Die Treppe zum Meer von Martha Grimes

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1999 unter dem Titel The Lamorna Wink, deutsche Ausgabe erstmals 1999 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.
Folge 16 der Inspektor-Jury-Serie.

  • New York: Viking, 1999 unter dem Titel The Lamorna Wink. ISBN: 0670888702. 368 Seiten.
  • München: Goldmann, 1999. Übersetzt von Cornelia C. Walter. ISBN: 3-442-30815-1. 413 Seiten.
  • München: Goldmann, 2002. Übersetzt von Cornelia C. Walter. ISBN: 3-442-45253-8. 413 Seiten.
  • München: Goldmann, 2004. Übersetzt von Cornelia C. Walter. ISBN: 3-442-05516-4. 413 Seiten.

'Die Treppe zum Meer' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Inspektor Jurys neuster Fall führt an die idyllische Küste von Cornwall. Sein adliger Freund Melrose Plant hat ihn zu Hilfe gerufen, nachdem ihm mancherlei Ungereimtheiten über zwei ertrunkene Kinder und eine verschwundene Frau zu Ohren gekommen sind. Und bald hat Inspektor Jury auch eine zündende Idee …

Das meint Krimi-Couch.de: »Drei Fälle für Melrose Plant« 67°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Melrose Plant, seines Zeichens ehemaliger Lord Ardry, langweilt sich wohl in seinem pittoresken Heimatdörfchen Long Piddleton und möchte in Cornwall vom Nichtstun ausspannen. Er will sich in Bletchley ein Haus mieten. Leider konnte er die Fahrt nicht vor seiner Tante Agatha geheimhalten, so dass sie ihm gefolgt ist. Für den Fortgang der eigentlichen Geschichte hat dieses Detail zwar keine Bedeutung, gibt ihr aber eine gewisse Würze. Das Haus auf den Klippen übt eine große Anziehungskraft auf ihn aus, da es scheint, dass es gerade erst von seinen Besitzern verlassen wurde. Beispielsweise liegen im Klavierzimmer die gerade komponierten Noten noch offen auf dem Klavier, überall zeugen Bilder von der ehemals glücklichen Familie. Er erfährt, dass vor vier Jahren die Kinder der Bletchleys am Fuße der Klippen ertrunken sind. Damals ermittelte Divisional Commander Macalvie, der bereits bei früheren Fällen mit von der Partie war, und er konnte den Fall leider nicht aufklären.

In einem »Tea-Room« lernt Melrose den jungen Johnny Wells kennen, der dort nicht nur seiner Tante Chris hilft, sondern zugleich auch noch Zauberer, Taxi-Fahrer und Kellner im Pub »The Drowned Man« ist, in dem Melrose zunächst logiert, bis er sein neues Quartier beziehen kann. Allerdings ist es dieses Mal nicht dieses Pub, das der Geschichte im Original seinen Namen gegeben hat. Als Johnny nach Hause kommt und dort nur den noch warmen Backofen vorfindet, in dem die gerade gebackenen Baisers auskühlen, sieht es zunächst so aus, dass seine Tante nur kurz weggegangen ist. Was ihr jedoch gar nicht ähnlich sieht ist, da sie anscheinend keine Nachricht hinterlassen hat. Johnny ist beunruhigt und vertraut sich Melrose an. Dieser läßt seine Beziehungen zur Polizei spielen und will Brian Macalvie um Hilfe bitten. Unglücklicherweise wurde der gerade zu einem Fall gerufen. Unweit von Bletchley wurde die Leiche einer Frau am Strand gefunden.

Nach kurzer Zeit wird die Tote von Brenda Friel, der Partnerin von Chris im »Tea Room«, identifiziert. Es handelt sich um Sada Colthorp, die vor einigen Jahren bei Chris und Brenda ausgeholfen hat, wobei es damals laut Brenda zwischen Chris und der Toten Differenzen gab. Das ganze Dorf atmet auf, dass wieder die Chance besteht, dass Chris noch am Leben ist.

Melrose hat nun gleich drei Fälle, die seine Neugier hervorgerufen haben. Was hat es mit dem Tod der Kinder auf sich? Warum ist Chris verschwunden und wer tötete Sada Colthorp? Er macht sich auf den Weg und interviewt einige Leute und dabei darf ihn der Leser begleiten.

Der Hauptdarsteller der Reihe taucht dieses Mal erst auf Seite 284 auf. Inspektor Jury steht einfach nachts vor der Tür von Melrose, ist aber wunderbarerweise schon voll über den Fall informiert und trägt einen nicht geringen Teil zur Aufklärung bei. Wo kämen wir denn auch hin, wenn die Polizisten nun durch Laiendetektive arbeitslos würden.

Die Nebendarsteller des Buches sind wie so oft bei Martha Grimes zahlreich vertreten. Nicht nur Tante Agatha hat ihren Auftritt und möchte nun Maklerin werden, auch Vivian will eine Veränderung in ihrem Leben vornehmen: Sie kündigt an, nach vielen Jahren nun endlich ihren italienischen Grafen zu heiraten. Er taucht dieses Mal sogar leibhaftig in Long Piddleton auf, wo er doch bisher nur im fernen Italien im Hintergrund blieb. Aber die Bewohner des Dorfes geben auch dieses Mal nicht auf und geben sich die größte Mühe, die Hochzeit zu verhindern. Auch der hypochondrische Sergeant Wiggins darf nicht fehlen. Er meistert die Verhöre mal wieder mit Bravour, notiert sich jedes kleinste Detail in seinem Notizbuch und gibt letztendlich den entscheidenden Hinweis.

Der schwule Antiquitätenhändler Marshall Trueblood und Diane Demorney machen sich auf den Weg, um Melrose in seinem Urlaubsdomizil zu besuchen. Diane hat mal wieder eigens auf alle ihr bekannten Leute aus ihrem Freundeskreis ein Horoskop zugeschnitten. So vereinen sich viele der liebgewonnenen Personen aus den früheren Romanen, was für mich die Serie so liebenswert macht.

Der Schauplatz liegt dieses Mal im malerischen Cornwall. Betrachtet man einmal die Orte, in denen Martha Grimes ihre Romane angesiedelt hat, so hat man schon ganz England mit ihr bereist. Das Beständige: Natürlich treffen sich die Ermittler oft zu einer Besprechung im »Lamorna Wink«, dem Pub, das der Geschichte seinen Namen gegeben hat.

Der ungeduldige Leser wartet sicher auf die Aufklärung des Falles, denn an Spannung mangelt es der Geschichte nicht. Aber ich schätze, einige werden eine straffe Handlung vermissen. Gerade das kann jedoch der Roman, wie die anderen aus der Reihe auch, nicht bieten. Dagegen lebt die Serie von den Nebensächlichkeiten, welche die Autorin einstreut. Sie zeichnet die Charaktere detailgetreu und gibt die Atmosphäre schlüssig wider. Da der Krimi flüssig zu lesen ist, kann man ihn schlecht aus der Hand legen. Und außerdem war ich mal wieder so neugierig, dass ich nachgeschaut habe, wer der Mörder ist. Das unerwartete Ende ist gelungen und deutet sich nicht bereits in der Mitte des Buches an, wie das sonst oft der Fall ist.

Die »Treppe zum Meer« profitiert von der Einbindung Melrose als Hauptperson. Er ist zwar bereits bekannt, es gilt jedoch, ihn noch zu ergründen. So erfährt man z.B., dass der Siebte Earl of Caverness gar nicht sein Vater ist, sondern daß er aus einer Beziehung seiner Mutter mit einem Liebhaber stammt. Außerdem verbringt er eine Nacht mit einer Frau, die man ebenfalls aus einem der früheren Romane kennt. Es sei ihm gegönnt.

Einen Stern Abzug gibt es dennoch: Das Ende ist nicht nur unerwartet, sondern die Handlung auf den entscheidenden Seiten ist auch ein bißchen konfus geschildert.

Für Fans der Serie ist dieses Buch ein Muss, für Liebhaber der englischen Inspektor-Krimis würde ich es empfehlen, man sollte jedoch eher chronologisch in die Serie einsteigen. Wer derartigen Krimis jedoch nichts abgewinnen kann, sollte dieses Buch lieber links liegen lassen, er wäre enttäuscht.

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UV zu »Martha Grimes: Die Treppe zum Meer« 03.10.2016
Mal ganz ohne Berücksichtigung der Qualität ist dieser Krimi schon allein deshalb bemerkenswert, weil hier als Requisit das Buch "Harry Potter und der Stein der Weisen" auftaucht, das angeblich von einem der Kinder gelesen wurde. Nur hat Mrs. Grimes offensichtlich nicht mal den Klappentext von Harry Potter gelesen. Hier ist es jedenfalls ein illustriertes Kinderbuch, in dem (aus dem Gedächtnis zitiert) "es sich um einen kleinen, dicken Jungen handelt, der im Alltag immer wieder in knifflige Situationen gerät". Zum Brüllen komisch. Hoffentlich recherchiert die Dame sonst nicht so schlampig. Dürfte eine, wenn nicht die früheste Erwähnung von "Harry Potter" in der Belletristik sein.
Ninotschka zu »Martha Grimes: Die Treppe zum Meer« 09.02.2014
@ratlos: Wer die Frau ist, wissen die Leser nicht. Die Frau wird nicht enthüllt, weil der ermittelnde Beamte den Verwandten der Kinder die Wahrheit ersparen möchte.Ich hoffe, das war wenig deutlich genug, um nicht denjenigen, die das Buch noch nicht gelesen haben, die Spannung zu rauben.Ich habe ein wenig gebraucht, um mich in die Inspector Jury Krimis einzulesen. Ich gestehe auch, dass mir einige Charaktere zutiefst zuwider sind (zB Carol-Ann Palutsky.) Aber ich mag die Bücher, die oft düstere Stimmung, den sympathischen Jury. Die Treppe zum Meer ist sicher eines der traurigsten (nach Inspector Jury sucht den Kennington Diamanten). Aber dennoch ist das Buch ein solider Krimi, mit sympathischen Akteuren. Durchaus empfehlenswert. Allerdings sollte man die Jury-Krimis (so wie die wexford-Reihe) unbedingt chronologisch lesen.
ratlos zu »Martha Grimes: Die Treppe zum Meer« 09.09.2013
Auflösung ???
Was habe ich überlesen?

Auf den letzten Seiten wird geschidert wie ein weiblicher Teenager die armen Kinder zum Meer lockt. Aber wer ist dies und warum wird nicht weoiter verfolgt?

Wer ist der Teenager mit dem ominösen Armband der die armen Kinder zum Meer führt?

Danke für Hinweise !!

Ich bin schwer enttäuscht, weil ich nicht weiss, warum der Teenager nicht von MacAlvie verfolgt wird
Astrid Dittrich-Heering zu »Martha Grimes: Die Treppe zum Meer« 01.02.2012
Es ist das so typisch britische, was mir an Figuren und Umfeld so gut gefällt. Über die Jahre habe ich mir immer wieder mal ein Inspector Jury Buch gekauft und gleich "verschlungen". Die Charaktere, die immer wieder neben Jury auftauchen, seine melancholisch liebenswerte Art und nicht zuletzt der Schreibstil von MG haben seinen Reiz, immer wieder ein Buch dieser Reihe zu lesen. In letzter Zeit ist es mir besonders stark aufgefallen und ganz besonders bei der Treppe zum Meer: Warum sind in ihren Büchern im KINDER die Opfer? Ich war bei diesem Buch schwer geschockt - und werde wohl vorerst keine Jury Bücher lesen - zuviele tote Kinder...
ergo zu »Martha Grimes: Die Treppe zum Meer« 22.02.2010
Ich habe dieses Buch sehr schnell liebgewonnen, es mag etwas damit zu tun haben, dass das Wetter an dem Tag, an dem ich es gelesen habe, sich perfekt der Stimmung, die die Geschichte bewirkt, anpasste (neblig, dunkel, regnerisch).

Außerdem mochte ich Melrose Plant schon immer liebes als Jury, denn seine Figur ist weniger abgenutzt und versprüht immernoch Charme, während mir Jury selbst mit seiner ewig gleichen Art etwas auf den Geist geht.

Alles in allem einer ihrer besseren Romane.
Julia zu »Martha Grimes: Die Treppe zum Meer« 20.11.2009
Mir hat des Buch sehr gut gefallen, auch wenn der Tod der Kinder wirklich schrecklich ist. Auch von den Auflösung war ich ein wenig enttäuscht. Aber ansonsten ist die Geschichte sehr gut. Bei MG steht nun mal das Verbrechen selten allein im Mittelpunkt. Das Buch lebt hauptsächlich von den Personen, erstenst natürlich Melrose, meine Lieblingsperson in den MG-Krimis, das Agatha (in Höchstform), aber auch Johhny Wells und der alte Mr Bletchley sind sehr gelungen. Außerdem sind Trueblood und Diane, ihre Intrige gegen Vivians Hochtzeit und "Graf Dracula" einfach köstlich! Das Jury selbst nur so wenig vorkommt stört mich weniger, allenfalls Sergeant Wiggins und sein manigfachen Wehwechen habe ich vermisst.
Auch wenn die frühen MG-Krimis im Großen und Ganzen orgineller sind, gibt es auch an den späteren viele Vorzüge, z.B. verschwinden nicht liebevoll ausgemalte Charaktere (z.B. Jenny Kennington) und neue, bessere kommen dazu (z.B. Bea Slocum).
Ich denke eigentlich auch nicht, dass man die Bücher umbedingt in der richtigen Reihenfolge lesen muss, meistens werden die alten Episoden, auf die angespielt wird, noch mal kurz erklärt.
Insgesamt ein sehr gutes Buch, das sich zu lesen lohnt.
B.S. zu »Martha Grimes: Die Treppe zum Meer« 21.12.2008
Seit langer Zeit habe ich mich mal wieder an ein Buch von MG gewagt, eben "die Treppe zum Meer". Es hat mir gut gefallen, war doch etwas von dem alten Humor, der Cleverness und dem englischen Flair der früheren Bücher zu spüren.

Nun habe ich mir geschworen, das war das letzte Buch von MG, alles was danach kommt ist nicht mehr lesenswert
.
Marion zu »Martha Grimes: Die Treppe zum Meer« 10.11.2006
Melrose Plant steht hier im mittelpunkt. obwohl ich die figur des Richard Jury anfangs sehr gerne mochte, wurde er doch mit der zeit immer melancholischer und trauriger. Während - meiner meinung nach - Melrose taufrisch wie gehabt einherwandelt.

Ich finde MG hinkt schon einige zeit ihrer anfangsform hinterher - zumind was die jury/plant-serie betrifft - ihre anderen bücher haben mir von haus aus nicht gefallen. dazu muss ich auch sagen, dass die bücher um jury/plant eigentlich für mich keine krimis sind. diese serie lebt einfach von den personen und ihren geschichten.

Der grosse pluspunkt dieses buches ist für mich, dass MG melrose in den vordergrund stellt. Jury hätte auch gar nicht aufzutreten brauchen - es hätte mich nicht gestört. Die lösung ist ein bisschen sehr konfus und konstruiert, aber noch im akzeptablen bereich. Die beschreibung über den tod der kinder fand ich jetzt nicht ganz so furchtbar - für mich jedenfalls kein grund, MG nicht mehr zu lesen. Grund ist für mich MG nicht mehr zu kaufen. WÄRE im grunde der offensichtliche qualitätsverlust - allerdings muss ich zugeben: ich lese ihre bücher um plant/jury noch immer, weil ich die charaktere einfach liebenswert finde ...
bvc2002 zu »Martha Grimes: Die Treppe zum Meer« 06.11.2006
Mir geht's genauso wie Jenny: Seit ich die Passage ueber den Tod der beiden Kinder gelesen habe, nehme ich keinen Jury Roman mehr in die Hand. Bis dahin war ich aber grosser Jury-Fan und habe jedes neue Buch sofort verschlungen.

Als ich neulich mal wieder eins der ersten Krimis las, merkte ich, wie viel ich doch vergessen hatte. Ploetzlich ging's mir fast wie einem Neueinsteiger, der keine Ahnung von all den handelnden Personen und deren Vorgeschichte hat. Eigentlich muesste der Klappentext darauf hinweisen, dass die Buecher in der Reihenfolge des Erscheinens gelesen werden muessen.
Andrea Borchert zu »Martha Grimes: Die Treppe zum Meer« 28.05.2006
Endlich wird auch über Melrose näheres geschrieben. Ich finde ihn und seine Clique in Long Piddelton äußert amüsant. Ohne sie wäre Inspektor Jury etwas fade.
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