Die Macht der Erinnerung von Marco Vichi

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel Una brutta faccenda, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Bastei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Toskana / Florenz, 1950 - 1969.

  • Parma: Guanda, 2003 unter dem Titel Una brutta faccenda. 245 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2005. Übersetzt von Christiane Winkler. ISBN: 3-404-15336-7. 299 Seiten.

'Die Macht der Erinnerung' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Der kalte Hauch längst vergangener Ereignisse lässt Commissario Casini erschauern. In Florenz werden kurz nacheinander die Leichen von vier Mädchen gefunden.Commisario Casini findet schon bald heraus, dass es hier um eine Abrechnung geht, die ihren Anfang in einer Zeit nahm, die er gern aus seinem Gedächtnis löschen würde. Doch die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg ist immer noch erschreckend lebendig. Und das gilt nicht nur für ihn …

Das meint Krimi-Couch.de: »Diesem Kommissar wünscht man weitere Fälle« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Florenz 1964. Der kleinwüchsige Casimiro berichtet eines Abends Commissario Franco Casini, dass er in einem Olivenhain über eine Leiche gestolpert sei. Vor Ort angekommen fehlt von dieser jedoch jede Spur. Stattdessen erleben die beiden eine unangenehme Überraschung in Form eines Dobermannes, der sie angreift. Casini greift kurz entschlossen zu seiner Pistole und erschießt den Hund. Eigentlich bereits auf der Rückfahrt folgt Casini seinem Instinkt und kehrt noch einmal zu dem Hain zurück. Der tote Dobermann ist verschwunden.

Einige Tage später macht sich Casini Sorgen um seinen zwergenhaften Freund, da er von ihm seit dem nächtlichen Vorfall nichts mehr gehört hat. Nachdem er mit Hilfe eines Nachbarn dessen Wohnung aufbricht, findet Casini die Leiche Casimiros ein einem Koffer, eingepackt in einem Plastiksack.

Commissario Casini hat neben dem Mord an seinem Freund jedoch noch ein sehr viel schwerwiegenderes Problem zu lösen, denn innerhalb weniger Tage werden die Leichen von zwei jungen Mädchen gefunden. Beide wurden erwürgt und weisen eine Bisswunde auf ihrem Bauch auf. Bei den parallel verlaufenden Ermittlungen stößt Casini alsbald auf die »Weiße Taube«, einer weltweit agierenden jüdischen Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die bei den Nürnberger Prozessen verurteilten, aber danach untergetauchten Nazis aufzuspüren, um sie ihrer Strafe zuzuführen.

Der Commissario tritt bei seinen Ermittlungen mangels Zeugen und anderer brauchbarer Spuren recht lange auf der Stelle. Und so plätschert die Geschichte ganz geruhsam dahin, vertreibt sich Casini die Zeit sehr oft mit Nachdenken und Gesprächen mit seinem Assistenten Piras, besucht regelmäßig sein Lieblingsrestaurant und entspannt gelegentlich abends bei der früheren Prostituierten Rosa. Immer wieder greift Casini zum Bier (ist notfalls im Karteikasten seines Büros verfügbar) und genehmigt sich bei nahezu jeder Gelegenheit (Zeugenbefragung u.ä.) Cognac oder Grappa, wovon ihn auch die anstehende Rückfahrt mit seinem Käfer nicht abhält. Selbstredend fast, dass die obligatorische Zigarette permanent im Mundwinkel hängt. Sympathisch kommt Casini aufgrund seiner Laster daher, wobei er immer wieder an die erst zwanzig Jahre zurückliegenden Ereignisse während des Krieges zurückdenken muss, in denen er zunächst für die Wiederstandsbewegung »San Marco« kämpfte, bevor er nach Kriegsende selber für die »Weiße Taube« aktiv wurde.

So spannt der Autor in seinem zweiten Fall des Commissarios den Bogen von den Kriegsjahren, deren Folgen noch immer gegenwärtig sind, bis hin zum tristen Ermittlungsalltag. Dass die beiden Fälle (zumindest teilweise) ihren Ursprung in der Vergangenheit finden, verwundert letztlich nicht wirklich und wird zudem bereits vom Titel suggeriert. Der Aufbau ist wie erwähnt sehr ruhig, immer wieder wird das Tempo herausgenommen und Casinis Gepflogenheiten mehr Platz als zwingend notwendig eingeräumt. Die Lösungen der beiden Fälle sind zwar alles andere als ein Highlight, aber durchaus akzeptabel. Ein Buch, das man sich für den kommenden Herbst oder Winter für einen gemütlichen Abend vor dem Kamin (sofern vorhanden) vormerken kann. Kurzweilige Unterhaltung mit einem Kommissar, dem man weitere Fälle wünscht.

Ihre Meinung zu »Marco Vichi: Die Macht der Erinnerung«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Santa zu »Marco Vichi: Die Macht der Erinnerung« 12.03.2008
Bie Macht der Erinnerung gefällt mir sehr gut und ist spannend geschrieben!! Man kann sich richtig vorstellen, was der Autor sich beim schreiben gedacht hat: Ich hoffe das es noch weitere Bücher zu Commissario Casini geben wird.
A-bella zu »Marco Vichi: Die Macht der Erinnerung« 02.08.2007
Der zweite Fall von Commissario Casini gefällt mir besser als der erste, hier steht der Kriminalfall an sich im Vordergrund, ich finde das Buch auch spannend. Dennoch wird Commissario Casinis Vergangenheit weiter beleuchtet und er wird mir immer sympathischer.
Ihr Kommentar zu Die Macht der Erinnerung

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: