Blutzeichen von
Buchvorstellung
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2004
unter dem Titel The Burning Girl,
deutsche Ausgabe erstmals 2005
bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / England / London, 1990 - 2009.
Folge 4 der Tom-Thorne-Serie.
- London: Little, Brown, 2004 unter dem Titel The Burning Girl. 384 Seiten.
-
München: Goldmann, 2005.
Übersetzt von Isabella Bruckmaier.
ISBN:
3-442-45913-3. 384 Seiten.
'Leseprobe' ist erschienen als
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ISBN 3-442-45913-3, 416 Seiten. Copyright © Verlagsgruppe Random House
Leseprobe
Aus dem Englischen von Isabella Bruckmaier
rolog
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Februar
Der Preis der Menschlichkeit
Später glaubte Carol Chamberlain tatsächlich, sie habe von Jessica Clarke geträumt, als sie diesen ersten Anruf erhielt. Dass es das Klingeln des Telefons war, das sie aus dem Schlaf gerissen hatte – fort von diesen Geräuschen und Gerüchen. Fort von diesen verschwommenen Bildern eines flüchtenden Mädchens, den Farben, die sich seinen Rücken hinaufschlängelten, explodierten und um seinen Nacken flogen gleich goldenen und kirschroten Tüchern.
Ob der Traum eingebildet war oder nicht, alles stand ihr wieder lebhaft vor Augen, als sie wieder aufgelegt hatte. Zitternd auf dem Bett saß; neben Jack, der sich nur kurz bewegt hatte, unempfänglich für die Welt, die hinter ihr lag.
Sie sah alles wieder vor sich.
Die Farben waren so hell und die Geräusche so klar und deutlich wie an jenem Morgen vor zwanzig Jahren. Daran bestand kein Zweifel. Obwohl Carol nichts davon mit eigenen Augen gesehen hatte, hatte sie mit jedem gesprochen, jedem Einzelnen, der dabei gewesen war. Nun glaubte sie, wenn sie die Ereignisse im Kopf durchging, es genau so vor sich zu sehen, wie es abgelaufen war ...
Die Geräusche – die Schritte des Mannes auf der Wiese, als er den Hang hinauflief, sein unmelodisches Summen – wurden übertönt vom Schulhoflärm. Unter dem schrillen Kreischen pulsierte dumpfes Geplapper, eine Woge von Stimmen, die über den Schulhof rollte und weiter den Hügel hinunter zur Straße.
Der Mann versuchte vergeblich, etwas davon zu verstehen, als er näher kam. Wahrscheinlich ging es dabei um Jungs und um Musik. Wer in war und wer out. Da war noch ein anderes Geräusch zu hören: Rasenmäherlärm von der anderen Seite der Schule, wo Gärtner arbeiteten. Sie trugen grüne Latzhosen, so wie er. Bei seinem fehlte nur das eingestickte Gemeindewappen.
Die Hände in den Taschen und die Kappe tief in die Stirn gezogen, lief er außen um den Schulhof bis zu der Stelle, wo das Mädchen und ihre Freundinnen zusammenstanden. Einige von ihnen lehnten sich entspannt wippend an den Metallzaun.
Der Mann zog die Heckenschere aus dem Gürtel und ging, nur eine Handbreit von den Mädchen entfernt, auf der anderen Seite des Zauns in die Hocke. Mit einer Hand begann er das Unkraut um einen der Betonzaunpfosten wegzuschnippeln, mit der anderen zog er den Brennspiritus aus der Tasche.
Der Geruch bereitete ihm am meisten Kopfzerbrechen. Er hatte sich vergewissert, dass die Dose randvoll war. Nicht das geringste Zischen oder Gurgeln war zu hören, als er auf den Knopf drückte und die Flüssigkeit aus der Plastikdüse durch die Lücke im Zaun spritzte. Er befürchtete, ein Hauch davon könne, während die Flüssigkeit in den blauen Stoff des knielangen Rocks eindrang, nach oben entschweben und die Kleine oder eine ihrer Freundinnen warnen.
Seine Sorge war unnötig. Als er schließlich die Dose neben sich ins Gras legte und nach dem Feuerzeug griff, hatte er mindestens die Hälfte aufgebraucht, und die Mädchen waren noch immer am Schnattern, ohne etwas zu bemerken. Es überraschte ihn, dass der Rock des Mädchens fünfzehn Sekunden lang unbemerkt vor sich hin schwelte, bevor er endlich Feuer fing. Es überraschte ihn auch, dass nicht das Mädchen selbst als Erste schrie ...
Jessica hörte nur mit einem Ohr zu, als Ali von der Party erzählte und Manda sich über den letzten Knatsch mit ihrem Freund ausließ. Sie dachte noch immer an den blöden Streit mit ihrer Mum, der sich über das ganze Wochenende gezogen hatte, und an Daddys Standpauke, die er ihr heute früh hielt, bevor er sich auf den Weg zur Arbeit machte. Als Ali eine Grimasse schnitt und die anderen lachten, stimmte Jessica mit ein, ohne den Witz genau verstanden zu haben.
Anfangs fühlte es sich an, als zerre etwas leicht an ihr, dann kitzelte es. Sie beugte sich vor, um ihren Rock hinten gerade zu ziehen. Da sah sie diesen Ausdruck auf Mandas Gesicht, sah, wie ihr Mund sich öffnete. Doch den Ton, der aus diesem Mund kam, hörte Jessica nicht mehr. Die Schmerzen an ihren Schenkeln waren bereits höllisch, und sie taumelte weg vom Zaun und begann zu laufen ...
Das lag lange zurück, doch Carol Chamberlain vergegenwärtigte sich die Panik und den Schmerz – schockiert wie stets, wenn sich das Unerträgliche vor ihrem geistigen Auge entfaltete.
Schrecklich schnell. Entsetzlich langsam ...
Eine Stunde vor Tagesanbruch, im Schlafzimmer war es dunkel, aber hinter ihren Augen blitzte etwas Unnatürliches auf. Im Nachhinein, mit dem Wissen, war sie überall, konnte sie alles sehen und hören.
Sie sah, wie den Mädchen die Kinnlade nach unten fiel, als wären sie alte Frauen, wie ihre Augen groß und glasig wurden, als ihre Füße sie weit wegtrugen von den Flammen. Von ihrer Freundin.
Sie sah Jessica, mit den Armen wild um sich schlagend, einen Zickzack-Kurs über den Schulhof beschreibend. Sie hörte die Schreie, hörte die Absätze auf dem Asphalt aufschlagen, das Zischen, als die Haare Feuer fingen. Sie sah, wie dieses Kind – und es war ihr bewusst, es war ein Kind – wie ein Feuerwerkskörper über den Teer schoss. Langsamer wurde, Funken sprühte ...
Und sie sah das Gesicht eines Mannes, Rookers Gesicht, wie er sich umwandte und den Hang hinunterlief. Wie seine Beine sich immer schneller bewegten. Wie er beinahe stürzte, als er den Hügel hinunter zu seinem Auto rannte.
Carol Chamberlain wandte sich um und starrte das Telefon an. Sie dachte an den anonymen Telefonanruf vor zwanzig Minuten. Die einfache Mitteilung eines Mannes, der unmöglich Gordon Rooker sein konnte.
»Ich habe sie angezündet ...«
1
Der Zug stand irgendwo zwischen Golders Green und Hampstead, als die Frau in den Wagen kam.
Kurz nach sieben, Montagabend. Die Fahrgäste die typische Mischung Londoner, die abends nach Hause fahren oder ins West End, um sich einen schönen Abend zu machen. Anzüge und Evening Standards oder eselsohrige Thriller. Die ganze Bandbreite menschlichen Lebens, von nachgemachten Fußballtrikots über Secondhandchic und Freizeitmode von Ciro Citterio. Köpfe, die gegen die Fenster schlugen und im Schlaf schwankten. Oder im Rhythmus zu Coldplay oder Craig David oder DJ Shadow nickten.
Grundlos, und wohl nur, weil er auf der Northern Line fuhr, ruckte der Zug unvermittelt vorwärts, um ein paar Sekunden später wieder zum Stehen zu kommen. Die Fahrgäste betrachteten die Füße ihres Gegenübers oder lasen die Anzeigen über deren Köpfen. Abgesehen von den dünnen, blechernen Bässen, die aus den Kopfhörern drangen, war nichts zu hören, was den Stillstand noch stärker betonte.
Am Ende des Waggons saßen zwei schwarze Jungen nebeneinander. Der eine sah aus wie fünfzehn oder sechzehn, war aber wahrscheinlich jünger. Er trug eine rote Bandana, einen übergroßen American-Football-Sweater, Baggy-Jeans und eine Unmenge Ringe und Halsbänder. Neben ihm saß ein um einiges jüngeres Kerlchen, vielleicht sein jüngerer Bruder, nicht viel anders gekleidet.
Der Mann ihnen gegenüber fand die Klamotten, den Schmuck, den ganzen Auftritt lächerlich. Ein Kind, das mit seinen sündteuren Turnschuhen noch nicht mal den Boden berührte. Der Mann war untersetzt, Anfang vierzig und trug eine abgewetzte braune Lederjacke. Er wich dem Blick des älteren Jungen aus, als dieser ihn dabei ertappte, wie er die beiden musterte. Dabei fuhr er sich mit der Hand durch die Haare, die auf einer Seite grauer waren als auf der anderen. Für Tom Thorne hatte es ganz den Anschein, als hätten die beiden Jungen ihr gesamtes Geld in einem Laden namens »Der kleine Gangsta« auf den Kopf gehauen.
Binnen ein, zwei Sekunden, nachdem die Frau durch die Tür gekommen war, veränderte sich die Atmosphäre im Wagen. Von gelockerter Krawatte zu vollkommen hochgeschlossen. Englisch, extrem englisch ...
Thorne sah sie gerade lange genug an, um das Kopftuch und die dichten, dunklen Augenbrauen zu registrieren und das Baby, das sie im Arm trug. Dann sah er weg. Nicht dass er sich hinter einer Zeitung versteckte wie so viele im Wagen. Allerdings musste er sich beschämt eingestehen, dass das nur daran lag, dass er keine bei sich hatte.
Thorne starrte auf seine Schuhe, konnte aber nicht umhin, die Hand zu bemerken, die ihm entgegengestreckt wurde, als die Frau vor ihm stand. Er sah die Styroportasse, deren Rand angepickt war, vielleicht war er auch angeknabbert. Die Frau sprach leise auf ihn ein, in einer Sprache, die er nicht verstand und die er nicht zu verstehen brauchte.
Sie schüttelte die Tasse vor seinem Gesicht, und Thorne hörte nichts scheppern.
Es gehörte zur Routine: Tasse ausstrecken, Frage stellen, ignoriert werden und weiter zum Nächsten. Thorne sah ihr nach, wie sie durch den Wagen ging. Angesichts der geraden Linie ihres Rückens unter der dunklen Strickjacke, ihres ruhigen Arms, in dem sie ihr Baby hielt, spürte er ein Unwohlsein im Bauch. Er wandte sich ab, als das Unwohlsein sich in tiefes Mitgefühl für sie verwandelte, und für sich.
Er wandte sich wieder um und sah, wie sich der ältere Junge zu seinem Bruder beugte. An seinen Zähnen sog, bevor er sprach. Wie ein Kätzchen im Sack fauchte.
»Ich hasse diese Leute ...«
Zwanzig Minuten später, als er die U-Bahn-Station Richtung Kentish Town Road verließ, war Thorne noch immer deprimiert, und er fühlte sich nicht wesentlich besser, als er die Tür zu seiner Wohnung hinter sich zustieß. Doch seine Stimmung verharrte nicht auf diesem Tiefpunkt.
Aus dem Wohnzimmer war über den Lärm vom Fernseher hinweg eine übertrieben beleidigte Stimme zu hören. »Hast du eigentlich eine Vorstellung, wie verdammt spät es ist?«
Thorne stellte seine Tasche ab, ging vier Schritte in der Diele und sah Phil Hendricks ausgestreckt auf dem Sofa liegen. Der Pathologe war größer, hagerer und mit seinen dreiunddreißig Jahren zehn Jahre jünger als Thorne. Er trug Schwarz, wie immer – Jeans und einen Pulli mit V-Ausschnitt -, sowie die übliche Sammlung von Ringen und Steckern an so gut wie allen verfügbaren Stellen im und ums Gesicht. Es gab noch weitere Piercings, über die Thorne aber so wenig wie möglich wissen wollte.
Hendricks drückte auf die Fernbedienung und schaltete den Fernseher aus. »Das Abendessen ist jetzt sicher ungenießbar.« Er sprach normalerweise so geziert wie ein englischer Diplomat, weshalb Thorne über die im Manchester-Genuschel vorgetragene Tuntenparodie umso mehr lachen musste.
»Klar doch«, erwiderte er. »Koch du erst mal ein Ei.«
»Na ja, aber es wäre jetzt ungenießbar.«
»Was gibt’s denn?«
Hendricks schwang die Beine auf den Boden und rieb sich den glatt rasierten Schädel. »Die Speisekarte liegt neben dem Telefon.« Er deutete auf ein Tischchen in der Ecke. »Für mich das Übliche. Und noch ein Pilz-Bhaji.«
Thorne streifte die Jacke ab und trug sie hinaus in die Diele. Er kam zurück, bückte sich, um die Heizung zurückzudrehen, und brachte eine schmutzige Tasse in die Küche. Anschließend hob er Hendricks Biker-Stiefel auf, die vor dem Sofa standen, und trug diese hinaus in die Diele.
Dann griff er nach dem Telefon und rief das Bengal Lancer an ...
Hendricks nahm seit Weihnachten Thornes Schlafcouch in Beschlag, weil der Schimmel in seiner Wohnung monströse Ausmaße angenommen hatte. Die Handwerker und Isoliermonteure waren von einer Woche ausgegangen, aber wie bei derlei Schätzungen üblich, scheiterte auch diese an der Wirklichkeit. Thorne verstand noch immer nicht genau, warum Hendricks nicht einfach bei seinem aktuellen Freund Brendan eingezogen war – aber wahrscheinlich wäre bei einer derartigen Achterbahnbeziehung selbst ein vorübergehendes Zusammenleben etwas riskant gewesen.
Mit Hendricks war es zwar etwas eng in Thornes kleiner Wohnung, aber er musste zugeben, dass er dessen Gesellschaft genoss. Sie diskutierten in aller Ausführlichkeit und offen die Vorzüge der Spurs und Arsenals, stritten sich über Thornes ausufernde Liebe zu Country oder kabbelten sich über Thornes unvermittelte und für ihn ganz uncharakteristische Leidenschaft für Ordnung.
Während sie auf das Curry warteten, legte Thorne ein Lucinda-Williams-Album auf. Nachdem er sich mit Hendricks eine Weile darüber gestritten hatte, redeten sie schließlich über andere Dinge ...
»Mickey Clayton starb an den Folgen eines Kopfschusses«, sagte Hendricks.
Thorne musterte ihn über den Rand seiner Bierdose hinweg und meinte: »Wohl kaum einer deiner kniffligeren Fälle. Der Großteil seines Kopfes war über die Wände verteilt, als wir ihn fanden.«
Hendricks schnitt eine Grimasse. »Morgen Nachmittag wirst du den ausführlichen Bericht auf deinem Schreibtisch liegen haben.«
»Danke, Phil.« Er zog ihn gern auf, aber abgesehen davon, dass er sein engster Freund war, war Hendricks der beste Pathologe, mit dem Thorne je zusammengearbeitet hatte. Entgegen seiner Erscheinung und trotz seines sarkastischen und häufig abseitigen Humors gab es niemanden, der die Toten besser verstand. Hendricks hörte zu, wenn sie ihre Geheimnisse preisgaben, übersetzte sie aus der geheimnisvollen Sprache des Leichenschauhauses.
»Hast du die Kugel gefunden?«, fragte Thorne. Der Mörder hatte eine Neun-Millimeter-Waffe benutzt. Was von der Munition übrig war, war neben den früheren Opfern gefunden worden oder in dem, was noch als ihr Schädel zu bezeichnen war ...
»Die Kugel wirst du nicht brauchen, um sagen zu können, ob’s derselbe Mörder ist.«
»Der X-Man?« Es war offensichtlich gewesen, als am vorherigen Morgen die Leiche entdeckt wurde. Das Nylonhemd war bis zum Nacken hochgeschoben, die Blutspuren rannen von zwei tiefen Schnitten nach unten, die diagonal von der linken Schulter zur rechten Hüfte und vice versa geführt waren.
»Was die Klinge betrifft, bin ich mir immer noch nicht sicher. Vielleicht ein Teppichschneider, könnte aber auch eine Machete sein oder etwas in der Richtung.«
Thorne nickte. Eine Machete war bei einer Reihe von Bandenschlägern die bevorzugte Waffe. »Yardies oder Yakuza, vielleicht ...«
»Wer immer ihn bezahlt, dem Kerl macht die Arbeit Spaß. Er erschießt sie ziemlich schnell danach, aber solange sie noch leben, nimmt er sich ziemlich viel Zeit für seine kreativen Schnitzereien.«
Er war für den Tod Mickey Claytons und dreier weiterer Männer in den sechs Wochen zuvor verantwortlich. Ein außergewöhnlicher Auftragsmörder. Noch nie zuvor war Thorne ein derartiger Typ über den Weg gelaufen, noch hatte er von so einem gehört. Für diese zwielichtigen Gestalten – Männer, die bereit waren, für jeden Betrag jenseits der tausend Pfund zu töten – stand Anonymität an erster Stelle. Der hier war anders. »Ihm gefällt es, seine Opfer mit diesem X zu zeichnen«, sagte Thorne.
»Er macht also sein Kreuz.« Hendricks nahm den letzten Schluck Bier. »Und wie war’s bei dir? Hattest du einen netten Tag im Büro, Schatz?«
Thorne stand knurrend auf. Er griff nach Hendricks leerer Dose und ging hinüber in die Küche, um zwei neue Dosen zu holen. Während er leeren Blickes in den Kühlschrank stierte, versuchte Thorne vergeblich, sich an seinen letzten netten Tag im Büro zu erinnern ...
Sein Team von der Serious Crime Group (West), in dem Hendricks als Pathologe arbeitete, war dem Projektteam von SO7 (Serious and Organised Crime) zugeordnet worden, um bei der Ermittlung in Sachen organisiertes Verbrechen auszuhelfen. Die Leute bei der SO7 arbeiteten bis an die Grenzen der Belastbarkeit- zumindest hatten sie diesen Ruf. Und es gab einen heftigen Bandenkrieg zwischen zwei alten Familienclans am südlichen Ufer und einen eskalierenden Streit zwischen den Triaden, der innerhalb einer Woche zu drei Schießereien und einer richtiggehenden Schlacht in der Gerrard Street geführt hatte. Nichtsdestotrotz argwöhnte Thorne, dass er und sein Team nur hinzugerufen worden waren, um den Kopf für die Fehler anderer hinzuhalten.
Für ihn war nichts drin. Von eventuellen Verhaftungen würden andere profitieren. Außerdem war es nicht allzu befriedigend, die zu verfolgen, die Kanaillen wie Mickey Clayton aus dem Verkehr gezogen hatten.
Die Serie der X-Morde – Clayton war das vierte Opfer – war ein Schlag gegen die Geschäfte einer der größten Familien Nordlondons, doch wie die Dinge standen, hatte das Team nicht die geringste Ahnung, wer dahinter steckte. Die üblichen Verdächtigen unter den rivalisierenden Banden waren allesamt überprüft und von der Liste gestrichen, die üblichen V-Männer und Quellen erfolglos ausgequetscht und bezahlt worden. Es schälte sich immer mehr heraus, dass eine große Organisation im Begriff war, sich neu zu etablieren, und Wert auf einen effektvollen Auftritt legte. Thorne und sein Team waren mit an Bord, um herauszufinden, wer die Hintermänner waren. Wer zahlte den Auftragsmörder, der schon bald den Spitznamen X-Man bekam ...?
