Giftige Wasser von Marcia Muller

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel Cyanide Wells, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Fischer.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Kalifornien, 1990 - 2009.

  • New York: Mysterious Press, 2003 unter dem Titel Cyanide Wells. 292 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2006. Übersetzt von Susanne Goga-Klinkenberg. 325 Seiten.

'Giftige Wasser' ist erschienen als

In Kürze:

Matthew Lindstrom bekommt einen anonymen Anruf: Seine vor vierzehn Jahren spurlos verschwundene Frau Gwen soll wieder aufgetaucht sein. Damals stand er unter Mordverdacht. Jetzt erfährt er, dass sich Gwen unter falschem Namen in Soledad County ein neues Leben aufgebaut hat. Matthew macht sich auf den Weg dorthin …

Das meint Krimi-Couch.de: »Es kommt immer anders als man denkt« 75°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Marcia Muller wurde vor allem bekannt durch ihre Seriendetektivin Sharon McCone, bereits in den 70ern eine der Vorläuferinnen von heutzutage so beliebten weiblicher Serienhelden a la Tempe Brennan oder Kay Scarpetta. Mit »Giftige Wasser« legt sie aktuell den zweiten Roman aus Soledad County im nördlichen Kalifornien vor. Von einer Serie zu sprechen erscheint jedoch aufgrund neuer Hauptpersonen etwas verfrüht. Rhoda Swift, Protagonistin aus »Dunkle Schatten«, hat die Autorin hier nur eine Nebenrolle zugestanden.

Vierzehn Jahre ist es her, dass Gwen, die Ehefrau von Matt Lindstrom verschwunden ist. Alles, was man damals von ihr fand, war ihr verlassenes Auto und ihre Handtasche. Zunächst standen die Freunde zu Matt, doch irgendwann begann das Gerede. Erste Verdächtigungen wurden laut, dass Matt seine Frau umgebracht haben soll, zumal sich Gwen von ihm scheiden lassen wollte und Matt für die fragliche Zeit kein Alibi besaß. Matt wurde immer mehr ausgegrenzt und sein Fotostudio verlor nach und nach seine Kunden. Als ihm schließlich auch noch seine eigene Familie das Vertrauen entzog, war für Matt die Zeit gekommen, seiner Heimat Lebewohl zu sagen und irgendwo einen Neuanfang zu versuchen. Quer durch die Vereinigten Staaten führte ihn sein Weg von Minnesota aus, bis er in Kanada seßhaft wurde, dort ein Schiff kaufte und sich als Charterunternehmen eine neue Existenz aufbaute. Und dabei wäre es wahrscheinlich auch geblieben, wenn nicht eines Sonntags der Anruf gekommen wäre, der Matts Leben wieder eine Wende verschaffte.

Seine Frau lebe seit vierzehn Jahren unter falschem Namen in einer Kleinstadt in Kalifornien, berichtete der Anrufer, und sie wisse davon, dass Matt in Mordverdacht geraten sei. Matt nimmt sich daraufhin einige Tage Zeit, um ein paar Dinge zu regeln, verändert Aussehen und Namen und reist nach Kalifornien, wo zufälligerweise bei der dortigen Zeitung, wo auch Gwen früher gearbeitet hat, der Posten eines Fotografen zu besetzen ist. Matt schafft es, Carly McGuire, die rauhbeinige Chefin der Zeitung, zu überzeugen, dass er der richtige für diesen Job ist. Noch ahnt er nicht, dass gerade Carly eine sehr enge Beziehung zu seiner Frau hat.

Das Buch liest sich flott und unterhaltsam, doch fragt man sich, was Matt mit dieser Maskerade überhaupt bezweckt. Geklärt wird das auch bis zum Ende nicht. Seine Tarnung fliegt relativ schnell auf, und Matt wird von seiner Chefin im Hause seiner Frau entdeckt. Die Wände sind blutbefleckt und von Gwen fehlt jede Spur.

»Sie Schwein!«, brüllte sie. »Was haben Sie mit ihr gemacht?«

...dann der Cliffhanger, neues Kapitel, überschrieben mit »Carly McGuire«, und die Erzählperspektive ändert sich innerhalb der gleichen Szene. Obwohl durchgängig in der dritten Person erzählt, wechselt die Sichtweise auf das Geschehen zwischen den beiden Hauptpersonen hin und her. Ist man beim ersten Mal noch überrascht, gewöhnt man sich schnell an diese Erzähltechnik, die bis zum Ende beibehalten wird.

Nachdem die Intention des Protagonisten geklärt ist – ein ziemlich dünner Aufhänger für den Plot -, entwickelt sich nun die Handlung völlig anders als man vermutet. Jetzt erst zeigt sich, dass Marcia Muller eine große Schriftstellerin ist. Meisterhaft, wie sie es mit einfachen Mitteln schafft, die Eindrücke des Lesers zu verändern. Ihre Charaktere haben Tiefgang und entwickeln sich im Verlauf der Handlung – und das nicht immer so, wie man erwartet.

Matt lernt eine völlig andere Frau kennen als die, die er aus seiner Ehe kannte. Das beziehungsgeflecht scheint immer verwirrender zu werden. Und was der Mord an einem Schwulenpaar damit zu tun?
 

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Tante zu »Marcia Muller: Giftige Wasser« 18.02.2006
Der Roman um eine rätselhafte Frau müsste deren Geheimnis viel aufregender entschlüsseln - hier geschieht das geradezu banal.
Auch stört der häufige Wechsel der Erzählerprerspektive - kaum ist man mit einem Helden warm geworden, erzählt der nächste.
Gelungen ist die überraschende Aufklärung des Todes zweier schwuler Männer.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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