Tödliches Ritual von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2009
bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Göttingen, 1990 - 2009.
Folge 3 der Christian-Beyer-Serie.
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München: Piper, 2009.
ISBN:
978-3-492-27160-8. 299 Seiten.
'Tödliches Ritual' ist erschienen als
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In Kürze:
Die erste Frauenleiche liegt in den Anlagen des Botanischen Gartens, hingerichtet mit dreißig Messerstichen. Die Tochter der Bürgermeisterin ist ein weiteres Opfer, erdrosselt und mit einem ausgelöffelten Auge. Der Göttinger Polizeichef Markus Lorenz ist der Grausamkeit dieses Falls nicht gewachsen. Und selbst der hinzugezogene Sonderermittler Christian Beyer tappt im Dunkeln. Erst die Intuition der Psychologin Anna Maybach führt zu einer Spur. Denn Anna erkennt ein System hinter den einzelnen Morden: Der Täter schlägt nur an keltischen Festtagen zu. Und der Höhepunkt steht noch aus: die Walpurgisnacht …
Marina Heib hat ihren dritten Kriminalroman um den Sonderermittler Christian Beyer auf exakt 300 Seiten im Piper Verlag als Tödliches Ritual veröffentlicht und sich nicht gescheut, ihre Anregungen im wohl meist zitierten Literaturwerk aller Ritualverliebten zu entnehmen, dem »Hexenhammer«.
Der Hexenhammer (lat. Malleus Maleficarum) ist ein Buch, das der Dominikaner Heinrich Kramer (lat. Henricus Institoris) nach heutigem Forschungsstand im Jahre 1486 in Speyer veröffentlichte und das bis ins 17. Jahrhundert hinein in 29 Auflagen erschien. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hexenhammer)
Um diese Tatsache zu erkennen, braucht die Psychologin Anna Maybach gut zwei Drittel des Lesestoffes und die gesamte Kriminalschwadron Göttingens glaubt ohnehin nicht an einen Ritualmörder, der im Botanischen Garten seine Leichen ablegt. Und dass die alten keltischen Feiertage als Zeitplan der Hinrichtung der neuzeitlichen Hexen gewählt sind, ist wohl auch nur reiner Zufall.
In einer Universitätsstadt, wie Göttingen, gibt es natürlich auch schlagende Burschenschafter, die sich zwar für elitär halten, aber nicht zu schade sind, ihren sexuellen Drang gewaltsam an jungen Damen im Park und anderswo auszuleben.
Findet die Soko nun eine Überschneidung beider Ansätze, so hat sie mit ziemlicher Sicherheit auch den Mörder.
Aber wie soll die Soko einen Mörder finden, wenn der Polizeichef ein stadtbekannter Alkoholiker ist, der sogar die Bürgermeisterin vor laufender Kamera ohrfeigt? Sein Team rennt in rosa Hemden herum und ist alles andere als motiviert und als der Sonderermittler Christian Beyer auftaucht, ist er ein Fremdkörper und außer peinlichen Pannen und Problemen mit seinem dauersaufenden Freund ist in dem als »Thriller« beworbenen Taschenbuch kaum viel Handlung zu finden.
Schön langsam muss es wohl jedem Leser von deutschsprachigen Krimis klar sein, dass offensichtlich alle Kriminalisten in unseren Landen ein massives Alkoholproblem haben …wenn man den Autoren glauben darf! Der Beruf ist sicherlich nervenaufreibend und kaum familientauglich, aber muss der deutsche Autor unbedingt immer ein Privatleben im Delirium von Alkohol und Psychopharmaka vor dem Leser ausbreiten? Das wird langsam langweilig und da kann Marina Heib ihre Figuren noch so gut charakterisieren, der geübte Krimileser kennt die abgewrackten Ermittlerfiguren mit entlaufener oder ins Jenseits beförderter Frau, Freundin, Geliebter etc. bis zum Überdruss. Da kann die Wortwahl noch so geschmeidig sein, man liest darüber hinweg, weil die ewig gleichen kaputten Typen schlichtweg nerven.
Da der Markt zudem mit Serienmördergeschichten überschwemmt wird, von denen die Wenigsten sonderlich originell sind, reiht sich Tödliches Ritual ohne großes Aufsehen in das Bücherregal der Mittelmäßigkeit ein. Das Spannendste an diesem Buch ist das Titelbild, das auf Grund des Fotos und der Zeichnungen eher an einen fernöstlichen Terroristenthriller denken lässt, denn an eine Hexenexekution im Harz.
Dass die keltischen Mysterien hierzulande offenbar ein beliebtes Stilmittel im Krimi sind, ist auch nicht neu (z.B. Roman Rausch: Das Mordkreuz). Und so tappt die Autorin von einer Wiedererkennung in die nächste, was den Schluss offen lässt, dass sich Frau Heib zwar bemüht, eine eigene Geschichte zu erzählen, dabei aber bekannte Hintergedanken im Kopf nicht ausblenden kann.
Was den Rezensenten der Hamburger Morgenpost zu dem Ergebnis »Das Blut kann einem schon in den Adern gefrieren …Für hartgesottene Krimifans.« gebracht hat, zeigt wohl nur von seinen zartbesaiteten Nerven, denn der normale Krimileser wird den leicht zu lesenden Roman ohne großes Zittern bald ad acta gelegt haben.
Wolfgang Weninger, Juni 2009
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