergnügen, das man bei den früheren Abenteuern fast immer verspürte, stellt sich im vorliegenden Band jedoch nur selten ein. Melrose gibt zwar wieder einmal den Gärtner, ohne einen Deut Ahnung von der Materie zu haben, aber das zeigt auch, wie die Autorin in der von ihr geschaffenen Welt gefangen ist. Sie lässt (mit einer Ausnahme) keine neuen Figuren auftreten, außer denen, die für den Mordfall benötigt werden, und hat Mühe, die meisten anderen in der Story unterzubringen.

Meines Erachtens muss sie sich befreien, doch das ist schier unmöglich, ohne einen Großteil der Stammleserschaft zu verlieren, die jammern würde, wenn Melroses Tante Agatha nicht wieder alle Teekuchen verschlingen würde. Neue Leser kann sie allerdings kaum gewinnen, denn diese werden durch die ganzen Anspielungen auf frühere Fälle abgeschreckt. Ein Ausweg ist nicht in Sicht. Im Endeffekt kann sie nur mit einem Plot punkten, der in allen Aspekten gut durchdacht sein muss und zudem speziell auf ihre Figurenkonstellation zugeschnitten sein sollte. Dies ist ihr hier mit der Verbindung der beiden Fälle nicht vollends gelungen.

Die Zeichen stehen wohl auch bei Martha Grimes auf Veränderung (Originaltitel: Winds of Change). Vielleicht hat auch sie erkannt, dass es so nicht weitergehen kann, und wir befinden uns mit diesem Buch mitten in der Metamorphose der Autorin, die sie ja offensichtlich schon mit dem Anschlag auf Jurys Leben in "Die Trauer trägt schwarz" eingeläutet hat. Man kann nur abwarten, ob sich im Laufe der Zeit ein schöner Schmetterling entwickelt, der etwas mehr Begeisterung hervorruft als das vorliegende Exemplar.

Ihre Meinung zu »Martha Grimes: Karneval der Toten«

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Mag.Irina Writz zu »Martha Grimes: Karneval der Toten« 04.08.2017
Ich mag M.Grimes schon lange. Ich finde die skurilen Charaktere und den Stammtisch mit den Blödeleien.
Doch was mich zunehmend irritiert sind die Mitbewohnerinnen von Jury. Das komische Verhältnis zur halbnackten Nachbarin, die pseudo-naive durch die Wohnung hüpft und die klischeehafte Alte in der unteren Wohnung-einfach unglaubwürdig. Und unnötig.
Was bei diesem Band besonders irritiert ist die Reaktion der Umgebung auf die Befreiung der armen Mädchen. Da wird mit Suspendierung gedroht statt ihn als Held zu feiern.
doris zu »Martha Grimes: Karneval der Toten« 30.06.2012
dies war mein erster grimes-roman und ich wusste vorher nicht, dass er teil einer ganzen serie ist. das wurde mir erst im laufe der handlung klar, bzw entstand der verdacht in mir.
ich bin wirklich entsetzt über den flachen, nichtssagenden und an den haaren herbeigezogenen inhalt des buches. auch sprachlich lies mich dieser roman während des lesens immer wieder die augenbrauen hochziehen.
ich habe mich durch das buch buchstäblich durchgekämpft, weil ich es hasse, vorzeitig aufzugeben. doch ganz ehrlich gesagt, ich bin heilfroh, dass es nun endlich ein ende hat.
ganz sicher werde ich nie wieder ein buch dieser autorin lesen!
Petra zu »Martha Grimes: Karneval der Toten« 06.02.2012
Ich bin eine begeisterte Krimileserin und habe auch schon einige Bücher dieser Autorin gelesen.
Dieses jedoch geht gar nicht.
Erstens fühlte ich mich von der Fülle der Charaktere erschlagen, es wäre nützlich gewesen, mir Notizen zu machen, wer denn nun zu wem gehört. Ich habe leider den Überblick verloren.
Spannund habe ich nicht gespürt, was soll auch daran spannend sein zu lesen, welche Probleme ein Möchtegerngartenachitekt mit dem Anlegen eines neuen Gartens hat?

Ich habe das Buch nach etwa zwei Dritteln für immer zugeklappt.
Es interessiert mich nicht die Bohne, wer der Täter ist.
Schade um meine Zeit.
Sophie zu »Martha Grimes: Karneval der Toten« 29.08.2011
Ich habe mich nun durch fast 14 Kapitel gekämpft und ich muss sagen ich liebe sonst Bücher und lese vieles mit einer Begeisterung die mein Freund staunen lässt doch dieses Buch ist ein Kampf ich verliere andauernd den Faden und lese ich mal 2 Tage nicht weiß ich nicht mehr worum es gerade geht und das passt bei Büchern gar nicht zu mir. Es verwirrt mich und es ist langweiliger als so manches Buch im Englischunterricht und das soll echt was heißen!
Wiebke zu »Martha Grimes: Karneval der Toten« 24.11.2010
Ich kann mich dem allgemeinen Tenor nur anschließen.
Was mich zusätzlich erschüttert hat, war die Beschreibung des Petey als "ein dümmlich glotzender Junge mit den kleinen,dicht beieinander stehenden Augen und dem schwammigen Gesicht eines vom Down-Syndrom gezeichneten Kindes" mit dem "stieren Blick", bei dem Wiggins sich nur "mit Mühe" beherrschen konnte "ihn mit einem Klaps zu verteiben" als er am Mantel zerrt.Ich habe keine Ahnung, ob es im Original anders klingt, aber so war ich absolut entsetzt von dieser Beschreibung. Ich habe keine Ahung, ob Martha Grimes jemals Kinder oder Erwachsene getroffen hat, die das Syndrom haben, aber ich würde ihr sehr gerne raten, sich mal mit folgendem Buch zu beschäftigen "Außergewöhnlich: Kinder mit Down-Syndrom und ihre Mütter/Väter" von Conny Rapp
jeanette1958 zu »Martha Grimes: Karneval der Toten« 21.06.2009
Ich glaube das war das erste und letzte Buch welches ich von Martha Grimes gekauft und gelesen habe. Habe mich zwingen müssen, dass ich es fertig lese.Es hat ganz einfach die Spannung gefehlt. Für mich war dieser Roman eine große Enttäuschung, da ich mir von Martha Grimes mehr erwartet habe. Vielleicht war auch die Erwartung zu groß.
macbeth124 zu »Martha Grimes: Karneval der Toten« 02.04.2009
Mein erstes Grimes-Buch und wohl auch mein letztes. Sorry, aber das geht gar nicht! Ich kann mich Christiane nur anschließen, alles, was sie anführt, stimmt exakt. Langweilig ist gar kein Ausdruck. Ich habe es nicht geschafft, es zu Ende zu lesen.. und das will was heißen, weil ich mich in der Regel "durchkämpfe". Ich will hier jetzt nicht ins Detail gehen, es ist eigentlich schon alles gesagt.
Immerhin weiß ich jetzt, was "Rasenplaggen" sind.
Christiane Möbius zu »Martha Grimes: Karneval der Toten« 10.02.2009
Vorausgeschickt folgendes : Dass dieses Buch Teil einer Serie ist , erfuhr ich erst aus den vorliegenden Rezensionen .Ich bekam das Buch von einer Freundin geschenkt , die begeisterte Krimileserin ist , habe bei der Lektüre jedoch den Eindruck gewonnen , dass sie es einfach nur loswerden wollte , so langweilig finde ich es . Habe nun 14 Kapitel gelesen und weder intressante Charaktere , Humor , noch eine spannende Handlung gefunden , Stilmittel ,sofern überhaupt erkennbar , werden eher schülerhaft als künstlerisch eingesetzt . Was kommt nach endlosen Litaneien über Rasenplaggen und Ziegenbocknamensgebung noch ? Ich weiß es nicht und es interessiert mich auch nicht . An mich stellt dieses Buch nur eine einzige Frage : An wen kann ich es weiterverschenken , ohne dass ihm Zweifel an meinem guten Geschmack kommen oder soll ich es im Keller bei meinen anderen Leichen begraben ?
Thomas Farnung zu »Martha Grimes: Karneval der Toten« 07.08.2008
Zur ausführlichen Besprechung von Frau Reiss lässt sich im Grund nicht viel hinzufügen. Die immer gleichen Motive
die Frau Grimes in ihren Jury-Romanen bemüht (Melrose ohne Plan im Undercovereinsatz,
vermisste oder getötete Kinder, vertauschte oder verschleierte Identitäten, etc.) und die doch sehr ähnlichen Charakterzeichnungen ihrer Figuren dürften zumindest den Stammlesern aufgefallen sein und ermüden allmählich.
Dennoch hat mir der Roman gut gefallen, da - und da widerspreche ich mal Frau Reiss- ich als Stammleser endlich mal weitgehend vom Long Piddleton- Stammtisch verschont geblieben bin . Nachdem im letzten Band
diese in ungebührlichem Umfang mit ihren zunehmend abstrusen und albernen Spielereien die Krimihandlung permanent ausgebremst hatten und mich eigentlich nur noch nervten, bleibt die Autorin hier immer schön am Fall und bringt diesen ohne große Umschweife nach vorn. Auf der einen Seite den Handlungsstrang um den zynischen und sarkastischen Melrose, der recht locker rüberkommt (der Handlungsstrang, nicht Melrose) auf der anderen Seite der
um Jury, melancholisch, poetisch und auch anrührend, denn das Schicksal der Kinder lässt einen nicht unberührt. Auch vom Schreibstil hat mir das Ganze gut gefallen.
Jury Romane sind immer so eine Sache.
Die Qualität ist von Band zu Band schwankend (und das aber nicht erst nur seit den letzten Bänden, ich war bereits schon mal nach Band 12 aus der Reihe ausgestiegen, weil´s mir zu dumm wurde). Aber irgendwie kommt man doch immer wieder darauf zurück, weil man den ganzen Jury- Kosmos doch irgendwo ins Herz geschlossen hat.
Dieser Band hat mir insgesamt gut gefallen und ich werde auch den nächsten Band wieder lesen.
AndreaFritsch zu »Martha Grimes: Karneval der Toten« 29.04.2008
Irgendwie kann Martha grimes nicht einsehen, dass sich die Jury-Reihe totgelaufen hat. (Ob da der schnöde mammon dahinter stecken mag?) Ich habe die ersten Bände geradezu verschlungen, aber die letzten waren nur ein müder Abklatsch, die Story gerät vollkommen ins Hintertreffen, Grimes arbeitet mit Versatzstücken, die sie wie Puzzleteilchen neu kombiniert und anordnet. (Z.B. das immer schwarzhaarige Waisenmädchen mit Hund, das philosophische Weisheiten von sich gibt und den fall fast im Alleingang löst) Außerdem darf man sich keine Gedanken darüber machen, wie alt Jury (und all die anderen) nach 23 Bänden inzwischen sein müssten. (Jury wäre längst in Pension, Agatha mindestens 100 Jahre alt etc.) Ich lese die Jury-Bücher auch nur noch in Eriunnerung an bessere zeiten, wie wohl viele Krimi-Couch Besucher.

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