Die Einsamkeit des Barista von Marco Malvaldi

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Il re dei giochi , deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Piper.
Folge 3 der Massimo-Serie.

  • Palermo: Sellerio, 2010 unter dem Titel Il re dei giochi . 192 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2013. Übersetzt von Sigrun Zühlke. ISBN: 978-3-492-27426-5. 208 Seiten.

'Die Einsamkeit des Barista' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein neuer Billardtisch in Massimos Bar! Ein Grund mehr für Ampelio, Aldo, Rimediotti und Del Tacca, sich bei einem Spielchen das Maul über alles und jeden zu zerreißen. Und wieder fällt ihnen ein ungeklärter Todesfall vor die senilen Füße. So sehr das Ganze auch nach einem Autounfall aussieht – so leicht lassen sich die Senioren nicht mit der Theorie von einem tragischen Unglück abspeisen. Wen stört es, dass es weit und breit kein Motiv gibt? Nur Massimo versucht, einen kühlen Kopf zu behalten. Mitten unter vier alten Männern, die Detektiv spielen, keine ganz leichte Aufgabe.

Das meint Krimi-Couch.de: »Neue Lästereien aus der BarLume« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Obwohl ein neuer Billardtisch für Zerstreuung und Zeitvertreib sorgt, kommt es immer wieder zu langen Diskussionen. Ampelio, Aldo, Gino und Pilade, allesamt über achtzig Jahre alt, können es nicht lassen, über Gott und die Welt zu lästern. Zu allem Überfluss steht auch noch eine Senatswahl an, denn der bisherige Vertreter von Pineta in der Toskana hat sich nach einem gezielten Griff in die Kasse seiner insolventen Firma ins ferne Ausland abgesetzt. Aussichtreichste Kandidaten für die Nachfolge sind der Mitte-Links-Kandidat Stefano Carpanesi und der Mitte-Rechts-Kandidat Pietro Di Chiara. Bemerkenswert in dieser Konstellation ist, dass Carpanesis Ehefrau Angelica Carrus die engste Mitarbeiterin von Di Chiara ist.

Die vorherrschende Meinung war, dass sowieso jeder, der nach Rom geschickt wurde, tendenziell ein Schurke ist, und falls er es im Augenblick der Wahl noch nicht sein sollte, es beizeiten würde, sobald er bemerkt, wie weich und komfortabel die Sessel dort sind und wie ärgerlich und unbequem das wirkliche Leben. […] Nach Aussage seiner Feinde war er ein Idiot. Ein dermaßener Idiot, dass er nicht in der Lage war, sich seinen Lebensunterhalt auf anständige Weise zu verdienen, und daher zwangsläufig in die Politik gehen musste.

Eigentlich dümpelt der Wahlkampf so vor sich hin, doch dann geschieht etwas, dass den Alltag von Ampelio und seinen Freunden durcheinander wirbelt. Bei einem Verkehrsunfall wird Marina Corruci schwer verletzt, ihr minderjähriger Sohn Giacomo stirbt noch an der Unfallstelle. Wenig später verstirbt auch Corruci, die als Pressesprecherin für Carpanesi arbeitete, im Krankenhaus. Da Carpanesi umgehend behauptet, seine enge Mitarbeiterin 1996 kennen gelernt zu haben, werden die Alten hellhörig, denn es gibt eindeutige Aufnahmen der Beiden, die bereits im Jahr 1994 entstanden sein müssen. Dort warum sollte Carpanesi lügen und dies mit Nachdruck? Massimo, der Inhaber der BarLume, wo die Alten angeführt von dessen Onkel Ampelio umgehend ein Verbrechen wittern, wird mehr und mehr in die Diskussion hineingezogen. Auch Commissario Vinicio Fusco bleibt nicht tatenlos und lässt eine Obduktion von Corrucis Leiche durchführen. Und siehe da, sie wurde offensichtlich im Krankenhaus ermordet. Nur mühsam wird ein Motiv erkennbar, doch dann tauchen Fotos von Corrucis Sohn auf, auf denen der Junge eine auffallende Ähnlichkeit mit Carpanesi hat…

Die Einsamkeit des Barista spielt sich überwiegend in der BarLume ab, in denen die streitsüchtigen Rentner das Sagen haben und nicht nur Massimo immer wieder an den Rand der Verzweiflung treiben. Der vom Piper-Verlag als »Toskana-Krimi« titulierte Roman ist jedoch viel mehr, denn der Krimiplot spielt nur eine nachgeordnete Rolle, wenngleich sich der Fall nach und nach erschließt und letztlich – wer hätte es gedacht – durch Massimo aufgeklärt wird.

Wesentlich größeren Anteil an der Handlung, die viel italienisches Lebensgefühl versprüht, hat das Getratsche der Alten, die sich zunächst vor allem bei Commissario Fusco unbeliebt machen.

In der letzten Woche hatten wir einen Brand in einem Nachtlokal, drei Taschendiebstähle, darunter einen mit einem Schwerverletzten, und vier Autodiebstähle. All das muss ich mit einem Personal von in Wirklichkeit zwei Personen und einem Dienstwagen bewältigen, der nur der Form halber existiert, weil wir ihn mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln nicht einmal volltanken können. Das Letzte, was ich da noch brauchen kann, ist eine Horde verkalkter Pensionäre.

Mit viel Wortwitz sorgt Marco Malvaldi erneut für reichlich Schmunzeln, so dass sich der Roman ganz wunderbar für den Urlaub eignet (auch, wenn dieser nicht nach Italien führt). Dabei geht es den Alten nicht nur um den vermeintlichen Kriminalfall, sondern ebenso um die großen Themen dieser Welt. Politik, Religion und selbst alltägliche Dinge werden sorgsam seziert. Wer atmosphärische und teils spannende, aber keineswegs actionreiche Unterhaltung sucht, bei der man sich gerne auch mal köstlich amüsieren kann, der sollte hier zugreifen. Zwar schränkt die geringe Anzahl mitwirkender Personen die Auflösung hinsichtlich des Infrage kommenden Täters ein, doch wird die Lösung, womöglich ein klein wenig überraschen.

Jörg Kijanski, August 2013

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sahlmann zu »Marco Malvaldi: Die Einsamkeit des Barista« 14.07.2013
Die Einsamkeit des Barista folgt dem Rezept seiner zwei Vorgänger, Im Schatten der Pineta und Die Schnelligkeit der Schnecke.
4 alte Herren verbringen ihre Tage in einer Bar und tratschen. Dann ist da noch die Hauptperson, der Wirt Massimo, und die weibliche Aushilfe Tiziana, mit ihrem beeindruckenden Dekoltee. Es wird getrunken, Zeitung gelesen, philosophiert und jetzt nicht mehr Karten, sondern Billiard gespielt. Und vor Allem wird getratscht! Und Verbrechen aufgeklärt. Klingt jetzt sehr nach harter Ermittlungsarbeit... hier nicht. Ein richtiger Krimi sieht sowieso anders aus! Wer Spurensuche und CSI sucht, ist hier falsch. Wer Verfolgungsjagden und Schießereien sucht, noch falscher. Es ist heiß, der Espresso gerade fertig... und so geht man Alles sehr gemütlich und ruhig an!
Einfach ein Wohlfühlbuch mit einem Krimihauch und Humor! Viel italienische Lebensart, lockere Sprüche und sonniges Ambiente.
Mir hat's gefallen!
Schön für einen lauen Sommertag... aber für uns schlechtwettergeplagte Deutsche vielleicht doch die perfekte Lektüre für einen grauen Wintertag!
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