Der italienische Dolch von Margery Allingham

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1929 unter dem Titel The Crime at Black Dudley, deutsche Ausgabe erstmals 1990 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: , 1910 - 1929.

  • London: Jarrolds, 1929 unter dem Titel The Crime at Black Dudley. 208 Seiten.
  • München: Heyne, 1990 Mord in Black Dudley. Übersetzt von Helmut Degner. ISBN: 3-453-04053-8. 217 Seiten.
  • München: Goldmann, 2001. Übersetzt von Helmut Degner. ISBN: 3-442-05392-7. 221 Seiten.

'Der italienische Dolch' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

George Abbershaw lässt sich überreden, am Wochenende das geheimnisumwobene Haus Black Dudley an der Küste vor Suffolk zu besuchen. Hätte er gewusst, dass er dort unter Einsatz seines Lebens einen Mord aufzuklären hat, wäre er bestimmt nicht gekommen. Zum Glück unterstützt ihn Albert Campion, der sich als scheinbar harmloser Gast unter die Gesellschaft gemischt hat …

Ihre Meinung zu »Margery Allingham: Der italienische Dolch«

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Krimi-Tina zu »Margery Allingham: Der italienische Dolch« 08.10.2009
Der Mediziner und George Abbershaw ist von seinem Freund Wyatt Petrie auf dessen Landsitz Black Dudley eingeladen. Dort geschieht anlässlich eines Gesellschaftspiels ( ein Dolch wird im Dunkeln herumgereicht und wer ihn am Schluss hat, hat verloren) ein Mord. Natürlich mit ebendiesem Dolch.

Klingt sehr altbekannt? Ja tut es. Und wir haben es auch prinzipiell mit einem klassischen whodunit zu tun.
Einiges ist allerdings anders. So sind einige der Gäste von vorneherein merkwürdige und eher gruselige Gestalten, die so gar nicht zum Rest der Gruppe zu passen scheinen.Und so wirken als ob sie nichts Gutes im Schilde führen. Welche Annahme sich im weiteren Verlauf der Geschichte auch als richtig erweist. Zu der klassischen whodunit Geschichte kommt also auch noch eine (recht actionreiche) Verschwörungsstory
Zu anderen ist das die Figur des Albert Campion, der wie sich herausstellt, eigentlichen Hauptperson. Er wird eingeführt als etwas zwielichtige Person und wirkt anfänglich wie ein sich hoffnungslos albern aufführender Narr. Bis er in gefährlichen Situationen zeigen kann was in ihm steckt.
Allingham überzeichnet nicht nur ihn bewusst bis hart an den Rand der Parodie. Was sich hier an absurden Situationen in einem einzigen Buch findet sucht seinesgleichen. Da wird souverän mit den Örtlichkeiten (so ein alter Kasten hat natürlich eine Menge Geheimgänge die den merkwürdigsten Orten enden) als auch mit den Personen ( eine reiche Typologie betuchter Engländer jeder Art, nicht zu vergessen der unheimlich dämonische Deutsche ) gespielt.
Es wirkt so als ob die Autorin weder Genre noch Charaktere völlig ernst nähme. Dennoch bleibt es immer noch ein ordentlicher Krimi, angereichert mit viel Humor und stellenweise Klamauk.. Und inklusive streng deduktiver Aufklärung des eigentlichen Falles. Amüsant.
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Stefan83 zu »Margery Allingham: Der italienische Dolch« 09.09.2009
Das Jahr 1929 wird wohl von den meisten Menschen in erster Linie mit dem Schwarzen Donnerstag und dem Beginn der Weltwirtschaftskrise in Verbindung gebracht werden, weniger mit dem Auftauchen einer weiteren Vertreterin des klassischen Detektivromans.

Im gleichen Jahr veröffentlichte nämlich Margery Allingham ihren ersten Band aus der Reihe um den Gentleman-Schnüffler Albert Campion. Eine Figur, die sie berühmt machen und recht schnell auf eine Stufe mit Genregrößen wie Agatha Christie und Dorothy L. Sayers heben sollte. Und wie bei Letzterer Lord Peter Wimsey, stammt auch Campion aus hohen Adelskreisen, was er jedoch hinter einem Pseudonym und meist lächerlichen Maskeraden zu verstecken versucht. Grund dafür ist sein Bruder, ein hohes Tier, dessen Identität jedoch nie gelüftet wird. Damit enden die Merkwürdigkeiten nicht, denn Campion ist so gar nicht der typische Ermittler des Genres. Nicht selten wirkt er schrecklich naiv und albern, kann man den Dandyhaften Hornbrillenträger, der selten einen vernünftigen Satz zustande bekommt, kaum ernst nehmen. Was wiederum ein Grund ist, warum er stets unterschätzt wird.

Bemerkenswert und ungewöhnlich für diese Zeit ist, dass Allingham mit dem 15.5.1900 ein festes Geburtsdatum angibt und ihn im Laufe der Reihe altern und Reifen lässt. Was wiederum auch erklärt, warum Campion im Erstling "Mord in Black Dudley", auch unter "Der italienische Dolch" veröffentlicht, derart trottelig daherkommt.

Die Geschichte findet ihren Anfang in dem alten Herrenhaus "Black Dudley" an der Küste von Suffolk. Auf Bitten seines Onkels Colonel Coombe hat Wyatt Petrie eine illustre Gesellschaft geladen, um den alten Mann zu unterhalten und für Abwechslung im tristen Alltag zu sorgen. Unter den Gästen sind unter anderem George Abbershaw, ein Mediziner, der schon oft mit dem Scotland Yard zusammengearbeitet hat, und natürlich Albert Campion Höchstselbst. Trotz dessen humoriger Eskapaden ist die Stimmung jedoch eher gedrückt, weshalb man sich kurzerhand dazu entschließt, ein altes Ritual zu vollziehen. In diesem Spiel wird das Licht gelöscht und im Dunkeln ein italienischer Dolch herumgereicht, wobei derjenige verloren hat, der gegen Ende diesen noch in der Hand hat. Aus dem Spaß wird bald bitterer Ernst, als Colonel Coombe dabei sein Leben aushaucht. Die Diagnose Herzinfarkt soll nun Abbershaw bestätigen, der allerdings schnell vermutet, dass der alte Mann eher einem Dolchstoß zum Opfer gefallen ist...

Wer ist der Mörder? Die zentrale Frage eines jeden Whodunits, gerät hier bereits kurz nach dem vermeintlichen Mord sowohl bei den Figuren als auch beim Leser in Vergessenheit, denn die Ereignisse überschlagen sich auf für einen Detektivroman ungewöhnliche Weise. Die englische Landhausruhe weicht ziemlich schnell Kugelhagel und Faustkämpfen, weshalb man das Gefühl nicht ganz loswird, dass sich Margery Allingham selbst nicht ganz ernst genommen hat. Das Buch strotzt nur so vor Kalauern, die auch in höchst pikanten Situationen von sich gegeben werden, was das Ganze extrem Parodistisch wirken lässt. Die Folge davon ist ein hohes Amüsement über diese schrulligen Engländer, die beim Kampf gegen das Böse so ziemlich jedes bekannte Klischee mitnehmen. Hinsichtlich des Schreibstils fühlt man sich da unwillkürlich an Eric Ambler erinnert, was gegen Ende, das ungewohnt actionreich ausfällt, noch deutlicher zutage tritt. Eine Auflösung der Mordfrage gibt es dann aber dennoch, wenngleich diese mich nicht wirklich überraschen konnte.

Insgesamt ist "Mord in Black Dudley" ein höchst amüsantes Kammerspiel mit Rätselspaß in typisch britischer Atmosphäre, das die Gesetze des Genres extrem auflockert und sich äußerst kurzweilig liest. Guter Beginn einer Reihe, welche ich sicher weiter verfolgen werde.
15 von 20 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
RolfWamers zu »Margery Allingham: Der italienische Dolch« 04.07.2004
Eine lachende Matrone eingerahmt von zwei wohl genährten Collies, das ist das bekannteste öffentlich Foto von M.A. Sie erzählt den Großen, die nicht so richtig erwachsen werden wollen, eine spannende Geschichte, und sie erzählt sie gut.Damit sie sienicht immer wiederholen muss, schreibt sie sie auf- und wir können sie noch 75 Jahre später lesen. Schön.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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