EGO - Gefälschte Morde von Marcus Murken

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 bei Kehl.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Hamburg, 1990 - 2009.
Folge 1 der Udo-Hohlbein-Serie.

  • Hamm am Rhein: Kehl, 2008. 216 Seiten.

'EGO - Gefälschte Morde' ist erschienen als

In Kürze:

Hamburg, 1997: Ein Serienmörder, der seine Opfer mit Zahlen markiert, versetzt die Hansestadt in Aufregung. Die Sonderkommission des leitenden Ermittlers Udo Hohlbein ist ratlos. Irgendwann verschwindet der Täter ohne jede Spur.

Berlin, 2007: 10 Jahre später wird die Berliner Polizei mit Morden konfrontiert, die den damaligen bis ins Detail gleichen. Nach dem zweiten Opfer wird Hohlbein reaktiviert – er ist inzwischen ein trinkendes, zynisches Wrack geworden, was direkt mit den damaligen Verbrechen in Verbindung steht. Ist er überhaupt noch in der Lage, sich dem Fall zu stellen? Weder seine Kollegen noch er selbst glauben daran.

Aber Hohlbein ist nicht der Einzige, der die Spur aufnimmt. Einem Mann aus Hamburg ist jedes Mittel recht, um den Kopisten zu finden und für seine Unverschämtheit zu bestrafen: so zu morden, wie er es getan hat. Durch den gewaltigen Medienrummel der pressewirksamen Mordserie droht die Hauptstadt im Chaos zu versinken, denn plötzlich scheint jeder verdächtig zu sein. Und auch der berüchtigte Akim Fuat, dessen jüngerer Bruder Opfer des Serienmörders wurde, sucht nach dem Täter. Mit einem Kopfgeld, das er in Berlins Unterwelt aussetzt, sorgt er für zusätzliche Unruhe.

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Griff in die Klischeekiste hat Erfolg« 76°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Er ist an dem Fall damals zerbrochen: Udo Hohlbein, Kriminalrat und vom FBI geschulter Profiler, ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Seine Ehe zerbrochen, weder seine Frau noch seine Tochter wollen Kontakt mit ihm haben, flüchtet er sich in Selbstmitleid und den Alkohol. 18 Morde waren es von zehn Jahren in Hamburg, die ein wahnsinniger Serientäter ausführte. 18 Tote, fortlaufend numeriert durch in die Haut eingeritzte Zahlen – und das 18. Opfer war Udo Hohlbeins Sohn. Fast hätte er ihn gehabt, vermutlich hat er ihn sogar angeschossen, doch dann löste sich der Serienmörder in Luft auf. Wer das Phantom war, bleibt ungeklärt.

Nun, zehn Jahre später, findet man in Berlin zwei Mordopfer, in deren Haut die Zahlen 19 und 20 eingeritzt wurden. Eines der Opfer war Murat Fuat, Bruder des berüchtigten Akim Fuat, Herr über Drogen und Prostitution in Kreuzberg. Es wird eine Sonderkommission gebildet, die schnellstens Ergebnisse vorweisen muss, denn nicht nur die Presse sitzt der Polizei im Nacken, sondern auch Akim Fuat, der mit brutalsten Methoden auf eigene Faust nach dem Mörder seines Bruders sucht.

Nun entsinnt man sich bei der Berliner Polizei an die damaligen Hamburger Ermittlungen und holt Udo Hohlbein mit an Bord. Dieser ist zunächst alles andere als begeistert davon, doch integriert er sich schnell in das Team. Kollegin Regina Barth gelingt es, aus dem verbitterten Zyniker wieder einen ehrgeizigen Ermittler zu machen, der alles daran setzt, nun endlich den alten Feind dingfest zu machen …

Nichts neues, aber doch etwas anderes

Marcus Murken hat für seinen ersten Kriminalroman tief in die Klischeekiste gegriffen und dort jede Menge Utensilien herausgezogen, aus denen sich ein spannender Thriller basteln lässt: ein verbitterter, heruntergekommener Ermittler, der trinkt und eigentlich für seinen Job nicht mehr zu gebrauchen ist. Eine nette Kollegin, die erkennt, dass in dem Wrack noch Leben steckt und ihn aus seinem Loch heraus holt. Ein psychopathischer, aber trickreicher Serienmörder, der nicht zu fassen ist und mit der Polizei seine Spielchen treibt. Den Maulwurf bei der Polizei, der den Kollegen das Leben schwer macht. Die Presse-Mieze, die glaubt, schlauer zu sein als die Polizei und damit hereinfällt. Und natürlich den Brutalo-Gangster, der sich nur an seine eigenen Regeln hält.

Normalerweise kann dabei eigentlich kein guter Krimi herauskommen, doch hier stimmt die Mischung überraschenderweise. Dadurch, dass der Autor dem Leser einen immensen Wissensvorsprung gegenüber den Ermittlern gibt, hat man die Möglichkeit, das Geschehen aus einer anderen Position zu verfolgen. Bereits früh erfährt der Leser, wer der Mörder ist und wer die Ermittlungen der Polizei boykottiert. Doch alles weiß auch der Leser nicht und so wird der Spannungsbogen hoch gehalten.

Durchgängig nutzt Murken das Stilmittel extrem kurzer Abschnitte und rasend schneller Szenenwechsel. Dies hemmt zunächst den Lesefluss und macht es schwierig, sich einzulesen, doch je weiter die Handlung fortschreitet, um so besser kommt die Schreibweise zur Geltung. Dezenter Humor wird dosiert eingesetzt und auch die teilweise heftige Brutalität beschränkt sich auf einige wenige Szenen.

Eigentlich hat man sie so langsam satt, die Serienmörder-Krimis. Auch die Idee, die Marcus Murken in seinem Erstling verbrät, ist schon mal da gewesen. Selbsverständlich fällt es schwer, im breitgefächerten Krimi-Markt noch etwas völlig Neues zu bringen, doch hier passt fast alles zusammen und so beschert der Autor dem Leser doch einen Krimi, der ein klein wenig anders ist als die breite Masse und es auf alle Fälle schafft, spannend zu unterhalten. Positiv anzumerken, dass das Buch mit gut 200 Seiten doch recht kompakt geblieben ist. Mann darf gespannt sein auf die beiden bereits geplanten Nachfolgebände.

Peter Kümmel, April 2009

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