Der Manipulator von Mark Billingham

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel The Bones Beneath, deutsche Ausgabe erstmals 2015 bei Heyne.
Folge 12 der Tom-Thorne-Serie.

  • London: Little, Brown, 2014 unter dem Titel The Bones Beneath. 464 Seiten.
  • München: Heyne, 2015. Übersetzt von Irene Eisenhut. ISBN: 978-3-453-43832-3. 464 Seiten.

'Der Manipulator' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Er gilt als einer der gefährlichsten Serienkiller Englands. Niemand weiß, wie viele Menschen er tatsächlich umgebracht hat; niemand weiß, wo die Knochen seiner Opfer vergraben sind. Seit einigen Jahren sitzt Stuart Nicklin in einem Hochsicherheitsgefängnis. Bis er der Polizei einen Deal anbietet: Er führt sie an die Stätte seiner Untaten – unter einer Bedingung: Detective Inspector Tom Thorne, der ihn einst zu Fall brachte, muss das Unternehmen leiten. Thorne weiß, dass er zu einem Himmelfahrtskommando antritt, denn Nicklin ist ein Meister der psychologischen Manipulation. Auf einer einsamen walisischen Insel merken Thorne und sein Team schon bald, dass der Killer ein perfides Netzt spinnt, dem keiner entkommen kann …

Das meint Krimi-Couch.de: »Psychoduell auf heiligem Boden« 60°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Stuart Nicklin ist ein perfider Serienkiller. Er hat zahlreiche Menschen getötet – Polizei und Staatsanwaltschaft wissen nicht genau, wie viele Opfer es tatsächlich waren. Der psychopathische Nicklin ist bereits seit zehn Jahren inhaftiert, und nun soll er die Polizei zu einer bislang unentdeckten Leiche führen. Auf einer schwer zugänglichen Insel – lokale Mythen berichten von einem heiligen Ort – war Nicklin einst Bewohner eines speziellen Erziehungsheims für jugendliche Kriminelle. Nun behauptet er plötzlich, bei seiner damaligen Flucht einen Mitinsassen getötet zu haben.

Die Polizei möchte die Leiche gerne bergen, damit die Angehörigen ihren Sohn beerdigen und sich würdig verabschieden können. Nicklins Bedingungen für sein Geständnis sind allerdings mehr als ungewöhnlich. Er fordert, dass Detective Tom Thorne ihn begleitet – dieser Polizist hat Nicklin vor über zehn Jahren verhaftet und somit für seine Verurteilung gesorgt. Und ein bestimmter Gefängnis-Kumpel soll auch dabei sein. Thorne weigert sich zunächst, weil er ahnt, auf was dieser Einsatz hinaus laufen könnte. Und kaum holt er mit seinen Kollegen Nicklin im Gefängnis ab, beginnt tatsächlich das enervierende Psycho-Duell zwischen Killer und Polizei.

Ein außergewöhnlicher Bösewicht steht im Fokus

Zwei Männer spielen die Hauptrolle bei diesem Psycho-Duell, das sich überwiegend auf der abgelegenen und schwer zugänglichen Insel entfaltet. Ein außergewöhnlicher Bösewicht steht im Fokus von Mark Billinghams neuem Buch Der Manipulator. Der Titel ist dabei Programm, denn Stuart Nicklin sagt oder tut nichts ohne eine bestimmte Absicht im Hinterkopf zu haben – er manipuliert Mitgefangene, Wärter und Polizisten. Jede seiner Äußerungen ist mit Bedacht gewählt.

Aus der Sicht von Inspektor Tom Thorne wird in dem durchaus lesenswerten Roman erzählt, wie sich die seltsame Gruppe aus Polizisten, verurteilten Verbrechern und Gefängniswärtern auf den Weg zur einsamen Insel vor der walisischen Küste macht. Von Beginn an wird Thorne von der Frage geplagt, was Stuart Nicklin vorhaben könnte. Der Inspektor kennt nur zu gut die manipulativen Fähigkeiten des Killers – aber dennoch bleiben ihm dessen wahre Absichten zunächst ein Rätsel.

Auf der Insel müssen sich die Polizisten der Erkenntnis stellen, dass sie in einer vollkommen rückständigen Welt gelandet sind. Kein Strom, kein Handynetz, die Fähre ist eher unzuverlässig. Es wird deutlich, dass die Polizisten offenbar auf Nicklin hereingefallen sind.

Schwerfällige Geschichte mit lahmen Psycho-Spielchen

Bis zur Ankunft auf der Insel ist die Geschichte allerdings überaus schwerfällig. Die Psycho-Spielchen sind eher lahm, jedenfalls für meinen Geschmack. Außerdem wird die Vorgeschichte recht mühevoll geschildert, es dauert also ziemlich lange, bis echte Spannung aufgebaut wird. Für ein psychologisch raffiniertes Kammerspiel ist mir der Plot etwas zu langatmig inszeniert. Um sich die Bezeichnung Thriller zu verdienen, müsste in dem Buch schon deutlich mehr Spannung aufgebaut werden.

Als Nicklin die Polizisten tatsächlich zum Grab des Jungen führt, den er vor einem Vierteljahrhundert getötet hat, scheint die Geschichte zu einem schnellen Ende zu kommen – aber jetzt dreht der Autor doch noch mal auf. Nicklin verändert mit weiteren Hinweisen die Spielregeln, und es wird doch noch turbulent.

Mark Billingham nutzt nun die speziellen Gegebenheiten auf der Insel, um die Atmosphäre für alle Beteiligten bedrohlicher zu gestalten. Das latente Gefühl einer drohenden Gefahr wird durch eingestreute Passagen verstärkt, in denen der Leser beispielsweise erfährt, wie Stuart Nicklin seine Mutter durch Briefe aus dem Gefängnis manipuliert hat.

Zusammenhänge werden im furiosen Finale verraten

Und es wird geschildert, wie ein Mann in seinem Haus überfallen, entführt und in einem Keller gefangen gehalten und brutal gefoltert wird. An sich ist es in Ordnung, mit solchen Rätseln mehr Spannung aufzubauen, aber auf mich hat das Ganze insgesamt dann doch eher wie sinnloses Stochern im Nebel gewirkt. Die Zusammenhänge werden dann im durchaus furiosen Finale verraten. Der »Abspann« ist dann wieder ziemlich merkwürdig, und der eher zwiespältige Gesamteindruck von dem Roman wird dadurch nicht verbessert.

Möglicherweise habe ich angesichts des Titels überzogene Erwartungen gehabt, aber das muss wohl jeder Leser für sich selbst heraus finden. Auf alle Fälle hätte man aus dem guten Plot deutlich mehr machen können.

Andreas Kurth, September 2015

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Carolus zu »Mark Billingham: Der Manipulator« 04.02.2017
Endlich mal wieder ein Super-Krimi der Extraklasse. Bin ich froh, Billingham entdeckt zu haben. Zuletzt habe ich mich durch die ewig ähnlichen Krimis von Harlan Coben gequält, die ich immer unerträglicher fand, je mehr ich mir davon angetan habe.
Bei Billingham mag ich den Humor, die Integration von Landschaft und die Schilderung der einzelnen Charaktere. So auch hier.
Ich habe Lust bekommen, mir diese Insel einmal anzusehen. Möglichst im November oder so... Hilfreich sind die Links im Anhang.
Ich habe nicht ganz verstanden, was die Musikliste (auch im Anhang) soll. Teilweise teile ich den Geschmack, ok. Trotzdem: was soll das? Will jemand, dass jemand den Roman verfilmt???
Die Story ist durchgehend spannend erzählt, und man hat Lust mehr über Thorne zu erfahren. Ok, fange gleich mit dem nächsten Buch an...
boadicea zu »Mark Billingham: Der Manipulator« 04.11.2015
Ich bin der gleichen Meinung wie Herr Kurth:
Bis zur Ankunft auf der Insel ist die Geschichte allerdings überaus schwerfällig. Die Psycho-Spielchen sind eher lahm, jedenfalls für meinen Geschmack. Außerdem wird die Vorgeschichte recht mühevoll geschildert, es dauert also ziemlich lange, bis echte Spannung aufgebaut wird. Für ein psychologisch raffiniertes Kammerspiel ist mir der Plot etwas zu langatmig inszeniert. Um sich die Bezeichnung Thriller zu verdienen, müsste in dem Buch schon deutlich mehr Spannung aufgebaut werden.
Edith Sprunck zu »Mark Billingham: Der Manipulator« 20.07.2015
In diesem Thriller trottet man ca. 300 Seiten lang durch das Gestrüpp polizeilicher Arbeit, wobei sich Krimikennern nichts wirklich Neues offenbart. "Geleitet" wird diese Polizeiarbeit von einem inhaftierten Killer, der die Strukturen und menschlichen Seiten der Polizei gut kennt und dazu nutzt, sie als "Marionetten" in seinem "Spiel" zu bewegen. In kurzen Kapiteln dazwischen wird hie und da die Situation eines bis fast zum Ende unbekannten Gekidnappten eingeblendet. Etwa im letzten Drittel des Buches wird die Atmosphäre bedrohlich dicht und düster. In jeder Ecke lauert Gefahr, ohne dass man sie greifen oder sich ihr entziehen kann, bis sie grausam explodiert.Besagter Killer ist der Manipulator, der dem Thriller seinen berechtigten Titel verleiht. Er ist ein gewissenloser Zyniker und Psychopath, der nicht nur seinen Gegenspieler, Tom Thorne, in Schach zu halten weiss. Thorne wird in anderer Weise zusätzlich durch seinen Chef manipuliert.
Die Darstellung der Charaktere ist nicht schlecht, kommt aber etwas müde daher. Die Spannung hält sich in Grenzen. Ich habe schon Besseres vom Autor gelesen.
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