Blutrose von Margie Orford

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel Blood Rose, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Blanvalet.

  • Jeppestown/Südafrika: Jonathan Ball Publishers, 2009 unter dem Titel Blood Rose. ISBN: 978-1868423484. 381 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2009. Übersetzt von Christoph Göhler. ISBN: 978-3-442-36908-9. 381 Seiten.

'Blutrose' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Profilerin Clare Hart ist froh, für ein paar Tage Abstand von Polizeikapitän Riedwaan Faizal zu bekommen, auch wenn der Auftrag sie in den heruntergekommenen Hafen von Walfis Bay in Namibia führt. Die brutalen Morde an vier Jungen, die auf der Müllkippe lebten und die offensichtlich jede Menge Gemeinsamkeiten aufweisen, interessieren dort offenbar niemanden. Schon gar nicht die Offiziere des nahe gelegenen Militärstützpunkts. Als Clare dringend nahe gelegt wird, nicht im Abfall zu stochern und Riedwaan in den Fall einsteigt, wird die Stimmung so explosiv, wie das Geheimnis, das unter der verdörrten Erde der afrikanischen Wüste schlummert. 

Das meint Krimi-Couch.de: »Hochspannung in Südwest« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Blutrose ist ein zynischer Titel. Beschreibt er doch die makaber- florale Erscheinung auf der Stirn eines Opfers kurz nach dem Auftreffen einer Kugel. Und Zynismus passt eigentlich nicht zu Margie Orford, einer ernsthaften, engagierten Autorin, die nicht nur spannend unterhalten will, sondern stets auch die Realitäten der Länder berücksichtigt, in denen sie gelebt hat. So deuten wir die Blutrose als Ausdruck der Brutalität, mit der in der folgenden Geschichte Jugendliche exekutiert werden.

Margie Orfords Serienheldin, die Journalistin und Profilerin Dr. Clare Hart will sich nach den turbulenten Ereignissen der jüngsten Vergangenheit (Blutsbräute) eine Auszeit gönnen, zumal auch die Beziehung zum besitzergreifenden Polizei-Captain Riedwaan Faizal der sonst eher zurückgezogen lebenden Clare zu eng geworden ist. Deshalb plant sie einen Besuch bei ihrer Zwillingsschwester Constance. Kurz vor ihrer Abreise wird sie ins Kapstädter Polizeipräsidium gebeten. Dort ist ein Hilfegesuch der Polizei von Walvis-Bay, einer Küstenstadt im benachbarten Namibia eingegangen. Die ortsansässige Ermittlerin Tamar Damases vermutet hinter der Ermordung dreier Jungendlicher einen Serientäter. Clares Fähigkeiten als Profilerin sind gefragt. Anstatt eine Verschnaufpause zu genießen, muss sich Clare in einen neuen Fall stürzen, dessen Brisanz sie anfänglich unterschätzt.

Walvis-Bay, einst ein bedeutender Handels- und Fischereihafen ist von überschaubarer Größe geblieben, so hat die Polizei schnell eine Verbindung geknüpft, als innerhalb von drei Wochen drei etwa gleichaltrige Jungen auf dieselbe Art und Weise erschossen werden. Die Handschrift: ein gezielter Kopfschuss in die Stirn und die spätere Zurschaustellung der Leichen an einem exponierten Ort weisen auf einen Einzeltäter hin. Die beiden letzten Opfer sind zudem mit einer Signatur auf der Brust versehen.

Clare sucht im Umfeld der Jungen nach einem gemeinsamen Nenner, was sich nicht als allzu schwierig erweist. Bei den Jungen handelt es sich um elternlose Straßenkinder, die ihren Lebensunterhalt teils als Stricher, teils als Müllsammler oder Müllsortierer bestreiten – alle drei hatten in einem Sozialhilfeprojekt zusammen Fußball gespielt. Ein bescheidener Erfolg für Clare, die zunehmend an den Motiven des Täters verzweifelt. Sexueller Missbrauch konnte durch die Obduktionen ausgeschlossen werden. Doch da der Fundort nicht der Tatort ist, weiß niemand, was sich zwischen Täter und Opfer abgespielt hat. Forensische Untersuchungen können den Tatort näher eingrenzen, die führen in die unwirtliche Gegend des Kuiseb-Deltas zu einem geheimnisvollen Eingeborenen namens Splyt. Doch zu einem Durchbruch in den Ermittlungen komm es erst, als bei einem vierten Opfer eine Kugel sichergestellt werden kann. Ein Datenabgleich mit dem Polizeicomputer

weist auf eine Waffe, die bei einer lange zurückliegenden Straftat benutzt wurde. Clares Blutrosen-Fall bekommt eine neue Richtung, die den lokalen Honoratioren gar nicht gefällt, die nun alles daransetzen, Clare Steine in den Weg zu legen. Nur mit der Unterstützung ihres Kapstädter Kollegen Riedwaan Faizal, der später hinzugestoßen ist, und des nicht-weißen Personals der Walvis-Bay-Polizei kann Clare die Hintermänner des Falles ausmachen.

Wer einen Blick auf die Biographie der Autorin geworfen hat, konnte feststellen, dass sie ihre Jugendjahre in Namibia verbracht hat. Zu einer Zeit als dieses Land noch unter dem Protektorat Südafrikas stand und somit ebenso schwer unter den Auswirkungen des Apartheid-Regimes gelitten hat. Namibia wurde 1990 in die Unabhängigkeit entlassen, wie es so schön heißt, aber an den Problemen hat sich fast nichts geändert. Nach wie vor wird die eingeborene Bevölkerung unterdrückt und ausgebeutet, so wird aktuell die Landbevölkerung ihrer lebenswichtigsten Ressource, des Wassers, durch verstärkten Uranerzabbau beraubt. Uran u.a. auch für deutsche Atomkraftwerke.

In solch offene Wunden legt Margie Orford ihren Finger und benutzt, wie viele ihrer südafrikanischen Kollegen, den Kriminalroman als Vehikel, um auf Missstände aufmerksam zu machen.

Wirkte ihr Debütroman Blutsbräute streckenweise überladen mit zwar interessanten, aber nicht unbedingt notwendigen Nebenhandlungen oder der Turtelei ihrer beiden Hauptprotagonisten Clare und Riedwaan, so ist Blutrose deutlich gradliniger konzipiert. Der Fall der ermordeten Jugendlichen steht eindeutig im Vordergrund, die Fahndung nach dem Täter geschieht mit Verve und auch an Action mangelt es nicht. Die beiden Gast-Ermittler stellen, wie sich das für höfliche Gaste geziemt, ihre persönlichen Differenzen hinten an – bis auf die gruselige Eingangsszene des Romans, ein Tête-à-tête am frühen Morgen, das dem Rezensenten das Buch fast aus der Hand fallen ließ. Die beide sind zwar allgegenwärtig, aber sie dominieren nicht den Plot. Es bleibt genügend Raum für die Nebendarsteller, die teilweise etwas klischeehaft rüberkommen, so die verhuschte englische Lehrerin Mara Thompson oder der ständig notgeile Polizei-Sergeant van Wyk. Alles in allem eine ausgewogene Mischung.

Autoren legen oft all ihr Herzblut in den Erstling, was ja auch Sinn macht, nicht selten kommt es vor, dass der oder die Nachfolger abfallen. Bei Margie Orford ist es umgekehrt. Blutrose ist deutlich besser als das Debüt. Sprachlich ist es nicht weiter auffällig, verfasst in dem flüssig zulesenden Hochdeutsch, dessen sich fast alle bekannten Autoren befleißigen. Die wichtigsten Charaktere sind nicht zu detailliert, aber stets treffend beschrieben. Auf eine Besonderheit sei noch hingewiesen, auch wenn die Rezensentin von »Blutsbräute« das schon angesprochen hat. Die Autorin meidet es, die auftretenden Personen mit einer Hautfarbe zu benennen, was bei der Lektüre zu Irritationen führen kann. Eine Erklärung hierfür mag sein, dass die Autorin den Menschen in den Vordergrund stellen will und nicht dessen Hautfarbe.

Eine nette Geste sollte nicht unerwähnt bleiben. Margie Orford lässt den Inspector Eberard Februarie auftreten, der beim Autorenkollegen Andrew Brown in »Schlaf ein, mein Kind« die Ermittlungen führte. Im Gegenzug hat Brown in seinem aktuellen Roman »Würde« Captain Riedwaan Faizal mit einer Szene vor Gericht bedacht.

Es ist doch schön, wenn Menschen sich gut verstehen!

Jürgen Priester, August 2010

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claudinchen62 zu »Margie Orford: Blutrose« 08.01.2012
Die Geschichte hat mir gefallen, aber die Tätigkeit einer Profilerin wurde zu wenig deutlich. woraus besteht eigentlich ihre Arbeit und wie kommt sie zu den schlüssen. Die Figur der Clare Hart ist zu wenig psychologisch geschärft. Aber die Story um die ermordeten Kinder ist spannend, also doch lesenswert!
Ina S. zu »Margie Orford: Blutrose« 14.06.2009
Ich muss ganz ehrlich gesagt zugeben, dass ich etwas enttäuscht bin. Das Buch war zwar spannend zu lesen, trotzdem war ich über den Verlauf und Aufbau mancher Stellen enttäuscht, wie schon oben geschrieben, war das Ende einfach zu kurz erklärt, die Autorin hätte näher darauf eingehen sollen. Vor allem die Tatsache, dass Dr. Clare Hart, eine Profilerin, nach Walvis Bay geholt wird und doch nicht mehr weiß, als jeder andere, lässt mich stutzen. Wo ist die kriminaltechnische Arbeit? Wo ihre Vermutungen? Sie sieht nicht mehr, als jeder andere Polizist ohne Doktortitel...
Schrodo zu »Margie Orford: Blutrose« 31.05.2009
Ein neuer Auftrag führt die in Südafrika lebende Profilerin Clare Hart in den heruntergekommenen Hafen von Walfis Bay in Namibia. Vier grausame Morde an Jugendlichen, die auf einer Müllkippe lebten sollen mit ihrer Hilfe aufgeklärt werden. Als ihr nahe gelegt wird, wieder nach Hause zu fahren und ihr Lover Riedwaan in den Fall einsteigt, wird die Stimmung so explosiv, wie das Geheimnis, das unter der verdörrten Erde der afrikanischen Wüste schlummert …
So ähnlich steht es auf dem Cover des Buches von Margie Orford. Auch ihr zweiter Roman ist gut zu lesen, spannend geschrieben und mitreißend erzählt.
Geschickt von der Autorin eingefügt, lernt man auch einiges über die Kolanialzeit in Namibia, die Sozialen, Poltischen und Gesellschaftlichen Probleme wie Aids und verwahrloste Straßenkinder oder die militärische Besatzungszeit Namibias durch die Südafrikaner. Rundum ein gelungenes Buch das keineswegs hinter ihrem Erstlingswerk zurückbleiben muss.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Anja S. zu »Margie Orford: Blutrose« 16.04.2009
Dieser Krimi ist handwerklich solide gemacht, ziemlich spannend geschrieben und gut zu lesen. Er spielt in Namibia und Suedafrika, wo die Autorin lebt, und die Landschaften bzw. oertlichen Gegebenheiten werden interessant geschildert. Die Aufloesung kommt etwas ueberraschend, dort haette sich die Autorin durchaus mehr Zeit nehmen koennen. Alles zusammen genommen liefert dieses Buch einige Stunden gute Unterhaltung, daher 75 Grad.
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