Inspektor Jury kommt auf den Hund von Martha Grimes

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel The Old Wine Shades, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 20 der Inspektor-Jury-Serie.

  • New York: Viking, 2006 unter dem Titel The Old Wine Shades. ISBN: 978-0670034796. 341 Seiten.
  • München: Goldmann, 2007. Übersetzt von Cornelia C. Walter. ISBN: 978-3-442-31124-8. 415 Seiten.
  • München: Goldmann, 2009. Übersetzt von Cornelia C. Walter . ISBN: 978-3-442-46992-5. 415 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2007. Gesprochen von Heikko Deutschmann. ISBN: 386604772X. 6 CDs.

'Inspektor Jury kommt auf den Hund' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Als Inspektor Jury eines Abends im Pub von einem äußerst redseligen Fremden angesprochen wird, will er eigentlich nur eines: In Ruhe ein Glas Wein trinken. Daraus wird jedoch nichts, denn die Geschichte, die dieser Mann namens Harry Johnson zu erzählen hat, zieht Jury sofort in ihren Bann. Johnson erzählt nämlich von seinem Freund Hugh Gault, dessen Frau, Kind und Hund ein Jahr zuvor auf mysteriöse Weise in der ländlichen Idylle Surreys verschwunden waren. Jury kann nicht anders und schaltet sich in die Ermittlungen ein. Keine Sekunde zu spät, wie sich herausstellt: Denn als Jury nicht nur mit Hugh Gault, sondern auch mit dessen tot geglaubter Ehefrau zusammentrifft, zählt er bereits eine Leiche zuviel und zwei Personen zu wenig im Umkreis von Harry Johnson  …

Das meint Krimi-Couch.de: »Hund, Katz und ferne Dimensionen« 72°

Krimi-Rezension von Eva Bergschneider

Der Titel des aktuellen Inspektor Jury-Romans von der amerikanischen Autorin Martha Grimes wird den Leser der deutschen Ausgaben an die Anfänge der Krimi-Reihe erinnern. Inspektor Jury schläft außer Haus und Inspektor Jury spielt Domino hießen die ersten Bände, die viele Krimi-Fans mit ihrem britischen Flair und feinsinnigen Humor begeistert haben. Inspektor Jury kommt auf den Hund ist nun der zwanzigste Band mit dem charismatischen Ermittler und seinem Freund Melrose Plant.

Eine Geschichte in der Geschichte

Der zur Untätigkeit verdammte Superintendent Jury lernt Harry Johnson im Pub »Old Wine Shades« kennen und hört seiner verrückten Geschichte zu. Sie passierte Harrys Freund Hugh Gault, einem Experten für Quantenphysik. Dessen Ehefrau Glynnis fuhr mit dem autistischen Sohn Robbie und dem Hund Mungo in das Dorf Lark Rise, um sich Häuser anzusehen. Nach der Besichtigung eines Cottages, machten sie sich auf den Weg zum so genannten Winterhaus. Seit dem gelten Mutter und Sohn als vermisst.

»Das war vor einem Jahr«
»Und...?« Er (Jury) wartete darauf, dass Harry Johnson die Leerstelle hinter dem »Und – « ausfüllte.
Harry zündete sich eine Zigarette an [..] und sagte»Der Hund kam zurück«.

Welche ist wahr?

Weitere Abende diskutiert Jury mit Harry über Hughs Schicksal, über Superstrings (nicht mit Wäsche zu verwechseln), elf Dimensionen und Schrödingers Katze. Tagsüber macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit. In Lark Rise lernt Jury die kleine Tilda kennen, die heimlich auf dem Grundstück des Winterhauses spielt und nicht verraten will, was sie dort beobachtet hat. Melrose reist inzwischen nach San Gimignano/Italien und trifft den Besitzer des Anwesens, der düstere Erinnerungen an den Ort seiner Kindheit hat. Allmählich verschachteln sich mehrere Geschichten wie russische Matrjoschkas ineinander. Schließlich wird die Leiche einer Frau gefunden.

Quantenphysik und doch noch ein Verbrechen

Es ist für den Leser schwer, in diese bizarre Geschichte hinein zu kommen. Ebenso wie Jury, können die meisten nicht viel mit dem Wissenschaftler Nils Bohr und der Quantenphysik anfangen. Diese Theorien dienen in erster Linie als Gedankenspiele, die Harrys Erzählung begleiten. Jury kauft ihm seine Darstellung zwar nicht ab, kann sich der Faszination des Rätsels jedoch nicht entziehen. Die Nachforschungen bringen Fakten hervor, die Harrys Angaben scheinbar untermauern, Zeugen geben an, Mutter und Sohn gesehen haben.

Nachdem aus einem Vermisstenfall Mord wurde, steckt Jury in einer Ermittlung, bei der es um jede Sekunde geht. Unterstützung erhält er nicht nur von Melrose Plant, sondern von einem Partner auf vier Pfoten. Der Fall erinnert an ähnliche Verbrechen aus anderen Jury Romanen, er hat jedoch seine ganz eigene Dynamik. Der Autorin gelingt es, aus einer entrückten Story einen spannungsreichen Plot zu gestalten.

Augenzwinkern und Mystik

Einige der letzten Inspektor-Jury-Romane kamen etwas schwermütig herüber. Dagegen herrscht in Inspektor Jury kommt auf den Hund wieder eine lebensfrohere Stimmung vor, ähnlich wie in den anfänglichen Bänden. Die Long Pideltoner Clique spielt dabei eine eher nebensächliche Rolle. Das einst so illustre Privatleben von Trueblood, Vivian und Co. scheint etwas ausgereizt zu sein. Dafür kommen andere Nebenfiguren umso besser zur Geltung und sorgen für heitere Szenen. Wenn man Carol-Anne über den Verbleib ihres Ohrrings philosophieren hört, oder Mungo dabei beobachtet, wie er ein junges Kätzchen vor seiner Mutter versteckt, erscheinen sogar die Theorien über unsichtbare Dimensionen nicht mehr so wirklichkeitsfern.

Die leicht fantastischen Elemente und einen erzählenden Hund empfinden vielleicht einige Leser als gewöhnungsbedürftig. Als Spott auf die Betrachtungen zum Thema Quantenphysik sind diese Szenen allerdings treffend und witzig formuliert. Die Konfrontation einer verzerrten mit der realen Welt verleiht diesem Jury-Krimi seinen speziellen Reiz. Daher ist Inspektor Jury kommt auf den Hund vor allem für Leser, die sich nicht scheuen, ihren Helden in einer etwas skurrilen Variante der Reihe zu erleben, lesenswert.

Eva Bergschneider, August 2007

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Charlotte zu »Martha Grimes: Inspektor Jury kommt auf den Hund« 20.05.2017
Die Kritiken hier können einen wirklich entmutigen. Ich habe mehrere Jahre davor zurückgeschreckt, dieses Buch zu lesen, obwohl ich ein riesiger Fan der Jury-Reihe bin. Jetzt bin ich durch mit dem Werk und muss sagen: so schlecht ist es nunmal auch nicht.
Neulinge sollten definitiv mit den ersten Büchern der Serie beginnen und nicht mit diesem. Aber für Jury-Liebhaber bietet das Buch in jedem Fall den gewohnten Charm.
Keine Frage die ersten 10 Bücher waren die besten und keines der neueren kommt da ran. Spaß beim Lesen hatte ich trotzdem nicht.
kritikaster zu »Martha Grimes: Inspektor Jury kommt auf den Hund« 18.10.2016
langweilig, langweilig, langweilig - als buch hätte ich es niemals zuende gebracht, als hörbuch gings.
große angeberei mit quantentheorie und zehn dimensionen, und das auch noch endlos wiederholt...
und einen anständigen schluss hats auch nicht.
entweder man macht es so, wie die highsmith mit ihrem tom ripley oder es nimmt das übliche ende. das gute siegt.
aber so ein gewäsch am ende ist eine beleidigung für jeden krimifan
"ich werde sie jagen, bis ich sie kriege!"
na - ganz toll!
ich glaube, die gute martha hats nicht mehr drauf. sie sollte es lassen und sich aufs altenteil zurückziehen.
kohle müsste sie ja wohl genug haben, mittlerweile.i
olbolb zu »Martha Grimes: Inspektor Jury kommt auf den Hund« 18.10.2014
Dieses Buch hat nichts von dem Charme der früheren Werke.
Sorry, absoluter Fehlkauf und ich war tapfer und habe bis zur letzten Seite alles gelesen.
Alles total kompliziert dargestellt und bereitet keine Lesefreude...
Bis zur Hälfte des Buches erkennt man keine wirkliche Struktur und auch das Ende versöhnt den Leser nur bedingt...
heikki-hexi zu »Martha Grimes: Inspektor Jury kommt auf den Hund« 24.05.2011
ok - also für mich als Physik-Hasser war das Buch wahrscheinlich ein Fehlgriff - aber nicht nur deshalb! Total langweilig ... und die kurzen "Wiedersehen" mit der Truppe um Vivian und Trueblood waren einfach zu spärlich und weniger intensiv (u. a. auch kaum so witzig und spritzig) als früher. Genervt habe ich manche Absätze einfach so überflogen und einfach nur gehofft, dass ich bald das Ende der Fahnenstange erreiche. Uff - und das war dann auch nicht gerade berauschend!
Nadine Rosenbaum zu »Martha Grimes: Inspektor Jury kommt auf den Hund« 04.09.2010
"Inspektor Jury kommt auf den Hund" ist ca. mein 15. Band dieser Reihe und unterscheidet sich eigentlich grundlegend von allen bisher gelesenen.

Immerhin gab es ein Wiedersehen mit Melrose Plant, dem unfreiwilligen Grafen, den man hier als Mitglied eines "alt"eingesessenen Herrenclub erlebt; ein schönes und passendes Detail bei Lord Ardry. Bei jedem Inspektor-Jury-Krimi lernt man die Hauptfiguren bisschen besser kennen, und das gilt auch für den vorliegenden Roman.

Die physikalisch-philosophischen Elemente (Niels Bohr, Quantenphysik, Superstring-Theorie etc.) fand ich etwas gewöhnungsbedürftig, aber auch daran habe ich mich schließlich gewöhnt. Auch an Überraschungen hat es nicht gefehlt; genau dann, wenn ich dachte, ich weiß, wie es weitergeht, kam es doch ganz anders!

Nur an das Ende kann ich mich nicht gewöhnen. Soviel sei verraten, der Schurke überlebt den Roman. Früher habe ich es etwas störend gefunden, wenn der Schurke am Ende ums Leben kam, was ja auch mal Mode war. Aber dieses Ende ist ganz und gar nicht zufriedenstellend.

Schade, denn der Roman hat mich sehr gefesselt, in nicht mal einer Woche zu Ende gelesen; und das, obwohl nicht mal Ferien waren.

Ich hoffe nur, der nächste Jury-Roman endet wieder besser.
Purzelina zu »Martha Grimes: Inspektor Jury kommt auf den Hund« 15.06.2010
Leider enttäuschend, auch nach mehrmaligen Versuchen, insgesamt eine immer weiter abwärts fallende Qualitäts-Tendenz in den Inspektor-Jury-Romanen.
Die immer wieder auftauchenden gleichen Elemente werden nicht klarer (z.B. erwachsen-ernste Kinder, intelligente Hunde) die Handlung immer verworrener, die Charaktere noch verschrobener, das Ganze dadurch aber nicht liebenswerter.
Ms Grimes hätte einfach aufhören sollen nach, sagen wir, 4-5 Romanen...
ergo zu »Martha Grimes: Inspektor Jury kommt auf den Hund« 22.02.2010
Ich finde, dass "Inspektor Jury kommt auf den Hund" eindeutig eine Steigerung gegenüber den letzten Büchern darstellt.
Grade dieses etwas offene Ende hat mir sehr zugesagt, obwohl es meiner Meinung nach einige Langstellen enthält.
Der Auftritt von Melrose als Niels Bohrgefiel mir auch.

Allerdings kann es in meinen Augen nicht mit den ersten Büchern und "die Treppe zum Meer" mithalten.
dodowo66 zu »Martha Grimes: Inspektor Jury kommt auf den Hund« 17.11.2009
Ich habe die letzten 20 Jury-Krimis in Serie gelesen und bin nach wie vor begeistert. Auch wenn dieser Band anders ist als die anderen ist er dennoch nicht schlechter, halt einfach anders. Und wieso auch nicht. Nachdem man MG vorgeworfen hat, die einzelnen Stories ähneln sich zu sehr, kommt hier mal was anderes daher (die Stammtischrunde aus Long Pid nur im Hintergrund, den Kindern und Tieren bleibt sie allerdings treu), und das ist auch nicht schlecht. Mir gefällt eben der feine Humor, ich finde es herrlich, zwischendurch laut herauslachen zu können und schiefe Blicke von meiner Familie zu ernten...die vertrauten Charaktere sind eben vertraute Charaktere. Ich hoffe auch noch viele Inspektor Jury Krimis.
Jazzy zu »Martha Grimes: Inspektor Jury kommt auf den Hund« 06.11.2009
Als ich dieses Buch zum ersten Mal gelesen hatte, war ich arg enttäuscht. Alles so verworren und ohne Sinn.
Nun habe ich es nach einiger Zeit mal wieder hervorgeholt und festgestellt, je öfters ich es gelesen habe, umso mehr gefällt es mir eigentlich.
(Sicherlich erkennt man nach mehrerem Lesen die Zusammenhänge besser).
Klar sind die ersten Bücher weitaus besser gewesen und man erwartete immer wieder eine Fortsetzung des vorherigen Buches, aber das wird auf Dauer langweilig.
Der gänzlich anderes Stil dieses Buches erscheint zuerst sinnlos, aber es werden immer wieder Parellelen zu bereits erschienenen Bänden gezogen.
Ich kann nur sagen: Öfters lesen!
Thomas Farnung zu »Martha Grimes: Inspektor Jury kommt auf den Hund« 01.10.2009
Gerade eben habe ich das Buch fertig gelesen und mir mal die Kritiken hier durchgelesen. Ich wollte mal wissen ob die anderen Leser ebenso überrascht sind wie ich in Bezug darauf, was man davon halten soll. Interessant dabei ist, dass diejenigen, die hiermit ihren ersten Jury gelesen haben, diesen gut fanden, während Stammleser hiernach der Jury Reihe die Gefolgschaft aufkündigen wollen. Unter anderem mit der Begründung, dass wenn Frau Grimes nichts Neues mehr einfällt, sie es doch lieber ganz sein lassen sollte.Aber Hallo ? Wenn das nicht neu und anders ist als alle anderen Bände der Jury-Reihe, dann weiß ich nicht wie das sonst gestaltet sein sollte. Im Gegenteil: Ich fand, dass sich gerade in den letzten Bänden die Motive immer mehr wiederholten und die Charaktere zunehmend ausgereizter wurden. In diesem Band bestreitet Frau Grimes mal wirklich neue Wege, die mitunter etwasbizarr daher kommen, mich zumindest aber interessiert bei der Stange hielten. Auch das der Schluß gewiss nicht der allgemeinen Erwartungshaltung entsprochen haben dürfte, passt zum Gesamtbild.
Aber wahrscheinlich ist es genau die Tatsache, dass der Band eben nicht so ist, wie man es als Stammleser gewohnt ist und Erwartungshaltungen nicht bedient werden, was viele so verärgert. Ich fand den Band jedenfalls gelungen, gut geschrieben und sogar recht humorvoll.

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