Liebe Mutter, es geht mir gut... von Margaret Millar

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1955 unter dem Titel Beast in View, deutsche Ausgabe erstmals 1967 bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Kalifornien, 1950 - 1969.

  • New York: Random House, 1955 unter dem Titel Beast in View. 249 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 1967. Übersetzt von Elizabeth Gilbert. 237 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 1975. Übersetzt von Elizabeth Gilbert. ISBN: 3-257-20226-1. 237 Seiten.
  • München: dtv, 1980. Übersetzt von Elizabeth Gilbert. ISBN: 3423006862. 159 Seiten.
  • München: Süddeutsche Zeitung, 2006. Übersetzt von Elizabeth Gilbert. ISBN: 978-3866152427. 166 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2008. Übersetzt von Elizabeth Gilbert. ISBN: 978-3-257-23894-5. 237 Seiten.
  • [Hörbuch] Beltershausen: Verlag und Studio für Hörbuchproduktionen, 2001. Gesprochen von Renate Kohn. ISBN: 3896142011. 4 CDs.

'Liebe Mutter, es geht mir gut...' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Geld allein macht nicht glücklich. Geld und alleinsein noch viel weniger. Besonders, wenn jemand es auf das viele Geld abgesehen hat. Helen Clarvoe, die ebenso reich ist wie labil, lebt allein in einer kalifornischen Stadt. Zuerst glaubt sie, das Opfer irgendeines anonymen Irren zu sein, aber bald muss sie erkennen, dass die drohende Stimme am Telephon niemand anderem gehört als ihrer ehemaligen Kindheitsfreundin Evelyn Merrick – Evelyn, die all das verkörperte, was Helen hätte sein wollen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Mit reichlich Wortwitz garniert hervorragende Psychogramme« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Helen Carvoe, 30, lebt einsam und zurückgezogen in einem Hotelapartment von dem Vermögen ihres verstorbenen Vaters. Eines Tages wird sie von einer ehemaligen Freundin, Evelyn Merrick, angerufen, welcher ihr anbietet, bei ihren Finanzen behilflich zu sein. Gleichzeitig sagt sie, dass sie Helen in ihrer Kristallkugel sehen würde, verletzt und mit blutigem Gesicht. Helen legt auf, doch als sie kurz darauf stürzt und sich im Gesicht Verletzungen zuzieht, wendet sie sich in ihrer Panik an den Vermögensverwalter ihres Vaters, Paul Blacksheap, und bittet diesen, besagte Evelyn zu finden, die sich damit gebrüstet hat, demnächst als Aktmodell berühmt zu werden.

Blacksheap braucht nicht allzu lange um herauszufinden, dass Evelyn auch andere Menschen telefonisch kontaktiert, um diese mit ihren Ängsten zu konfrontieren. Doch in ein richtiges Wespennest stößt Blacksheap erst, als er Helens Mutter Verna nach Evelyn befragt und von ihr erfährt, dass Helen einst mit Douglas, Helens Bruder, verheiratet war. Die Scheidung erfolgte damals allerdings unmittelbar nach der Hochzeitsnacht. Kurz darauf, erhält auch Verna einen Anruf von Helen, die ihr mitteilt, dass Douglas homosexuell veranlagt sei und dass es zu entsprechenden Handlungen käme, während Douglas vorgibt, bei dem Fotografen Terola Unterricht zu nehmen. Verna ist völlig konsterniert und stellt Douglas zur Rede, der seine Neigung nur widerstrebend zugibt. Verna beschließt, Terola umgehend einen Besuch abzustatten. In seiner Verzweiflung beginnt Douglas Selbstmord. Terola wird kurz darauf mit einer Schere erstochen aufgefunden …

Margaret Millar schrieb diesen Roman bereits in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts und galt lange Zeit als »witzigste Analytikerin des American Way of Life and Death«. In »Liebe Mutter, es geht mir gut...« gelingen der Autorin mit reichlich Wortwitz garniert hervorragende Psychogramme ihrer Protagonisten. Wie die sich anbahnende Katastrophe immer Nähe an Helen heran kommt, während gleichzeitig Blacksheap verzweifelt auf der Suche nach Evelyn ständig dem Geschehen hinterher rennt, zieht den Leser auch heute noch in seinen Bann.

Geradezu furios dann aber das für Margaret Millars Romane typische Finale, in dem ein einzelner Satz ausreicht, um dem Plot ein völlig neues Gesicht zu geben. Bewundernswert (gerade) für die damalige Zeit, wie grandios Millar es schafft, die Beziehungen innerhalb der Familie Clarvoe zu skizzieren. Die völlig zurückgezogen lebende Tochter und ein homosexuell veranlagter Bruder, die beide auf ihre Weise ständig mit ihrer exzentrischen Mutter im Clinch liegen, die Reaktion der Mutter auf Douglas Eingeständnis seiner Homosexualität bis hin zu dem Kernmotiv des Plots, welches hier natürlich nicht genannt werden darf, sind die besonderen Merkmale, welche diesen Roman auch heute noch gut lesbar gestalten.

Natürlich fehlt es gelegentlich etwas an Action, die Handlung verläuft selbst in den Phasen, in denen tatsächlich mal was passiert, sehr ruhig, sehr verhalten ab und insbesondere die Wortwahl kommt einem zeitweise altbacken vor. Wenn man sich jedoch, ähnlich wie bei historischen Romanen, versucht in die 50er Jahre hineinzuversetzen, dann stört auch nicht die Überlegung, sich im Kino zwei »Großfilme« anzusehen und man vergisst darüber hinaus, dass dieser Plot in Zeiten des Handys wohl nicht mehr möglich wäre.

Für Freunde klassischer Krimis eine klare Empfehlung

Ihre Meinung zu »Margaret Millar: Liebe Mutter, es geht mir gut...«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

NomisBlackPearl zu »Margaret Millar: Liebe Mutter, es geht mir gut...« 05.11.2009
Naja, das Buch ist lesbar aber nicht unbedingt der Brüller.
Geschichte ist etwas seicht und man kommt relativ schnell hinter den Ursprung und des Rätsels Lösung.
Gott sei Dank hat es nur 166 Seiten.
Auch der schreibstil ist gewöhnungsbedürftig und meiner Meinung nach schwer zu lesen.,
Werde es mit 55% bewerten.
DETNO zu »Margaret Millar: Liebe Mutter, es geht mir gut...« 22.04.2008
Eine interessante Story mit etlichen kaputten Typen. Die Spannung leidet aber etwas darunter, dass man schon nach der Hälfte des Buches ahnt, wie sich die Geschichte auflösen wird.
Und genau so kommt es auch.
Lesenswert.
Yumeka zu »Margaret Millar: Liebe Mutter, es geht mir gut...« 02.01.2008
Also ich hab dieses Buch zu Weihnachten bekommen und fand es einfach klasse!!!
Dieser Charme vermischt mit einer ausgeglügelten Story !
Habs verschlungen XD
Fabian zu »Margaret Millar: Liebe Mutter, es geht mir gut...« 17.07.2006
Das Buch habe ich vor etwa einem
halben Jahr gelesen,ebenso wie den Fall Galton und finde,dass Macdonald interresanter geschreiben hat als seine Frau,allerdings ist dieser Roman auch der einzigste den ich von Magaret Millar gelesen habe... Vielleicht versuche ich nochmal bald eins von ihr...
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
RolfWamers zu »Margaret Millar: Liebe Mutter, es geht mir gut...« 15.06.2006
Irgendwann fragt sich jeder: wer war der bessere Krimi-Auor, sie oder er, Margaret Millar oder Ross Macdonald? Die Antworten werden geteilt ausfallen. Mein Rat: Lest die beiden besten Bücher (Liebe Mutter... und Der Fall Galton) und urteilt selbst.
Immerhin hat die Konkurrenz der beiden im selben Genre (entgegen dem Sermon der Diogenes-Werbeabteilung auf einigen Klappentexten) ihre Ehe bis fast zum Zerreißen belastet, und das war dann einer der Gründe für das kurze tragische Leben der einzigen Tochter Linda.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ihr Kommentar zu Liebe Mutter, es geht mir gut...

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: