Die Lügen der Anderen von Mark Billingham

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel Rush of Blood, deutsche Ausgabe erstmals 2014 bei Atrium.

  • London: Little, Brown, 2012 unter dem Titel Rush of Blood. 416 Seiten.
  • Zürich: Atrium, 2014. Übersetzt von Peter Torberg. 416 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: GoyaLiT, 2014. Gesprochen von Stefan Kaminski. 4 CDs.

'Die Lügen der Anderen' ist erschienen als HörbuchE-Book

In Kürze:

In einem Hotel in Florida treffen zufällig drei Pärchen aus England aufeinander. Sie freunden sich an und verbringen die Tage gemeinsam unter der glühenden Sonne mit Drinks am Pool. Es scheint der perfekte Urlaub zu sein. Doch in der letzten Nacht vor der gemeinsamen Abreise verschwindet ein Mädchen aus dem Hotel, das später tot in den Sümpfen gefunden wird. Zurück in England bleiben die drei Paare in Kontakt. Um ihre frisch geknüpfte Freundschaft zu vertiefen und das Erlebte zu verarbeiten, laden sie sich reihum nach Hause zum Abendessen ein. So kommt es zu drei Begegnungen, bei denen die Paare am Esstisch über ihr Leben sprechen. Je mehr sie dabei voneinander erfahren, desto fremder und unheimlicher werden sie sich. Die abendlichen Treffen sind zunehmend geprägt von Merkwürdigkeiten, Misstrauen und dem beklemmenden Verdacht, dass hinter der Fassade des jeweils anderen nichts ist, wie es scheint; ein Verdacht, der sich schließlich auf schreckliche Weise bestätigt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Psychologisches Kammerspiel in drei Akten« 83°

Krimi-Rezension von Silke Wronkowski

Wenn einer eine Reise tut …

In einem Ferienparadies in Sarasota, Florida, lernen sich durch Zufall drei britische Paare kennen, die im fernen England allesamt in und um London leben. Man freundet sich an und verbringt die meiste Zeit vor Ort gemeinsam. Zurück in England treffen sich die Paare reihum zum Dinner. Den Schein wahrend, dass sie mehr verbindet als das gemeinsame Reiseziel ihres letzten Urlaubs, versuchen sie eine Freundschaft aufzubauen, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein können.

Locked-Room über zwei Kontinente

Das zusammenschweißende Erlebnis ist das Verschwinden eines Teenagers während ihres Aufenthaltes in Florida, die Gespräche und Gedanken kreisen immer wieder um das lernbehinderte Mädchen und ihre arme Mutter. Als die örtliche Polizei die Urlauber für weitere Befragungen aufsucht und zudem ein Mädchen in England vermisst wird, weiß auch der letzte Leser, dass einer der sechs Personen etwas mit dem Fall zu tun haben muss.

Mark Billingham springt in seiner Geschichte fröhlich durch Zeiten und Perspektiven. Den Haupterzählstrang bilden die drei Dinnerpartys, die reihum bei den Paaren stattfinden. Die Zwischenräume werden garniert mit Rückblenden in den Urlaub, Passagen in denen nur eine der sechs Personen gezeigt wird und natürlich der Gedankenwelt des Täters. Und das dieser lange Zeit vor dem Leser verborgen bleibt, versteht sich von selbst.

Der schöne Schein

Geschickt säht Billingham dabei Zweifel und Argwohn. Jeder seiner Protagonisten ist nur vordergründig sympathisch, jeder hat etwas zu verheimlichen und das noch nicht mal nur vor den sogenannten Freunden, sondern auch vor dem eigenen Partner. Fast könnte man meinen, man läse einen Doris Dörrie Film, an dessen Ende keiner mehr in sein altes Leben zurückkehren mag. Was als perfekte Partnerschaft anmutete, ist letztendlich nur eine Zweckgemeinschaft, die harmonische Patchwork-Familie die reinste Farce und die Sache mit dem Sex funktioniert ohnehin nur noch, wenn einer von beiden einen Fremden mimt.

Leise und anmutig schraubt sich Billingham dem Ende seines Romans entgegen. Dabei beäugt man als mit-rätselnder Leser alles mit gesundem Argwohn und traut am Ende nahezu jedem die Tat zu. Fast wehmütig schließt man das Buch, gibt Billingham doch ausnahmslos all seinen Figuren ausreichend Raum und Potential mit auf den Weg, um für weitere Verbrechen schuldig gesprochen zu werden.

Wenn actionarm und blutleer gleichzeitig ein solch lesenswerter Kriminalroman sein kann, bleibt nur eine Bitte offen: Mehr davon!

Silke Wronkowski, September 2014

Ihre Meinung zu »Mark Billingham: Die Lügen der Anderen«

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Carlo Fascher zu »Mark Billingham: Die Lügen der Anderen« 06.12.2016
Habe mit diesem Roman Mark Billingham entdeckt. Erste Sahne, muss ich sagen. Schlägt in Punkto Spannung fast alles, was einem sonst als großartig verkauft wird. Ganz hervorragend ist die Leistung des Übersetzers (Peter Torberg), dem es gelungen ist, Wortwitz und Idiome des Originals perfekt ins Deutsche rüberzutransportieren. Wirklich Klasse! - Das Buch strotzt neben der "normalen" Krimigeschichte vor witziger Sozialdarstellung von normal, piefigen Bürgern. Auch die Cops sind perfekt und ungewöhnlich geschildert. Bin jetzt auf der Suche nach mehr Kost von Billingham...
Sus90 zu »Mark Billingham: Die Lügen der Anderen« 24.05.2016
Ein super Buch. Hat mich wirklich gefesselt. Der Aufbau der Geschichte gefällt mir super und auch wie jedes Paar seinen Part bekommt im Buch.
Gut verständlich und äußerst spannend bis zum Schluss. Mal was anderes wie die typischen Thriller.
Mir hats gut gefallen. Ich habe den Buch eine Bewertung von 85 gegeben.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
AgathaC zu »Mark Billingham: Die Lügen der Anderen« 04.01.2016
Ich habe das Buch sehr spannend gefunden. Man weiß bis zur letzten Seite nicht, wer der Killer ist.
Der Aufbau des Buches ist genial. Die Paare vereinbaren, sich jeweils bei einem zum gemeinsamen Abendessen zu treffen. Im Zuge dieser Treffen erfährt man mehr und mehr über die 3 Paare und sie werden immer unsympathischer. Beim letzten Abendessen kommt es dann zum großen Show down.
dani.p zu »Mark Billingham: Die Lügen der Anderen« 18.05.2015
Ja zweifelsohne ein ungewöhnlicher Krimi. Ich bin und her gerissen und hätte mir mehr psychologische und vor allem aber spannendere Handlungsstränge gewünscht. Es war interessant, mehr aber auch nicht. Wenn man es nicht gelesen hat, hat man aber auch nichts verpasst. Dieses Buch kommt in die Troedelkiste.
oldman zu »Mark Billingham: Die Lügen der Anderen« 20.01.2015
Ein wirklich ungewöhnlicher - ja, kann man eigentlich Krimi sagen - oder ist das doch mehr ein Psychogramm dreier englischer Mittelklassepaare. Eigentlich mag ich handfestere Krimikost lieber, endlose Psychologisierungen langweilen mich eher. Doch hier ist die Mischung wirklich gelungen, weil sich der Leser bis kurz vor Schluß fragt, wer denn nun der Täter ist. Dabei ist dem Autor der Spannungsaufbau gut gelungen, man ahnt zwar, mit wem man es als Täter zu tun hat, dennoch ist die Auflösung interessant und so nicht vorhersehbar.
80% sind für diese Buch durchaus angemessen.
Baerbel82 zu »Mark Billingham: Die Lügen der Anderen« 16.11.2014
Lügen und Intrigen

Um es gleich vorwegzunehmen, ich bin ein großer Fan der Tom Thorne-Krimis von Mark Billingham. Die Leseprobe zu „Die Lügen der Anderen“ hat mich diesmal auf einen psychologisch raffinierteren Thriller hoffen lassen und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Worum geht es?
Im Pelican Palms Resort in Sarasota treffen zufällig drei Paare aus England aufeinander: Angie und Barry, Sue und Ed, Marina und Dave. Sie freunden sich an und verbringen die Tage gemeinsam am Pool unter der Sonne Floridas. Es scheint der perfekte Urlaub zu sein.
Als eine alleinstehende Amerikanerin mit ihrer geistig behinderten Tochter in dieser kleinen Gruppe auftaucht, ändert sich schlagartig alles. Denn am letzten Tag vor der gemeinsamen Abreise verschwindet das 13-jährige Mädchen aus der Anlage…
Detective Jeffrey Gardner ermittelt mit viel Empathie. Amber-Maries Mutter, Patti Lee Wilson, ist völlig verzweifelt und weigert sich, nach Hause nach Atlanta zurückzukehren. Sie verbringt jeden Tag am Pool, wo sie ihre Tochter zuletzt gesehen hatte.
Ein paar Wochen nach ihrer Rückkehr nach England, lädt Angie die Anderen zu einem gemeinsamen Dinner ein, um Urlaubserinnerungen aufzufrischen. Währenddessen wird in den Sümpfen von Florida die Leiche der vermissten Amber-Marie gefunden.
Die USA bitten England um Amtshilfe: Die junge, ehrgeizige Jenny soll die drei Paare befragen. Kurz darauf wird ein weiteres Mädchen entführt. Diesmal in der Grafschaft Kent, nicht weit von London. Die Ähnlichkeiten zum Wilson-Fall sind nicht zu übersehen.
Jenny fasst das Ergebnis ihrer Untersuchungen sehr treffend zusammen: Barry neigt dazu auszurasten, Ed ist ein Widerling und Dave einfach nur unheimlich. Alles drei haben kein lückenloses Alibi. Doch wer von ihnen ist der Täter?
Schnell wird klar, dass jeder die Menschen in seinem Umfeld belogen hat: die Polizei in Florida, Freunde, Partner und - sich selbst. Mit fatalen Folgen. Denn das dritte Dinner endet in einer Katastrophe und so spielen die Lügen der Anderen, dem Mörder auch noch in die Hände...
Anfangs war ich etwas skeptisch, ob sich der Roman wohl als „schwere Kost“ entpuppen würde, aber der Erzählstil ist leicht lesbar und zu meiner Überraschung habe ich „Die Lügen der Anderen“ Seite für Seite genossen und zunehmend verschlungen.
Mark Billingham lässt uns teilhaben am Leben der drei Paare, die alle ihre Probleme und vor allem ihre Geheimnisse haben. Obwohl noch nicht viel passiert ist, spürt der Leser schon auf den ersten Seiten die schwelenden Konflikte dieser inhomogenen Gruppe.
Die Handlung findet auf zwei Zeitebenen statt: In der Gegenwart in London und durch Rückblenden in die Vergangenheit in Florida. Ab und zu werden auch Kapitel in der Ich-Perspektive erzählt, aus Sicht des Täters. Der Autor geht dabei so brillant vor, dass der Leser starke Vorbehalte gegen fast jeden hat und nicht weiß, wem man noch vertrauen kann.
„Die Lügen der Anderen“ ist handwerklich und auch in der Story außerordentlich gut gelungen. Die Kunst Mark Billinghams besteht darin, sich in die Psyche aller seiner Figuren hineinzuversetzen und die Beweggründe ihres Handelns nachvollziehbar zu machen.

Fazit: Genialer Plot mit meisterhaft aufgebauter Spannung und einem unerwarteten, überraschenden Ende. Nichts ist wie es scheint, keiner so unschuldig, wie er tut. Dieser Psychothriller ist ein wirklicher Lesegenuss!
manni zu »Mark Billingham: Die Lügen der Anderen« 23.09.2014
Schnörkelloser, kleiner, zynischer Krimi. Für ein verregnetes Wochenende reicht es so gerade, wirklich etwas haften bleibt da allerdings nicht. In Deutschland schreibt Frau Hammesfahr so ähnlich, aber raffinierter. Das dieser Krimi nicht richtig zu fesseln mag, liegt wohl an der Distanz des Autors zu den Figuren, da wäre mehr Dramatik drin gewesen. Thema irgendwie verfehlt/verpufft, leider nur 65°
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