Benecke, Mark: Mordspuren von Mark Benecke

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Lübbe.

  • Bergisch Gladbach: Lübbe, 2007. ISBN: 978-3-7857-2307-4. 494 Seiten.
  • [Hörbuch] Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2007. Gesprochen von Mark Benecke. Regie: Kerstin Kaiser. ISBN: 3-7857-3359-3. 4 CDs.

'Benecke, Mark: Mordspuren' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Das Warten hat sich gelohnt: Der bekannteste Kriminalbiologe der Welt präsentiert eine neue Sammlung mit Mordfällen, die die Öffentlichkeit in Atem hielten. Sein Spezialgebiet ist die Kriminalistik unter besonderer Berücksichtigung von Maden, Würmern und Insekten, die Entscheidendes über Todeszeitpunkt, Tatort oder Täteridentität verraten können. Wenn man die entsprechenden Hinweise deuten kann! Dies ist aber kein wissenschaftliches Buch. Mark Benecke rollt Kapitalverbrechen neu auf, trägt Fakten, Indizien, Aussagen, frühere Bewertungen zusammen und öffnet dem Leser die Augen für die oft vertrackten Fälle. Dabei liefert er dank seiner genauen Recherchen viele neue Informationen. 

Das meint Krimi-Couch.de: »In der Grauzone zwischen krank und teuflisch« 64°

Krimi-Rezension von Eva Bergschneider

Mit seinen populärwissenschaftlichen Werken »Dem Täter auf der Spur« und »Mordmethoden« avancierte der Diplombiologe und Doktor der Medizinwissenschaften Mark Benecke zum Starautor in den Medien und unter den Krimi-Fans. Kein Wunder das sein neues Buch »Mordspuren«mit vielen Vorschusslorbeeren versehen und die Erwartungshaltung der Leser entsprechend hoch gepuscht wurde.

Was will uns »Mordspuren« vermitteln?

»In seinem neuen Buch erzählt der bekannteste Kriminalbiologe der Welt von atemberaubenden Mordfällen, [..].- anhand von exklusiv neuem Material zum Fall Jürgen Bartsch [..].«

verspricht vollmundig der Klappentext. Was mag das für neues Material sein, 31 Jahre nach dem Tod des pädophilen Serienmörders? Und wer vermag schon den Bekanntheitsgrad von Mark Beneckes Kollegen weltweit zu beurteilen? Das die Verlage sich mit ihren Ankündigungen sehr weit aus dem Fenster lehnen, kennt man, fundierte Informationen kann der Leser leider nicht immer erwarten. Etwas mehr über seine Intentionen verrät uns der Autor selbst im Vorwort:

»Nun mache ich den letzten Schritt und verwische die Grenzen zwischen Gut und Böse ein wenig. [..] Welches Urteil in den folgenden Fällen gerecht ist, überlasse ich dabei ihrer Entscheidung. [..] Wer das Helle verstehen will, sollte das Dunkle kennen«

Beleuchtet Benecke juristische und moralische Grauzonen, die außergewöhnliche Verbrechen umgeben?

Fälle, die das juristisch-moralische Empfinden auf die Probe stellen

Exemplarisch stellt der Autor die Fälle der Serienmörder Jürgen Bartsch und Luis Alfredo Garavito gegenüber. Jürgen Bartsch war selbst erst 15 Jahre alt, als er 1962 sein erstes Opfer, einen acht jährigen Jungen missbrauchte und tötete. Vier bestialische Morde gingen bereits auf Bartschs Konto, ehe 1966 das fünftes Opfer fliehen und sein Peiniger festgenommen werden konnte. Trotz zweier Gerichtsverfahren und zahlreicher Gutachten blieb Bartsch ein Rätsel. Daran ändern auch seine in »Mordspuren« zum großen Teil erstmals veröffentlichten Briefe nichts. Aber sie vermitteln einen interessanten Einblick in die Psyche des verzweifelten und zum Mitleid unfähigen Kindermörders. Dem Autor gelingt hier eine Annäherung an Bartschs widersprüchliche Persönlichkeit.

Den Vergleichsfall Luis Alfredo Garavito eröffnet Benecke mit der Ankündigung, dass es sich um einen besonderen Täter handele. Er habe nicht nur über 300 Opfer getötet, sondern sei auch der erste Serienmörder, der möglicherweise seinen Lebensabend in Freiheit verbringt.

Im Fall Bartsch hatte Benecke nachdrücklich auf die Rechte hingewiesen, die auch ein Serienmörder habe, z.B. das Recht auf Heilung und damit auf ein eigenständiges Leben. Hier scheint der Autor zunächst einen etwas anderen Grundton anzuschlagen. Erst später erfährt der Leser, wie grundverschieden sich das Vorgehen im Garavito-Fall darstellt. Sieben Jahre lang hatte der Kolumbianer 8-13 jährige Jungen gequält und umgebracht. Verurteilt wurde er durch ein so genanntes Strafbefehlsverfahren. Der Angeklagte willigt in eine zuvor festgelegte Strafe ein, die der Richter ohne Verhandlung festlegt. Garavito wurde also nie wirklich mit seinen Taten konfrontiert und erhielt keinerlei therapeutische Betreuung. Anders als im Fall Bartsch, ist es Benecke kaum gelungen, sich Garavitos Psyche anzunähern. Das Kapitel geht kaum über eine interessante, aber eher unpersönliche Fallbeschreibung hinaus.

Spannende Ermittlungen und überraschende Einsichten präsentiert der Autor dagegen in »Tod auf dem Inka-Pfad« und dem Fall »The Lady in the Lake«. Benecke spielt geschickt mit provokanten Hypothesen und animiert immer wieder zum Hinterfragen der gezogenen Schlussfolgerungen. Dadurch macht er deutlich, wie leicht das Urteilsvermögen durch eine eindimensionale Sichtweise geschwächt werden kann und sensibilisiert den Leser für eine differenziertere Bewertung.

Fälle, die den Leser ins Grübeln bringen …

..weil er sich fragt: »Was haben die hier zu suchen?« Die Frage stellt sich bei der Lektüre von »Die Goldprinzessin«. In eine Sammlung über kuriose Vorfälle im preußischen Reich hätte dieser Betrugsfall gut hinein gepasst. Es geht um eine Dame aus einfachen Verhältnissen, die durch geschickte Täuschung ihrer wohlhabenden Mentorin das gesamte Vermögen abnimmt. Kein mysteriöser Todesfall, keine Ermittlungen und schon gar kein Täterprofil wird in diesem abgeschriebenen Exposé vorgestellt. Benecke kommentiert den Fall nicht einmal, sondern leitet mit ein paar kurzen Bemerkungen über Hochstapelei zum ungeklärten Tod des »Nerds« Lars Oliver Petroll über. Dieser Artikel stützt sich auf Untersuchungen des Autors und die Recherchen zweier Journalisten. So interessant dieser Fall analysiert wird, Fehler, wie die Verwandlung von Datasetten zu Disketten fallen negativ auf.

Ein weiterer Beitrag, der nicht in den Kontext passen will, ist der autobiografische Bericht eines Vergewaltigungsopfers am Ende des Eingangskapitels über Vampirverbrechen und Kannibalen. Erläuterungen des Autors, die den Bezug zum Thema verdeutlichen, sucht man vergeblich.

Insgesamt lässt Mordspuren leider jeglichen roten Faden vermissen, ein übergeordnetes Konzept ist bestenfalls zu erahnen. Die neu aufgerollten und bewerteten Fällen lesen sich überwiegend sehr unterhaltsam. Man hätte sich allerdings mehr Eigenleistung des Autors und etwas weniger »Füllmaterial« gewünscht, dass augenscheinlich nur eine gewünschte Seitenanzahl vervollständigen sollte. Mit etwas mehr Konzentration auf das im Vorwort angekündigte Thema »Grenzen zwischen Gut und Böse« hätte Mordspuren ein würdiger Abschluss werden können. So endet Beneckes kriminalistische Trilogie etwas enttäuschend.

Eva Bergschneider, Dezember 2007

Ihre Meinung zu »Mark Benecke: Mordspuren«

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Eule Buer zu »Mark Benecke: Mordspuren« 25.07.2015
Ich schließe mich der Mehrheit an. Beruflich ist Herr Benecke mit Sicherheit ein Spezialist. Sein Wissen und Können möchte/will ich ihm nicht absprechen. Im TV sehe/höre ich ihm sehr gerne zu. Aber seine Bücher sind wirklich enttäuschend - leider! Solche Bücher kann ja jeder schreiben. Auch wir, die hier auf dieser Seite ihre Kommentare abgeben. Gebt uns einen Fall und die nötigen Fakten und wir schreiben auch irgendein Buch zusammen. Die Kriminalbiologie ist so ein interessantes Gebiet. Herr Benecke lehren Sie uns Nicht-Studierten doch dieses Gebiet. Öffnen Sie uns die Augen. Auch wenn wir nie einen Kriminalfall klären, kann man sich für dieses Thema interessieren. Auch in Funk und Presse sind so viele Berichte, die uns Laien interessieren. Herr Benecke hat das Potential, uns Nicht-Ermittler trotzdem alles verständlich zu erklären. Wenn er es nur tun würde. Nicht immer nur mit Fachbegriffen um sich werfen. Nicht immer mit vorhandenem Material (das nicht von Herrn Benecke stammt) um sich werfen und als sein eigenes (?) ausgeben.
Torsten zu »Mark Benecke: Mordspuren« 16.07.2011
Merkwürdigerweise ist "Mordspuren" das einzige der Bücherreihe die Mark Benecke geschrieben hat, das sich hier auf KC findet. Ich habe gerade das letzte der Dreiereihe (Mordmethoden - Dem Täter auf der Spur - Mordspuren) ausgelesen und muss ganz besonders in einem Punkt der KC-Rezension zustimmen: Ein roter Faden ist in dem ganzen nicht im Ansatz zu erkennen. Lediglich der 2. Teil, Dem Täter auf der Spur, beschäftigt sich ganz ausführlich mit dem eigentlichen Fachgebiet Beneckes, der Entomologie und der DNA. Vermutlich war die allererste Auflage einmal das erste geschriebene Buch, so dass hier eigentlich der Anfang der Reihe liegt. Genau in diesem Buch aber finden sich kaum ausführlich nacherzählte tatsächliche Fälle, sondern überwiegend eine populärwissenschaftliche Abhandlung über Insektenkunde und DNA-Typisierung. So gesehen ist es auch ganz gut; wer nacherzählte Fälle sucht, ist mit diesem Teil nicht gut beraten.
Leider sind die beiden anderen Bücher ein ziemlich planloser Streifzug durch alles mögliche, wie gesagt ohne erkennbaren roten Faden. Besonderen Schwerpunkt hat der Autor einmal auf die Lindbergh-Entführung gelegt, wobei er einerseits aufgrund der Sachbeweise dem damaligen Urteil zustimmt, andererseits aber auch ganz ausführlich einen anderen Hergang für plausibel hält - etwas unentschlossen, aber getreu seiner Devise, er müsse schliesslich nicht richten und entscheiden.
Schwerpunkt in Mordspuren ist der Fall Bartsch, der in Briefen Bartschs aus der Haft sehr ausführlich beleuchtet wird, sowie der Vergleichg mit dem Massenmörder Garavito, der dagegen recht oberflächlich bleibt. Welchen Zusammenhang die anderen erzählten Fälle haben weiss wohl nur der Autor.
In der Ankündigung des nächsten Buches - diesmal zusammen mit seiner Frau - heisst es nun sei die psychologische Seite des Verbrechens an der Reihe. Leider wird schon in der Vorschau ausgerechnet wieder derselbe Fall Garavito angeführt, so dass zu befürchten ist dass sich auch dies wiederholt. Wie auch sonst viele Fälle in allen Büchern wiederholt behandelt werden (O.J. Simpson z.B.)
Insgesamt eher enttäuschend und für jemanden der tatsächliche reale Fälle sucht, die falsche Wahl.
Jasmin zu »Mark Benecke: Mordspuren« 08.02.2011
Meine Meinung zu dem Buch ist, das es super geschrieben ist. Es ist Interessant auch mal etwas über die Themen zu lesen, über die nicht jeder spricht.
Er beschreibt die Fälle wirklich sehr interessant. Vor allem der Fall Jürgen Bartsch war interessant, da er auch teile der Briefe die er währen er in Haft war geschrieben hat drin hat.
Christine Müller zu »Mark Benecke: Mordspuren« 27.01.2011
meine meinung zu Mordspuren ist eigentlich eine ganz gute... besonders die erste geschichte über den kannibalen hat mir gefallen, oder zum schluß wo der tote einfach vom himmel fiel... einige sachen hätte man nicht oder kürzer reinbringen können, aber im großen und ganzen ein sehr gutes werk vom herrn der maden!
bitte das nächste buch!
Chris B zu »Mark Benecke: Mordspuren« 09.02.2010
Mordspuren habe ich als Hörbuch - dieses scheint, abgesehen von den Briefen im Buch, das wichtigste wieder zu geben. Es ist interessant und kurzweilig. Die "Verbindung" einiger Fälle findet nur eine sehr kurze Erwähnung - m.E. wäre es interessanter gewesen, wenn mehr über die Spurensuche, welche zur Klärung der Verbrechen führte als auch über die Psyche der Täter zu hören gewesen wäre. Im großen und ganzen wirkt dieses Buch eher so, als ob es von einem Themeninteressiertem Laien verfasst worden wäre.

Fazit: Nett, aber muss man nicht haben...
Hans-Magnus Berrensheim zu »Mark Benecke: Mordspuren« 25.12.2009
Das Buch ist im Grunde eine Unverschämtheit: keine eigenleistung, dafür aber eine Menge Geld verlangen. Ohne inneren Zusammenhang, die Klammer "Mordmethoden" existiert gar nicht. Und so etwas schreibt ein Wissenschaftler. Dieses Machwerk ist eine absolute Zumutung und grenzt an Verarschung. Tut mir leid, dass ich das so direkt schreiben muss. Nicht kaufen!!!
HFF_Jana zu »Mark Benecke: Mordspuren« 27.09.2009
Mein Eindruck beim Lesen von "Mordspuren" war, dass Herr Benecke einfach nur ein weiteres Buch schreiben wollte, eigentlich aber nichts zu berichten hatte. Im Grunde hält man eine 494-seitige Sammlung von fremden Berichten und Zitaten in Händen, die zudem teilweise stark nach Füllmaterial aussehen. Ich war mehrfach versucht, das Buch einfach zuzuklappen und wegzulegen. Allerdings habe ich immer die Hoffnung, dass es ja nur noch besser werden kann... Irrtum!

Wenn ich lese "Neue spektakuläre Kriminalfälle – erzählt vom bekanntesten Kriminalbiologen der Welt" (irgendwie anmaßend, oder?) erwarte ich ehrlich gesagt keine Beschreibung eines Betrugsfalles aus dem Jahre 1835, der zudem äußerst langatmig und größtenteils in Briefform erzählt wird.

Dieses Abdrucken diverser Briefe zieht sich übrigens durch das ganze Buch. Wie beispielsweise auch Briefe von Jürgen Bartsch. Es interessiert mich in keinster Weise, wie sich ein Serienmörder in der Psychiatrie fühlt oder ob er mit seiner Behandlung einverstanden ist. Einen Serienmörder auch nur ansatzweise zu verstehen entzieht sich nun mal meinen Fähigkeiten. Viel mehr würde mich interessieren, was hat er getan und wie wurde er mit Hilfe der Kriminalbiologie gestellt. Wer das Buch "Mordmethoden" gelesen hat wird hier in dieser Hinsicht übrigens nichts Neues über Jürgen Bartsch erfahren.

Sollte Herr Benecke weitere Bücher zum Thema Kriminalbiologie schreiben, würde ich mir etwas mehr von Herrn Benecke, nämlich seine eigenen Ermittlungen, wünschen.
daniela thiel zu »Mark Benecke: Mordspuren« 17.06.2008
Meine Meinung zu diesem Buch ist ganz einfach.Ich finde es nur klasse wie er über vergessene Themen oder den Mythos Vampier schreibt jeder sollt seine eigene Meinung bilden .
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